Aktuelle Ausgabe 03/2018

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Körnererbsen reagieren sehr empfindlich sowohl auf ein „Zuwenig“ an Kalium und Phosphor als auch auf ein „Zuviel“ an Stickstoff. Eine Düngung nach Bedarf ist daher sehr wichtig.

Die angepasste Nährstoffversorgung ist entscheidend.
Die angepasste Nährstoffversorgung ist entscheidend.
Körnererbsen haben ein feinverzweigtes Wurzelwerk mit wenig Tiefgang und werden auf mittleren bis leichten, durchlässigen Böden angebaut. Daher sollte vor der Saat gedüngt werden, um die Nährstoffausnutzung zu optimieren. Im Hinblick auf Nährstoffverlagerung/-auswaschung ist eine Düngung bei besonders mobilen Nährstoffen im Frühjahr vorzuziehen.

Stickstoffdüngung nicht notwendig
Die Körnererbse kann ihren hohen Stickstoff-(N)-Bedarf durch die Fixierung des Luftstickstoffs mit Hilfe der Symbiose mit Knöllchenbakterien (Rhizobien) und durch die Aufnahme von Stickstoff aus dem Boden decken.
Die N-Fixierung läuft bei der Körnererbse nach demselben Schema ab wie bei den Ackerbohnen, da sie von derselben Rhizobien-Art besiedelt wird. Deshalb ist eine Saatgutimpfung nicht notwendig.

Viele Anbauer befürchten ein N-Defizit während der Jugendphase vor dem Erreichen der vollen Symbioseaktivität und nach Blühende, wenn die Knöllchen durch fehlende Versorgung mit Assimilaten durch die Pflanze ihre Funktion einstellen. Sie bringen dann eine Start- oder Spätdüngung zur Erbse aus, die aber nur in Ausnahmefällen sinnvoll ist. Eine mineralische N-Düngung ist nur bei besonderen ungünstigen Witterungs- und Bodenbedingungen zu rechtfertigen und eher als Reparatur- und Notfallmaßnahme zu sehen. Körnererbsen können negativ auf eine zusätzliche N-Düngung reagieren, bspw. mit stärkerem Wachstum, geringerer Standfestigkeit, verzögerter Blüte und Reife.

Wenn die Voraussetzungen stimmen, kann die symbiotische N-Fixierung über 75 % des N-Bedarfs der Körnererbse decken. Um dies zu erreichen, sollte die Saatbettvorbereitung eine gute Grundlage sowohl für eine optimale Durchwurzelung als auch für gute Startbedingungen für die N-Fixierung schaffen. Die natürliche N-Mineralisierung, die ebenfalls von einer guten Bodenstruktur und dem Versorgungszustand des Bodens abhängig ist, ergänzt die NVersorgung der Körnererbse ohne die Symbiose zu behindern.

Phosphor ist wichtig für die Rhizobien
Körnererbsen haben wie alle Leguminosen einen hohen Phosphor-(P)-Bedarf. Das Nährelement hat eine wichtige Funktion bei der Besiedelung der Wurzel durch die Rhizobien und bei den Abläufen der N-Fixierung. Zu Beginn des Hülsenwachstums bis zum Blühende hat die Körnererbse ihren höchsten P-Bedarf, da 80 % des aufgenommenen Phosphors im Korn gespeichert wird.

Tab. 2: Anzurechnende Nährstoffmengen aus dem Erbsenstroh in kg/ha
Tab. 2: Anzurechnende Nährstoffmengen aus dem Erbsenstroh in kg/ha
Phosphor muss von der Pflanze aus dem Boden erschlossen werden. Leguminosen wie die Körnererbse können Phosphat im Boden durch eine stärkere Wurzelatmung und das Ansäuern der Rhizosphäre doppelt so hoch aufschließen wie Getreide. Wie eingangs erwähnt, ist die Durchwurzelung des Bodens durch die Körnererbsen gering, daher ist eine gute Bodenversorgung mit Phosphor und eine gleichmäßige Verteilung wichtig. Vorteilhaft ist es, den in der Fruchtfolge benötigten Phospor direkt zur Körnererbse zu geben oder frischen Phosphor in Höhe des Entzuges durch den Kornertrag zu düngen. Das bedeutet, dass pro Dezitonne Ertragserwartung 1,1 kg Phosphor gedüngt werden sollten (s. Tab. 1).
Die Einarbeitung des Düngemittels während der Bodenbearbeitung ist besonders auf Standorten mit niedriger P-Versorgung empfehlenswert. Vollaufgeschlossene P-Dünger sind für den Pflanzenbestand sofort verfügbar. Dagegen werden Rohphosphate innerhalb langer Zeiträume im Boden umgesetzt.

