Aktuelle Ausgabe 03/2018

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In Schleswig-Holstein wird bereits 1/3 des Winterweizens in der ersten und zweiten Septemberdekade gedrillt, in Mecklenburg-Vorpommern wird 1/4 der Weizenschläge schon vor dem 10. September bestellt. Was ist der optimale Saattermin und die optimale Saatstärke? Dr. Lothar Boese, Landesanstalt für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau Sachsen-Anhalt, berichtet.

Auch in Thüringen und Sachsen-Anhalt geht der Trend in diese Richtung und der geerntete Mehrertrag gibt ihnen Recht.

Risiken von Frühsaaten beachten
Trotz des Mehrertrages der Frühsaaten sollten ihre standortspezifischen Risiken nicht außer Acht gelassen werden. In erster Linie ist es der höhere Befallsdruck durch Schädlinge (z.B. Fritfliege), Virosen und Pilzkrankheiten, der oft zusätzliche Pflanzenschutzaufwendungen verlangt. Zudem gibt es Hinweise auf ein gelegentlich sortenspezifisch höheres Auswinterungsrisiko. Ist der Ertragsvorteil größer als mögliche Zusatzkosten für Spezialbeize, Virusvektorenbekämpfung oder zusätzliche Fungizidbehandlung? Wenn ja, dann sollte die Frühsaat auf einem Teil der Flächen nicht gescheut werden, zumal sie auch Arbeitsspitzen von der Aussaat bis zur Ernte entzerrt.

Saatzeit, Saatstärke Kornertrag
Saatzeit, Saatstärke Kornertrag
Saatstärke, Saattermin: überraschende Ergebnisse
Die Saatstärke beeinflusst unmittelbar Ertrag und Kosten. Auf der Erlösseite stehen Kornertrag und Erzeugerpreis. Wenn wie aktuell der Produkt- und der Produktionsmittelpreis steigt, muss man sich über ihren Einfluss auf den Deckungsbeitrag der Kultur klar werden.Ursachen für einen Ertragsabfall bei hohen Saatstärken können Lager oder zunehmender Befall mit Pilzkrankheiten sein. Abb. 1 zeigt den Kornertrag von Weizen in der Versuchsserie am Standort Bernburg bei Variation der Saatstärke zu unterschiedlichen Saatterminen. 

Die Ertragstendenz ist bei allen Saatterminen positiv, die Unterschiede in der Ertragsdifferenz zwischen 200 und 500 kf. Kö./m² gering (Frühsaat 2,1 dt/ha, Spätsaat 5,4 dt/ha). Sie fiel in Versuchen mit Gerste, Roggen oder Triticale sogar meist noch kleiner aus. Damit ist eine stärkere Differenzierung der Saatstärke nach dem Saattermin keinesfalls gerechtfertigt. In der Fachberatung wird oft wieder eine deutliche Absenkung der Saatstärke bei Frühsaaten und eine Erhöhung bei Spätsaaten empfohlen. Diese Vorgehensweise ist nur gerechtfertigt, wenn andere Gründe wie z. B. schlechte Aufgangsbedingungen dafür sprechen. Auch bei Frühsaaten bringen „normale“ oder sogar etwas höhere Saatstärken meist die höheren und sichereren Erträge. Es sei denn, Lager oder Krankheitsbefall beeinflussen die Ertragsbildung negativ. Dies kann mit angepassten Maßnahmen der Halmstabilisierung und des Fungizideinsatzes jedoch eingegrenzt werden.

Die Kostenseite mehr berücksichtigen

saatgutkostenfreie Leistung und Kornertrag
saatgutkostenfreie Leistung und Kornertrag

Zwar erhöht eine Saatstärkenerhöhung im mittleren Bereich den Kornertrag leicht, die Mehrerlöse werden aber durch die höheren Saatgutkosten zum Teil oder vollständig wieder aufgebraucht. Deshalb ergibt die Variation der Saatstärke unter dem Strich oft kaum Effekte. Unter bestimmten Bedingungen, z. B. bei einem hohen Erzeugerpreisniveau, ändert sich jedoch die Situation.  Die Saatgutkosten sind neben der Saatstärke auch vom Saatgutpreis und beim Bezug nach Gewicht auch von der Tausendkornmasse und der Keimfähigkeit abhängig (Tab. 1). Die Kennzahl, die letztlich den wirtschaftlichen Erfolg anzeigt, ist die saatgutkostenfreie Leistung (skfL). Sie ist die Differenz aus dem Erlös (Kornertrag x Erzeugerpreis) und den Saatgutkosten. Die skfL kann auf der Grundlage von Versuchserträgen für jede Saatstärkenstufe be­rech­net werden. 

