Aktuelle Ausgabe 03/2018

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Die Praxis hat gezeigt, dass einseitige Mais-Fruchtfolgen die Bildung neuer Unkrautgesellschaften sowie ein erhöhtes Vorkommen von Pilzkrankheiten und tierischen Schädlingen fördern. Kann der Anbau von Zwischenfrüchten diese Nachteile (teilweise) ausgleichen?

Gelbsenf, Quelle: P.H. Petersen
Gelbsenf, Quelle: P.H. Petersen
Der biologische Landbau schätzt Zwischenfrüchte seit jeher auch aufgrund ihrer unkrautregulierenden Wirkung. Dies gilt sowohl für die „klassische“ Variante zwischen zwei Hauptkulturen als auch für in die Hauptkultur integrierte Untersaaten. Doch auch im konventionellen Landbau erobern sich die Zwischenfrüchte aufgrund ihrer positiven Eigenschaften immer häufiger einen Platz in der Fruchtfolge.


Im Versuch: Reinsaat versus Gemenge

Die Varianten (zur besseren Ansicht bitte anklicken)
Die Varianten (zur besseren Ansicht bitte anklicken)

Es gibt viele unterschiedliche Zwischenfrüchte, die vor dem Mais angebaut werden können. Man kann diese in Winterharte und Abfrierende, Reinsaaten und Gemenge und Pflanzenarten/-gesellschaften mit hohem und weniger hohem Wasserverbrauch kategorisieren. Bei der Wahl der geeigneten Zwischenfrucht müssen Faktoren des Standortes wie Bodenbeschaffenheit und regionale klimatische Bedingungen Berücksichtigung finden. Die Mulchschicht aus den Pflanzenrückständen der Zwischenfrüchte und der gelockerte Boden eignen sich gut für flache und konservierende Bodenbearbeitung vor der Maisaussaat. Eine gleichmäßige Verteilung von Pflanzenrückständen und eine nahezu unkrautfreie Fläche vor der Maisaussaat muss aber sichergestellt werden. Wie weit sind Zwischenfrüchte in der Lage, die Unkrautentwicklung vor Mais im Herbst und im Frühjahr zu unterdrücken? Stellt ihr Wasserbedarf ein Produktionsrisiko für den Mais dar? Antworten auf diese Fragen sollte ein Versuch mit unterschiedlichen Sommerzwischenfrüchten und unter dem Einfluss bestimmter Saatbettvorbereitungen liefern.

Der Feldversuch (s. Infokasten) wurde in einer randomisiert vollständigen Blockanlage mit vier Wiederholungen angelegt. Versuchsfaktor eins war die Zwischenfruchtart: zwei Reinsaaten, ein Gemenge und eine Kontrolle nach Wintergerstenanbau (vgl. Tabelle 1). Versuchsfaktor zwei war die Bodenbearbeitungen im Frühjahr, kurz vor der Maisaussaat. Hier wurden eine intensive tiefere Mulchbearbeitung, eine flache extensivere Variante und die Direktsaat miteinander verglichen. Da der Bestand der Saatwicken durch Kaninchenfraß stark beschädigt wurde, waren die in dieser Variante ermittelten Ergebnisse nicht vergleichbar und werden nachfolgend nicht mehr dargestellt.


Bedeckungsgrade
Bedeckungsgrade
Bedeckungsgrad und Trockenmasseaufwuchs
Die Zwischenfrüchte wiesen bereits drei Wochen nach der Aussaat signifikant unterschiedliche Bedeckungsgrade des Bodens auf (Abb. 1). Mit 53,1 % lag der Weiße Senf deutlich über dem Gemenge (11,7 %). Erwartungsgemäß war der minimale Bewuchs der Kontrolle auf das Ausfallgetreide zurückzuführen.


Trockenmasseaufwuchs der Zwischenfrüchte
Der Weiße Senf erreichte bis zum 10. November 2013 den höchsten oberirdischen TM-Aufwuchs der Zwischenfruchtvarianten, gefolgt von dem Gemenge. Die Trockenmasse der in der Kontrolle aufgelaufenen Selbstbegrünung (überwiegend Wintergerste) belief sich auf 43 g/m² (Abb. 2).

