Aktuelle Ausgabe 02/2018

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Greening, Agrarumweltmaßnahmen, die Forderung des Lebensmitteleinzelhandels nach gentechnikfreier Fütterung: Es läuft sehr gut für die Leguminosen. Doch für den Landhandel sind heimische Leguminosen wirtschaftlich wegen des relativ geringen Umfangs oft immer noch uninteressant. Für eine wirtschaftliche Logistik ist also Eigeninitiative gefragt!

Aufgrund dieser neuen Rahmenbedingungen haben sich sowohl Ackerbauern als auch Milchviehhalter mit dem Anbau und Verwertungsmöglichkeiten von Leguminosen wie Ackerbohnen, Erbsen, Lupinen und Soja auseinandergesetzt: Die Anbaufläche stieg um 100 %! In Schleswig-Holstein wird traditionell im Östlichen Hügelland und in den Meer- und Flussmarschen an der Westküste Marktfruchtanbau betrieben. Die Leguminose der Wahl ist in diesen Gebieten die Ackerbohne, denn sie lockert die enge Fruchtfolge auf und erzielt gute Erträge. Momentan fehlt es noch an attraktiven Preisen und nachhaltigen Handelsstrukturen, um die Ackerbohne als gängige Marktfrucht in die Fruchtfolge zu integrieren.

Dagegen hat sich die Milchviehhaltung und der Futteranbau vorrangig auf dem Geestrücken spezialisiert. In der Milchviehfütterung wäre die Ackerbohne mit ihrem hohem Energiegehalt und einem Proteingehalt von 25 % sehr gut einsetzbar und in Verbindung mit Rapsschrot und anderen Kraftfutter eine gute heimische Alternative zu GVO-Sojaschrot aus Übersee. Dennoch meiden die viehhaltenden Betriebe aus verschiedenen Gründen den Anbau von Ackerbohnen.

Stefan Wendtland und Martin Schuldt; Bild: van het Loo
Stefan Wendtland und Martin Schuldt; Bild: van het Loo
Zum einen ist das Ertragspotenzial auf den humosen-sandigen Böden verringert, zum anderen haben die Betriebe häufig ihre Feldarbeiten ausgelagert und besitzen keine Trocknungs- und Lagermöglichkeiten.

Unter normalen Umständen würde der Landhandel den Transfer zwischen Ackerbohnenproduzent und Verwerter übernehmen, doch wegen des geringen Anbauumfangs ist es wirtschaftlich meist noch zu uninteressant. Daher sind gute Ideen gefragt, wie Milchvieh und Ackerbohne zusammenfinden – mit Gewinn für beide Seiten.


Eigeninitiative ist bei fehlenden Handelsstrukturen gefragt

geerntete Ackerbohnen
geerntete Ackerbohnen
Immer mehr interessierte Milchlandwirte suchen sich einen Partner, der Ackerbohnen anbaut, lagert und sie kontinuierlich nach Bedarf beliefert. Ein Beispiel sind zwei befreundete junge Betriebsleiter aus dem südlichen Kreis Steinburg in Schleswig-Holstein. Sie haben aus der Not eine Tugend gemacht und arbeiten im Bereich Marktfrucht- und Ackerbohnenanbau zusammen.

Stefan Wendtland hält ca. 125 Kühe und bewirtschaftet 120 ha Acker- und Grünlandflächen auf unterschiedlichen Böden wie Sand, Moor und Marsch. Martin Schuldt bewirtschaftet ca. 260 ha, überwiegend Marschflächen, und mästet knapp 6.000 Schweine im Jahr. Er baut seit 2013 jährlich über 20 ha Ackerbohnen an und erfüllt damit die Greening-Auflagen. Die Ackerbohne passt gut in seine Fruchtfolge und erzielt im Schnitt zufriedenstellende 6 t/ha Ertrag. 65 % seiner Ernte verkauft er an Stefan Wendtland, den verbleibenden Teil setzt er selber in seiner Mastfütterung ein.


Betriebsspiegel Stefan Wendtland

125 Kühe + Nachzucht

70 ha Grünland/50 ha Ackerland

  • 13,5 ha Roggen
  • 11 ha Sommergerste
  • 7,5 ha Mais
  • 7 ha Ackerbohnen
  • 6 ha Winterweizen
  • 5 ha Futterrüben
  • 7,5 ha Mais (Zukauf)

Betriebspiegel Martin Schuldt

1958 Mastplätze

262 ha Ackerflächen

  • 25 % Raps
  • 8 % Ackerbohnen
  • 15 % Wintergerste
  • 15 % Triticale
  • 27 % Winterweizen

GVO-freie Fütterung braucht heimisches Eiweiß

In den letzten Jahren stellte Stefan Wendtland seine Fütterung komplett von einer maisbetonten Ration mit sojahaltigem Kraftfutter zu einer ausgeglichenen grasbetonten Futterration mit fast ausschließlich selbstproduzierten GVO-freien Kraftfutterkomponenten um. Diese Entwicklung wurde durch die Pachtung von Grünland und die Umstellung seiner Molkerei auf GVO-freie Milchverarbeitung begünstigt. „Durch die stetige Verbesserung der Grünlandnarbe, stieg die Futterqualität der Silage“, so der Landwirt, „so brauchte ich weniger Mais anzubauen. Die frei gewordene Fläche nutze ich nun für Ackerbohnen, Futterrüben und Getreide wie Roggen, Weizen und Sommergerste.“ Da der Landwirt keine eigene Lagerungsmöglichkeit für Getreide und Ackerbohnen hat, übernimmt dies für ihn sein Freund Martin Schuldt.

