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„Gülle, Stickstoff, Phosphor – wie bekommen wir die Nährstoffversorgung und -entsorgung in den Griff?“ Mit seinem Vortrag löste Dr. Ludger Laurenz, Landwirtschaftskammer NRW, bei einer Gemeinschaftsveranstaltung der Vereinigten Hagel und der SAATEN-UNION am 29. November 2013 einige Diskussionen aus

praxisnah sprach im Anschluss der Veranstaltung mit Dr. Ludger Laurenz über seine Standpunkte.

N-Flächenbilanz-Überschuss bundesweit
N-Flächenbilanz-Überschuss bundesweit
Herr Dr. Laurenz, wie brenzlig ist die aktuelle Situation bei den Nährstoffbilanzen insbesondere in den viehstarken Regionen Deutschlands?
Ludger Laurenz: Erlauben Sie mir zunächst eine Vorbemerkung: Wenn ich sage, dass wir in den veredlungsstarken Regionen etwa im Nordwesten Deutschland aktuell 120 bis 150 kg Stickstoff mehr auf die Fläche bringen, als nachher mit dem Erntegut abgefahren wird, und wenn ich weiterhin feststelle, dass wir in den letzten fünf Jahren zum Teil bedenklich steigende Nitratgehalte in den Gewässern zu verzeichnen haben, dann tue ich dies, weil ich hier ein wachsendes Problem sehe. Und das müssen wir ernst nehmen!

Gleichzeitig möchte ich aber auch aufzeigen, dass es Mittel und Wege gibt, damit umzugehen – und zwar ohne eine Reduktion der Produktionsintensität. Die N-Überschüsse sind den betroffenen Regionen parallel mit dem Ausbau von Tierhaltung und Biogaserzeugung angestiegen – und damit auch die Austräge von Stickstoff in den Boden, in die Luft und in das Wasser. Diese Entwicklung kann und wird so nicht unbegrenzt weitergehen.

Welche Rolle spielt der ausgeweitete Anbau von Biogas-Mais und die nachfolgende Verwertung der Gärreste – zusätzlich zu der in der Region bereits vorhandenen Gülle – für die Nährstoffüberschüsse?
Laurenz: Zunächst gilt, dass ganz unterschiedliche Aspekte eine Rolle spielen. Allerdings möchte ich nicht verhehlen, dass die Politik hier im Zuge des EEG auf Bundes- und Länderebene ganz klar falsche Impulse gesetzt hat. Entgegen vieler warnenden Stimmen gerade aus der Offizialberatung sind hier Anreize gesetzt worden, denen sich ein wirtschaftlich denkender Landwirt kaum verschließen konnte. Wenn wir also heute in veredlungsstarken Regionen zusätzlich auch noch eine hohe Dichte von Biogasanlagen haben, dann führt das zwangsläufig zu Problemen.

Und in diesem Zusammenhang möchte ich auch auf eines hinweisen: Wenn Sie als Ackerbauer Ihren Raps oder Weizen mit zu viel Stickstoff versorgen, egal ob der aus der Gülle, aus Gärresten oder aus der Mineraldüngung stammt, dann führt das auf absehbare Zeit zu einer verlässlichen Zeigerreaktion: Zu Lager! Diese Warnung gibt Ihnen der Mais aber nicht!

An welchen Schrauben kann gegen zu hohe N-Salden gedreht werden?
Laurenz: Um das einmal ganz drastisch zu sagen: Stickstoff geht immer „flöten“. Man kann keinen Pflanzenbau betreiben, ohne dass Stickstoffverluste auftreten.

Durchschnittliche Mehrerträge gegenüber Güllebreitverteilung:
Schleppschlauch: 3,3 %
Schleppschuh: 7,9 %
Schlitzgerät: 14,3 %

Allerdings muss aus meiner Sicht ein erster entscheidender Ansatz darin bestehen, alle Nährstoffüberschüsse aus der Tierhaltung aus den Überschussregionen zu exportieren – in Ackerbauregionen, wo die organischen Dünger gut und sinnvoll eingesetzt werden können. Je weniger Wasser dabei transportiert wird, je stärker also die Gülle eingedickt oder sogar auf Feststoffe reduziert wird, um so weiter kann eine wirtschaftlich darstellbare Transportentfernung sein. Wenn mit den Transportfahrzeugen auf dem Rückweg beispielsweise Futtergetreide zurücktransportiert wird, sind Entfernungen von bis zu 300 km ökonomisch machbar.