Trockenmasseaufwuchs
Trockenmasseaufwuchs


Bodenfeuchtigkeit: kein Nachteil für Mais
Die Bodenfeuchtigkeit wurde für jede Parzelle in drei unterschiedlichen Tiefen von 0–10 cm (T1), 10–20 cm (T2) und 20–30 cm (T3) analysiert. Bei der ersten Untersuchung kurz nach der Aussaat der Zwischenfrucht am 26. August 2013 wiesen alle Parzellen vergleichbare Gehalte an Feuchtigkeit auf. Zwar ergaben sich bei der Messung gegen Ende der Vegetation am 17. November in allen drei Tiefen teilweise signifikante Unterschiede zwischen den Varianten, nicht aber bei der Messung kurz vor der Maisaussaat. Eben dieser Termin ist jedoch der entscheidende bei der Diskussion, ob der Wasserverbrauch der Zwischenfrüchte den nachfolgenden Mais beeinflusst.


Bodenbeckungsgrad
Bodenbeckungsgrad
Unkrautreduzierender Effekt von Zwischenfrüchten
Nach der Maisaussaat wurde unter anderem der Bedeckungsgrad von auflaufenden Unkräutern zwischen den Maisreihen mittels Fotoanalyse untersucht (3. Mai), die letzte Messung erfolgte vier Wochen nach der Maisaussaat. Dieser Zeitpunkt ist für die Maiskultur am wichtigsten, denn eine starke Unkrautentwicklung kann jetzt erhebliche Ertragsminderungen zur Folge haben. Zudem führt eine ungehinderte Weiterentwicklung der Unkräuter zu einer Aussamung und damit zu einem unerwünschten Aufbau des Samenvorrates im Boden. Erwartungsgemäß bot die Kontrollvariante den Unkräutern die besten Wuchsbedingungen. Die Kontrolle ohne Saatbettbereitung war mit 16,3 % Bodenbedeckung die Variante mit dem höchsten Unkrautdruck (s. Abb. 3).

Je flacher/extensiver die Bodenbearbeitung erfolgte, desto größer war der unkrautreduzierende Effekt der Zwischenfrüchte. Doch selbst bei der intensivsten Bodenbearbeitung war der Unkrauteffekt des Weißen Senfes im Vergleich zur Kontrolle noch signifikant.


Fazit
Der Feldversuch hat gezeigt, dass Zwischenfrüchte eine deutliche unkrautunterdrückende Wirkung haben – und zwar nicht nur vor der Maisaussaat sondern diese Wirkung ist auch in den jungen Maisbeständen noch messbar. Der Wasserverbrauch der Bedeckungspflanzen hat unter diesen Versuchsbedingungen keine negativen Auswirkungen auf den nachfolgenden Mais.

 

Der Artikel basiert auf der Masterarbeit von Dirk Varnholt, Universität Hohenheim

Versuchsübersicht
Versuchsstandort:  Kreis Soest (NRW)
Niederschlag: 768 l/m², Bodenart: Lehm, Bodenzahl 67
Fruchtfolge: Kartoffeln, Winterweizen, Wintergerste, (Zwischenfrucht), Mais
Arbeitsgänge vor Aussaat der Zwischenfrucht: Ernte Wintergerste: 24.7.2013, Stoppelsturz: 2. August 2013, Andüngung Zwischenfrucht: 12 m³ Gärrest/ha (Schleppschlauch)
Bodenbearbeitungsvarianten  

Intensiv:
Extensiv:
Direktsaat:

Grubber 18–20 cm, Kreiselgrubber 6–8 cm
Kreiselgrubber 8 cm
Aussaat Zwischenfrucht

23. August 2013: Kreiseleggen-Drillkombination

Kontrollvarianten ohne Zwischenfrucht:

Zweite Bearbeitung zur Unkraut­bekämpfung am 27. August 2013
Variante Zwischenfrucht: Abschlegeln am 8. März 2014
Alle Varianten: Glyphosat am 7. April 2014, weil die meisten Zwischenfruchtpflanzen nicht ausreichend durch Frost und das Schlegeln geschädigt wurden.

Düngung:

Kurz vor der Maisaussaat 35 m³/ha Gärsubstrat
Maisaussaat:  25. April 2014, Scheibenscharmaschine,
Saattiefe ca. 5 cm, RA 75 cm, Sorte Pleven®
Messungen/Analysen:  
1. Gravimetrische Bodenfeuchtigkeit: 0–10, 10–20, 20–30 cm Bodentiefe
a. Messung: kurz nach der Aussaat der Zwischenfrüchte
b. Messung: Vegetationsende (November 2013)
c. Messung: Vegetationsbeginn (März 2014)
2. TM-Aufwuchs der Zwischenfrüchte: 10. November 2013

3. Anzahl Unkräuter:

13. November 2013, 6. März 2014, 23. Mai 2014
4. Unkrautbedeckungsgrade: 12. September 2013, 3. Mai, 24. Mai 2014
Trockenmasseaufwuchs Mais: 21. Juni 2014

 

 

 

 

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Stand: 16.10.2017