Aktuelle Ausgabe 03/2018

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In den letzten drei Jahren hat sich die Anbaufläche der Körnerleguminosen mehr als verdoppelt, auch aufgrund der Tatsache, dass die 1. und 2. Säule der GAP den Anbau begünstigt. Das Verbot von Pflanzenschutzmitteln auf Ökologischen Vorrangflächen hat nun viele verunsichert. Kann der konventionelle Anbau trotzdem gelingen? Erfahrene Praktiker berichten.

letzter Striegelgang
letzter Striegelgang
Neben der Tatsache, dass Leguminosen als Ökologische Vorrangfläche anerkannt wurden, haben auch die zahlreichen Förderprogramme der Länder zu der Entwicklung des Leguminosenanbaus beigetragen. Die gestiegenen Erntemengen wurden zunehmend für Landhändler und Futtermischer interessant, neue Vermarktungswege etablierten sich und auf den Betrieben wurden Bohnen und Erbsen (wieder) zu gefragten Futterkomponenten für Rind und Schwein.

Ab dem 01.01.2018 ist ein Pflanzenschutzeinsatz auf Ökologischen Vorrangflächen jedoch nicht mehr erlaubt, dafür wurde der Anrechnungsfaktor von 0,7 auf 1,0 angehoben. Viele Landwirte haben diese Möglichkeit für einen Leguminosenanbau genutzt und fürchten nun aufgrund eines steigenden Anbaurisikos eine Fortsetzung.  Durch die langsame Jugendentwicklung und die geringe Konkurrenzstärke der Ackerbohnen und Körnererbsen haben besonders Wurzelunkräuter wie Disteln, Kornblume, Kruziferen und sommerannuelle Unkräuter ein leichtes Spiel. Bei feuchter Witterung kann dann eine Spätverunkrautung den Mähdrusch erschweren. Es muss daher ein möglichst unkrautfreier Bestand zum Reihenschluss etabliert sein, da dies das Risiko einer Spätverunkrautung reduziert, wenn sich der Bestand bei der Abreife wieder lichtet. Ist dies ohne Herbizide möglich?


Expertengespräch soll Anregungen geben

Ökologisch wirtschaftende Betriebe verfügen naturgemäß über einen großen Erfahrungsschatz in der Produktion von Ackerbohnen und Erbsen. Peter Stuckert, Betriebsleiter Gut Klepelshagen, Johannes Lampen, Betriebsleiter Gut Vorder Boltenhagen (beide Mecklenburg-Vorpommern) sowie Gustav Alvermann, der in Norddeutschland tätige Bio-Ackerbauberater, berichten in einem Gespräch mit Silke van het Loo, Produktmanagerin für Leguminosen bei der Norddeutschen Pflanzenzucht, von ihren Erfahrungen.


Gustav Alvermann
Gustav Alvermann
Mit der Fruchtfolge den Unkrautdruck senken

Berater Gustav Alvermann:
Noch vor der Frage nach der „richtigen“ Unkrautbekämpfung stehen für Gustav Alvermann die Auswahl und Abfolge der Kulturpflanzen in der Fruchtfolge. Ein Wechsel von Sommerung und Winterung mit konkurrenzfähigen Sorten und einer höheren Aussaatstärke kann den Unkrautdruck auf der Fläche wirkungsvoll reduzieren. Am wichtigsten ist Gustav Alvermann aber ein 1–2-jähriger Kleegrasbestand in der Fruchtfolge. Denn dieser sammelt nicht nur Stickstoff, sondern fördert auch die Bodenfauna, deren Nahrungsquelle teilweise auch aus Unkrautsamen besteht. Bei einer regelmäßigen Schnittnutzung werden Wurzelunkräuter wie Disteln reduziert.

„Öko-Landwirte, die ihre Fruchtfolge und ihren Pflanzenbau wie Sorte, Saatstärke und Bestellqualität im Griff haben, benötigen in den meisten Druschkulturen insbesondere im Getreide weder Striegel noch Hacke“, so die provozierende Meinung des Beraters. Dennoch räumt er ein, dass Ackerbohnen und Erbsen aufgrund ihrer langsamen Jugendentwicklung auf „Hilfe“ angewiesen sind. Bei ihnen böte sich aufgrund der tiefen Saat als entscheidende Maßnahme ein 1–2-maliges Blindstriegeln an.


