Aktuelle Ausgabe 02/2018

Ausgaben

Sonderausgaben

Themen

Roggen ist nach Jahren der „Unterbewertung“ wieder zu einer bedeutenden Marktfrucht geworden; die Preise des letzten Jahres zeigten, was möglich ist.

Überdenken jetzt Betriebe in den traditionellen Anbauregionen ihr Management? Tritt Roggen jetzt auf den besseren Böden in Konkurrenz zu Weizen und Triticale? praxisnah hat sich auf einigen Ackerbau- und Futterbaubetrieben sowie beim Landhandel in typischen und weniger typischen Roggenanbauregionen einmal umgehört und die unterschiedlichen Meinungen zusammengestellt.

Warum setzen Sie auf Roggen?
Behncke
: Bei mir gibt es an den trockenen Sandstandorten schlicht keine Alternative. Daher haben wir auch in den Jahren, in denen Roggen fast schon „totgesagt“ war, immer einen erheblichen Fruchtfolgeanteil Roggen angebaut. Außerdem brauchen wir das Stroh – das wäre im Einkauf doch ein echter Kostenfaktor.

Arendt: Bei uns ist als Getreide nur Winterroggen- und Wintergerstenanbau möglich. Wir experimentieren jetzt mit Hybridweizen, das könnte auf den etwas besseren Standorten eine Alternative werden. Roggen ist bisher für uns die einzige Getreideart, die risikoarm zu managen ist.

H. Zehmke (l), Steffen Arendt
H. Zehmke (l), Steffen Arendt
Werner: Die hohe Sicherheit ist mir sehr wichtig – hinsichtlich des Anbaus, aber bei uns auch hinsichtlich der Vermarktung. Keine andere Kultur übersteht Trockenheit so gut und bringt dabei noch gute Erträge und Qualitäten. Wir setzten Roggen vor Winterraps, weil wir für die verschiedenen Rapssorten ein breites Aussaatfenster benötigen. Außerdem halten wir nicht viel von Stoppelweizen und nehmen lieber Roggen oder Gers­te dazwischen. 

Werner (l), Ebeling
Werner (l), Ebeling
Fenske: Auf unseren extrem leichten, grundwasserfernen Standorten schafft es nur der Roggen, brauchbare Erträge zu liefern.

Fenske
Fenske
Hessing
: Auch im westlichen Münsterland gibt es viele leichte Standorte, bei uns ist allerdings die Niederschlagsverteilung günstiger als im Osten. Wir haben hier von Anfang an Hybridroggen wegen seiner Leistungsstärke und -sicherheit zu erheblichen Anteilen in die Fruchtfolge aufgenommen. Das Stroh kann in unserer Region sehr gut verwertet werden. Auch in der Pferdehaltung, die haben wir hier reichlich.

Kübbeler-Hecker: In der Köln-Aachener Bucht hat Roggenanbau keine wirkliche Tradition, weil es auf den meisten Standorten Alternativen gibt. Bei uns steht Roggen auch nicht auf leichten, trockenen Standorten, sondern auf früheren Überschwemmungsböden der Erft. Er muss sich an den anderen Marktfrüchten messen lassen. Bei uns kommt hinzu, dass wir Pferde züchten und Roggenstroh im Pferdestall einfach unschlagbar ist.

Brot oder Futter – wohin geht Ihr Roggen? Wie funktioniert die Vermarktung?
Zehmke: Wir streben immer einen möglichst hohen Anteil an Brotroggen an. Der Preis war im letzten Jahr gut und die Nachfrage der Mühlen hoch.

Werner: Bei uns gibt es einige Vermarkter für Roggen: Mühlen aber auch Brennereien. Wir la­gern selbst ein. Aus der Ernte heraus guten Roggen zu verkaufen, ist Geldvernichtung!

Fenske: Ziel ist Brotroggen, was fast immer gelingt. In unserer Region treten als aufnehmende Hand neben dem klassischen Handel auch immer mehr Verarbeiter in Erscheinung. Das erweitert den Markt.

Behncke: Wir vermarkten den Roggen immer über unseren bewährten Handelspartner als Brot­roggen. Ich verdiene mein Geld in erster Linie im Stall, da ist für mich unter anderem ein sicherer Warenfluss wichtig.

Kübbeler-Hecker: Roggen lohnt hier nur mit einer sicheren Vermarktung als Brotroggen. 

Wählen Sie Ihre Sorten gezielt nach der Verwertung aus?
Werner
: Die Vermarktung ist sicher ein wichtiger Aspekt, aber es muss ja auch sonst passen: In meinen Betrieb gehören Sorten, die erstens mit einer suboptimalen Niederschlagsverteilung auf niedrigem Niveau zurechtkommen, zweitens auch bei dünneren Aussaaten gute Erträge bringen, drittens gutes Stroh für Kühe und Schweine und viertens sichere Brotqualität liefern. Bei mir steht in diesem Jahr FUGATO.

