Aktuelle Ausgabe 01SO/2019

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Der gleichnamige Artikel in der Ausgabe 4/2018 hat sich schwerpunktmäßig mit Fruchtfolgen beschäftigt. Der 2. Teil bearbeitet jetzt pflanzenbaulich die Themen Ackerhygiene und Gründüngung und bewertet diese monetär.

Bodenbearbeitung, Bildquelle: Henne
Bodenbearbeitung, Bildquelle: Henne
I. Feldhygiene – die Grundlage des Ackerbaues

Enge Fruchtfolgen, Frühsaaten im Herbst sowie der Wunsch nach einfacher und schneller Arbeitserledigung haben vielfach zu einer schleichenden Vernachlässigung der ackerbaulichen Sorgfalt geführt. Zunehmende Resistenzbildung und Restriktionen zwingen zum kurzfristigen Umdenken und Handeln.


1. Äcker vertragen nur in begrenztem Umfang Fremdbewuchs

Ausfallgetreide belastet die nachfolgende Kultur nur in dem Anbaujahr. Dauerprobleme schaffen Ausfallraps, dessen Samen auf schweren Böden über 10 Jahre lebensfähig bleiben, Ackerfuchsschwanzsamen mit bis zu 20 Jahren Lebensfähigkeit im Boden und diverse Unkräuter mit einer Überlebensdauer von bis zu 60 Jahren. Beim Ausfallsamenmanagement geht es also darum, einen ausgeglichenen Besatz zu managen, mit dem die Kulturen fertig werden und der keinen wirtschaftlichen Schaden verursacht.


2. Pilzbelastete Ernterückstände haben mehrjährige Nachwirkungen

Eine sehr bedeutsame Maßnahme der Feldhygiene ist das Management der Ernterückstände, an denen sich meist mehrere Pathogenen befinden. Ernterückstände müssen schnell verrotten, damit die Vermehrungszyklen unterbrochen werden. Dazu muss das organische Material durch Erntemaschinen und Bodenbearbeitungsgeräte nicht nur gut verteilt, sondern auch gespleißt werden.


3. Die „Grüne Brücke“ ist phytosanitär besonders schädlich!

Vielfach werden die Äcker zwar nach der Ernte schnell bearbeitet, grünen dann aber über längere Zeit vollkommen ungestört durch, sodass einige Unkrautarten bis zur Samenbildung kommen. Bei einer warmen Sommer- und Herbstwitterung entwickeln sich viel schneller boden- und blattbürtige Pilzkrankheiten als im Frühjahr und auch Insekten und Schnecken können sich vermehren. Der Bewuchs muss daher bis zur Neuaussaat im Herbst regel­mäßig bearbeitet werden. Glyphosat ist nicht in der Lage, gleichzeitig Konditionierung von Ernterückständen und Bewuchsmanagement zu bewerkstelligen.


4. Nacherntemanagement durch konsequent flache Bodenbearbeitung statt durch Glyphosat

Nacherntemanagement erfordert eine zeitlich angepasste, mehrfache und konsequent ganzflächig abschneidende Bodenbearbeitung! Den Herstellern von Bodenbearbeitungsgeräten ist es bisher noch nicht gelungen, mit geeigneten Gerätereihen die Lücke zu schließen, die sich durch den Verlust von Glyphosat ergeben hat.


5. Mut und Weitsicht zur Neubestellung von misslungenen Flächen

Zur Feldhygiene gehört auch, nicht reparable bzw. misslungene (Teil)flächen konsequent neu zu bestellen und ggf. zu brachen. Es macht keinen Sinn, einen Restertrag auf Kosten einer langjährigen Belastung des Feldes zu erzielen! Denn: „Äcker haben ein langes Gedächtnis!“


II. Gründüngung – die Herausforderung in Fruchtfolgen

Der Anbau von Zwischenfrüchten zum Zwecke der Gründüngung ist nichts Neues. Dieses Verfahren kommt überwiegend bei speziellen Anwendungen, z. B. zur Nematodenbekämpfung oder zum Erosionsschutz, zum Einsatz.


