Aktuelle Ausgabe 01SO/2019

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Die „Produktionstechnischen Versuche“ der SAATEN-UNION untersuchen Sorteneigenschaften, die nicht aus den üblichen Sortenversuchen abzuleiten sind: Saatzeittoleranz, Eignung für Mulchsaaten und Leistungsfähigkeit als Stoppelweizen.

2014 stehen die „Produktionstechnischen Versuche (PT)“ der SAATEN-UNION in Deutschland auf 14 Standorten mit 35 - 95 Bodenpunkten. Dazu kommen weitere Standorte in Polen, Tschechien, Österreich und Frankreich. Koordiniert werden diese Exaktversuche von der SAATEN-UNION Versuchsstation in Grünseiboldsdorf. Die drei Versuchsvarianten unterscheiden sich nach Saatzeit, Vorfrucht und Bodenbearbeitung (Tab. 1). Pflanzenschutz-Einsatz und Bestandesführung sind den jeweiligen Bedingungen angepasst.

Jedes Jahr ist anders!
Auf zwei Prüfstandorten können die drei Aussaatvarianten über alle Prüfjahre direkt miteinander verglichen werden: in Söllingen, einem Schwarzerdestandort in Südniedersachsen und in Moosburg, einem Standort im bayrischen Tertiär-Hügelland. Um die Jahreseffekte herauszuarbeiten, sind die Ergebnisse beider Standorte in Abb. 1 gemittelt.

Vergleich Aussaatvarianten
Vergleich Aussaatvarianten
Zunächst einige Anmerkungen zu den Jahreseffekten:
In Hochertragsjahren mit optimalen Wachstumsbedingungen werden weniger günstige Anbaubedingungen besser „weggesteckt“. 2013 stimmte im Nachhinein gesehen fast alles: ein problemloser Herbst, ein wüchsiges, nicht zu feuchtes Frühjahr und zur Kornfüllung ein sehr hohes Strahlungsangebot ohne Trockenstress. Trotz sehr guter Einkörnung fiel die TKM deshalb kaum ab und die Proteinwerte waren überraschend hoch. Unter solch idealen Bedingungen fiel auf diesen beiden „Schokoladenböden“ weder die frühgesäte Stressvariante noch die Spätsaat ertraglich ab. Ähnliches gilt sinngemäß für das Hochertragsjahr 2008.

Ganz anders sind die Ergebnisse in Jahren mit schwieriger Ertragsbildung wie vor allem 2011 und abgeschwächt auch 2009 und 2010. Die viermonatige Frühjahrsdürre 2011 führte zu sehr dünnen Beständen. Diese konnten nur in der Optimalvariante über eine hohe Einkörnung und eine gleichzeitig gute Kornausbildung kompensiert werden konnte. Zwischenfazit: Je schwieriger das Jahr – und je schwieriger der Standort – umso negativer wirken sich Abweichungen vom optimalen Anbauverfahren auf den Ertrag aus.

Reaktion von A-Sorten aus Aussaatvarianten
Reaktion von A-Sorten aus Aussaatvarianten
Die Ergebnisse richtig interpretieren!
Um neue Weizensorten vorstellen zu können, werden im Folgenden die bundesweiten Ergebnisse der letzten beiden Jahre aus Deutschland zusammengefasst. In diese gingen ein:

  • 9 Versuche mit der Stressvariante (ø 95,2 dt/ha)
  • 17 Versuche mit der Optimalvariante (ø 103,9 dt/ha)
  • 10 Versuche mit der Spätsaatvariante (ø 98,5 dt/ha)

Um die spezifische Eignung der Sorten für die drei Aussaatvarianten kompakt darzustellen, ist in den Abb. 2 - 4 jede Sorte für sich verrechnet. 100 steht für das Mittel ihrer Relativleistungen über die drei Anbauvarianten, unabhängig vom Ertragsniveau. So können auch Standorte berücksichtigt werden, auf denen nicht alle Anbauvarianten direkt nebeneinander standen, sowie Sorten mit unterschiedlich vielen Ergebnissen.

Aus den Kurvenverläufen ist die spezifische Eignung einer Sorte für die Aussaatvarianten abzuleiten. Je höher der Relativwert, umso besser schneidet die Sorte im Vergleich zu den anderen beiden Variante ab! Das absolute Ertragsniveau der Varianten und auch der Sorten ist daraus nicht zu erkennen. So drosch Tobak gemittelt über vier Jahr zwar auch in der Stressvariante mehr als die meisten anderen Sorten, in der Optimalvariante waren die Mehrerträge jedoch noch höher. Ähnliches gilt auch für die neuen A-Weizen Franz und Attraktion. Diese lagen in der Stressvariante relativ nahe bei der Vergleichssorte Julius. Trotzdem droschen beide Sorten absolut gesehen auch in dieser Variante mehr.

Weizensorten für optimale Bestellbedingungen
Es gibt Sorten, die ihr Ertragspotenzial in der Optimalvariante besonders gut ausschöpfen:

  • A-Sorten: Estivus, Apertus und Forum, langjährig auch JB Asano
  • B-Sorten: Tobak, Kredo, tendenziell auch Rumor
  • C-Sorten: Anapolis und Sarmund, langjährig auch T*

Reaktion B-Sorten auf Aussaatvarianten
Reaktion B-Sorten auf Aussaatvarianten

Ohio und die Sortenmischung Flohyb fallen in der Optimalvariante relativ ab. Solch eine Konstellation tritt auf, wenn eine Sorte sowohl in der Stressvariante als auch bei der Spätsaat vergleichsweise besser abschnitt. Wie erwähnt, gilt das nicht für die absoluten Erträge, diese lagen in den meisten Versuchen in der Optimalvariante vorn!

