Aktuelle Ausgabe 04/2018

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Im 10. Jahr wird bei der Havelland-agrar eG Weseram Hybridweizen angebaut – auf 30–50 % der Weizenfläche. Wann bzw. wo macht dort Hybridweizen Sinn, in welchen Fruchtfolgen und wann ist Hybridweizen wirtschaftlich dem Roggen überlegen? praxisnah sprach mit dem Betriebsleiter Marten Woellner.

Diese freigelegte Ähre lässt hohe Erträge erwarten.
Diese freigelegte Ähre lässt hohe Erträge erwarten.
Die Agrargenossenschaft bewirtschaftet auf meist leichten, stark wechselnden Böden (Durchschnitt 35 BP) knapp 3.000 ha LN, davon 2.400 ha Ackerland. Der Betrieb muss im langjährigen Niederschlagsdurchschnitt mit knapp 550 mm Niederschlag und meist ausgeprägter Vorsommertrockenheit zurechtkommen.

Der reine Marktfruchtbetrieb liefert 8.500 Tonnen Gras und 4.000 Tonnen Mais an externe Biogasanlagen, neben Mais ist Raps die Hauptblattfrucht. Es wird überwiegend pfluglos gearbeitet, lediglich nach Körnermais kommt der Pflug zum Einsatz. Lange Jahre war die Hauptfruchtfolge Winterweizen-Winterweizen-Winterraps. Seit zwei Jahren lautet sie Winterweizen-Winterraps-Winterweizen-Körnermais.

Wie es mit Raps auf dem Betrieb weitergeht, weiß Woellner zurzeit aber noch nicht. Sollte sich Raps nicht mehr rechnen, könnte jedoch an Stelle des Rapses die Sojabohne und eine andere Leguminose treten.


10 Jahre Sortenerfahrung

Seit 2008 arbeitet Marten Woellner als Leiter der Pflanzenproduktion und seit 2016 als Geschäftsführer bei der Havelland-agrar eG Weseram. Seit 2009 bereits steht Hybridweizen auf den Grenzstandorten, auf denen Linienweizen – auch wegen der starken kleinräumigen Schwankungen der Bodenqualität – Schwierigkeiten hat. Dabei sind die unterschiedlichsten Sorten zum Einsatz gekommen, wie Marten Woellner berichtet: „Wir haben mit Hybred (B), einer etwas späteren Sorte, begonnen. Hybred überzeugte vor allem durch eine stabil-hohe Fallzahl, die B-Qualität wurde eigentlich immer erreicht. Die dann folgende Sorte Hystar war zwar früher, hatte aber Schwächen in der Fallzahl, jedenfalls unter unseren Bedingungen. Supererträge hat Hyland geliefert, aber auf diesem Niveau konnten wir dann nur Proteingehalte für C-Qualität realisieren. Ähnlich bei Hybery.“

Hier ist der Boden sehr heterogen - was man den Pflanzen ansieht (zum vergrößern bitte anklicken)
Hier ist der Boden sehr heterogen - was man den Pflanzen ansieht (zum vergrößern bitte anklicken)
Wie erklären sich diese eher untypischen Fallzahlprobleme? „Auf diesen niederschlagsarmen und leichten Böden ist der Stickstoff das Problem: Es muss eigentlich alles im Stadium 32, spätestens EC 39, in der Pflanze sein, sonst wird der Nährstoff nicht mehr umgesetzt. Und da kann es nach hinten raus schon mal eng werden – die Fallzahl macht Probleme. Frühe Sorten funktionieren unter diesen Umständen tendenziell besser als die späten.“ Da machen die neuen Hybridweizensorten, die sich durch eine gute N-Effizienz auszeichnen, Hoffnung: allen voran die Sorte Hymalaya.