1. Einordnung von Gründüngung in Fruchtfolgen und phytosanitäre Bewertung

Vorfruchtwert von Zwischenfrüchten
Vorfruchtwert von Zwischenfrüchten

 

Die Fruchtfolgen müssen wegen zunehmender phytosanitärer Probleme vielfältiger werden. Zusätzlich führen Krumenbasisverdichtungen zu Problemen mit der Bodenstruktur und der Durchwurzelbarkeit des Unterbodens.

Sommerkulturen können helfen, phytosanitäre Probleme zu begrenzen.
Sommerkulturen können helfen, phytosanitäre Probleme zu begrenzen.
Das Spektrum von Sommerkulturen zur Erweiterung von Winterkulturfruchtfolgen ist jedoch begrenzt. Wärmebedürftige Kulturen, z. B. Körnermais und Sojabohnen, werden aus klimatischen Gründen mittelfristig nicht bundesweit anbauwürdig werden. Zuckerrüben haben nur regionale bzw. einzelbetriebliche Bedeutung und heimische Körnerleguminosen werden von der Landwirtschaft bedauerlicherweise weiterhin mit Argwohn betrachtet. Was noch bleibt, sind die Sommergetreidearten. Versuche ­zeigen, dass diese nach einer gelungenen „Vorfrucht Gründüngung“ ertragsstabiler sind (s. Tabelle 1).


Zwischenfruchtmischungen, die Varietäten beinhalten, die bereits in der Fruchtfolge vertreten sind, bringen keine positive phytosanitäre Leistung, denn ein deutlicher Besatz mit Ausfallgetreide oder Ausfallraps ist fruchtfolgetechnisch schädlich! Hinzu kommt, dass vielfach nur ein verhältnismäßig kurzes Saatzeitfenster zur Verfügung steht und so die Möglichkeiten einer sorgfältigen Stoppelbearbeitung eingeschränkt werden.


In zweikeimblättrigen Zwischenfruchtkulturen sind keine selektiven Graminizide zur Ausfallgetreidebekämpfung zugelassen. Zwischenfruchtbestände mit stärkerem Besatz an Getreidedurchwuchs vermehren nicht nur Getreidekrankheiten, sondern haben auch eine schlechtere N-Bindungs- und Durchwurzelungsleistung. Zur Wieder-Inkulturnahme ist die 30-fache Wirkstoffmenge Glyphosat anstelle eines modernen Graminizides erforderlich!


2. Strukturbildung

Die Klimamodelle prognostizieren die Zunahme wärmerer und nasserer Winter. Damit ist mit weniger Strukturbildung durch tief gehende Bodenfröste zu rechnen. Nässe über Winter und die prognostizierten zunehmenden Starkregenereignissen im Sommer gefährden die Bodenstruktur. Wenn Bodenstrukturbildung aufgrund klimatischer Entwicklungen immer problematischer wird, gewinnen tief wurzelnde Kulturen wie spezielle Zwischenfruchtmischungen stark an Bedeutung. Eine intensive Bewurzelung, die auf mindestens 1 Meter Bodentiefe geht, benötigt eine Wachstumszeit von mindestens 3 Monaten. Um den ertragsentscheidenden Unterboden strukturell zu verbessern, müssen demnach tief wurzelnde Zwischenfrüchte spätestens Anfang August ausgesät werden. Das ist nur nach einer früh räumenden Vorfrucht möglich!


3. Hohe Nmin-Werte nach der Ernte und im Spätherbst

Die Nmin-Werte sind nach der Ernte und im Spätherbst auch bei normaler Jahreswitterung recht hoch. Zumindest im Norden hat sich der sichtbare Beginn der N-Mineralisation aus der Bodenmineralisation auf frühestens Ende Juni verschoben. Damit können Raps sowie Winter- und Sommergetreide diese N-Quelle nicht mehr ausreichend nutzen. Nur Zuckerrüben und Mais sind dann noch in der Lage, den bodenbürtigen Stickstoff aufzunehmen. Nach der Ernte können hohe Nmin-Werte nur von gelungenen Raps- und Gründüngungsbeständen gebunden werden. Raps hat aber seinerseits das Problem, dass er viel Stickstoff hinterlässt. Den Ausfallraps monatelang wachsen zu lassen, ist phytosanitär absolut unvertretbar! Die Einsaat einer fruchtfolgeverträglichen Gründüngung, z. B. Hafer, nach zweimaliger sehr flacher Stoppelbearbeitung bindet bis zur späteren Weizenaussaat viel Stickstoff.

