Aktuelle Ausgabe 03/2018

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In diesem Jahr ist in der Nähe von Grevesmühlen (Testorf, Mecklenburg-Vorpommern) der neue Weltrekord im Mähdrusch auf einen 90-Hektar-Schlag mit der Sorte Kredo aufgestellt worden. Letztlich war das Wetter Schuld daran, dass er keinen Eingang ins Guinness-Buch finden wird. praxisnah berichtet von Sinn und Zweck eines solchen Rekordes und von dem eher unbekannten Berufsbildes des Mähdruschtrainers.

Martin Reichelt ist darauf spezialisiert, Mähdrescherfahrer vor der Ernte theoretisch und praktisch darauf zu trainieren, das Optimum aus der Maschine herauszuholen.
„Ich gehe mit den Fahrern die Maschinen komplett durch, baue die Drescher auseinander, ich erkläre den Fahrern jedes Detail. Sie müssen begreifen, wie die Maschine funktioniert. Obwohl ich mich mittlerweile mit fast allen Typen des Marktes auskenne, muss ich mich bei den Neuigkeiten laufend selbst weiterbilden. Sie müssen von mir objektiv bewertet werden, denn die Kunden wollen wissen, was die neue Technik kann und was nicht“, erläutert der Fachmann seine Aufgabe.

Es kann immer funktionieren
Aber wie kommt man darauf, sich in einem Weltrekord zu probieren, zumal ein solches Unterfangen auf Guinness-Buch-Niveau sehr aufwändig ist? „Ich sehe den Weltrekord natürlich in direktem Zusammenhang mit meiner Arbeit. Er sollte ein Beweis sein, dass das System, das ich entwickelt habe, mit jedem Fahrer, jeder Maschine und unter jeder Bedingung funktioniert. Und das ohne spezielle Vorbereitungen.“
Hätte Martin Reichelt hellseherische Fähigkeiten, hätte er sich sicherlich nicht dieses Jahr mit seinem Chaoswetter ausgesucht. Besonders dem Norden und Nordosten der Republik hat das Wetter übel mitgespielt – nicht gerade ideale Voraussetzungen für einen Weltrekord im Mähdrusch.

Martin Reichelt erinnert sich: „Wir wollten eigentlich am 10.8. ernten, aber dann hat es Niederschläge bis zu 40 ml gegeben. Einen weiteren Versuch am 23.8. konnten wir gar nicht starten, weil uns ein Regenschauer wieder alles vermiest hat. Wir haben dann am 24. August mit über 18 % Kornfeuchte begonnen, haben halbstündig Feuchtemessungen durchgeführt und sind bis 21:30 Uhr auf 15 % runtergekommen. D.h., erst zum Ende des Rekordes war die Feuchte in Ordnung. Wir mussten schon mittags mit diesen Feuchtegehalten beginnen, weil Gewitter angesagt waren. Und wir haben dann bis in die Nacht gedroschen.“
Dabei gab es natürlich jede Mengen Vorgaben, die einzuhalten waren, damit aus diesem Projekt ein offizieller Rekord werden könnte. In aller Kürze: Bei einem Weltrekord im Mähdrusch wird die mit einem Drescher in acht Stunden geerntete Weizenmenge bei einer bestimmten Feuchtigkeit bewertet. Dabei spielt es keine Rolle, wie viele Personen dem Drescherfahrer zuarbeiten. Trotz widrigster Bedingungen ist Reichelt mit dem Ergebnis zufrieden – mit Einschränkungen, wie er erklärt.

Dreschen bis in die Nacht
Dreschen bis in die Nacht

Rekordleistung trotz Erntechaos
„Wir haben dokumentiert 571 Tonnen gedroschen, der bestehende Rekord liegt bei 551,6 Tonnen. Bei einem Toleranzbereich von 2 % sind wir noch im Bereich des Weltrekordes und darüber. Wir hatten aber Probleme: So wollte der Landwirt noch Stroh haben und wir mussten während des Versuchs dann erst auf Stroh umstellen und vom Stroh wieder zurück auf Häckseln, was 20 Minuten Zeit gekostet hat. Und wir haben zum Ende des Versuches noch Tanken müssen, uns fehlten 60–70 Liter. Da fehlten dann auch noch mal 6–7 Minuten. Auf Grund von Unwetterwarnungen hat der Landwirt dann am späten Nachmittag leider seinen eigenen Großdrescher mit aufs Feld geschickt und ca. 15 Hektar auf dem Schlag gedroschen. Dadurch fehlten uns am Ende 5–6 Hektar, um 8 Stunden lang zu dreschen und den Rekord noch zu erhöhen. Wir hatten den Weltrekord eigentlich in der Tasche.“ Eigentlich, das bedeutet – eben nicht ganz. Denn im Chaos mit den zusätzlichen Anhängern vom Nachbarfeld sind 20 Tonnen nicht erfasst und somit nicht dokumentiert worden, „somit konnten wir den Guinnesseintrag leider nicht beantragen“, bedauert Reichelt.

