Aktuelle Ausgabe 03/2018

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Der Saatgutmarkt  ist enorm in Bewegung und immer schneller werden Sorten durch neue abgelöst. Dabei sind die offizielle Wertprüfung und die Landessortenversuche Grundlage für eine objektive Sortenbewertung. SAATEN-UNION-Geschäftsführer Marcus Iken erläutert, wie wichtig ein unabhängiges Prüfsystem für die Praxis ist.

Das Sortenspektrum wird nicht nur immer breiter, die „Lebenszeit“ der Sorte wird auch immer kürzer - besonders gilt das für den Hybridroggen. Ist das zum Vor- oder Nachteil für den Landwirt?

Marcus Iken
Marcus Iken
Ja das stimmt, Produktzyklen werden immer kürzer. Das ist durchaus von Vorteil für die Landwirte, denn nie zuvor gab es ein solches Angebot hochleistungsfähiger Hybriden.
Und gerade hat das Bundessortenamt die erste frühreife Hybridroggensorte für die SAATEN-UNION zugelassen.
Das ist unglaublich schnell, zumal alle diese Sorten bereits in den LSV-stehen und eine dreijährige deutsche Wertprüfung durchlaufen haben.

Müssen diese mehrjährigen offiziellen Prüfungen vor Ort denn überhaupt sein?

Die SAATEN-UNION ist ein europaweit agierendes Unternehmen. Da wäre es durchaus möglich, Sorten in Ländern zuzulassen, in denen die Zulassung einfacher und schneller geht als in Deutschland. Diese Sorten hätten dann unter den dort herrschenden Anbaubedingungen ihre Ertragsleistung belegt. Ob diese dann in Deutschland unter hiesigen Anbaubedingungen genauso funktioniert, ist mehr als fraglich. Um das sicherzustellen, gibt es die dreijährige Wertprüfung des deutschen Bundessortenamtes und die Landessortenversuche der Länder.

Geht dabei nicht zu viel Zeit verloren, der Zuchtfortschritt der Praxis nicht zu lange vorenthalten?

Nein, denn die Praxisreife und Anbausicherheit müssen unter den regionalen Bedingungen sichergestellt werden. Die Landwirte dürfen nicht als Versuchskaninchen missbraucht werden. Für eine zuverlässige Einschätzung einer Sorte müssen diese über mehrere Vegetationszyklen geprüft werden.

„Landwirte dürfen nicht als Versuchskaninchen missbraucht werden.“

Deshalb spricht vieles dafür, die Prüfdauer für Getreideneuzüchtungen bei drei Jahren Wertprüfung zu belassen.
Nach weiteren zwei LSV-Jahren erfolgt dann eine neutrale, regionale Empfehlung. Dies selbstverständlich immer nur dann, wenn hohe Leistungen in der Gesamtheit der Ertrags-, Resistenz- und Verarbeitungseigenschaften nachgewiesen sind.

Wir bekennen uns ausdrücklich zu neutralen, mehrjährigen Sortenprüfungen. Diese brauchen ihre Zeit, geben aber die bestmögliche Sicherheit, dass in der Praxis nichts schief geht. Sicherheit geht vor Schnelligkeit!

Es gibt Unternehmen, die ihre Sorten selbst prüfen. Kann die regionale Eignung nicht auch durch eigene Versuche überprüft werden?

Sortenparzellen bei der HYBRO/Wulfsode
Sortenparzellen bei der HYBRO/Wulfsode
Prinzipiell ist das möglich. Wir selbst machen ja eine Vielzahl eigener Exakt-Versuche in unserem großen europäischen Prüfnetz - allerdings ausschließlich für die Sortenentwicklung, nicht für den Sortenvertrieb. Dazu kommen produktionstechnische Versuche und nach der Zulassung der Praxistest durch unser „SU BestSeed“-Programm.
 

„Es ist uns sehr wichtig, für den Anbauer glaubwürdig zu sein - deshalb lassen wir jede Sorte neutral prüfen.“

Aber es ist uns als SAATEN-UNION sehr  wichtig,  für den Anbauer glaubwürdig zu sein – deshalb lassen wir jede Sorte neutral prüfen. Denn erst das liefert die Grundlage für eine wirklich objektive Sortenberatung.

In den letzten Jahren wurden die offiziellen Prüfverfahren immer wieder kritisiert. Ist es nicht ein wenig altmodisch, sich so ausdrücklich zu diesen zu bekennen?

Einzelne sind immer mal der Auffassung, in Deutschland sei alles überreguliert. Aber rufen wir uns doch einmal den Sinn der offiziellen Sortenprüfung in Erinnerung: Neutrale, aussagekräftige und sichere Versuchsergebnisse in den jeweiligen Naturräumen als Basis für eine objektive Beratung.

Zitat Bundessortenamt: Grundlage für eine objektive Beratung ist ein Versuchswesen, (…) dessen Ergebnisse hinreichend sicher und aussagekräftig sind. Dazu müssen die Ergebnisse von neutraler Stelle im Exaktversuch gewonnen und mehrjährig abgesichert werden und sie müssen für den jeweiligen Naturraum repräsentativ sein.

Wenn es modern sein sollte, auf eine neutrale Prüfung zu verzichten und damit das „Unternehmen Pflanzenbau“ zum „Unternehmen Glücksspiel“ verkäme - ja, dann sind wir gerne etwas altmodisch. Und wir stehen mit dieser Überzeugung nicht allein.

Müssen denn neutrale Versuche unbedingt amtlich sein?
Das ist nicht der Punkt. Für die SAATEN-UNION ist entscheidend, dass die Sortenergebnisse nicht vom Vertrieb unter Verkaufsaspekten generiert werden, sondern von neutraler, unabhängiger Stelle. Nur so kann der Zuchtfortschritt glaubwürdig zum Landwirt kommuniziert werden. Wenn das mit Landessortenversuchen funktioniert, diese also  den Zuchtfortschritt praxisorientiert dokumentieren, ist es gut. Wenn nicht, sind auch andere Prüfsysteme denkbar.

Was können Sie den Roggenanbauern für die Sortenwahl 2015 mit auf den Weg geben?
Ertrag und Sicherheit sind die wichtigsten Sorteneigenschaften. Es sind aktuell auch europaweit keine leistungsfähigeren Roggensorten zu erkennen als die jetzt verfügbaren.

"Hektisches Sortenpushen geht zu Lasten der Sicherheit!"

Auf den Plätzen 1 bis 7 der ertragsstärksten Sorten in den Landessortenversuche stehen SAATEN-UNION Sorten. Alle sind bundesweit dreijährig wertgeprüft und dazu regional von den Länderdienststellen. Damit sind neben höheren Erträgen auch Praxisreife und Anbausicherheit garantiert. Wir empfehlen den Roggenanbauern, in ihrem eigenen Interesse darauf zu achten.

Auch in Zukunft gilt für uns: Sorgfalt und seriöse, neutrale Sortenprüfung geht vor hektischem Sorten-Pushen. Die Anbausicherheit neuer Hochleistungssorten muss von neutraler Stelle mehrjährig geprüft werden.

Stand: 07.04.2015