Aktuelle Ausgabe 02/2018

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Spelzweizen – oder Dinkel – hat in den letzten 25 Jahren den Sprung von der Schwäbischen Alb hin zu einem bundesweiten Anbau geschafft. In den letzten Jahren hat Dinkel Einzug in alle Bereiche der Back- und Teigwaren gehalten. Das Deutsche Brotinstitut e.V. kührte 2018 das Dinkel-Vollkornbrot zum Brot des Jahres und zeigt damit auch die Bedeutung dieser Getreideart.

Neuzulassung Zollernperle
Neuzulassung Zollernperle
Die Anbaufläche hat sich in Deutschland auf rund 80.000 ha eingependelt, wobei der Schwerpunkt der Fläche immer noch in Bayern und Baden-Württemberg liegt. 40 % der Anbaufläche werden nach Richtlinien des ökologischen Anbaues bewirtschaftet, 60 % im konventionellen Anbau. Verglichen mit anderen Getreidearten ist der Anteil an ökologischer Fläche sehr hoch: Selbst Hafer bringt es nur auf einen Anteil von gut 23 % (2016, Statist. Bundesamt). In beiden Produktionsbereichen jedoch hat Spelzweizen den Anbau von schwächeren auf die besseren Standorte geschafft. Dies ist vor allem der gestiegenen Nachfrage im Markt zu verdanken. Diese führte zunächst zu steigenden Preisen, in der Folge wurden die Anbauflächen ausgeweitet, was wiederum einen starken Preisrückgang nach sich zog. Dies verunsicherte die Produktionsseite und viele stiegen aus der Dinkelproduktion wieder aus. Doch jetzt hat sich die Anbaufläche stabilisiert, weil viele Betriebe sich sichere Vermarktungsstrukturen aufgebaut haben und im Vertragsanbau produzieren – Dinkel ist hier fester Bestandteil der Fruchtfolge.


Züchtung für ökologischen und konventionellen Anbau

In der Züchtung sind beide Anbaumethoden präsent und haben ihren Einfluss. Natürlich spielt der Ertrag beiderseits eine große Rolle, aber auch Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten wie Mehltau und Gelbrost oder die Verbesserung der Standfestigkeit sind wichtige Zuchtziele. Nach der letzten schwierigen Ernte rückte auch das Thema Fallzahl und Fallzahlstabilität in den Fokus der Anbauer. Für die Verarbeitung spielt dann besonders bei Dinkel die Qualität eine Rolle. Dies bedeutet eine Vielzahl an Züchtungszielen im Bereich Qualität und Agronomie.

Züchtungsfortschritt in Ertrag, Qualität und Agronomie wird bei neuen Dinkelsorten über das Bundessortenamt in einer 3-jährigen Prüfung abgeprüft. Nur bei einem erkennbaren Zuchtfortschritt kann eine Sorte zugelassen werden. Die Anzahl an Prüfkandidaten und Neuzulassungen ist bei dieser Kulturart jedoch deutlich geringer als bei Winterweizen oder Wintergerste. So gab es für Dinkel in den letzten drei Jahren fünf Neuzulassungen und bei Winterweizen in 2017 alleine 14 neu zugelassene Sorten.


Zuchtfortschritt Spelzweizen; zum Vergrößern das Bild bitte anklicken
Zuchtfortschritt Spelzweizen; zum Vergrößern das Bild bitte anklicken
Positive Entwicklung bei Ertrag, Standfestigkeit und Gesundheit

Abb. 1 macht den Züchtungsfortschritt beim Parameter Ertrag der letzten Jahre deutlich. Die 1988 zugelassenen Sorten sind erheblich ertragsschwächer als die jüngeren Sorten. Badenkrone, Badensonne und die neu zugelassene Zollernperle liegen im Ertrag deutlich über den bewährten Sorten (Tab. 1). Zollernperle und Badenkrone bilden dabei mit der Bewertung 8/8 im behandelten und unbehandelten Vesen-Ertrag das „Spitzenduo“. Bei den neueren ertragsstärkeren Sorten wird sich jetzt im Praxisanbau zeigen müssen, ob sie die bewährten Sorten vom Markt verdrängen können und es in eine längerfristige Listung bei den Mühlen und Verarbeitern schaffen.

zugelassen Dinkelsorten: Stärken und Schwächen
zugelassen Dinkelsorten: Stärken und Schwächen
Positiv entwickelt sich auch der Punkt Lageranfälligkeit: Die Standfestigkeit nimmt zu, bei teilweise nicht deutlich geringerer Pflanzenlänge. Ebenso wie bei Winterweizen spielen Blattkrankheiten eine Rolle. So zeigen die beiden Neuzulassungen 2018, Woldemar SZS und Zollernperle, eine geringe Anfälligkeit für Gelbrost (APS 3), im Gesamtsortiment findet sich auch eine Sorte mit einer deutlich höheren Anfälligkeit (APS 6). Im Vergleich zu dem Mittelwert der vor 2018 zugelassenen Sorten hat sich die Gelbrostanfälligkeit um fast 2 Noten verbessert! Insgesamt spielt die Verbesserung der Blattgesundheit für den ökologischen und den extensiven Anbau und damit auch als Zuchtziel eine entscheidende Rolle. Auch bei Mehltau bringen die Neuzulassungen eine sehr gute Widerstandsfähigkeit mit.


Mehrertrag ohne Qualitätsverlust
Mehrertrag ohne Qualitätsverlust
Trotz Mehrertrag stabile Qualität

Die neue Genetik muss sich aber nicht nur auf dem Feld, sondern auch bei den Verarbeitern und in der Qualität beweisen. Zeigen sich hier Schwächen, findet eine Sorte keinen langfristigen Weg in den Markt. Vergleicht man die ertragsstarke Neuzulassung Zollernperle in der Qualität mit den Verrechnungssorten der Wertprüfungen, kann man sehen, dass sich Mehrertrag nicht zwangsläufig negativ auf die Qualität auswirkten muss (Tab. 2). Erwartungsgemäß liegt der Roproteingehalt aufgrund der hohen Erträge zwar niedriger als der von Zollernspelz und Franckenkorn jedoch immer noch deutlich über dem häufig geforderten Mindestwert von 13,0–13,5 %. Bei den Parametern Kern- und Mehlausbeute liegt die Neuzulassung sogar vorn.


Fazit

Die Neuzulassungen 2018 zeigen Züchtungsfortschritt bei Spelzweizen im Punkt Ertrag, Gesundheit und/oder Qualität. In den nächsten Praxisjahren wird sich zeigen, ob sie die bewährten Sorten vom Markt verdrängen können und eine längerfristige Listung bei den Mühlen und Verarbeitern erlangen.

Mareike Bredtmann

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Stand: 30.04.2018