Aber Gülletourismus kann doch nicht alleine die Lösung sein?
Laurenz: Natürlich nicht, eine zweite wichtige Maßnahme klingt vielleicht einfach, setzt aber ein Umdenken voraus: Damit die hohen Intensitäten in der Tierhaltung beibehalten werden können, müssen alle N-Verluste, die einfach und preiswert zu vermeiden sind, auch tatsächlich und zu annähernd 100 Prozent vermieden werden!
Dazu gehört beispielsweise, auf die „Sicherheitszuschläge“ bei der Stickstoffdüngung zu verzichten, die im Münsterland gerne 30 bis 40 kg N/ha und Jahr ausmachen. Dazu gehört bodennahe Ausbringtechnik für Gülle und Gärreste – die übrigens bei Neuinvestitionen ab 2015 verpflichtend sein wird.

 

Güllebreitverteilung
Güllebreitverteilung

Uterfuß plus Piadin
Uterfuß plus Piadin

Und dazu können auch Schlitzverfahren und – als noch recht neuer Trend – auch Strip-Till-Verfahren beitragen. Damit lassen sich im Übrigen spürbare Mehrerträge gegenüber der Breitverteilung erzielen – im Fall der Schlitztechnik beispielsweise bis zu gut 14 %.

Gibt es Änderungsbedarf bei der Mineraldüngung?
Laurenz: Dazu gibt es eine klare Antwort: In den Nährstoffüberschussregionen besteht das Problem heute nicht mehr in dem zu hohen Gülleeinsatz. Die Gülleüberschüsse werden durch den hohen Kontrolldruck und die Dokumentationsverpflichtungen inzwischen gut aus den Betrieben und Regionen exportiert. Das Problem besteht heute vielmehr in dem zu hohen Mineraldüngereinsatz, speziell bei Stickstoff.

Vermeidung von N-Verlusten
Vermeidung von N-Verlusten
Gibt es Praxisbeispiele rückläufiger N-Salden?
Wir haben aus dem Einzugsbereich der Stever in Westfalen inzwischen langjährige Erfahrungen und – ganz wichtig – können damit auch wirkliche Erfolge aufweisen. Erstens macht es Sinn, mit Hilfe einer späten Nmin-Bodenuntersuchung um den 1. Juni herum bei Mais den aktuell bestehenden Nährstoffbedarf zu ermitteln. Und zweitens lautet unsere Empfehlung ganz klar: Bei einer entsprechenden organischen Versorgung keine weitere mineralische N-Gabe düngen! Im Bereich der Stever haben wir es mit intensiver Beratung und nachvollziehbarem Ordnungsrecht geschafft, den Nitratgehalt im Wasser durchgängig und deutlich unter 25 mg/l zu senken (Abb. 1, Seite 7).

Die Ergebnisse auf den Punkt gebracht: Der Nitratwert ist hier gesunken und zwar nicht trotz, sondern wegen der intensiven Landwirtschaft und der hier eingesetzten modernen Produktionstechniken!

Braucht es wirklich immer mehr Ordnungsrecht?
Laurenz: Das Ordnungsrecht wird meiner Einschätzung nach an Bedeutung gewinnen. Ich möchte das einmal an ein paar Zahlen verdeutlichen: Ein Maisbestand hat einen durchschnittlichen N-Düngerbedarf von rund 170 bis 200 kg/ha. Davon kommen bei 70 % anrechenbarem Anteil von den 170 kg aus dem Güllesilo rund 119 kg aus dem Wirtschaftsdünger. Angenommen der Nmin-Wert im Frühjahr beträgt 60 kg, dann wäre das zusammen schon genug. Alles über 180 kg Gesamt-N ist damit klares Einsparpotenzial – und das ist durchaus auch aus wirtschaftlicher Sicht so zu sehen.
In der Konsequenz bedeutet das für mich, dass wir Verordnungen brauchen, die den mineralischen N-Zukauf soweit begrenzen, dass die Landwirte sich gezwungen sehen, den Wirkungsgrad der Gülle beziehungsweise der Wirtschaftsdünger zu optimieren, indem die im Betrieb verbleibende Gülle mit einem hohen Mineraldüngeräquivalent bewertet wird.