Kalium nach Bedarf düngen!
Der Kalium-(K)-Bedarf der Körnererbse ist im Vergleich zu den anderen Grundnährstoffen sehr hoch (s. Tab. 1). Da aber nur 1/3 des Gesamtbedarfs in das Korn eingelagert wird, ist der Entzug als mittel einzustufen. Im Zeitraum der Bestandesentwicklung nimmt die Körnererbse Kalium verhältnismäßig früh und intensiv auf. Zu Blühbeginn sind 60 % des Kaliumbedarfs in der Pflanze akkumuliert. Kalium fördert den Transport von Assimilaten aus dem Spross in die Knöllchen und steigert damit deren Aktivität. Eine gute Kalium-Versorgung wirkt sich positiv auf den Wasserhaushalt und die Trockenheitstoleranz
aus.
Körnererbsen reagieren auf eine unzureichende Kalium-Versorgung stärker als andere Blattfrüchte, daher sollte zur Körnererbse eine Bedarfsdüngung und keine Entzugsdüngung erfolgen. Bedenklich sind dagegen hohe Kali-Gaben auf leichte, bindungsarme Böden. Um das Auswaschungsrisiko zu verringern, kann dann eine Aufteilung der Düngung sinnvoll sein, wobei 1/3 der Gesamtmenge vor der Blüte verteilt werden sollte.

Superphosphat und schwefelsaure Kali-Düngemittel mit einem Anteil an Magnesium sind vorteilhaft. Der Einsatz dieser Mehrnährstoffdünger bringt Vorteile in der Arbeitserledigung. Ein im Frühjahr verwendeter kombinierter K-S-Dünger minimiert zudem das Auswaschungsrisiko der beiden verlagerungsanfälligeren Nährstoffe.

Tab. 3: Mikronährstoffbedarf von Körnererbsen
Tab. 3: Mikronährstoffbedarf von Körnererbsen
Schwefel – ein wichtiger Baustein im Eiweißstoffwechsel
Neuere Versuche der LWK Niedersachen und der Bayer. LfL zeigten, dass die Körnererbse ihren Bedarf an Schwefel (S) aus der Bodenlösung decken kann und von einer zusätzlichen Schwefeldüngung nicht profitiert.
Schwefel ist ein wichtiger Nährstoff im Eiweißstoffwechsel. Körnererbsen haben einen Rohproteingehalt von 20–25 % mit einem geringen Gehalt an schwefelhaltigen Aminosäuren. Dies erklärt den geringen Bedarf von 30 kg S/ha, der durch eine Korn-Kali®-Düngung abgedeckt wird. Speziell Bestände auf schwefelärmeren Standorten (leicht, humusarm, ohne organische Düngung, flache Ackerkrume, hohe Niederschläge) sind auf Mangelsymptome zu prüfen und gegebenenfalls mit Bittersalz als Blattdünger zu behandeln.

pH-Wert optimal zwischen 6–6,5
Die Kalkdüngung dient in erster Linie der Regulierung des pH-Wertes. Dieser sollte nicht unter 5,5 liegen. Der pHWert ist für die Knöllchenbakterien von großer Wichtigkeit, da die N-Fixierung eine eher neutrale bis basische Bodenreaktion braucht. Am günstigsten ist eine Stoppelkalkung im Herbst vor der Aussaat, um die Anbaufläche auf den bodenarttypischen pH-Wert einzustellen. Mit der Auswahl eines entsprechenden Kalkdüngers kann gleichzeitig auch der Magnesium-Bedarf abgedeckt werden.

Düngung vor der Saat optimiert die Nährstoffausnutzung.
Düngung vor der Saat optimiert die Nährstoffausnutzung.
Mikronährstoffe nicht vernachlässigen
Die Aufnahme der Mikronährstoffe kann durch hohe pHWerte (bei Mn, B und Fe) oder zu geringe pH-Werte (bei Mo) oder durch Trockenheit erschwert werden. Der Borbedarf wird als mittel eingestuft. Für die N-Fixierung ist Molybdän unentbehrlich. Mangan-Mangel verursacht die Braunherzigkeit oder Marschflecken der Körnererbsen, erkennbar an den braunen bis schwarzen Flecken und den Hohlräumen im Samen.

Tabelle 3 zeigt den Bedarf der Körnererbsen an Mikronährstoffen. Für die Blattdüngung mit Mikronährstoffen steht ein großes Sortiment an Einzel- und Kombipräparaten zur Verfügung. Die Mikronährstoffgabe lässt sich gut mit Pflanzenschutzmaßnahmen kombinieren. Hinweise der Hersteller zur Mischbarkeit sollten beachtet werden.

Nährstoffaufnahme und -rücklieferung
Bei einem Ertragsniveau von rund 45 dt/ha nimmt ein Erbsenbestand je Hektar insgesamt ca. 63 kg P2O5, 180 kg K2O, 27 kg S und 23 kg MgO (s. Tab. 1).

Die N-Bindung durch die Rhizobien wird bei der Körnererbse auf 4,4 kg N/dt Ertrag geschätzt. Das macht bei dem obengenannten Ertragsniveau eine N-Fixierungsleistung von 198 kg N/ha, davon werden 70 % bzw. ca. 140 kg mit dem Korn vom Feld abgefahren.

Mit den Ernteresten der Körnererbse verbleibt ein Teil der Nährstoffe auf dem Feld. Diese müssen bei der Düngeplanung der Folgefrucht berücksichtigt werden.
In Tabelle 2 sind die anzurechnenden Nährstoffwerte aufgeführt, korrigiert nach dem Ausnutzungsgrad bedingt durch Bodenbedingungen und Sorption der Nährstoffe. Hinsichtlich der Humusbilanz wird die Körnererbse positiv eingeschätzt und ist im Rahmen von Cross Compliance pauschal mit 160 kg C/ha anzusetzen.

Silke van het Loo,
Norddeutsche Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG

Stand: 29.01.2015