Aktuelle Ausgabe 04/2018

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Fachberater aus den Regionen Ost-, West- und Süddeutschland werfen einen fachmännischen Blick zurück und analysieren die Vegetation 2017/2018.

Achim Schneider
Achim Schneider
Der Süden – mit einem blauen Auge davon­gekommen

Der Süden insgesamt ist deutlich besser durch die Saison gekommen als der Norden und weite Teile des Ostens. Für den Südwesten und Süden von Deutschland brachte das Jahr 2018 eine zumeist knapp durchschnittliche, in viele Regionen südlich der Donau teilweise sogar überdurchschnittliche Ernte.


Knospenwelke beim Raps

Nach einem sehr niederschlagsreichen und in langen Phasen frostigen Winter folgte ein spätes aber umso wärmer durchstartendes Frühjahr mit bereits Mitte April fast sommerlichen Temperaturen. Die Bestände versuchten den Vegetationsrückstand von 10–14 Tagen wieder aufzuholen. Insbesondere Rapsbestände, die im Herbst 2017 einen schlechten Start hatten, kamen hier schnell an physiologische Grenzen. Nährstoffe wurden nur unzureichend von den Pflanzen aufgenommen, weil die Böden zumeist noch recht kalt waren und nur wenig Stickstoff mineralisierten, außerdem fehlte die Bodenfeuchtigkeit. Darunter litten andere Kulturen auch, aber beim Raps kam noch der erhöhte Druck durch Rapsglanzkäfer und Schäden durch Rapsstängelrüsslerlarven hinzu. In der Summe hatte das auf vielen Flächen eine Knospenwelke zur Folge wie sie in der Vergangenheit selten zu sehen war.


Starker Krankheitsdruck in Getreide

Waren infolge der Trockenheit Pilzerkrankungen im Getreide lange nur unterschwellig in den Beständen zu finden, so führte die Turboentwicklung der Pflanzen im April dazu, dass so manche Wachstumsregler- oder Düngemaßnahme nicht zeitgerecht gesetzt oder zur Wirkung kommen konnte. Zur Abreife hin wurden viele Weizenbestände von massivem Braunrost- und Getreidehähnchenbefall heimgesucht. Sommergerste erreichte bei der Witterung 2018 oft nur unterdurchschnittliche Bestandesdichten und eine mittlere Kornausbildung.


Erträge waren noch vergleichsweise gut

Die Ernte war in Südwest- und Süddeutschland so früh wie selten: 14 Tage Vegetationsrückstand entwickelten sich schließlich zu einer fast drei Wochen früheren Ernte! Viele Wintergerstenbestände überraschten mit mittleren bis guten Erträgen bei kleinem, aber schwerem Korn. In einigen Höhenlagen allerdings führte das späte Frühjahr zu größeren Einbußen. Weizen und Roggen erreichten ebenfalls zumeist mittlere Ertragsniveaus bei knapper Sortierung und hohen Proteinwerten. Die Erträge beim Raps schwankten zwischen 25–45 dt/ha, jeder Bodenpunkt und jeder Tropfen Regen waren messbar. Insgesamt lag die Rapsernte 30 % unter dem Durchschnitt, bei allerdings überdurchschnittlichen Ölgehalten.

Achim Schneider


Der Nordwesten – immerhin gute Getreidequalitäten

Mit wenig Wurzeln in die Trockenheit

Im Nordwesten lief in der letzten Vegetationsperiode vieles falsch. Es fing schon mit der „suboptimalen“ Aussaat der meisten Winterkulturen im Herbst 2017 an. Anhaltende Nässe im Herbst führte zu einer späten Rapsaussaat, Wintergetreide konnte im späteren Herbst oft gar nicht gedrillt werden. Dadurch, dass der Boden bis ins Frühjahr hinein wassergesättigt war, mussten die aufgelaufenen Pflanzen keine tiefen Wurzeln bilden, was sich im trockenen Frühjahr rächte.

Starker Frosteinbruch im Februar ließ Rapsbestände zurückfrieren, teilweise bis zur Umbruchwürdigkeit. Auch starke Temperaturschwankungen im März setzten dem Raps stark zu und führten besonders in Ostwestfalen zu einer Knospenwelke.

Das Wintergetreide versprach bis zur Trockenphase ab Mai zunächst gute Erträge. Die bereits im April einsetzenden hohen Temperaturen sorgten besonders in Triticale und Winterweizen für frühen Rostdruck. Die Wachstumsreglermaßnahmen mussten eher behutsam dosiert werden, um den Wasserhaushalt der Pflanzen nicht zu stressen.