Gutes Team, zuverlässige Maschinen, gut dreschbare Hochleistungssorte
Von der Idee bis zur Umsetzung, ist viel Vorarbeit notwendig. Anfangen hat alles mit der Auswahl des Teams: „Ich bin auf diese Maschine und diesen Fahrer gekommen, weil der Mann im letzten Jahr bei einer Schulung die Inhalte sehr gut umgesetzt hat. Er hat rekordverdächtige Leistungen in Gerste, Raps und Weizen gefahren! So habe ich seinen Chef, den Besitzer des Mähdreschers, angesprochen. Der konnte auch einen landwirtschaftlichen Betrieb mit ausreichend großen Flächen und hohen Ertragserwartungen nennen. Dem Betriebsleiter habe ich versichert, das Projekt im laufenden Erntebetrieb durchzuführen. Das war ja auch wichtig klarzustellen: Solche Leistungen sind im ganz normalen Betriebsablauf mit den ganz normalen Maschinen möglich“, macht Reichelt noch einmal deutlich.

Neben dem Wetter, den Maschinen und Personen ist auch die zu erntende Sorte für optimale Druschergebnisse wichtig. Schließlich beeinflusst der Ertrag, die Druschfähigkeit und die Halmstabilität ganz wesentlich die Druschleistung. „Ich bin ein Fan von gut dreschbaren Sorten. Der Landwirt hatte mir berichtet, dass die Sorte Kredo sich sehr gut dreschen lässt. Also haben wir uns entschlossen, diesen Acker mit 90 Hektar mit der Sorte Kredo zu nehmen.“

Ich bin in der laufenden Vegetation mehrfach vor Ort gewesen und habe den Schlag vier Wochen vorher bonitiert. Ich hatte eine Ernteerwartung von 100–105 dt/Hektar ausgerechnet, was wir mit Sicherheit auch vorgefunden hätten, wenn wir eher gedroschen hätten. Später lagen sehr viele Körner auf der Erde, die vom Schlagregen ausgefallen waren, wir hatten sehr viele abgebrochene Ähren und auch eingeknicktes Material. Eine zusätzliche Ernteschwierigkeit war der durch die Nässe kurz vor Ernte noch aufgekommene Durchwuchs.“

Das Hauptziel wurde trotzdem erreicht
Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass dieser Rekordversuch jede Menge „Gegenwind“ hatte, umso mehr zählt die erbrachte Leistung. Wären die Umstände günstiger gewesen, hätte noch mehr Tonnage geerntet werden können.

So sehen Gewinner aus
So sehen Gewinner aus

Es konnte gezeigt werden, dass mit dem Druschsystem jeder in seinem eigenen Betrieb Rekorde aufstellen kann. Dieses Ziel wurde erreicht. „Man kann damit viel Geld einsparen. Zum Beispiel haben wir in dem Rekord nur 12 Liter/Hektar Diesel verbraucht, normale Werte liegen zwischen 18 und 25 Liter/Hektar. Rechne ich die acht eingesparten Liter auf 1.000 Hektar hoch, dann habe ich 8.000–10.000 Euro gespart. Die anderen geldwerten Vorteile lassen sich nicht unbedingt errechnen. Die Maschine läuft weniger pro Jahr, nutzt weniger ab etc.“, weiß Reichelt.

So zeigt sich der Mähdruschtrainer auch für 2012 sehr selbstbewusst: „Wir werden es im nächsten Jahr noch einmal versuchen. Wenn wir ein bisschen mehr Glück mit dem Wetter haben, dann werden wir einen neuen Rekord über 600 Tonnen setzen können. Der wird dann lange bestehen – da bin ich mir sicher!“

Tipp vom Fachmann: Drescher immer richtig einstellen!

Reichelt, Mähdreschertrainer
Reichelt, Mähdreschertrainer
„Das Hauptproblem ist, dass neue Drescher erst eingestellt werden müssen. Die Fahrer verlassen sich auf die Händler; die Chefs denken, eine 400.000-Euro-Maschine ist schon optimal eingestellt; der Händler denkt, der Hersteller macht´s, der Kunde denkt, der Hersteller macht´s und so wird es gar nicht gemacht.

Wir zeigen den Schulungsteilnehmern, welche Schrauben wo gedreht werden müssen, damit die Maschine optimal läuft, einen sauberen Drusch und eine hohe Leistung fährt. Der Kunde will Geld sparen, der Fahrer will betreut werden und ich will gute Arbeit leisten. Ich bin draußen wo es zwickt!“ www.power-harvesting.com

 

Stand: 13.10.2011