Betriebsleiter Peter Stuckert:
Auf beiden besuchten Betrieben wurden vielseitige Fruchtfolgen entwickelt, in der die Körnererbsen und Ackerbohnen als Vermarktungsfrucht integriert sind.

Gut Klepelshagen

Deutsche Wildtier Stiftung Uckermark/Vorpommern

1.000 ha Ackerfläche, 400 Grünland, 900 ha Wald,

650 Fleischrinder, 30–50 BP, hoher Wilddruck

Peter Stuckerts Flächen sind stark kupiert und bestehen aus sandigen Lehmen bzw. lehmigen Sanden, die stark zu oberflächlichen Verkrustungen neigen. Die Fruchtfolgeglieder seiner fünffeldrigen Fruchtfolge sind: 20 % Kleegras, 20 % Dinkel/Winterweizen, 20 % Hafer (glutenfreie Produktion)/Sommergerste, 20 % Körnerleguminosen (Körnererbsen, weiße Lupine, Ackerbohnen), 20 % Roggen/Triticale. In vier von fünf Fruchtfolgegliedern etabliert er eine Untersaat, um damit die Flächen vor Wind- und Wassererosionen zu schützen. „Bei mir sind die Flächen immer grün. Eine vielfältige Fruchtfolge mit Untersaaten fördert das Bodenleben, den Humusaufbau und bindet den Stickstoff in der organischen Masse.“

Er baut jedes Jahr ca. 140 ha Körnererbsen mit einer Leindotter/Rotschwingel-Untersaat an und ist mit dem durchschnittlichen Ertragsniveau von 40 dt/ha sehr zufrieden. Dabei versucht er, Anbaupausen von 10 Jahren bei Erbsen und 5 Jahren bei Ackerbohnen und Lupinen einzuhalten. Die Zwischenfrucht wird im Frühjahr vor der Erbse eingearbeitet und untergepflügt, das fördert über die Bodenerwärmung eine zügige Jugendentwicklung und einen schnellen Bestandesschluss.

Erbsenfeld, Bad Doberan 2017
Erbsenfeld, Bad Doberan 2017
Die Erbsen werden von den Sommerungen als erste Kultur gedrillt und der Betriebsleiter legt größten Wert darauf, dass der Boden dann in einem optimalen Zustand ist:
 „Nur optimal gedrillte Erbsen sind leistungsfähig, robust und bekommen keine Läuse.“ Die auf 5–6 cm Tiefe gesäten Erbsen werden ab dem vierten Tag nach der Saat gewalzt, um die Steine zu beseitigen und die ersten Unkräuter zu vernichten. Danach erfolgt so oft wie möglich ein Blindstriegeln. Dafür stehen ihm ein 12-m-Hatzenbichler-Zinkenstriegel und eine 8-m-Rollhacke (Rotary Hoe) bzw. ab 2018 eine 12-m-Rollhacke von Hatzenbichler zur Verfügung. Die Rollhacke ist besonders geeignet für lehmige Standorte, bei denen die Oberfläche durch Regen schnell verkrustet. Sie wird durch die Geschwindigkeit des Schleppers angetrieben und bricht die Verkrustungen durch ihre gebogenen Zinken auf. Dadurch wird das Unkraut ebenfalls herausgehebelt. Die Rollhacke kann mit einer hohen Geschwindigkeit bis 25 km/h gefahren werden und hat damit eine hohe Flächenleistung.

Danach ist eine lose schüttfähige Oberfläche für den Striegel geschaffen. „Bei mir sitzt eine erfahrene Fachkraft beim Striegeln auf dem Trecker: Man braucht Erfahrung, um den Druck der Zinken einzustellen, sodass die Erbsen noch stehen bleiben und das Unkraut beseitigt wird. Beim Striegeln werden in der Literatur 10 % Verluste angenommen, bei mir sind sie geringer“, stellt Peter Stuckert fest. Die Körnererbsen können so lange gestriegelt werden, bis sie sich verranken, dies entspricht ca. dem 6-Blatt-Stadium.