Schnelle Abreife, schlechte Nährstoffversorgung, unterdurchschnittliche Ernte …

Fast alle Regionen litten am Ende unter Wassermangel. Ein Niederschlagsdefizit von ca. 200 mm in der Hauptentwicklung des Getreides sorgte für eine sehr schnelle Abreife und ernüchternde Erträge. Nur früh mit Stickstoff versorgte Pflanzen wurden daher halbwegs optimal versorgt.

Nach einer sehr frühen Ernte war besonders auf den schwachen Standorten ein Ertragsminus von bis zu 50 % zu verzeichnen – über alle Kulturen. Die Erträge in den besseren Standortgruppen lagen aufgrund des hohen hl-Gewichtes bei Getreide „nur“ ca. 10 – 25 % unter dem langjährigen Durchschnitt, der Raps überraschte mit Praxiserträgen von 40 dt/ha. Bei den Körnerleguminosen wiesen die Erbsen relativ konstante Erträge auf, im Gegensatz zu den Ackerbohnen.

Durch die anhaltende Hitze im Juli und August verschob sich die Aussaat von Zwischenfrüchten. Da auch das Grünland vertrocknete, fürchteten besonders die Milchvieh- und Bullenmastbetriebe um die Futtergrundlage. CCM/Körnermaisbestände reagierten auf den Hitzestress mit Kolbenlosigkeit und starkem Ertragseinbruch. Besonders hart traf es den Zweitfruchtmais: Bei vielen Beständen lohnte die Ernte nicht.


… aber gute Getreidequalität

Aufgrund der sehr heißen Abreifebedingungen waren die Qualitäten − hohe Fallzahlen, kein Mutterkorn − im Weizen und Roggen sehr gut. Die „Gewinnerin“ der Ernte 2018 ist die Wintergerste, die schon über die letzten 5 Anbaujahre sehr ertragstreu war.

Klaus Schulze Kremer


Der Osten – die schlechteste Ernte seit Jahrzehnten

Auch in Ostdeutschland war der Herbst zu feucht, der Winter war vergleichsweise mild – lediglich zwei Wochen Anfang März mit Temperaturen bis -19 °C führten in den Höhenlagen örtlich zu Auswinterungen. Nach dem Schneefall zu Ostern startete die Vegetation recht spät. Die Temperaturen stiegen dann im April drastisch an – die Jahreszeiten wechselten quasi direkt von Winter auf Sommer. So hatten die Nebentriebe des Getreides kaum Zeit sich auszudifferenzieren, sondern gingen direkt ins Schossen über. Aufgrund der schlechten Wurzelentwicklung im Herbst führte diese schnelle vegetative Entwicklung trotz guter Wasser- und Nährstoffversorgung zu Metabolisierungsengpässen.

Dies führte wie auch in anderen Teilen Deutschlands zur Knospenwelke bei Raps.
 


Auch Krankheiten begrenzten den Ertrag

Der weitere Witterungsverlauf in Mai und Juni differenzierte zwischen den Regionen Ostdeutschlands sehr stark. Punktuelle Niederschlagsereignisse sorgten auch innerbetrieblich für unterschiedliche Bedingungen. Der (einzige) Vorteil der langen Trockenheit im Mai und Juni war ein geringer Mutterkornbefall im Roggen.

2018 war ein „Rostjahr“ – und zwar sowohl bezüglich Gelbrost wie auch Braunrost. Der Krankheitsbefall war zusätzlich zum Wassermangel in diesem Jahr der wichtigste ertragslimitierende Faktor.

Die Ernte begann drei Wochen früher als sonst. Die Mindererträge betrugen je nach Region, Bodengüte und Wasserverfügbarkeit zwischen 10 und 60 %. Hiervon sind alle Kulturarten betroffen, wobei die Wintergerste vielerorts noch am besten abschnitt.


Wer kam am besten durch die Saison?

Hinsichtlich der Sorten sollte man dieses Jahr mit Vorsicht interpretieren, da viele Versuche sehr hohe Grenzdifferenzen aufweisen. Die Landessortenversuche Wintergerste zeigen die Tendenz auf, dass Sorten, die im Hektolitergewicht und TKG besser eingestuft sind (z. B. SU Jule), besser mit der Trockenheit zurechtkommen. Bei Weizen kamen eher die blattgesunden Sorten (z. B. Achim) und Einzelährentypen besser mit den Bedingungen zurecht. Aus der Praxis wurde berichtet, dass über alle Kulturen die dichteren Bestände bzw. Bestände mit frühem Reihenschluss in diesem Jahr im Vorteil waren, da sie die Verdunstung von Wasser infolge hoher Sonneneinstrahlung und trockenem Wind minimierten.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es in vielen Gebieten die schlechteste Ernte seit Jahrzehnten war. Die Vorwinterentwicklung und Blattgesundheit waren entscheidend für die Ertragsbildung.

Paul Steinberg

 

Stand: 16.10.2018