Aktuelle Ausgabe 02/2018

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In letzter Zeit waren häufig Fusariumpilze Ursache für Ertragsverluste und Mykotoxinbelastungen des Weizens. Dr. Ulrich Lehrke und Dr. Bernhard Werner von der LK Niedersachsen, Bezirksstelle Hannover empfehlen Vermeidungs- und Bekämpfungsstrategien.

Dr. Ulrich Lehrke
Dr. Ulrich Lehrke
Die Zunahme des Fusariumaufkommens ist einerseits eine Folge der starken Ausdehnung des Maisanbaus in Folge des Biogasbooms auch hinein in die typischen Ackerbauregionen. Andererseits wird Körnermais infolge des Klimawandels eine immer interessantere Alternative zum Getreide.

Weitere Faktoren sind die Zunahme der pfluglosen Bodenbearbeitung und der Anbau anfälliger Sorten. Zu Zeiten hoher Weizenpreise wird das Augenmerk auf Ertrag gelegt – ertragreichere Sorten sind jedoch nach wie vor meist etwas krankheitsanfälliger. Ein wichtiges Instrument zur Vermeidung einer Fusariuminfektion bleibt der gezielte Einsatz von Fungiziden. Da dieser häufig mit hohen Kosten verbunden ist, sollte hier jedoch mit Augenmaß vorgegangen werden. Nur wer die Infektionsrisiken kennt, kann Fungizide gezielt einsetzen (Tab. 1).

Risikofaktoren kennen und vermeiden

Tab. 1: Einfluss von Vorfrucht und Bodenbearbeitung
Tab. 1: Einfluss von Vorfrucht und Bodenbearbeitung
Fusariumpilze sind in der Natur am Abbau organischer Substanz beteiligt. Daher findet man sie u.a. an Strohresten von Mais, Getreide aber auch an Zuckerrübenköpfen. Das Infektionspotenzial im Frühjahr wird deshalb wesentlich von der Vorfrucht bestimmt. Unproblematisch ist Raps, das höchste Potenzial liefert Mais. Neben der Vorfrucht hat jedoch auch die Bodenbearbeitung einen großen Einfluss auf das Infektionsrisiko (Tab. 2). Durch eine saubere wendende Bearbeitung kann das Inokulum deutlich vermindert werden. Nach Raps, Zuckerrüben und Getreide besteht nach dem Pflug ein sehr geringes Risiko einer Infektion. Die Gefährdung steigt bei pflugloser Bestellung nach Getreide und Zuckerrüben. Die Vorfrucht Mais ist generell bedenklich, auch wenn das Pflügen nach Mais das Risiko bereits deutlich mindert.

Was tun bei Mulchsaat?

Aus arbeitswirtschaftlichen Gründen wird in der Praxis nach wie vor ein großer Teil des Maisweizens ohne Pflug in Mulchsaat bestellt. Hier muss in jedem Fall ein Fungizideinsatz eingeplant werden.

Doch selbst bei pflugloser Bestellung kann z.B. durch eine intensive Zerkleinerung der Stoppel nach der Ernte das Fusariumrisiko deutlich gemindert werden. Auch das Mulchen nach Getreide kann den Abbau der Erntereste beschleunigen und somit den Fusariumpilzen die Nahrungsgrundlage entziehen. Selbiges gilt für das Entblatten der Zuckerrüben und das flache Einarbeiten. Unzureichende Stoppelbearbeitung und Zerkleinerung der Erntereste kann vermutlich im Umkehrschluss auch nach dem Pflügen im Folgejahr zu Infektionen beitragen, wenn unverottetes Material hochgepflügt wird.

Sortenanfälligkeit beachten

Tab. 2: Einfluss von Bodenbearbeitung und Stoppelzerkleinerung auf das Toxinrisiko für Weizen nach Maisvorfrucht
Tab. 2: Einfluss von Bodenbearbeitung und Stoppelzerkleinerung auf das Toxinrisiko für Weizen nach Maisvorfrucht
Die Auswahl einer gesunden Sorte gehört zu den wichtigen Bausteinen des integrierten Pflanzenschutzes. Meist ist es jedoch der Ertrag, der primär zählt, besonders bei hohen Getreidepreisen. Daher ist davon auszugehen, dass in der Praxis hochanfällige Sorten auch nach Problemfrüchten wie Mais angebaut wurden.