Nach dem Preisniveau differenzieren

Saatstärke, Kornertrag
Saatstärke, Kornertrag

Tab. 1 zeigt deutlich, dass das skfL-Niveau vor allem vom Erzeugerpreis abhängig ist. Erreicht in der Variante A mit hohen Preisen die skfL ihr Maximum bei einer Saatstärke im Bereich von 400 kf. Kö./m², ist bei den geringen Saatgut- und Produktpreisen der Variante C eine Saatstärke von 200 Kö./m² optimal. Bei mittleren Preisen (Variante B) ändert sich die skfL im Bereich von 200 bis 400 Kö./m² kaum. Eine Differenzierung zwischen diesen Saatstärken hat in diesem Fall kaum Einfluss auf das wirtschaftliche Ergebnis. Tausendkornmasse und Keimfähigkeit wurden in diesen Beispielen zwar konstant gehalten. Aber auch sie können um bis zu 20 % und mehr vom Mittelwert abweichen und das Saatstärkeoptimum in die eine oder andere Richtung verschieben. Dies gilt besonders bei großkörnigen Fruchtarten.

Hybriden dünn säen
Andere Saatstärkeoptima ergeben sich im Fall von Hybridweizen, dessen Saatgut nach Masse gerechnet vier- bis fünffach teurer ist als Saatgut von Liniensorten.

 Da es in Einheiten mit festen Kornzahlen gehandelt wird, spielt die Tausendkornmasse keine Rolle und der Saatgutpreis ist nicht an das Konsumpreisniveau gekoppelt. Weil höhere Saatstärken unrentabel sind, wurde die Sorte Hybnos 1 im genannten Feldversuch in der Spanne von 50 bis 200 kf. Kö./m² geprüft (Abb. 2). Auch Hybridweizen reagiert bei unterschiedlichen Saatterminen gleichgerichtet auf die Saatstärke (Abb. 3). Deshalb wurde der Kalkulation wiederum eine einheitliche Ertragskurve zugrunde ge­legt (Tab. 2).

Hybridweizen Kornertrag
Hybridweizen Kornertrag
Beim gegenwärtigen hohen Preisniveau (Variante A) liegt das Saatstärkeoptimum etwa deckungsgleich mit den Empfehlungen des Züchters nahe 150 Kö./m². 50 Körner mehr bzw. weniger reduzieren die skfL um immerhin 55 bzw. 44 €/ha. Beim niedrigen Preisniveau der Variante C fällt das Optimum der Saatstärke – nach der skfL-Kurve berechnet – auf 110 kf. Kö./m² ab. Diese Berechnungen zeigen, wie bei hohen Saatgutpreisen schon relativ geringe Änderungen der Saatstärke deutliche Effekte zeigen können.

saatgutkostenfreie Leistung in Abh. von der Saatstärke
saatgutkostenfreie Leistung in Abh. von der Saatstärke
Fazit:
Bei einer gegebenen Ertragswirkung ist die wirtschaftlich optimale Saatstärke des Getreides vor allem von den Preisverhältnissen (Erzeuger- und Saatgutpreis), aber auch von den Saatguteigenschaften abhängig. Je großkörniger das Saatgut, je geringer seine Keimfähigkeit, je höher der Saatgut- und je geringer der Erzeugerpreis, desto eher sollte die Saatstärke abgesenkt werden.Beim gegenwärtig hohen Preisniveau des Weizens lohnen sich auch wieder höhere Saatstärken um bis zu 400 Kö./m², die noch vor wenigen Jahren völlig unwirtschaftlich waren. Beim Hybridweizen schlägt jedoch der hohe Saatgutpreis durch. Hier dürften Saatstärken um 150 kf. Kö./m² zur Zeit optimal sein.

Frühsaaten haben das Potenzial hoher Erträge, wenn die Risiken beachtet und kontrolliert werden. Von einer stärkeren Differenzierung der Saatstärke nach dem Saattermin wird im Allgemeinen abgeraten.

 

Dr. Lothar Boese

Stand: 13.06.2008