Aktuelle Ausgabe 03/2018

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Die internationale Wirtschafts- und Versorgungslage lässt kurzfristig keine großen Preissprünge bei Agrarprodukten erwarten. Gleichzeitig hat sich die Kostensituation kaum entspannt und die Erträge schwanken wie nie zuvor. Zur Herbstaussaat steht das Fruchtarten- und Sortenportfolio neu auf dem Prüfstand. Gefragt sind gewinnorientierte, dabei jedoch nachhaltig produktive Fruchtfolgen. Sven Böse untersucht die Anbaualternativen.

Fruchtartenvergleich mit Rentabilitätsschwellen
Welche Früchte – neben Raps und Weizen – lohnen die Aussaat 2009? Für die übergreifende Bewertung mehrerer Anbaualternativen bietet sich die Rentabilitätsschwelle an. Diese ermöglicht einen direkten Vergleich vieler Fruchtfolgeglieder über unterschiedlichste Standorte hinweg. Der Grund: Anders als der Ertrag können die Produktionskosten und Markterlöse weitgehend unabhängig vom Standort vorausgesetzt werden – zumindest in ihrer Relation zueinander.

Die „Kurzfristige Rentabilitätsschwelle“ zeigt auf, ab welchem Ertrags- bzw. Preisniveau die aktuelle Liquidität eines Betriebes steigt. Die variablen Produktionskosten sind dann erwirtschaftet. Je weiter der Gleichgewichtsertrag an der Rentabilitätsschwelle unter den Bedingungen eines konkreten Betriebes überschritten wird, umso interessanter ist das Produktionsverfahren. Um „dienenden Fruchtarten“ wie der Wintergerste gerecht zu werden, wurde auch der Fruchtfolgewert berücksichtigt; ebenso gekoppelte Prämien etwa für Energiepflanzen. Die festen Maschinen- und Flächennutzungskosten sowie die entkoppelten Prämien sind nicht den Verfahren zuzuordnen und bleiben außen vor. Bei Ermittlung der „Mittelfristigen Rentabilitätsschwelle“ belasten diese Posten im Saldo mit mindestens 300 €/ha zusätzlich und sind bei strategischen Investitionsentscheidungen zu berücksichtigen.



 

Abb. 1 beschreibt die Kosten der vorgestellten Produktionsverfahren nach KTBL-Daten, Richtwerten der LK Niedersachsen, der LfL Bayern sowie eigenen Recherchen. Die Intensitätskosten orientieren sich an höheren Ertragserwartungen (Abb. 2), die Maschinenkosten an günstigeren Voraussetzungen hinsichtlich Flächengröße und Mechanisierung, Lohnkosten gehen mit 15 €/h ein. Die Düngungskosten sind über den Entzug des Ernteguts berechnet inklusive 30 kg N/ha unvermeidbarer Verluste bei Winterungen und 20 kg N/ha bei Sommerungen und Winterbraugerste.



Der Fruchtfolgewert ist einzelbetrieblich im Vergleich zur interessantesten Anbaualternative zu bewerten. Auf besseren Standorten ist das i.d.R. der Stoppelweizen. Bei Raps wären das beispielsweise 130 €/ha, resultierend aus 10 % höheren Weizenerträgen und 20 €/ha geringeren Bodenbearbeitungskosten des Rapsweizens.

Nur noch Raps und Weizen?
Auf den mittleren bis besseren Standorten sind Winterweizen und Winterraps – abgesehen von Zuckerrüben und Spezialkulturen – i.d.R. meist die lukrativsten Fruchtfolgeglieder. Die Rentabilitätsschwelle bei 61 dt/ha wird mit leistungsfähigen Backweizen wie Mulan oder Kredo eher übertroffen als mit Futtergetreide. Triticale und Roggen müssen zur Kostendeckung mindestens 3 bzw. 7 dt/ha mehr dreschen. Körnermais erfordert aufgrund der hohen Trocknungskosten 14 dt/ha mehr Ertrag als Backweizen. Diese Rechnung geht in prädestinierten Körnermaisregionen auf. In raueren Regionen rentiert sich der Maisanbau jedoch allenfalls mit Feuchtkornsilagen oder CCM, sofern eine tierische Veredelung möglich ist.

Die lukrativste „freie“ Blattfrucht für die meisten Betriebe ist Körnerraps. Selbst bei intensivem Pflanzenschutz sind dank des sehr hohen Vorfruchtwerts bereits bei ca. 29 dt/ha alle variablen Kosten gedeckt. Neue Hybriden wie VISBY oder HAMMER versprechen weitere Rentabilitätszuwächse.

