Aktuelle Ausgabe 03/2018

Ausgaben

Sonderausgaben

Themen

Impressum

Datenschutzerklärung

Fast bundesweit steigen die Pachtpreise für Acker- und Grünland. Umso wichtiger wird es, die Effizienz je Hektar zu verbessern – zum Beispiel mit einer besseren Ausnutzung der Nährstoffe durch die Pflanzen. Siegfried Mantel, Profiagrartechnik, berichtet über Möglichkeiten der Effizienzsteigerung bei Gärrestausbringung.

Auch in Unterfranken im Nordwesten Bayerns sind die Pachtpreise allgemein sehr hoch. Eugen und Martin Drescher, Landwirte und Lohnunternehmer aus Werneck-Essleben, brachten bis vor vier Jahren den Tretmist aus ihrem 600er Bullenmaststall mit einem Breit-Scheibenstreuer optimal aus und waren mit dem Ergebnis sehr zufrieden: Getreide und Mais kamen „gut in Schwung“. Seit einigen Jahren wird jedoch der Stallmist als Substrat in eine nahe gelegene Biogasanlage gebracht und die Gärreste kommen zurück auf die Flächen. Dreschers brachten diese mit dem Fass mit Breitverteiler aus, jedoch konnte sie das Ergebnis nicht wirklich überzeugen: Wie es Martin Drescher ausdrückte: „Es ging nicht mehr los auf den Feldern.“ Trotz der untersuchten Nährstoffgehalte von 4–5 kg N/m³ war keine Wirkung zu sehen, die ansatzweise mit der des Mistes vergleichbar gewesen wäre.

Eugen und Martin Drescher
Eugen und Martin Drescher
Lösung durch Zufall
Auf die Lösung des Problems kamen die Dreschers zunächst durch Zufall. Ein großer Landmaschinenhändler der Umgebung nördlich von Schweinfurt lud die beiden zu einem Kunden ein, auf dessen Betrieb die Gülle-Schlitzgerätetechnik von Duport präsentiert wurde. Das Ergebnis überzeugte. Über die Website der Firma Profiagrartechnik erhielten sie weitere Hintergrundinformationen zur Depotdüngung mit Gärresten und darüber, warum der Gärrest im Vergleich zur früheren Stallmistdüngung nicht mehr richtig wirkte: Zum einen führten die hohen pH-Werte der Gärreste bei oberflächlicher Ausbringung zu hohen Ammoniakverlusten. Zum anderen verläuft die Umwandlung zu Nitrat durch die Nitrosomonas-Bakterien im Gärrest extrem viel schneller als im Mist, was zu Auswaschungsverlusten und zur Denitrifikation führt. Nicht umsonst hieß die alte Regel „Stallmist hält bis zu 3 Jahre“.

Da die Familie Drescher auch noch ein landwirtschaftliches Lohnunternehmen betreibt, lag es nahe, über eine Investition in diese spezielle Technik nachzudenken. Es wurde dann als erstes ein Duport Scheibenschlitzgerät 8044 gekauft, das schon bei etlichen Lohnunternehmen, Gemeinschaften und großen Betrieben verwendet wird.

Phantastische Ergebnisse im Mais
Ein anderer Betrieb in der Region hatte bereits einen Selbstfahrer mit einem Duport Spezial Schlitzgerät All Track 6032 Mais mit 75 cm Breite. Aufgrund des extrem geringen Abstandes zu Maisreihen von nur 10,5 cm links und rechts verlangt dieses Gerät dem Fahrer alles ab. Hier sauber zu arbeiten, ist vor allem in kupiertem Gelände sehr schwierig. Trotzdem war der Betrieb vom Injektionsdüngen für Mais begeistert, denn im Vergleich zur Schleppschlauchvariante war der Mais in der Kolbenentwicklung deutlich besser. Diese Erfahrungen und die Nachfrage der Kunden führten bei den Dreschers dann zur Investition in einen Holmer mit 12 m Duport Scheibenschlitzgerät, Gülle-Kurzscheibenegge und den Row-Crop Injektor mit 12 m für 16 Maisreihen. In den USA werden bereits Millionen Hektar Mais in diesem sogenannten Sidedress-Verfahren (Injektion in den Bestand) mit bis zu 30 Reihen gleichzeitig gedüngt. Hier verwendet man jedoch flüssigen Ammoniakdünger (82 %), welcher bis zu 15 cm tief in den Boden injiziert wird. Für die im fränkischen Betrieb erforderliche Düngung von 16 Reihen mit Gärrest wurde das Gerät an die Bedürfnisse des Betriebes adaptiert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Niemals Gülle in der Randfurche
Das Gerät (s. Skizze) hat je Zwischenreihenabstand (75 cm) einen Vierkant-Federzinken mit einem Schnellwechsel-Scharhalter von Bourgault. Die Standard-Scharbreite beträgt 56 mm. An dem Schar ist hinten ein Rechteckrohr mit 2 Gülleeinläufen montiert. Bei den äußeren Zinken werden 3 statt 2 Schläuche zugeführt, um auch bei den Randreihen eine 100 %ige Versorgung sicherzustellen. Trotzdem wird der laut Düngeverordnung notwendige Abstand von 1 m zur Scheitelkante von Gewässern eingehalten. Es landet also nie Gülle in der Randfurche!

