Aktuelle Ausgabe 02/2018

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Willy Gerster, Vertriebsleiter BayWa, erläutert die Vermarktungsstrukturen in Baden-Württemberg.

Hafer sieht man in dieser Region ja noch regelmäßig, Herr Gerster. Noch?
Gerster: „Hafer steht auf der schwäbischen Alb und in den Höhenlagen des Schwarzwaldvorlandes schon immer in der Fruchtfolge. Die Anbauflächen sinken nach wie vor leicht – vor allem wegen der Flächenkonkurrenz zu den Biogasanlagen. Trotzdem ist diese Kultur mit 8–10 % (noch) ein fester Bestandteil unserer Fruchtfolgen und hoffentlich nicht auf dem Weg in die Nische.“

Hat das Jahr 2013 auch „gepasst“?
„Wir können normalerweise den Hafer-Markt gut einschätzen, jedoch war 2013 ein Ausnahmejahr: Die Saat erfolgte zu spät, das Frühjahr war zu kühl, dafür der Juli zu trocken. So haben wir 2000 Tonnen weniger Qualitätshafer erfasst und bei den meisten Partien schwächelte das sonst relativ konstante Hl-Gewicht. Hinzu kam eine hervorragende Ernte in Skandinavien, so dass trotz des geringeren regionalen Angebotes die Preise um 35 Euro/Tonne fielen.“

Willy Gerster, Vertriebsberater Martin Mnunz
Willy Gerster, Vertriebsberater Martin Mnunz
An wen vermarkten Sie Ihren Hafer und von wem beziehen Sie ihn?
„Der größte Teil geht an die Rubinmühle in Lahr, diese gute Geschäftsbeziehung besteht schon seit Jahrzehnten. Man legt dort auch Wert darauf, aus der Region große Mengen Hafer zu beziehen und so die regionale Landwirtschaft zu unterstützen. Da diese Mühle nicht selbst erfasst, braucht sie einen Erfassungshändler mit Möglichkeiten, große Mengen sortenrein zu lagern und die Logistik zu organisieren. Aber regional können wir den Bedarf nicht decken, daher kauft die Rubinmühle auch in Skandinavien zu.

Die Rubinmühle schließt mit uns Verträge über Mengen und Qualitäten ab. Wir wiederum schließen Verträge mit den Mitgliedern für Qualitätsgetreide (EZG); auch diese Beziehung besteht seit ca. 30 Jahren.“

Welche Preismodelle bieten Sie den Landwirten?
„Es gibt für den Landwirt unterschiedliche Preismodelle, bei denen das Preisrisiko verschieden kalkuliert wird.

  • Der Anbauer kann über die gesamte Liefermenge den Preis fixieren, legt sich aber bzgl. der Hafermenge verbindlich fest.
  • Eine weitere Möglichkeit sind Teilpreisverträge, bei denen es für 30 dt/ha einen Festpreis gibt und die restliche Menge geht in die Poolung für eine Preisbildung nach aktuellem Marktpreis.
  • Die dritte Möglichkeit mit dem größten unternehmerischen Risiko ist ein Kontrakt während der Saison mit jeweils aktuellen Marktpreisen.“

Wenn CCC nicht erlaubt ist, werden standfeste Qualitätshafer-Sorten bevorzugt.
Wenn CCC nicht erlaubt ist, werden standfeste Qualitätshafer-Sorten bevorzugt.
Gibt es für die EZG Anbaurichtlinien?
„Zunächst einmal müssen im Zuge der Vorschriften innerhalb des QS-Systems von allen Teilnehmern der Lieferkette Mindestanforderungen an Hygiene, Sachkenntnis, Kontrollen etc. erfüllt werden. Auch die Sorte wird im Vertragsanbau vorgegeben. Rubin möchte einen Gelbhafer mit hoher Ausbeute, d.h. gutem Schälverhalten. Für den Produzenten sind vor allem Ertragsleistung, -sicherheit und Standfestigkeit wichtig, denn CCC-Einsatz ist nicht erlaubt. In unserem System wird daher die Sorte Scorpion angebaut, mit der wir in der Praxis in den letzten Jahren gute Erfahrungen gemacht haben. Auch die LSV-Ergebnisse hier bestätigen die hohe Anbausicherheit dieser Sorte. Wir begleiten die Landwirte im Anbau durch Pflanzenbau-Rundschreiben und führen Feldbegehungen durch.“

Wie beurteilen Sie die Zukunft des Hafers in Ihrem Gebiet?
„Die Konkurrenz durch Biogas wird noch ein, zwei Jahre zunehmen, in denen einige Anlagen ausgebaut werden. Neubau wird kaum noch stattfinden. Dann – so hoffen wir – stabilisiert sich die Haferfläche. Wenn Hafer als Gesundungsfrucht wegfallen würde, täte das keinem gut. Zudem bieten wir hier eine interessante Vermarktungsmöglichkeit.“

Das Gespräch führten Dr. Anke Boenisch und Martin Munz

Stand: 19.12.2013