Vielversprechende Sorte: Hymalaya
Vielversprechende Sorte: Hymalaya
Statt des auf diesen Standorten für Brandenburg typischen Hybridroggens bekommt in diesem Unternehmen häufig Hybridweizen den Zuschlag. Woellner erläutert: „Auf den wirklich schwachen Böden – ich spreche von denen unter 30 BP – steht Roggen. Auf den Grenzstandorten ab 30 BP habe ich durchaus beide Kulturarten im Vergleich angebaut: In den Produktionskosten sind Hybridroggen und -weizen nahezu identisch, lediglich in den Saatgutkosten ist der Weizen teurer. Trotzdem schneidet er in der Marktleistung besser ab, vorausgesetzt der Marktwert von Weizen liegt klar über Roggen. Unterm Strich ist langjährig betrachtet der Hybridweizen hier für mich rentabler als Hybridroggen.“ Dabei trifft er seine Entscheidungen vorrangig aufgrund betrieblicher Erfahrungen. Das bedeutet: Hier wird hinsichtlich der Sortenwahl, der Kulturart, der Produktionstechnik viel ausprobiert, verglichen – und gerechnet. „Wichtig sind nicht die absoluten Erträge – wichtig ist der langfristige Verdienst/Hektar.“


Precision Farming schafft neue Möglichkeiten

Woellner engagiert sich sehr bei der Weiterentwicklung des Einsatzspektrums für Precision Farming auf dem Betrieb. Seit Jahren arbeitet er sehr eng mit Soft- und Hardwareherstellern zusammen, von Saatstärke über Düngung und Pflanzenschutz: „Das Potenzial ist sehr groß. Aber man muss auch ehrlicherweise sagen, dass die technische Umsetzung in der Praxis oft noch suboptimal läuft. Besonders die teilflächenspezifische Ausbringung von Saatstärken macht noch vielen Herstellern Probleme, wohingegen der Bereich Düngung meist reibungslos läuft. Wir arbeiten mit dem Anbieter für Ackerschlagsoftware Cobera Land Elmid und Claas zusammen.“

Zukünftig legt Woellner auf die teilflächenspezifischen Saatstärken besonderes Augenmerk. Dabei überlegt er auch, in Zukunft Sortenmischungen einzusetzen. „Die Drille von Horsch arbeitet mit zwei Saatguttanks. Theoretisch müsste es also möglich sein, zwei Sorten mit unterschiedlichen Anteilen auszubringen: also z. B. 80 Kö/m² Hyvento und 120 Kö/m² Nordkap auf den besseren Böden und im umgekehrten Verhältnis auf den schlechteren Böden.“ Bei der Sortenkombinationen ist es wichtig, darauf zu achten, dass die Qualität dieselbe ist und auch die grundsätzliche Entwicklung parallel läuft.


Runter mit der Saatstärke – aber wie weit?

Ein wesentlicher Kostenträger ist bei Hybridweizen bekanntlich das Saatgut. Es liegt also nahe, möglich weit mit den Aussaatstärken herunterzugehen. „Dabei muss man sich individuell herantasten. Bei uns war schon bei 120 Körnern pro Quadratmeter das Optimum weit unterschritten. Denn wir haben hier jedes Jahr Schäden durch Gänsefraß. Wenn die durch einen ohnehin grenzfällig dünnen Bestand laufen, entstehen Lücken, die auch Sorten mit großer Kompensationsfähigkeit nicht wieder schließen können. Und in diesen Lücken gibt es dann Ungrasdurchwuchs. Wir sind wieder auf 150–170 Körner pro Quadratmeter zurückgegangen, das ist sicherer und im Hinblick auf eine gute Unkrautunterdrückung besser.“

Die Versuche für Vereinzelungssaat bei Weizen, die von der SAATEN-UNION, der Hanse Agro und Horsch durchgeführt werden, fand Woellner sehr interessant (1). „Das könnte ich mir hier auch gut vorstellen, auch in Kombination mit kalibriertem Saatgut.“