Körnerleguminosen als Zwischenfrucht hinterlassen ebenfalls hohe N-Restmengen. Der Anbau von Raps nach Körnerleguminosen löst nur ein Teil des Problems. Auch bei einem Doppel-Fruchtwechsel reagiert der 2. Weizen mit einem Minderertrag. Alternativ können die hohen N-Restmengen nach Körnerleguminosen auch nur durch eine Zwischenfrucht gebunden werden.


4. Gülle-Ausbringflächen Herbst

Die neue Düngeverordnung beschränkt im Herbst die Ausbringung von Gülle auf Winterraps, „nicht Greening“- Gründüngung und Wintergerste. Da so gut wie nirgendwo Güllelagerkapazitäten von 9 Monaten und länger vorhanden sind, ermöglicht Gründüngung eine effiziente Verwertung der Herbstgülle bei gleichzeitiger Verminderung der Nmin-Werte.


5. Arbeitserledigung

Da auch Zwischenfrüchte nur eine begrenzte Durchwurzelungsleistung haben, verbessert sich ihre Gesamtleistung nach einer standortgerechten Bodenlockerung. Nur wenn keine Strukturschäden vorhanden sind und die Aussaat noch im Juli erfolgt, entwickelt eine durchwurzelungsstarke Gründüngung auch ohne Lockerung kräftige Pflanzen. Zudem ist eine sorgfältige Bestellung auch bei Zwischenfrüchten Voraussetzung für gut entwickelte Bestände. Drillsaat gewährleistet eine deutlich höhere Anbausicherheit. Sofern ein gleichmäßig gut abdeckender Bestand mit guter Durchwurzelung etabliert werden konnte, ist eine pfluglose Bestellung der Nachfrucht ohne erneute Lockerung möglich.

Zwischenfrüchte verursachen keine Arbeitsspitzen, wenn die Fruchtfolge durch eine Sommerkultur erweitert wird! Eine zusätzliche Entlastung stellt die Bestellung in der arbeitsarmen Zeit bis Ende Juli dar. Allerdings muss man dann den Zwischenfrüchten und nicht dem Raps frühreife Vorfrüchte vorbehalten.

„Die Arbeitserledigung muss sich wesentlich stärker an phytosanitären Erfordernissen orientieren!“


Fruchtfolgen auf Ackerfuchsschwanzstandorten; zum Vergrößern bitte anklicken
Fruchtfolgen auf Ackerfuchsschwanzstandorten; zum Vergrößern bitte anklicken
6. Ökonomische Bewertung

In der Tabelle 2 sind die gleichen Fruchtfolgen wie in Teil 1 dargestellt, jedoch idealisiert mit einer Zwischenfrucht vor jedem Fruchtfolgeglied. In der engen Dreier-Fruchtfolge mit Zwischenfrucht Hafer zur N-Bindung nach Raps muss der nachfolgende Weizen ca. 2 dt/ha Mehrertrag erzielen. Beim Anbau einer anspruchsvollen Zwischenfruchtmischung nach Getreide muss die Nachfrucht etwa 8,1 dt/ha Mehrertrag bringen. Sollte es aber gelingen, zwischen den Fruchtfolgegliedern wiederholt eine Zwischenfrucht zu etablieren, nivellieren sich die notwendigen Mehrerträge auf ca. 5 dt/ha. Ein 11-jähriger stationärer Fruchtfolgeversuch mit regelmäßigem Zwischenfruchtanbau hat gezeigt, dass nach Ertragsschwankungen in der Anfangsphase ziemlich konstant Mehrerträge um 10 % erzielt wurden.


Fazit

Die Sensibilität für Feldhygiene muss wieder ins breite Bewusstsein gelangen, weil es in Zukunft immer weniger Reparaturmöglichkeiten durch Pflanzenschutz geben wird. Anstelle dessen treten verstärkt ausgeklügelte agronomische Maßnahmen! In dem Wechselspiel nimmt die Gründüngung eine wichtige Rolle ein. Sie ist agronomisch nur dann positiv zu bewerten, wenn sie auch die Feldhygiene verbessert. Das muss durch hauptfruchtmäßige Bestellung sichergestellt werden.

Ulrich Henne

Stand: 14.12.2018