Zwar lässt die Züchtung von gesunden Hochertragsweizen Fortschritte erkennen, aber dennoch sind nach wie vor die ertragreichsten Sorten meist auch anfälliger gegen Ährenfusarien (s. Abb. 1). In Deutschland werden nur Sorten mit einer Fusariumtoleranz

Gezielte fungizide Bekämpfung

Ist aufgrund der beschriebenen Faktoren ein erhöhtes Fusarienrisiko gegeben, muss in der Fungizidstrategie eine gezielte Ährenspritzung eingeplant werden. Über Mittel und Aufwandmenge wird erst zur beginnenden Weizenblüte entschieden, denn die Fusarieninfektion ist wetterabhängig. In den letzten Jahren gab es z.B. in Niedersachsen wegen der ausgeprägten Frühsommertrockenheit kaum Fusariumprobleme und keine auffälligen DON-Gehalte. Sogar im zurückliegenden Jahr 2013, mit extrem hohen Niederschlägen in der zweiten Maihälfte, führte eine nachfolgende Trockenphase nur zu geringen Infektionsraten im Getreide. Anders sah es in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen aus, wo nach einem nassen Mai im Juni weitere kräftige Niederschläge folgten und neben dem Weizen auch Triticale und sogar Gerste einen starken Ährenfusarienbefall zeigten. Dort waren die DON-Gehalte in den Ernteproben teilweise deutlich überhöht.

Witterung richtig einschätzen

Abb. 1: Fusariumanfälligkeit und Ertragspotenzial häufig angebauter
Abb. 1: Fusariumanfälligkeit und Ertragspotenzial häufig angebauter
Eine exakte Vorhersage des Fusarienrisikos auf der Basis von Prognosemodellen wird bisher nicht angeboten. Das heißt, dass bei einer entsprechenden Vorkonditionierung des Bestandes (Risikofaktor > 1, Abb. 1) bei ungünstiger Witterung vor und während der Blüte eine Blütenspritzung durchgeführt werden muss. Eine Infektionsgefahr liegt nur dann vor, wenn während des Ährenschiebens und der Blütezeit ausreichende Niederschläge fallen, die für eine längere, durchgehende Befeuchtung der Bodenoberfläche bzw. der aufliegenden Vorfruchtreste sorgen. Dazu sind in diesem Zeitraum Regenmengen von mindestens 10 eher 20 mm notwendig. Wasserhaltende Lehm- und Tonböden sowie hohe Bestandesdichten sind zusätzlich befallsfördend. Hohe Temperaturen begünstigen dabei die Sporenbildung am Boden und die Infektion in der Ähre. Sind vor der eigentlichen Blüte die Bedingungen für die Sporenbildung erfüllt, reichen zur Infektion in der Blüte Regenschauer von 3–5 mm und Temperaturen von > 18 °C um eine Infektion auszulösen.

Zeitpunkt der Blüte sicher bestimmen

Ein „sauberer“ Acker zur Saat ist eine gute Maßnahme zur
Ein „sauberer“ Acker zur Saat ist eine gute Maßnahme zur
Die Anfälligkeit für eine Infektion ist nur zum Zeitpunkt der Blüte gegeben, da der Pilz ausschließlich über die einzelnen Blütchen in die Ähre gelangen kann und sich anschließend in ihr ausbreitet. Die Anfälligkeit von Weizenähren gegenüber Infektionen mit Ährenfusarien verändert sich im Verlauf der Blüte mit einem Maximum zur beginnenden Vollblüte in EC 63. Dieser Termin ist daran zu erkennen, dass die Mehrzahl der Ähren im zentralen Ährenabschnitt Antheren schiebt! Dieses maximal anfällige Entwicklungsstadium der Vollblüte ist erwiesenermaßen der beste Applikationstermin für die Fungizide.

