Aktuelle Ausgabe 04/2018

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Vom Beginn bis zur Sortenzulassung kann es 12 Jahre dauern. Deshalb müssen Züchter weit vorausschauend die Ansprüche an Sorten erkennen. Und manchmal müssen sie auch ungewöhnliche Wege gehen, um dem Markt zur richtigen Zeit die richtigen Sorten zur Verfügung stellen zu können. 

Mit der Rückkreuzung mit Wildweizen zur Verbesserung der Resistenzen starteten in den 90iger Jahren W. von Borries-Eckendorf (WvB) mit einem Partner ein sehr gewagtes Projekt. Es zeigt sich, dass der Spruch "Gesundheit kostet Ertrag" nicht immer zutrifft und dass ein gewaltiges potenzial in der klassischen Pflanzenzüchtung steckt.


Emmer
Emmer
WvB hatte damals zusammen mit dem holländischen Züchter Landbouwbureau Wiersum b.v. ein bis heute einzigartiges Konzept der Resistenzzüchtung begonnen: Entgegen dem damaligen Trend wurde ein eigenständiges, rein privat finanziertes Rückkreuzungsprogramm mit Wildweizen (in diesem Fall Wildemmer Trit. dicoccoides) begonnen, um die hier vorhandenen Resistenzen gezielt in moderne Hochertragssorten zu übertragen. Ziel war es, Sorten mit neuen und damit deutlich nachhaltigeren Resistenzen zu erhalten. Denn: Je unbekannter ein Resistenzgen oder eine Kombination von Resistenzgenen in der Natur ist, desto länger dauert es, bis die Erreger sich anpassen und die Resistenz damit wieder gebrochen wird.
T* vs. Hermann in den LSV 2008
T* vs. Hermann in den LSV 2008

Mit vollem Risko ...
Es war zu dem damaligen Zeitpunkt bereits klar, dass die Übertragbarkeit und Nutzung von Resistenzen aus Wildtypen sehr schwierig werden würde. Zeit und finanzieller Aufwand für diese Kombination von guten Resistenzen mit geforderten Ertrags- und agronomischen Eigenschaften war überhaupt nicht abzuschätzen. Damit fuhren die beiden Unternehmen quasi volles Risiko.

„Man darf dabei nicht übersehen, dass die Ausgangsgenotypen, die genutzt wurden, im Ertrag um mehr als 80 % unter den heutigen Hochleistungssorten lagen und in der äußeren wie auch inneren Qualität überhaupt nicht adaptiert waren“, erläutert Dr. Andreas Jacobi, Weizenzüchter bei WvB. „Unsere Bemühungen zielten v.a. auf Gelb- und Braunrost, auf Blattseptoria und Mehltau ab. Für einige wichtige Krankheiten, wie zum Beispiel DTR und Ährenfusarium, sind kaum oder keine Resistenzquellen im Wildemmer zu finden. Hier spielen andere Herkünfte eine Rolle, die wir über gute Kreuzungskombinationen erfolgreich einbauen konnten.“


... zum Erfolg
Tatsache ist, dass aus diesem Züchtungsprogramm die C-Weizensorte T* mit Keksqualität die Zulassung in 2008 erhalten hat, die sowohl im Ertrag als auch hinsichtlich der Resistenzen als voller Erfolg gewertet werden kann.

Gesundheit und Ertrag
Gesundheit und Ertrag
In Bezug auf die neuen Resistenzquellen dieser Neuzulassung konnte das Bundessortenamt nachweisen, dass diese sehr gute Mehltauresistenz auf bisher nicht bekannte Resistenzen zurückgeht. Daher wurde T* mit der Bestnote „1“ bewertet (Tab. 1). Sie ist außerdem die einzige Sorte in der deutschen Sortenliste, die mit der Note „1“ im Merkmal Braunrost eingestuft ist.

Kostet Gesundheit immer Ertrag?
Diese neuen Resistenzgene geben Sicherheit und Nachhaltigkeit für den Anbauer, denn je mehr ein Resistenzgen in der Praxis verbreitet ist, desto größer ist die Gefahr, dass dieses von dem jeweiligen Erreger auch wieder durchbrochen wird.

Die ursprüngliche Philosophie hinter diesem eigenwilligen Resistenzkonzept ist nach wie vor die Kombination von neuen, noch nicht oder wenig verbreiteten Resistenzen, um so deren Lebensdauer zu erhöhen.

„Um die Variabilität der genutzten Resistenzgene nicht zu eng werden zu lassen und ständig zu erweitern, haben wir auch in den letzten Jahren immer wieder neue Kreuzungen mit resistenten Wildweizentypen vorgenommen. Und dass Gesundheit und Ertrag sich auch kombinieren lassen, haben wir ja jetzt bewiesen“, so Jacobi.

Fazit
Ein alter allgemeiner Lehrspruch besagt „Gesundheit kostet Ertrag“: Das gilt meistens mehr oder weniger – aber eben nicht immer. Das hier dargestellte Projekt zeigt exemplarisch, welches Potenzial in der klassischen Pflanzenzüchtung steckt. Und es verdeutlicht, dass sie für die Bewältigung der zukünftigen Probleme – mehr Ertrag bei geringerem Kostenaufwand – gewappnet ist.

Nach einem Gespräch mit Dr. Andreas Jacobi

Stand: 29.09.2004