Aktuelle Ausgabe 03/2018

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Spätestens seit dem Herbst 2007 sind Läuse und andere Schadinsekten als Virusvektoren zu einem verbreiteten Problem geworden. Für die betroffenen Landwirte stellt sich die Grundsatzfrage wie sie dieses Problem angehen sollen: spritzen oder beizen? Beide Applikationsalternativen zeigen Stärken, aber beide haben auch ihre Grenzen.

Aus rein biologischer, wie auch praktischer Sicht geht der Trend seit mehreren Jahren eindeutig zur insektiziden Beizung im Getreide. Es stellt sich die Frage: Warum?


Vor zwei Jahren traten Virussymptome in Gersten- und Weizenflächen, in einem bisher nicht gekannten Ausmaß auf. Um zu verstehen, warum die Schadensfälle plötzlich nicht mehr nur auf klimatisch besonders begünstigte Tiefebenen oder Flusstäler begrenzt blieben, muss man sich etwas genauer mit dem Erregerkomplex befassen:

Auslöser für die bekannten Schäden sind der Gerstenverzwergungsvirus (Barley Yellow dwarf virus, BYDV) oder Weizenverzwergungsvirus (Wheat dwarf Virus, WDV). BYDV ist die bedeutendste Viruserkrankung im Getreide. Wirtspflanzen sind alle Getreidearten einschließlich Mais und etwa 100 Gräser. Die Übertragung erfolgt durch verschiedene Blattlausarten. WDV wird ausschließlich durch die Zikadenart Psammottetix alienus übertragen. Diese bevorzugt warme Witterung und ist bereits seit längerem in Frankreich stark verbreitet und muss dort standardmäßig bekämpft werden.  

Getreideblattlaus, Gelbverzwergungvirus, koloniebildende Blattläuse an Getreide
Getreideblattlaus, Gelbverzwergungvirus, koloniebildende Blattläuse an Getreide
Was begünstigt Virenausbreitung?
Veränderte Witterungsverläufe im Herbst, einseitigere Getreidefruchtfolgen sowie der Trend zu immer früheren Saatterminen begünstigen auch bei uns die Ausbreitung von Virosen. Zahlreiche Wintergerstenflächen, die im Herbst 2006 massive Virusinfektionen aufwiesen, mussten im folgenden Frühjahr umgebrochen werden, andere geringer betroffene Flächen blieben stehen. Somit konnten Primärinfektionen durch vorhandene Blattläuse über einen langen Zeitraum von den Befallsnestern in die umliegenden Bestände verbreitet werden. Die Erträge befallener, nicht umgebrochener Flächen erreichten teilweise weniger als 50 % des Normalertrages. Im Herbst 2007 wiederholte sich diese Kalamität, allerdings beginnend auf einem bereits höheren Ausgangsbefall.

 Auch im Winterweizen konnten im Herbst 2007 verstärkt Symptome beobachtet werden, besonders Frühsaaten Ende September/Anfang Oktober sind betroffen. ELISA-Tests zeigten in einzelnen Regionen Befallshäufigkeiten von über 80 %. Erst Mitte Oktober kam der Blattlausflug durch absinkende Temperaturen zum Erliegen. Durch das hohe Viruspotenzial in Gräsern, Ausfallgetreide und vor allem durch die ernorm hohe Virusbeladung der Blattläuse ist mit einer weiteren Ausbreitung dieses Problems zu rechnen.

Ausfallgerste schafft grüne Brücken
Ausfallgerste schafft grüne Brücken

 Bekämpfungsmöglichkeiten der Virusüberträger
Virosen können direkt nicht bekämpft werden. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten die Virusüberträger wie Blattläuse und Zikaden zu bekämpfen.

