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„Die FKK-Kultur (Früh Kalk Kali)“

Wertvolles Eiweißfutter, anspruchslos, hoher Vorfruchtwert – warum begegnet man Ackerbohnen trotzdem nur selten? Ein Plädoyer von Berndt Riedemann, Landwirt und Ackerbohnenspezialist aus Tecklenburg, der sich von Züchtung, Politik und Berufskollegen mehr Engagement für Ackerbohnen wünscht.

Foto: U. Baer
Foto: U. Baer
Berndt Riedemann bewirtschaftet im Kreis Steinfurt einen 78 ha-Betrieb mit sehr heterogenen Böden: von 38 bis 56 Bodenpunkten, von leichten Eschböden bis zu schweren Minuten-Tonböden.

Ein klassischer Futterbaubetrieb, der auf seinen 68 ha Ackerfläche das Futter für insgesamt ca. 1.000 Schweine im geschlossenen System (100 Sauen) überwiegend in Eigenregie bewirtschaftet. Die Grundfruchtfolge Raps/Weizen/Gerste wird erweitert durch Körnermais (ca. 10 ha), Ackerbohnen (5 ha) und eine Kleegras-Mischung. Riedemann erfüllt mit dieser Strategie die Anforderungen für das Programm einer vielfältigen Fruchtfolge und erhält so die Förderung von 65 Euro/Hektar Ackerfläche.

„Ackerbohnen können viel vertragen.“
Die Prämie von 65 Euro/Hektar ist sicher für die Ökonomie der erweiterten Fruchtfolge sehr wichtig, andere Gründe wiegen aber laut Berndt Riedemann mindestens ebenso schwer. Da sind zum einen die Entzerrung der Arbeitsspitzen, die Reduzierung der Bodenbearbeitung und die gleichmäßigere Auslastung der Maschinen, der Trocknungsanlagen. Für den „Einzelkämpfer“, der die meisten Feldarbeiten selbst erledigt, selbst aufbereitet und lagert, ist dies ein ganz entscheidendes Argument.

Zum anderen bereiten die oft sehr schwierigen Standortverhältnisse der Ackerbohne von allen Kulturarten die geringsten Probleme. Daher steht die Bohne oft dort, wo es für Raps, Mais oder Weizen eng wird: Böden mit unsicherer Befahrbarkeit im Herbst, Standorte im Waldschatten usw.

Produktionstechnik ist entscheidend
Ganz besonders hervorzuheben ist jedoch der Vorfruchtwert, der in engem Zusammenhang mit der Produktionstechnik (s. auch Tab. 2) zu sehen ist und von dem Praktiker als „höher als bei Raps“ eingeschätzt wird.
„Bei der Bohne gilt das FKK-Prinzip“ erläutert er mit einem Schmunzeln. „1. Frühe Saat – im Idealfall Mitte Februar. 2. Kalk, denn das mögen die Knöllchenbakterien besonders und 3. Kalidüngung, wobei das Gros des Kalis im Stroh gespeichert wird und so der Folgekultur und selbst noch der Frucht danach zur Verfügung steht.“ Seiner Erfahrung nach hinterlässt die Bohne einen absolut garen und nährstoffreichen Boden, das Getreide steht nach Bohnen sichtbar besser und bringt höhere Erträge als nach Getreide oder sogar nach Raps. Das Bohnenstroh, bei Bedarf zur Reifebeschleunigung abgespritzt, kann problemlos eingegrubbert und mit der Scheibenegge eingearbeitet werden. So ist es für die Folgefrucht auch bei pflugloser Bestellung kein Problem.
Die Bodenstruktur sei deutlich besser als nach jeder anderen Kultur, was sich positiv auf die zum Teil sehr schweren Tonböden auswirke, betont Berndt Riedemann.