Raps/Weizen/Weizen-Fruchtfolgen erreichen in aktuellen Studien häufig die höchsten Reingewinne. Auf vielen Standorten ist diese enge Fruchtfolge jedoch auf Dauer nicht befriedigend. Zum einen wegen sinkender Erträge selbst bei höheren Pflanzenschutz-Aufwendungen. Zum anderen aufgrund der ausgeprägten Arbeitsspitzen und damit höheren Arbeitserledigungskosten, die bei knappen Ressourcen mit Wintergerste gesenkt werden können. Im Hinblick auf eine hohe Ertragssicherheit ist zudem über eine passende Sommerung nachzudenken, um auch das hohe Wachstumspotenzial im August zu nutzen. Die Ertragsstabilität der Fruchtfolge steigt, bei Vergrasungsproblemen sinken die Herbizidkosten um 40-80 €/ha!

Welche Weizenqualität lohnt?
Die Preisabstände zwischen den einzelnen Qualitätsstufen wurden aus den 10-jährigen Preisdifferenzen nach ZMP-Erhebungen seit 2000 abgeleitet, um Jahreseffekte zu nivellieren (Abb. 3). Höhere Behandlungskosten und geringerer Nährstoffentzug halten sich bei E-Weizen die Waage. Dank des höheren Erzeugererlöses wird die Rentabilitätsschwelle 2-3 dt früher erreicht als bei A-Weizen. Im Osten, wo die Erträge durch Trockenheit limitiert sind, geht die Rechnung auf. In Hochertragslagen hingegen lohnen eher leistungsfähige A-Sorten.



 

B-Weizen notiert langjährig 60 Cent unter A-Weizen und muss für den Gleichgewichtsertrag eigentlich bis auf eine Dezitonne ertraglich an Qualitätsweizen anschließen. Mit den Neuzulassungen KREDO und TARKUS ist der Zuchtfortschritt bei B-Weizen aktuell wieder spürbarer. In vielen Regionen könnte dieser verloren gegangenes Terrain zurückgewinnen. Bei angenommen 5 dt/ha Mehrertag des B-Weizens muss A-Weizen im Schnitt 90 Cent mehr erlösen – ein „Kopf-an-Kopf-Rennen“.

Anders verhält es sich bei C-Weizen: Dieser notiert in Marktfruchtgebieten durchschnittlich 1,40 € unter B-Weizen, und erreicht dort erst bei 4-5 dt/ha höheren Erträgen die Gewinnschwelle – in Veredelungsregionen hingegen sind diese Sorten erste Wahl. Interessanter für Marktfruchtbetriebe sind CK-Keksweizen wie T* zu bewerten. Wo diese zu ähnlichen Preisen wie B-Backweizen vermarktet werden können, sind sie aufgrund der überlegenen Ertragsleistung ökonomisch auch in Marktfruchtregionen ein echter Gewinn!

Roggen, Hybridweizen oder Triticale?
Auf mittleren und schwächeren Standorten konkurrieren Roggen, Triticale und auch Hybridweizen. Die höchsten Kornerträge auf den sehr leichten Böden bringt dort in der Regel Hybridroggen. Im Intensivanbau sollten bei 13 €/dt Preiserwartung jedoch mindestens 68 dt/ha gedroschen werden, Populationsroggen darf etwa 5 dt/ha darunter liegen. Neue Hybridroggen wie MINELLO haben den Ertragsvorsprung des Hybridroggens ausgebaut. Auf Standorten mit sehr geringer Ertragserwartung lohnt jedoch Populationsroggen, Triticale aufgrund des höheren Futterwerts am ehesten in Veredelungsregionen.

Um mit Roggen auch in Überschussmärkten Geld zu verdienen, müssen auf Standorten mit geringer Ertragserwartung die Stückkosten deutlich gesenkt werden, Vorhaltestrategien gehen dort nicht auf.

Der ebenfalls sehr trockentolerante Hybridweizen ist teurer in der Produktion als Hybridroggen, erreicht dank höherer Erlöse dennoch eher die Rentabilitätsschwelle. Dies gilt vor allem für die marktferneren Überschussregionen Norddeutschlands, wo Roggen meist deutlich unter dem abgeleiteten Futterwert notiert. Dort ist Hybridweizen bereits 1 dt/ha unter Hybridroggen die interessantere Frucht. Dies gilt vor allem, weil jetzt neben der neueren Hybride Hymack auch die frühreife Sorte HYSTAR in begrenzten Mengen zur Verfügung steht. Diese bietet neben einer herausragenden Trockentoleranz auch arbeitswirtschaftliche Vorteile!

