Aktuelle Ausgabe 03/2018

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Eine regional sehr unterschiedliche Maissaison liegt fast hinter uns. Kälte im Frühjahr, extreme Trockenheit und Hitze im Sommer haben dem Mais mehr oder weniger zugesetzt – mit zum Teil erheblichen Unterschieden zwischen Reifegruppen und Typ. Ein interpretierender Rückblick von Henrike Wulfmeyer, SAATEN-UNION.

Bei einer recht stabilen Anbaufläche von ca. 2.558.000 ha waren die Aussaatbedingungen bundesweit nahezu optimal. Bedingt durch Wetterextreme im Frühjahr als auch im Sommer haben sich die Maisbestände in diesem Jahr regional jedoch sehr unterschiedlich entwickelt.


Norddeutschland

Im Norden Deutschlands war die Aussaat mit Ausnahme der Flächen nach Ackergras bzw. Grünschnittroggen Anfang Mai beendet. Die kühlen Monate Mai und Juni sorgten dann vor allem auf den tiefgründigen und kalten Böden für eine zögerliche Entwicklung der Bestände. Stressbedingt zeigten viele Pflanzen Bestockungstriebe sowie eine violette Färbung. Von Vorteil waren dabei Sorten mit einer guten Jugendentwicklung, die diese Entwicklungsphase schnell durchwachsen konnten (z.B. Mallory, Ayrro, Milkstar, Sunshinos, Alduna).

Zunächst fehlten dem Mais zwei Wochen Vegetationszeit, was sich auch an der späteren Blüte zeigte. Einige Betriebsleiter befürchteten eine Futterknappheit und ernteten daher vermehrt Roggen- bzw. Triticale-GPS. Meistens war die Sorge – rückwirkend ist man immer schlauer – unbegründet, da reichliche Niederschläge und optimale Temperaturen zur Blüte dafür sorgten, dass der Vegetationsrückstand wieder weitestgehend aufgeholt werden konnte. Zur Zeit des Redaktionsschlusses konnte für Norddeutschland mit einer guten Silomaisernte gerechnet werden.


Ostdeutschland

Trockeschaden an Mais
Trockeschaden an Mais
Kälte und Trockenheit charakterisierten auch das Frühjahr im Osten Deutschlands. Nach einer normalen Aussaat war es sehr trocken und kühl, sodass auch hier eine gute Jugendentwicklung der Sorten sehr wichtig war. Die erste Hitzeperiode im Juni mit Temperaturen um die 35 ° C sorgte dann für Trockenstress. Diese Kombination führte zu eingeschränkten Wuchshöhen von durchschnittlich 2  Metern, teilweise lagen die Bestände noch 50  Zentimeter darunter. Unter diesen Bedingungen waren vergleichsweise trockentolerante Sorten (z.B. Alduna, Susann) klar im Vorteil. Auch Sorten, die den Ertrag hauptsächlich über den Kolben generieren, waren vorteilhaft. Wenn diese einmal gut befruchtet sind, sind hohe Erträge relativ sicher. Die Ernteprognosen fallen in Ostdeutschland allgemein eher verhaltend aus, wobei abzuwarten bleibt, inwieweit sich der Trockenstress auf die Qualitäten ausgewirkt hat. Erste Flächen wurden bereits Mitte August gehäckselt, die breite Masse folgte dann in der ersten Septemberhälfte.


Westdeutschland

Zwar war die Witterung während der Maisaussaat meist sehr gut, aber die Bodenbearbeitung war regional auf schweren und noch feuchten Standorten durchgeführt worden, was die Struktur der Böden teilweise massiv schädigte. Mais jedoch ist sehr dankbar für einen gut strukturierten Boden, bzw. reagiert auf Strukturschäden besonders dann empfindlich, wenn weitere ungünstige Faktoren hinzukommen. Durch stark einsetzende Niederschläge war trotzdem auch auf schlecht bearbeiteten Böden ein relativ homogener Feldaufgang zu erkennen.

Bei einer langen Kältephase in der Jugendentwicklung taten sich besonders Sorten der mittelspäten und späten Reifegruppe schwer, bei ihnen wird eine Ertragsminderung erwartet. Frühe Sorten traf es dagegen weniger hart. Im Anschluss an die Kälte folgte wie in vielen anderen Bereichen Deutschlands die Hitze – die vegetative Massenentwicklung verlief deutlich schlechter als in Normaljahren und das Fahnenschieben setzte überhastet ein. Zur Blüte herrschte dann erneut Hitzestress. Allerdings rettete der gerade noch rechtzeitig einsetzende Regen die Situation, sodass die Bedingungen für Pollenschüttung und Befruchtung gut waren. Zur Kornfüllungsphase herrschte anhaltend gute Feuchtigkeit bei einem guten Temperatursummenangebot.

