Aktuelle Ausgabe 03/2018

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Hafer kann mit spezifischen Vorteilen punkten: Sein hoher Nähr- und Gesundheitswert sowie sein besonderer Geschmack heben ihn deutlich von anderen Getreidearten ab. Doch durch den Wandel in Tierhaltung und menschlicher Ernährung verliert die klassische Haferverwertung an Bedeutung. Nordsaat-Züchter Dr. Steffen Beuch erforscht mit wissenschaftlicher Unterstützung neue Verwertungsrichtungen - vom Haferbier bis zur Papierherstellung!

Bald schon auf dem Oktoberfest? Noch ist Haferbier Zukunftsmusik.
Bald schon auf dem Oktoberfest? Noch ist Haferbier Zukunftsmusik.
Wiederentdeckt: Braupotenzial Wissenschaftliche Projekte unter Mitwirkung der Nordsaat-Haferzüchtung befassen sich derzeit intensiv mit der Erschließung innovativer, neuartiger Verwertungsrichtungen für Hafer. So wurde vor kurzem am Lehrstuhl für Technologie der Brauerei I der TU München in Freising-Weihenstephan mit Hilfe der Nordsaat-Sorte DUFFY der Einsatz von Hafer in der Malz- und Bierbereitung geprüft. Mit dem Ergebnis, dass Hafer ein Getreide mit bisher ungenutzten Braupotenzial ist und möglicherweise in der speziellen Ernährung von Zöliakie-Patienten (Menschen mit Unverträglichkeit gg. Glutene in z.B. Weizen) eingesetzt werden könnte. Die Idee ist übrigens gar nicht neu: Hafer galt im Mittelalter als das Braugetreide schlechthin.

Gesundheitsfördernd: ß-Glucan
Hafer verfügt über eine besonders günstige Protein- und Stärkezusammensetzung, der vergleichsweise hohe Fettgehalt des Haferkerns sorgt für einen guten Geschmack. Die haferspezifischen Schleimstoffe (ß-Glucan) fördern die Verdauung und können, wissenschaftlich nachgewiesen, Krankheiten vorbeugen.

Nahezu abgeschlossen ist ein Forschungsprojekt zur Züchtung eines ß-Glucan-Hafers, in dem die Nordsaat unter finanzieller Unterstützung des Bundesforschungsministeriums mit der Bundesanstalt für Züchtungsforschung und der Universität Halle zusammenarbeitet. Mit Hilfe moderner biotechnologischer Verfahren konnten Marker für Abschnitte im Erbgut des Hafers identifiziert werden, die für einen besonders hohen ß-Glucangehalt verantwortlich sind (s. Abb.). Diese Ergebnisse werden Eingang in die praktische Züchtungsarbeit der Nordsaat finden und zu einer effizienteren Sortenentwicklung beitragen. Die Sorte mit dem zzt. höchsten ß-Glucan-Gehalt ist NELSON.

Bandenmuster des Erbgutes (Auszug) eines hoch und eines niedrig ß-Glucan- Hafers sowie derer Nachkommenschaften (Quelle: Bundesanstalt für Züchtungsforschung)
Bandenmuster des Erbgutes (Auszug) eines hoch und eines niedrig ß-Glucan- Hafers sowie derer Nachkommenschaften (Quelle: Bundesanstalt für Züchtungsforschung)
Innovativ: Papierherstellung
Interessant ist auch die Züchtung neuer Hafersorten, deren stoffliche Zusammensetzung in der Spelze verändert wurde. So wird die Nordsaat zusammen mit der Fa. Peter Kölln (Köllnflocken) und der Bundesanstalt für Holzforschung an der Entwicklung eines Hafers arbeiten, dessen Ligningehalt in der Spelze drastisch reduziert wurde und der über einen erhöhten Xylangehalt 1) verfügt. Beide Merkmale eröffnen neue, innovative Perspektiven für einen Einsatz von Haferspelzen in der Papier- und Zellstoffindustrie, können aber auch bei der Verfütterung von Hafer eine Rolle spielen.

Mit Projekten wie diesen stellt die Haferzüchtung bereits die Weichen für neuartige Einsatzmöglichkeiten einer alten Kulturart. Es wird an der Praxis, aber natürlich auch an den Verbrauchern liegen, ob das Potenzial neuer Hafersorten in Zukunft genutzt wird.

Christine Herbrig

1) Xylane gehören zu den Hemicellulosen, ihre Hauptwiederholungseinheit ist die Xylose. Xylane findet man in Getreide z.B. in den Zellwänden.

Stand: 01.10.2005