Aktuelle Ausgabe 01/2023

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Die Sonnenblume passt als anspruchslose, extensive Kultur mit wenig Aufwand an Betriebsmitteln wie Stickstoff-Dünger und Pflanzenschutz in die aktuelle („politische“) Landschaft. Zudem verträgt sie Trocken- und Hitzeperioden deutlich besser als andere Ölfrüchte. Kein Wunder also, dass die Anbaufläche hierzulande wächst. Es werden jedoch mehr Sorten benötigt, die unter den hiesigen Bedingungen Leistung bringen.

Schnell gelesen (Kurzfassung):

Zuchtziele:

  • Die Ertragsbildung auch unter klimatischen Stressbedingungen ist das mit Abstand wichtigste Zuchtziel.
  • Darüber hinaus spielen die genetisch manifestierte Widerstandfähigkeit gegen die pilzlichen Erreger Sclerotinia sclerotiorum (Stängel- und Korbfäule) und Botrytis cinerea (Grauschimmel) bzw. deren rassenspezifische Anpassungen eine große Rolle. Der pflanzliche Parasit Orobanche cumana (Sommerwurz) ist eine der Hauptursachen für erhebliche Ertragsausfälle in der Schwarzmeerregion. Nur durch Züchtung von resistenten Sonnenblumensorten war es in den vergangenen Jahrzehnten möglich, diese parasitäre Pflanze effizient zu bekämpfen. Widerstandsfähigkeit gegen den Sommerwurz ist eines der wichtigsten Resistenzmerkmale in den Zuchtprogrammen
  • Weitere Zuchtziele sind Umweltstabilität bei Dürre, Hitze- und Kälte, einige Krankheitsresistenzen und Qualitätsmerkmale wie z. B. Proteingehalt, Schälbarkeit und Frühreife.

Gewinner im Sonneblumenanbau:

HO-Sorten: Das Öl der hochölsäurehaltigen (HO)- Sonnenblumensorten (z. B. DUET CL) unterscheidet sich durch die Fettsäurezusammensetzung sehr deutlich von dem „klassischen“ Sonnenblumenöl. Das HO-Sonnenblumenöl beinhaltet mehr als 80 % Ölsäure, während der Anteil dieser Fettsäure in Sorten der konventionellen Sonnenblume nur etwa 20 % beträgt. HO-Sonnenblumenöle und deren Verarbeitungsprodukte treffen auf gesundheitsbewusste Verbraucher und Verbraucherinnen und die Öle eignen sich für eine cholesterinsenkende Diät


Sorten mit Herbizidresistenz: Einen Meilenstein in der Sonnenblumenzüchtung bildet die Entwicklung von herbizidresistenten Sonnenblumensorten, die den Anbau dieser Kulturart erheblich vereinfacht haben. Bei konventionellen Sorten kann nur im Vorauflauf eine entsprechende Herbizidanwendung gefahren werden, im Nachauflauf entstünden starke Schäden. Demgegenüber ist bei einer Herbizid-resistenten Sonnenblumensorte auch im Nachauflauf der Einsatz im Nachauflauf möglich: entweder mit Acetolactat Synthase-inhibierende Herbiziden (ALS-Herbizide) mit dem Wirkstoff Imazamox (resistente Sorten z. B. Duet CL, ES Unic CL) oder mit Tribenuron-Methyl aus der Gruppe der Sulfonylharnstoffe (möglich bei z. B. Alexa SU, Suomi).


Selektion von neuen Sorten für Deutschland
Auch wenn in der regel Züchtung von Sonnenblumen nicht in Deutschland sondern eher im süd- und osteuropäischen Raum stattfindet, ist es möglich, dem deutschan Anbaureaum geeignete Sorten zur Verfügung zu stellen. Das Zauberwort heißt „Prüfwesen“ oder besser gesagt „intensives, europaweites Prüfwesen“.

Die SAATEN-UNION prüft auf über 20 Standorten in Europa – natürlich auch Deutschland - unter den unterschiedlichsten Bedingungen. Zentral wird dies von der SAATEN-UNION Versuchsstation in Moosburg organisiert. Anhand der Versuchsergebnisse auf den unterschiedlichen Standorten können für Deutschland geeignete Sorten ermittelt und zudem Anbauempfehlungen ausgesprochen werden.


Stand: 07.12.2022