  1. Saattermin: Die erste Maßnahme ist dabei die richtige Wahl des Saattermins. Der beobachtete Trend zu Frühsaaten erhöht das Risiko der Virusübertragung durch Blattläuse. Weizensaaten ab Mitte Oktober werden deutlich geringer mit Virus befallen als entsprechend frühere Saaten. Bei Wintergerste ist das Risiko allerdings nicht nur bei Frühsaaten, sondern auch bei normalen Saatterminen bis Mitte/Ende September immer gegeben. Es gilt hier, von der Aussaat an, einen ausreichenden Schutz gegen Blattlausbefall vorzusehen.
  2. Feldhygiene: Weiterhin kommt der Feldhygiene durch frühzeitige Beseitigung von Ausfallgetreide eine große Bedeutung zu. Durch die „Schwarzbrache“ der abgeernteten Getreideschläge kann einer schnellen Vermehrung und Verbreitung der Viren entgegengewirkt werden. Neben der mechanischen Bekämpfung muss, vor allem bei gleichzeitigem Auftreten von Problemunkräutern (Quecke, Winde, etc.), eine Herbizidmaßnahme eingeplant werden.
  3. Bekämpfung der Virusüberträger: Die direkte Bekämpfung der Läuse und Zikaden ist nur mit einer Spritz- oder Beizapplikation möglich. Bei der Spritzapplikation ist entscheidend, wie genau der Zeitpunkt des Hauptzufluges der Läuse getroffen wird. Allerdings ist dies immer bei verzetteltem Zuflug und mehreren Läusewellen ein sehr schwieriges Unterfangen. Damit erklären sich auch die stark schwankenden Erfolge bei dieser Applikationsart. Besonders der verbreitete Termin, zusammen mit dem Einsatz von Herbstherbiziden, passt nur in Ausnahmefällen. Hat ein Virus erst einmal die Getreidepflanze infiziert, gibt es keine Möglichkeit der Bekämpfung.

Durch die Beizung erhält die Pflanze von Anfang an einen insektiziden Schutz gegen Blattlausbefall. Unabhängig vom frühen oder späten Zuflug der Läuse ist ein Schutz von bis zu 6-8 Wochen gegeben. Durch diese lange Dauerwirkung wird der Populationsaufbau der Läuse unterbunden und damit auch eine massive Ausbreitung von Virusinfektion in den Beständen. Zusätzlich werden bodenbürtige Schädlinge wie Drahtwurm, Laufkäfer oder Schnecken am Korn sowie Zikaden miterfasst. Manta plus® als Komplettbeize für Wintergerste umfasst zusätzlich die gängigen Krankheiten wie Flugbrand und Streifenkrankheit und hat eine Zusatzwirkung auf Thyphula-Fäule und Hartbrand.

Rechnet sich eine Beizung?
Die höheren Kosten der insektiziden Beizung rechnen sich vor allem in der Wintergerste in Befallsregionen sowie bei Frühsaaten. Denn in Normaljahren reicht der insektizide Schutz für die gesamte kritische Herbstperiode. Nur bei extremen Witterungsverläufen, ähnlich der Saison 2006 mit trocken-warmer Witterung bis November/Dezember und anhaltendem Läusezuflug, sollte im späteren Vegetationsverlauf eine zusätzliche Insektizidbehandlung eingeplant werden.

rechts mit MANTA PLUS
rechts mit MANTA PLUS
Im Weizen spielt die Beizung mit Insektizidschutz regional eine unterschiedliche Rolle. Bei Frühsaaten ist es aber auf jeden Fall ratsam, zusätzlich zu der Fungizidbeizung (z.B. mit EfA) einen Schutz gegen Insekten in Form von Smaragd forte® (Zulassung wird erwartet) mitzugeben. Mehrjährige Erfahrungen haben gezeigt, dass diese Maßnahme lohnend ist.

Auch der Vergleich mit einer Pyrethroidspritzung fällt eindeutig zugunsten der insektiziden Beizung aus. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass eine Beizung von Anfang an Schutz bietet, gerade bei den stark schädigenden Frühinfektionen. Die deutlich bessere Dauerwirkung, arbeitswirtschaftliche Vorteile sowie die Nebenwirkungen auf andere Bodenschädlinge überwiegen die Mehrkosten schon bei geringem Virusbefall. 

Fazit:
Einer weiteren Ausbreitung der Virus Kalamität kann durch verschiedene Möglichkeiten entgegengewirkt werden. Der Saattermin und die Verhinderung von grünen Brücken können das Problem z.T. deutlich mildern. In Jahren mit hohem Druck wird man jedoch um eine Bekämpfung der Virusvektoren nicht umhin kommen. Insektizidspritzungen müssen sehr genau terminiert werden und brachten deshalb in der Praxis sehr schwankende Ergebnisse. Die Beizung des Saatgetreides mit Manta Plus® bietet derzeit den sichersten Schutz über einen langen Zeitraum, so dass in Normaljahren keine zusätzliche Insektizidbehandlung erforderlich ist.

 

Dr. Susanne Kretschmann

 

Stand: 13.06.2008