Stoppelweizen oder Wintergerste?
In der Regel konkurriert Stoppelweizen mit Wintergerste. Auch wenn diese 2,40 €/dt weniger erzielt, darf sie unter den getroffenen Annahmen bis zu 4 dt/ha weniger dreschen als Stoppelweizen. Das ist vor allem in trockeneren Anbaulagen sicher zu erreichen. Der Vorfruchtwert für Wintergerste gegenüber Stoppelweizen ist hierbei mit 80 €/ha kalkuliert und kann mit den Vorteilen einer verbesserten Arbeitsverteilung, höheren Raps- bzw. Rübenerträgen, der besseren Bodenhygiene oder auch der Möglichkeit des Zwischenfruchtanbaus begründet werden.

Auch Hybridroggen ist eine Alternative zu Stoppelweizen, müsste bei den unterstellten Preisrelationen jedoch 6 dt/ha mehr ernten!

Eine interessantere Sortenalternative bei Stoppelweizen sind Hybridsorten. Die notwendigen 4 bis 5 dt/ha Mehrertrag werden gerade als abtragende Frucht aufgrund der höheren Vitalität am ehesten erreicht.

Wie sieht es aus bei Winterbraugerste?
Wenn sich das langjährige Preisgefüge wieder einstellt, liegt deren Gleichgewichtsertrag an der Rentabilitätsschwelle 9 dt/ha unterhalb der Futtergerste. Nachdem die Preisentwicklung bei Braugerste auch für 2010 noch schwer kalkulierbar ist, lohnt der Blick auf die preisbezogene Rentabilitätsschwelle. Aufgrund geringerer Produktionskosten wäre danach Winterbraugerste bereits bei einem Mehrerlös von 50 Cent gegenüber Futtergerste in Erwägung zu ziehen, wenn ein um 10 dt/ha geringerer Ertrag unterstellt wird. Winter- oder Sommerbraugerste ist also auf den prädestinierten Standorten hoch lukrativ, wenn sich die Preise wieder auf die langjährigen Relationen – etwa 4 €/dt über Futtergerste – einstellen.

Biogasmais
Mit der Herbstaussaat fällt auch die Entscheidung über den Anteil Sommerungen. Vor allem auf den besseren, nicht braugerstenfähigen Standorten ist die Maiserzeugung für Biogasbetriebe ein vieldiskutierter neuer Produktionszweig.

Der negative Vorfruchtwert wird hier mit 50 €/ha kalkuliert. Aus Sicht des Humusabbaus und der Erosionsgefahr wären mancherorts auch höhere Abzüge gerechtfertigt, andererseits ist Mais als Sommerung zur Auflockerung einseitiger Getreide/Raps-Fruchtfolgen hochwillkommen. Anders als nach Körnermais ist aufgrund der physiologisch frühen Ernte das folgende Wintergetreide nicht stärker durch Fusarium bedroht. Eher ein Problem ist die Blattlausübertragung auf frühgesäte Wintergetreidebestände, die i.d.R. allerdings sowieso mit einem Insektizid behandelt werden.

Die Produktionskosten für 150 dt TM/ha Silomais werden maßgeblich durch den hohen Nährstoffexport im Wert von 430 €/ha bestimmt. Die Rückführung des Gärrests wäre nach Ausbringung mit etwa 160 €/ha zu bewerten. Dann genügten 95 dt/ha TM zur Deckung der variablen Kosten! Ohne Gärrestrückführung sind bei einem Erlös von 8 €/dt TM (24 €/t FM) hingegen mindestens 116 dt TM/ha zu ernten. Im kühl-trockenen Nordosten z. B. wird diese Rentabilitätsschwelle langjährig nur wenig übertroffen, hier ist Getreide-GPS sicherer und kostengünstiger. In mittleren bis wüchsigen Lagen geht die Rechung hingegen auf: Massereiche Sorten wie SUBITO  häckseln dort regelmäßig 150-200 dt TM/ha, die variablen Produktionskosten liegen dann bei 6 €/dt TM und darunter!

Kostensenkung mit erweiterten Fruchtfolgen
Die überschlägigen Kalkulationen lassen den Schluss zu, dass mit aufgelockerten Fruchtfolgen die Gewinne nicht zwangsläufig sinken müssen. Wintergerste beispielsweise kann trotz geringerer Deckungsbeiträge den Betriebsgewinn durchaus steigern – wenn ihre Vorteile in der Fruchtfolge entsprechend bewertet werden. Standortangepasste Sommerungen entzerren das Arbeitskonto zusätzlich, stabilisieren die Erträge und lösen gleichzeitig das Vergrasungsproblem.

Im Einzelbetrieb zeigt sich die Situation natürlich viel differenzierter als in allgemeinen Modellrechnungen. Kosten, Preise und Erträge müssen einzelbetrieblich kalkuliert werden. Das gilt auch für die mit der Fruchtfolgeerweiterung einhergehende Festkostenoptimierung.

Sven Böse

Stand: 29.04.2009