Untersuchungen zeigen, dass die Unkräuter kurz vor dem Durchstoßen im sogenannten „Fädchenstadium“ am empfindlichsten sind. In diesem Wachstumsstadium werden sie am leichtesten aus dem Boden herausgezogen und können an der Bodenoberfläche vertrocknen oder verschüttet werden. Eine trockene Witterung nach dem Striegeln ist daher für die Wirksamkeit dieser Maßnahme extrem wichtig.


Betriebsleiter Johannes Lampen:
Johannes Lampen ist der Leiter des Gutes Vorder Bollhagen und stellte den Betrieb 2004 auf ökologischen Landbau mit Schwerpunkt Marktfruchtanbau und Direktvermaktung um. Auch er baut auf eine fünffeldrige Fruchtfolge beginnend mit einem Kleegras. Es schließen sich die Fruchtfolgeglieder Winterraps und Sommerweizen an. Im dritten Jahr folgen ebenfalls Sommergetreide und Konsumkartoffeln bzw. Pflanzkartoffelvermehrung. Die Leguminosen Körnererbsen und Ackerbohnen werden nach einer mit Grünschnittkompost gedüngten Buchweizen/Phacelia-Zwischenfrucht im vierten Jahr angebaut. Im letzten Fruchtfolgeglied werden die Wintergerste und der Winterroggen zeitig bestellt, damit diese eine gute Vorwinterentwicklung haben und den frei werdenden Leguminosenstickstoff aufnehmen und über Winter konservieren. 

GVB Gut Vorder Bollhagen Bad Doberan/ Mecklenburg-Vorpommern

500 Ackerland, 200 ha Grünland,

40 BP, 600 mm Jahresniederschlag,

1.375 Legehennenplätze, 1.000 Plätze Hähnchenmast, 1.800 Pekingenten, 200 Rinder, 100 Schafe

Die Ostseenähe führt im Frühjahr zu kalten, „trägen“ Böden, weshalb hier vor der Erbsenaussaat der Pflug zum Einsatz kommt. „Ich habe festgestellt, dass das feine Wurzelwerk der Erbsen hier eine gute Lockerung von 20 cm braucht. Durch den Pflugeinsatz ernte ich 5 dt/ha mehr“, hat der Betriebsleiter beobachtet. „Ich baue seit 14 Jahren Erbsen an, das Ertragsniveau lag in den letzten drei Jahren deutlich über 40 dt/ha. Seit drei Jahren vermehre ich Ackerbohnen mit durchschnittlich 40 dt/ha.“

Er wählt für die Leguminosen zwar einen möglichst frühen Aussaatzeitpunkt im März, aber es gilt auch hier die Regel „Bodenzustand geht vor Zeit“. Dabei werden die Erbsen in einem Reihenabstand von 12,5 cm bei 5 cm Tiefe gesät, die Ackerbohnen in einem weiten Reihenabstand von 37,5 cm bei 8 cm Ablagetiefe, was ein Hacken erlaubt.

Nach der Saat erfolgt ein mehrmaliges Striegeln im Vor-und Nachauflauf alle 5–10 Tage bis die Erbsen sich verranken bzw. bis zum 3–4-Blattstadium der Ackerbohnen. Bei dem verwendeten 6 m Zinkenstriegel von Treffler lässt sich der Zinkendruck hydraulisch einstellen und die Zinkenaufhängung passt sich dem Boden an, sodass immer derselbe Druck herrscht. Es sind Fahrgeschwindigkeiten von bis zu 6 km/h möglich. Bei Ackerbohnen kommt, wenn nötig, kurz vor der Blüte eine 4-m-Fronthacke von Schmotzer mit Gänsefußscharen zum Einsatz, die jedoch nur eine Arbeitsgeschwindigkeit von 2 km/h zulässt.

Eine exakte Abstimmung zwischen der Arbeitsbreite der Drillmaschine und der Hacktechnik ist sehr wichtig und GPS-Technik kann helfen, Fehler zu reduzieren.


Beide Beispiele zeigen, dass Leguminosenanbau auch ohne Pflanzenschutz gelingen kann, jedoch Erfahrung braucht. Und nicht auf jedem konventionell wirtschaftenden Betrieb steht die notwendige Technik zur Verfügung. Allerdings besteht dann die Möglichkeit, diese Arbeiten im Lohn von erfahrenen Ökolandwirten durchführen zu lassen.

 

Silke van het Loo

 

Stand: 18.12.2017