Weizensorten für Frühsaaten bzw. Weizenvorfrucht
Auch wenn die Sorten 2012 und 2013 in der Stressvariante nicht übermäßig gefordert waren, zeigte eine Reihe von Sorten in der Stressvariante vergleichsweise bessere Leistungen:

  • E-Sorten: langjährig – über fünf Jahre – Genius und auch Florian im Vergleich zu Akteur (hier nicht dargestellt)
  • A-Sorten: Einjährig sind es die Neuzulassungen Franz und Attraktion sowie Patras, außerdem Glaucus, die Sortenmischung Flohyb sowie die Vergleichssorte Julius. JB Asano zeigte sich in den letzten beiden Jahren stabiler als in den Jahren vorher.
  • B-Sorten: Die stresstoleranten Hybriden Hybery, Hystar, Hyfi und Hyxtra. Bei den Liniensorten Rumor, Tobak mit Systivabeizung, die Vergleichssorte Colonia und langjährig Mulan.
  • C-Sorten: Elixer bereits seit Jahren, Boxer, die Neuzulassungen Ohio und Sarmund sowie der WP3-Stamm Manitou.

Wie sind nun Sorten einzusetzen, die in der Stressvariante vergleichsweise stärker abfielen, beispielsweise Kredo, Tobak, Edward, Apertus, Anapolis und langjährig auch T*? Diese Sorten können zwar ebenfalls als Stoppelweizen sowie als Früh- oder Mulchsaat kultiviert werden, verdienen dann jedoch besondere Aufmerksamkeit:

  • Standortwahl: Langlebige Korndichtetypen wie Kredo oder T* überzeugen als Stoppelweizen auf den Hochertragslagen der norddeutschen Küste. Weniger hingegen auf Standorten mit sehr schneller Abreife, dort leidet die Kornausbildung.
  • Anbautechnik: Bei den erwähnten Sorten sollten die Risikofaktoren begrenzt werden. Wenn z.B. Tobak als Stoppelweizen angebaut wird, dann am besten in Verbindung mit einer wendenden Bodenbearbeitung.

Auch verdient bei diesen Sorten der Fungizideinsatz besondere Beachtung, von der Wurzelschutzbeize über die Halmbruchbekämpfung bis hin zur Ährenbehandlung.

Weizensorten für die Spätsaat
Wie die Ergebnisse belegen, sind einige Weizensorten besonders spätsaattolerant. Analog zur Stressvariante gilt auch für die Spätsaat: Höhere Relativleistungen bedeuten, dass die Sorte im Vergleich zu anderen Sorten ertraglich weniger stark abfällt. Besonders gut kamen mit der verkürzten Vegetationszeit nach Spätsaat folgende Sorten zurecht:

  • E-Sorten: Langjährig über fünf Jahre Genius, Florian und auch die Vergleichssorte Akteur
  • A-Sorten: Besondere Leistung brachten Estivus, die Sortenmischung Flohyb sowie JB Asano. Stabil zeigten sich auch Apertus, Forum, Patras und die Jahre zuvor Meister.
  • B-Sorten: Edward, Kredo und Colonia sowie langjährig auch Mulan; die Hybriden fallen stärker ab, weil sie in den Versuchen wie auch in der Praxis mit halber Saatstärke bestellt wurden.
  • C-Sorten: Ohio, Anapolis, Boxer sind besonders hervorzuheben. Anapolis ist in Verbindung mit der ausgezeichneten Fusariumresistenz geradezu prädestiniert als Weizen nach Mais.

Korndichtetypen bei Spätsaat dichter drillen
Tendenziell sind Sorten mit ausgeglichenem Ertragsaufbau sowie Einzelährentypen besser für Spätsaaten geeignet. Sie sind nicht auf sehr hohe Korndichten angewiesen und haben besser bewurzelte Nebentriebe, was die Einzelährenausbildung unterstützt.

Korndichtetypen wie Franz, Attraktion, Elixer oder Sarmund fielen nach den Spätsaaten stärker ab. Allerdings wurden in diesen Versuchen alle Sorten gleich stark gedrillt. In der Praxis sollten Korndichtetypen bei Spätsaaten höhere Saatstärkenzuschläge erhalten, um der abfallenden Bestockung und Einkörnung entgegenzusteuern. Auch über die Startgabe können Spätsaaten wirkungsvoll gefördert werden, Stickstoff wirkt in frühen Entwicklungsphasen entwicklungsbeschleunigend.

Neben Kredo zeigt sich auch der Korndichtetyp Rumor vergleichsweise spätsaattolerant, vermutlich aufgrund der äußerst zügigen Jugendentwicklung.

Zusammenfassung und Fazit
Weil insbesondere bei der Stressvariante in den einzelnen Jahren unterschiedliche Sorteneigenschaften beansprucht werden, sind die Ergebnisse nicht immer leicht zu interpretieren. Für die Sortenwahl sollten deshalb alle verfügbaren Informationsquellen genutzt werden. Neben diesen züchtereigenen Versuchen sind auch Ergebnisse anderer Versuchsansteller aus den Regionen zu berücksichtigen, bei eingeführten Sorten auch die Praxiserfahrungen.

Entscheidend für die Sortenwahl:
Die Sortenunterschiede sind bei ungünstigeren Fruchtfolge- und Bestellbedingungen bis zu dreimal größer als bei optimalen Bedingungen! Werden die Sortenunterschiede bei der Positionierung und bei der Produktionstechnik berücksichtigt, sind höhere und stabilere Weizenerträge zu erreichen.

Sven Böse

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Stand: 07.07.2014