Formulierung der Fungizide beachten

Tab. 3: Fusarium – Fungizidvergleich 2013
Tab. 3: Fusarium – Fungizidvergleich 2013
Generell können die Toxinwerte durch einen Einsatz von Azol-Fungiziden während der Getreideblüte um ca. 50–85 % in Abhängigkeit von Produkt und Einsatzbedingungen gesenkt werden. Diese Wirkungsgrade werden allerdings nur erzielt, wenn mit der vollen Aufwandmenge die Möglichkeiten des Präparates ausgeschöpft werden. Ein Versuch in der Region Hannover (Tab. 3) aus dem Jahr 2013 zeigt einen Wirkungsvergleich verschiedener Fungizide auf die Befallshäufigkeit mit Fusarien und auf die Mycotoxinbildung (DON-Werte). Im Wirkungsvergleich zeigten Osiris (2,5 l/ha) und die Mischung Prosaro + Osiris (0,8 + 0,5 l/ha) die besten Wirkungen. Auch die Soloanwendung von 1,0 l/ha Prosaro bleibt ein guter Standard, war aber in den letzten Jahren tendenziell etwas schwächer als die Mischung Prosaro + Osiris. In der Mischung profitiert das Prosaro offensichtlich von der guten Formulierung des Osiris. Auch in diesem Versuch zeigten das neuere Ampera und das noch nicht zugelassene Soleil eine gute Wirkung. Hier ergeben sich etwas kostengünstigere Alternativen zu den bewährten Standards.

Tab. 4: Wirkstoffgehalte von Fungiziden (Auswahl) zur Bekämpfung von Ährenfusarien
Tab. 4: Wirkstoffgehalte von Fungiziden (Auswahl) zur Bekämpfung von Ährenfusarien
Inzwischen gibt es eine Vielzahl von Fungiziden zur Fusarienbekämpfung im Weizen, mit teilweise unterschiedlichem Bekämpfungserfolg (Tab. 4). Die jüngsten Zulassungen zur Fusariumbekämpfung im Weizen sind die Fungizide Ampera (2013) und Ceralo (2014). Ampera beinhaltet die Wirkstoffe Tebuconazol 133 g/l + Prochloraz 267 g/l. Die maximal zugelassene Aufwandmenge beträgt 1,5 l/ha. Die Leistungsfähigkeit gegen Ährenfusarium ist nach ersten Versuchen bei voller Aufwandmenge mit der Wirkung der reduzierten Menge Prosaro (0,7 l/ha) vergleichbar. Ceralo, die maximale Aufwandmenge beträgt 1,2 l/ha, verfügt über drei Wirkstoffe: Tebuconazol 167 g/l, Triadimenol 43 g/l und Spiroxamine 250 g/l. Die ersten beiden Wirkstoffe sind aus dem Matador bekannt und Spiroxamine ist z.B. im Input classic oder Pronto Plus enthalten. Wirkungsmäßig ist Ceralo mit Folicur oder Pronto Plus (mittlere Wirkung) gleichzusetzen. Für 2015 wird mit Soleil eine weitere Zulassung erwartet, der Wirkstoff ist Bromuconazol. Bisherige Versuchsergebnisse zeigen zumindest eine mittlere bis gute Fusarienwirkung.Produkte, die Wirkstoffe aus der Gruppe der Carboxamide enthalten (z.B. Skyway Xpro, Siltra Xpro), sollten nach unserer Meinung zur Vermeidung der Resistenzbildung nur einmal in der Vegetationsperiode zum Einsatz kommen. Der günstigste Termin dafür ist das Fahnenblattstadium (BBCH 37–49).

Zusammenfassung

Vorfrucht, Bodenbearbeitung und Sorte beeinflussen den Befall mit Ährenfusarium. Bei ungünstiger Konstellation muss eine Fungizidbehandlung zur Blüte eingeplant werden. Nur bei ausreichenden Niederschlägen vor und während der Blüte können die Pilze ausreichende Sporenmengen für Ähreninfektionen bilden. Der optimale Bekämpfungszeitpunkt ist die Vollblüte (erste Antheren treten aus). Für die Ährenbehandlung stehen eine Reihe von Produkten und Kombinationen zur Verfügung, mit denen in der Mehrzahl der Versuche Wirkungsgrade von 50–85 % erreicht werden.

Generell stellt die Fungizidmaßnahme aber nur eine zusätzliche Maßnahme dar, und sollte in eine Gesamtstrategie zur Bekämpfung der Pilzkrankheiten integriert werden.

Stand: 07.05.2014