Test trotz Wetterkapriolen gut gelaufen
2014 spielte das Wetter zunächst gegen den Mais: erst die Trockenheit Mitte Februar, dann der massive Wetterwechsel Ende April, gefolgt vom verregneten, kalten Mai 2014 mit Spätfrösten bis -6 °C und Ende Mai nochmals immense Niederschläge von 50 bis 70 mm. Das alles führte zu schlechten Maisbeständen mit hellgrünen bis gelben Pflanzen. Mitte der ersten Juniwoche waren die Flächen dann befahrbar, der Holmer WA mit Zwillingsrädern kam zum Einsatz. Die ersten Kunden des Lohnunternehmers waren Wolfgang und Florian Schuler aus Gädheim im Landkreis Haßberge. Bei den Flächen handelt es sich um Mulchsaatflächen, die im Frühjahr eine kleine Bodenbearbeitung erhielten und mit Gärrest gedüngt wurden. Hier wurden Streifenversuche angelegt, die sowohl den Vergleich zwischen Schleppschlauchähnlicher-Oberflächenapplikation und der Reiheninjektion im Boden darstellen. Ebenso wurden Nullparzellen angelegt, um die grundsätzliche Wirkung der Spätdüngung im Mais zu prüfen. Zum Zeitpunkt der Düngung bestand schon länger kein Kältestress mehr, was gut an der Blattfarbe vom Mais erkennbar war. Die Düngung erfolgte bei 25 °C und leicht bedecktem Himmel.

rechts: Injektion am 2.6.2014 mit Injektionszinken-Lockerung, links: unbehandelt
rechts: Injektion am 2.6.2014 mit Injektionszinken-Lockerung, links: unbehandelt
15 % Mehrertrag durch Sidress-Reiheninjektion
Mit weniger als 20 mm Niederschlag in der Zeit von Anfang Juni bis 10. Juli war die weitere Vegetation dann eher zu trocken. Zudem lagen die Tageshöchsttemperaturen ab Pfingsten vier Wochen lang bei ca. 35 °C.

Die Variante „Schleppschlauch“ führte im Vergleich zur Variante „ohne Nachdüngung“ zu keinen statistisch abgesicherten Mehrerträgen (GD-Wert auf diesen Flächen ca. 4 %). Hingegen hat die Variante „Injektionsdüngung im Boden“ im Vergleich zur Variante „Schleppschlauch“ im Schnitt 12 % höhere Kornerträge erbracht, was einer Trockenmasse von 14 dt/ha Mais entspricht. Bei einer Marktleistung von 8 €/dt ist das ein Mehrerlös von 112 €/Hektar.

Dieser Versuch spiegelt das Ergebnis der TU-München (2008) (s. Tab. 1) wider, hier wurden bei entsprechender Düngung 282 dt TM/ha Biogasmais geerntet, was einer Ertragssteigerung von 19 % entspricht.

Die Ergebnisse überzeugten den Betrieb Schuler, sodass auch in 2015 die Güllereiheninjektion mit dem mittlerweile in Serie produzierten „IN-Row Injektor“ der Lomma Sachsen GmbH, durchgeführt werden soll.

Ertrags-, Umwelt- und Imagevorteile überzeugen
Eine präzise Düngung mit dem 16-reihigen IN-Row Injektor ohne Nährstoffverluste und in Einklang mit der Düngeverordnung ist auch in nicht ebenem Gelände sowie in Hanglagen möglich. Hier muss der Injektionszinken links und rechts über 30 cm Platz bis zur nächsten Maisreihe haben. Weitere Vorteile sehen Dreschers und Schulers darin, dass selbst bei Starkniederschlägen in Hanglagen der Dünger im Acker bleibt, zudem ist die Geruchsemission auf nahezu null reduziert. Das bringt wirtschaftliche Vorteile, ist ressourcenschonend und stellt darüber hinaus einen Imagegewinn für die Landwirtschaft dar.

 

Siegfried Mantel

Weitere Informationen zum Thema Gülle-Gärrest und Pflanzenernährung unter www.Profiagrartechnik.de und dem Button Gülle.

 

 

 

 

Stand: 27.04.2015