Mineraldüngerequivalent
Mineraldüngerequivalent
Das lässt sich mit einem Satz zusammenfassen: Am Mineraldüngeraufwand erkennt man die Effizienz des Wirtschaftsdüngeraufwands!

In diesem Zusammenhang kommt man nicht umhin, die Düngeverordnung anzusprechen …
Laurenz: Im Hinblick auf die Düngeverordnung bin ich überzeugt, dass wir eine erneute Diskussion innerhalb der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zu deren Evaluierung brauchen. Bisher ist man der Auffassung, durch eine Verpflichtung zur Düngeplanung und Sanktionierung der Überschreitung von bestimmten Stickstoff-Salden das Problem in den Griff zu bekommen.

Damit wird man aber das Problem des zu hohen Mineraldüngereinsatzes in Fruchtfolgen mit hohen Maisanteilen nicht hinreichend lösen können. Dafür benötigen wir ähnliche Regeln wie in Dänemark oder den Niederlanden, mit einer schlagkräftigen Beratung, die durch strenge Düngeregeln gestützt wird.

Können wir gegebenenfalls von den Nachbarn – Dänemark, Niederlande – lernen?
In Dänemark ist schon ein ganz anderes Denken vorherrschend. Dänische Landwirte müssen aus 100 kg Gülle-Stickstoff 70 kg nutzbaren Stickstoff „hinbekommen“. Nur der Rest, der von der Güllezufuhr auf dem Betrieb nicht abgedeckt werden kann, darf zugekauft werden. Der Trend geht sogar inzwischen zur Anrechnung eines Mineraldüngeräquivalents von 90 %. Allerdings ist das eine Dimension, die als tatsächliche Ausnutzungsrate schwer zu erreichen sein dürfte.
Auch bei unseren westlichen Nachbarn, in den Niederlanden, gibt es ähnliche Entwicklungen. Seit drei Jahren gelten dort beispielsweise klare Düngeobergrenzen für Mais – auf Sandböden 140 kg/ha und auf Lößböden 160 kg/ha.

Muss die Landwirtschaft in „vorauseilendem Gehorsam“ hier selbst tätig werden? Oder sollte man keine schlafenden Hunde wecken?
Laurenz: Mit Verlaub – die Hunde schlafen schon lange nicht mehr! Das Thema ist aktuell – und hier werden sich Dinge bewegen, auch wenn die Landwirtschaft selbst nichts tun sollte. Mir ist aber in diesem Zusammenhang ein Gedanke wirklich wichtig: Nur sechs Prozent der Landfläche sind so fruchtbar und erlauben eine landwirtschaftliche Produktion unter so vorteilhaften Bedingungen, wie das hier in unserer Region der Fall ist. Es wäre eine Schande und auch nicht zu verantworten, das hiesige Ertragspotenzial nicht zu nutzen. Rechtliche Rahmenbedingungen, die dieses Potenzial schmälern, wären nach meiner Meinung keine gute Option.

Gleichermaßen sollten wir aber auch nicht die Augen davor verschließen, dass es bedenkliche Entwicklungen und Problembereiche gibt. Hier sollte die Landwirtschaft durchaus offen und zusammen mit der Umweltseite nach tragfähigen Lösungen suchen.

Was würde passieren, wenn sich jetzt auf landwirtschaftlicher Seite nicht ausreichend viel bewegt?Laurenz
Laurenz: Wenn wir – wenn die Landwirte – nicht zu kleineren und weniger schmerzhaften Eingriffen bereit sind, dann ist auf absehbare Zeit mit einem ordnungsrechtlichen Rahmen zu rechnen, der wirklich weh tut!

praxisnah: Herr Dr. Laurenz, ganz herzlichen Dank für das Gespräch!

Das Gespräch führte für praxisnah Dr. Andreas Frangenberg, agro-kontakt

Stand: 19.12.2013