Düngung ist auf leichten Standorten kniffelig

Die Stickstoffdüngung muss, wie erwähnt im Stadium 32/39 in der Pflanze verfügbar sein, um ertragswirksam zu werden. Gute Erfahrungen hat Marten Woellner mit Nährstoffbeizen gemacht. „Diese Maßnahme ist recht teuer, trotzdem aber für die leichten Standorte interessant; besonders in den Jahren, in denen die Vegetation spät startet.“ Da die Hauptgabe früh erfolgt, ist auch Flüssigdünger eine Alternative. Bisher wurden nur die Vorgewende mit dem exakter auszubringenden Flüssigdünger gedüngt, aber vermutlich wird diese Methode ausgeweitet. „Flüssigdünger kann man auch bei leichtem Wind ausbringen und insgesamt überzeugt das Ergebnis, weil diese Methode einfach exakter und auch besser steuerbar ist“, lautet seine Meinung. Insgesamt bekommt der Winter­weizen ca. 150–190 kg/ha je nach Standort beim Weizen (inkl. Nmin).


Ökonomie immer nur in der Gesamtheit betrachten

Bald vielleicht eine Teil-Alternative zu Raps: Soja
Bald vielleicht eine Teil-Alternative zu Raps: Soja
Hybridweizen hält dem ökonomischen Vergleich mit Roggen nicht nur stand, in Normaljahren schneidet er sogar besser ab. Der Durchschnittsertrag auf den Böden ab 30 Bodenpunkten liegt bei 65–68 dt/ha (Linien und Hybridsorten, bei einem Anteil von 30–50 % Hybridweizen). Im langjährigen Mittel liegen die Erträge der Hybridweizensorten deutlich über denen der Linienweizen. Läuft jedoch witterungsbedingt alles optimal – das betrifft in erster Linie natürlich die Niederschlagsverteilung – ist die Ertragsüberlegenheit des Hybridweizens nicht mehr so deutlich wie in den hier üblicheren Jahren mit Vorsommertrockenheit. Ein weiterer Vorteil frühreifer Hybridweizensorten wie z. B. Hyfi ist: Die um wenige Tage frühere Ernte entzerrt die Arbeitsspitzen bzw. verbessert die Drescherauslastung. Die bessere Arbeitsverteilung ist laut Woellner auch ein wichtiges Argument dafür, dass in den letzten Jahren die Sojabohne als Marktfrucht die Fruchtfolge auflockert –neben den Vorteilen für den Boden, die die Leguminose mitbringt.

„Wie es mit dem Rapsanbau weitergeht, wissen wir nicht genau. Der Rapsanbau wird zunehmend schwieriger. Daher kann die Sojabohne eventuell eine Alternative darstellen. Jetzt heißt es daher erst einmal Erfahrung zu sammeln“, erläutert Woellner.


Langfristige Wettbewerbsfähigkeit sichern

Zudem will er auch in den kommenden Jahren modernste Technik einsetzen, um die Ressourcenausnutzung zu verbessern.

Marten Woellner: „Ich bin der festen Überzeugung, dass die deutschen landwirtschaftlichen Betriebe nur mit modernsten Technik, modernen Sorten und der Bereitschaft, sich permanent weiterzuentwickeln wettbewerbsfähig bleiben. Wir bewirtschaften unsere Böden nachhaltig, sodass nicht nur das Auskommen mehrerer Familien jetzt gesichert werden kann und soll, sondern auch das Auskommen der nächsten Generation.“

Dr. Anke Boenisch und Sven Böse

 

1 (wir berichteten in Ausgabe 4/2017 „Höhere Getreideerträge mit Vereinzelungssaat“)


Links zu themenrelevanten Beiträgen (Stand 5. Juli 2018), Achtung: Es kann passieren, dass diese Links im Laufe der Monate und Jahre ihre Gültigkeit verlieren.

"Weniger ist oft mehr"

Neue Maßstäbe

Hybridweizen im Kommen  

Höhere Erträge mit Vereinzelungssaat?

Hymalaya

 

 

Stand: 04.07.2018