Behncke: Für mich ist nicht nur die Qualität, sondern auch die sichere Ertragsleistung und aus arbeitswirtschaftlichen Gründen eine unkomplizierte Bestandesführung wichtig. Meine Schwerpunktsorten sind daher zurzeit ASKARI und RASANT.

Eckermann (l) Hessing
Eckermann (l) Hessing
Kübbeler-Hecker: Wenn der Roggen bei uns mit anderen Marktfrüchten mithalten will, muss er intensiv geführt werden und diese Maßnahmen zuverlässig in Ertrag und Qualität umsetzen. Das funktioniert nicht mit allen Sorten. ASKARI beispielsweise ist bei der Bestandesführung flexibel und dankt auf einigermaßen guten Böden auch eine intensive Bestandesführung.

Fenske: Ich schaue bei der Sortenwahl natürlich auf die Qualität. Daneben ist es für mich aber sehr wichtig, die Kostenseite niedrig zu halten. Ge­sundheit, speziell gegen Mehltau und Rhyncho, ist also entscheidend. Dann kann ich mich bei dem hiesigen extremen Braunrostpotenzial ganz darauf konzentrieren.

Hessing: Bei uns fließt die ganze Ware ins Futterwerk. Wir haben ein festes Netz aus Handelsbeziehungen und daher seit Jahren eine sichere Vermarktung. 

W. Kübbeler-Hecker
W. Kübbeler-Hecker
Denken Sie daran, den Roggenanbau zu intensivieren oder auszudehnen?
Behncke
: Ich denke darüber nach, auf aussichtsreichen Standorten die N-Düngung etwas anzuziehen. Auf allen Standorten macht das aber keinen Sinn.

Werner: Eine Intensivierung ist nicht geplant, meist fehlt dann doch das Wasser, um das „Mehr“ in Ertrag umzusetzen. Wo es sinnvoll ist, fahren wir schon intensiver und achten peinlich auf eine Behandlung, die auf den Punkt kommt. Bei Düngung wie auch bei Pflanzenschutz.

Zehmke: Wir führen eigene und ziemlich um­fangreiche Streifenversuche durch, mit denen wir laufend nach Optimierungsmöglichkeiten suchen. Darüber hinaus planen wir aber keine Intensivierung oder Ausdehnung, denn auf den besseren Flächen ist Roggen hier einfach nicht konkurrenzfähig.

Eckermann: Wir sind hier flächenmäßig am Limit angekommen und Stickstoff kommt hier durch die Viehhaltung reichlich. Vermutlich wird jetzt bei Pflanzenschutz und Wachstumsregler nicht mehr ganz so gespart, aber mehr wird wohl nicht passieren.

Die Gesprächspartner:

 

Harald Zehmke, Steffen Arendt
Geschäftsführer bzw. stellv. Geschäftsführer der Neugro Landwirtschaft und Dienste GmbH in Großwoltersdorf/ Brandenburg
Ackerbau: ca. 1.000 ha AF
durchschn. AZ: 22/23, 420-450 mm/a
Viehwirtschaft: 220 Milchkühe, 50 Mutterkühe, Nachzucht, teilw. Strohhaltung
Claus Werner, Malte Ebeling
Geschäftsführer bzw. stellv. Geschäftsführer der Agrar GmbH Wippertal, Seega/Thüringen
Ackerbau: ca. 1.640 ha AF
durchschn. AZ: 48, 498 mm/a
Viehwirtschaft: 216 Mutterkühe plus Nachzucht, Strohhaltung, 910 Mastschweineplätze
Sonstiges: eigene Fleischerei, Direktvermarktung
Wilfried Behncke
Geschäftsführer der Milchland Agrar GmbH, Greven/Mecklenburg-Vorpommern
Ackerbau: ca. 1.600 ha AF
durchschn. AZ: 27 (ohne Stilllegung)
Viehwirtschaft: 580 Kühe (Herdbuch)
mit Nachzucht, teilw. Strohhaltung
Volker Fenske
Agrargesellschaft Sarnow/Mecklenburg-Vorpommern
Ackerbau: ca. 1.925 ha AF
durchschn. AZ: 28
Viehwirtschaft: 130 Milchkühe, Nachzucht
Wilfried Kübbeler-Hecker
Verwalter Gutsverwaltung Schlenderhan/Köln-Aachener Bucht
Ackerbau: 460 ha AF
durchschn. AZ: 70
Viehwirtschaft: Pferdezucht

Günter Hessing
Geschäftsführer des Landhandelsunternehmens Raiffeisen Haltern
Thomas Eckermann
Agrarabteilung
westliches Münsterland: viele leichte Sandstandorte, traditioneller Hybridroggenanbau, überdurchschnittlich viel Pferdehaltung, insgesamt eine viehreiche Region, relativ kleine Betriebsstrukturen 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Stand: 13.06.2008