Futterration mit Ackerbohnen
Futterration mit Ackerbohnen
Geld sparen bei der Produktionstechnik
Die Produktion von Bohnen ist im Vergleich zu anderen Kulturen kostensparend. Zum einen wird im Idealfall vor der Bohnenaussaat nicht gepflügt, sondern lediglich die Scheibenegge und der Grubber kommen zum Einsatz.Zum anderen schlagen Fungizide (s. Tab. 2) in Normaljahren mit nur etwa 30 Euro/Hektar zu Buche. Bei den Herbiziden (ca. 80–100 Euro/ha) sei es aber ganz wichtig, die Bohne im ersten Teil der Vegetation sauber zu halten und alles zu tun, um die Jugendentwicklung zu fördern. „Die Pflanzen müssen kräftig sein und die Bestände dicht, wenn die Wirkung des Boden-Herbizides nachlässt.“Die Düngung beschränkt sich im Regelfall auf Kali, Volldünger gibt es nur in Ausnahmefällen. Stickstoffdünger in der Folgefrucht kann ebenfalls eingespart werden.

„Leider ist der fachliche Austausch zu Ackerbohnen gering, auch Literatur steht kaum zur Verfügung“, bedauert der Betreibsleiter und verweist auf die bereits 2006 erschienene Sonderausgabe Leguminosen der praxisnah „eines der aktuellsten und praxisnahesten Werke, die im Umlauf sind.“

Günstige Futterration, hohe Fleischqualität
Die Rentabilität von Ackerbohnen jedoch steckt in ihrer Verwertung. Auf dem Hof Riedemann werden sie über die Schweinemast veredelt (Tab. 1). Dort werden sie mit 10–15 % in der Ration eingesetzt und ersetzen bzw. ergänzen HP-Soja und Winterweizen. Riedemann berechnet intern den monetären Wert der Bohne also aus dem Preis für HP-Soja und Winterweizen und landet zzt. bei ca. 35 Euro/dt. „Zur Not, wenn eine andere Komponente knapp wird, geht bei den Mastschweinen auch ein Anteil von max. 20 %. Ich konnte dabei weder eine verminderte Futteraufnahme, noch gesundheitliche Probleme, noch eine schlechtere Futterverwertung oder eine verminderte Fleischqualität feststellen.“ Empfehlen möchte er diese hohe Dosierung aber aus ernährungsphysiologischer Sicht nicht, das „ist schon hart an der Grenze“. Eine Vermarktung über den Handel lohnt sich seiner Meinung nach bei den jetzigen Preisen zumindest in seiner Region nicht.

Fazit
Sollte die Prämie in zwei Jahren kippen, wird auf dem Hof Riedemann trotzdem die Ackerbohne ihren Platz behalten, zu gut sind die Erfahrungen hinsichtlich des Futterwertes und des Vorfruchtwertes. Hätte er zwei Wünsche hinsichtlich der Ackerbohne frei, welche wären das?

„Erstens: Wir brauchen von der Züchtung her mehr leistungsfähige, standfeste und vor allem tanninarme Hochleistungssorten. Zweitens: Seitens der Politik brauchen wir vor allem verlässliche Rahmenbedingungen und nicht alle paar Jahre wieder etwas Neues. Ackerbohnen haben nur dann eine Chance, wenn ihr Anbau konsequent gefördert wird.“

 

 

Dr. Anke Boenisch/Klaus Schulze Kremer

 

Berndt Riedemann
Berndt Riedemann
Betrieb Riedemann:
Region: Tecklenburg, Kreis Steinfurt, Nordrhein-Westfalen
Betrieb: 78 ha, davon 68 Ackerland, sehr heterogene Böden von 38–56 Bodenpunkten
Fruchtfolge: Grundfruchtfolge Raps-Winterweizen-Wintergerste, 10 ha Körnermais, ca. 5 ha Ackerbohnen sowie einige Hektar Kleegrasgemisch
AKH:  1
Viehbesatz: kleine Mutterkuhherde, 100 Sauen + Ferkel, insgesamt rd. 1000 Schweine

Stand: 19.12.2013