„Dies ist kein Problem, ich habe genügend Lagerraum und meine eigenen Ackerbohnen können bei Stefan prima verwertet werden“, so Schuldt. „Dies ist meine einzige Sommerung in der Rotation und hilft mir ganz entscheidend bei der Eindämmung des Ackerfuchsschwanzes.“ Das Problem zunehmend resistenter Ackerfuchsschwanzpopulationen ist in Schleswig-Holstein allgemein in den letzten Jahren immer drängender (oder offensichtlicher) geworden.


Firma Schaumann unterstützte die Umstellung der Fütterung

„Bei der Umstellung zur GVO-freien Fütterung hat mir mein Berater von der Firma Schaumann geholfen. Er ist der Meinung, dass Ackerbohnen eine preiswerte Energie- und Eiweißkomponente ist, die sich hervorragend in der Milchviehfütterung einsetzen lässt, “ so Stefan Wendtland. Seine Herde hat eine Milchleistung von 9.300 kg Milch/Jahr und bekommt 7 kg selbstgemischtes Kraftfutter bestehend aus 2 kg Rapsschrot, 2,5 kg Sommergerste/Weizen und 2,5 kg Ackerbohnen. Alle 10 Tage kommt eine mobile Mühle auf den Betrieb und mischt alle Komponenten mit Mineralfutter, Futterkalk und Viehsalz. Diese Kraftfuttervormischung wird in dem Futtermischwagen mit dem Grundfutter bestehend aus 55 % Gras- und 45 % Maissilage vermengt und den Kühen vorgegeben. Dazu kommt je nach Leistungsphase der Kuh ca. 1 kg 18/3 Kraftfutter als Lockfutter im Melkstand.

Doch der Anfang war nicht ganz frei von Problemen, wie der Betriebsleiter erläutert: „Ganz zu Anfang bemerkte ich, dass mir die Harnstoffwerte zu hoch waren. Ich habe daraufhin etwas Rapsmenge reduziert und die Weizenmenge etwas erhöht. Als ich merkte, dass dadurch etwas Milch verloren ging, korrigierte ich es wieder und optimierte die Ration mit Hilfe meines Beraters weiter. Nun steigt die Milchleistung kontinuierlich an und liegt sogar höher als im Vorjahr! “


Kostenersparnis bei der Futterumstellung

Sehr zufrieden ist er auch mit der Kostenkalkulation für die Produktion und Zubereitung seiner Kraftfuttermischung. „Ich spare 40.000 € Kraftfutter aus unbekannter Herkunft und wechselnder Zusammensetzung ein und investiere lieber in Futterkomponenten, bei denen ich genau weiß, was ich im Trog habe! Die Kühe danken es mir mit guter Gesundheit, Fruchtbarkeit, besseren Klauen und geringeren Tierarztkosten.“


Kostenkalkulation der Futterumstellung

Bei der Kalkulation wurden die Marktpreise der Kulturen zugrundegelegt, also der Marktwert des Futtermittels, wenn es zugekauft worden wäre. Demnach müsste für das jetzige Kraftfutter weniger ausgegeben werden, als für das sojabasierte Kraftfutter vor der Futterumstellung. Bei der Bestimmung des Marktpreises der Ackerbohnen richten sich beide Landwirte nach dem Proteinwert der Ackerbohne. Es findet eine Mischkalkulation zwischen dem Weizenpreis und Soja- und dem Rapspreis statt, so kann aus ihrer Sicht der Futterwert der Ackerbohne gut abgebildet werden.


Zusammenarbeit mit Zukunft

Für die Zukunft hat das Team noch viele Pläne. Um diese verwirklichen zu können, wünschen sie sich von der Agrarpolitik Planungssicherheit für die Entwicklung ihrer Betriebe. Die Umstellung durch das Greening sieht Schuldt gelassen entgegen. Er will die Greening-Auflagen mit Gewässerrandstreifen erfüllen und wird weiterhin Ackerbohnen anbauen. Auf einer kleinen Greeningfläche wird er den Ackerbohnenanbau ohne Pflanzenschutz ausprobieren und versuchen, mit mehreren Striegel-Gängen den Bestand sauber zu halten. Aus Überzeugung werden beide Landwirte den Ackerbohnen und ihrer Verwertung treu bleiben und ihre Nutzung intensivieren.

Silke van het Loo

Stand: 30.04.2018