Die Ernteprognosen* für CCM- und Körnermais sind daher recht optimistisch, auch bei Silomais wird eine energiereiche Silage mit maximal durchschnittlicher Gesamttrockenmasseleistung erwartet.


Süddeutschland

In Süddeutschland waren die Witterungsbedingungen bereits zur Aussaat äußerst unterschiedlich. In Südbayern mussten bedingt durch starke Niederschläge nach der Aussaat, einige Bestände nachgesät werden. In Baden-Württemberg herrschten ab Mitte April optimale Aussaatbedingungen. Generell war auch in den südlichen Bundesländern eine zügige Jugendentwicklung gefordert, Pflanzen auf strukturgeschädigten Böden waren besonders benachteiligt. Ab Juni herrschte dann die Trockenheit und Hitze zur Maisblüte und während der Kornfüllung. Infolge hoher Tagestemperaturen zeigen sich Befruchtungsprobleme und so ist die Kolbenfüllung häufig unvollständig, auch komplett kolbenlose Pflanzen waren in der Rhein-ebene vorzufinden.

Die Spanne geht sehr weit auseinander: In Regionen mit günstigen Gewitterniederschlägen wird die Ernte vermutlich durchschnittlich. Auf schwachen, sandigen Standorten jedoch wurden die Bestände bereits Mitte August notreif, Kolben wurden meist gar nicht gebildet. Hinzu kommt, dass die Silierfähigkeit infolge des hohen Anteils an dürren Pflanzenteilen herabgesetzt ist. Durch die befürchtete Futterknappheit wurden viele der ursprünglich als Körnermais geplanten Flächen in diesem Jahr als Silomais geerntet. Erste geerntete Bestände bringen 20–30 % geringere
Erträge als im Vorjahr. Eine gute Ernte wird dort erwartet, wo der Mais in einer guten Bodenstruktur wachsen und somit an die Feuchtigkeit in tieferen Schichten gelangen konnte. Hohe Qualitäten werden hauptsächlich kurze Bestände mit einer guten Kolbenbildung liefern.


Bei der Sortenwahl nicht von guten Maisjahren ausgehen, sondern von weniger guten

Nach zwei guten bzw. sehr guten Maisjahren hat es uns 2015 teilweise voll erwischt. Aus ackerbaulicher Sicht ist für den Mais eine gute Bodenstruktur sehr wichtig. Und gerade in schwierigen Jahren wie diesem leidet Mais unter schlechter Bodenstruktur und reagiert entsprechend mit frühzeitigen Stresssymptomen. Dies konnte in allen Regionen beobachtet werden. Der Einsatz von Zwischenfruchtmischungen ist ein probates Mittel, mittelfristig die Bodenstruktur aufzubauen bzw. zu erhalten.

Es hat sich besonders im Norden gezeigt, wie wichtig eine für die Region geeignete Reifegruppe ist. In warmen, sehr günstigen Jahren erreichen zwar auch im Norden mittelspäte Sorten sicher die Siloreife. Wenn aber die Entwicklung witterungsbedingt verzögert ist, sind es die späteren Sorten, die Probleme bekommen und die Siloreife unter Umständen nicht mehr erreichen. Mithilfe des Temperatursummen-Bedarfes (s. Abb. 1) lassen sich geeignete Sorten finden: Je höher die durchschnittliche Temperatursumme der Anbauregion ist, desto spätreifer kann die Sorte gewählt werden.

Sorteneigenschaften wie eine rasche Jugendentwicklung und Trockentoleranz werden in ungünstigen Jahren besonders wichtig. Leider finden bei der Sortenentscheidung diese Parameter noch viel zu wenig Beachtung.


Fazit: Witterungsbedingungen kann niemand beeinflussen. Allerdings kann durch ackerbauliche Maßnahmen und eine standortangepasste Sortenwahl, bei der neben dem Ertrag auch gezielt auf spezifische Sorteneigenschaften geachtet wird, das Risiko von Ertragseinbußen minimiert werden.

 

 

* Ertragsprognosen in diesem Beitrag beziehen sich auf die Zeit bis Redaktionsschluss.

 

 

Stand: 15.10.2015