Aktuelle Ausgabe 04/2018

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Mehr als drei Mio. Hektar Weizen pro Jahr, Spitzen-Hektarerträge und die aktuell höchsten Export-raten (EU): Deutschland spielt in der „Weizenliga“ ganz weit vorne. Zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Weizenproduzenten braucht der Markt neben Qualitäts-sorten vor allem Ertragsweizen mit flexiblen Verwertungsmöglichkeiten.

Der Großteil des Weizens fließt in die Lebens- und Futtermittelindustrie sowie auch in die Herstellung von Biokraftstoffen. Ausgerichtet an den Anforderungen zur Weiterverarbeitung, erfolgt die Einteilung der Weizensorten in die bekannten Qualitätssegmente. Da seit einigen Jahren ein hohes Preisniveau für Weizen erreicht ist und Qualitätszuschläge geringer geworden sind, ist die Forderung nach Höchstertrag an erste Stelle gerückt. Ein Aufbrechen der Segmente ist zu beobachten und dies führt dazu, dass zunehmend auch in den klassischen Qualitätsweizen-Regionen verstärkt moderne Masseweizen angebaut werden. Diese Entwicklung wurde von vielen Züchterhäusern rechtzeitig erkannt und findet in ihren großen europäischen Zuchtprogrammen Berücksichtigung.

Mittelständische Züchter können flexibler agieren

Entgegen der weltweit stattfindenden Bündelung von Agrar-aktivitäten in Großkonzernen betätigen sich in Europa nach wie vor einige sehr effiziente und flexible Pflanzenzüchter, die sich bereits über mehrere Generationen erfolgreich mit Pflanzenzüchtung befassen. Durch die Verbindung zur eigenen praktischen Landwirtschaft und Nutzung modernster Zuchtverfahren gelingt es, Trends rechtzeitig zu erkennen und vielversprechende Sortenstämme frühzeitig in den Zuchtgärten zu identifizieren. Die Stärke dieser Züchterhäuser ist zudem die enge Zusammenarbeit untereinander bis hin zu gemeinsam geführten Zuchtprogrammen und dem sehr frühen Austausch von Zuchtmaterial. Gegenüber Großkonzernen haben diese mittelständischen Züchter also das „Ohr sehr dicht an der Praxis“, weil sie selbst aktiver Teil dieser Praxis sind.

Anforderungen an die Weizensorten steigen

Die Praxis fordert gerade in Zeiten zunehmend auftretender Wetterextreme robuste Sorten, die Frühjahrstrockenheit, Auswinterungen und Temperaturschwankungen tolerieren und zusätzlich mit entsprechenden Resistenzen bzw. Toleranzen in Bezug auf Pflanzenkrankheiten ausgestattet sind. In Kombination mit Höchstertrag ist eine umfassende Resistenzausstattung bei Weizensorten selten, denn naturgemäß sind diese Merkmale negativ korreliert. Umso auffälliger sind neue Sorten, bei denen diese Kombination (zumindest für die bedeutendsten Krankheiten) trotzdem gelingt. Diese bringen eine zusätzliche Risikoabsicherung für den Anbauer und überzeugen idealerweise mit kon-stant hoher Ertragsleistung bei wechselnder Witterung.

Winterfestigkeit 2012 in LSV - Foto: Schulze-Kremer
Winterfestigkeit 2012 in LSV - Foto: Schulze-Kremer
100.000 Tonnen – vom wachsenden Brauweizenmarkt profitieren!

Der Durst nach Weizenbier steigt seit Jahren kontinuierlich. Somit steigt auch der Bedarf an Brauweizenmalz, da die gesetzlichen Vorgaben in Deutschland einen Weizenmalzanteil im Weizenbier von mindestens 50 % vorgeben.

Die Produktion an Weizenbier beträgt in Deutschland ca. 10 Mio. Hektoliter. Bei einem Malzbedarf von 16 kg/hl und einem Weizenmalzanteil von mind. 50 % liegt der Bedarf an Weizenmalz bei mind. 80.000 t. Dies entspricht einem Brauweizenbedarf von mind. 100.000 t. Der überwiegende Anteil an Weizenbier wird in Süddeutschland produziert, entsprechend steht dort auch der meiste Brauweizen auf dem Feld, wobei dessen Vermarktung häufig im Kontraktanbau erfolgt.

Flexible und robuste Hochleistungssorten zur Risikoabsicherung

Ein Beispiel für so einen modernen Hochertragsweizen im C-Segment ist die 2012 zugelassene Sorte Elixer. Hervorgegangen aus einer Kooperation zweier mittelständischer Züchterhäuser, überzeugt die Sorte mit Höchstertrag in Kombination mit Fusariumtoleranz, ausgezeichneter Winterfestigkeit und einer sehr langen Phase der Kornfüllung.

Abb. 1: Die C-Weizensorte Elixer in den LSV 2013
Abb. 1: Die C-Weizensorte Elixer in den LSV 2013
Als Risikovorsorge bei oft auftretender Frühsommer-Trockenheit werden Sorten mit frühem Ährenschieben gefordert, welche die Winterniederschläge zur Kornfüllung nutzen können. Der bislang vorherrschende Schwachpunkt früher Sorten war die verminderte Winterhärte und eine zu früh abgeschlossene Ertragsbildung. Um aber auch noch späte Niederschläge optimal zu nutzen, ist eine spätere Reife notwendig. Elixer hat, als Besonderheit, diese geforderte lange sogenannte „postflorale“ Phase.

Neben der Vermarktung oder Nutzung als Futterweizen, sind auch eine besondere Eignung zur Keks- und Waffelherstellung gegeben sowie hervorragende Braueigenschaften (s. Kommentar 100.000 Tonnen – vom wachsenden Brauweizenmarkt profitieren!). Sehr überzeugende Ergebnisse erreicht die Sorte in den LSV in allen Böden- und Klimaräumen (Abb. 1), vor allem auch als Stoppelweizen.

Dank guter Fusariumtoleranz kann die Sorte nach Mais und in humiden Regionen angebaut werden.

In Zeiten abnehmender monetärer Qualitätszuschläge und hoher Getreidepreise liegt der Fokus ganz klar auf Höchstertrag. Je vielschichtiger eine Sorte sicher „funktioniert“, desto geringer sind Anbau- und Vermarktungsrisiko. Natürlich werden auch in Zukunft Spezialsorten benötigt, der allgemeine Trend geht zurzeit jedoch in Richtung Multitalent.

Frederik Schirrmacher

 

Der Markt ist relativ sortenfixiert

Wie beim Gerstenmalz, ist auch beim Weizenmalz die Sorte ausschlaggebend. Die Evaluierung einer neuen Sorte für die Malz- und Brauindustrie ist ein aufwändiger und langwieriger Prozess. Hat sich die Industrie allerdings einmal entschieden, hält sie lange an diesen Sorten fest. Für den passionierten Brauweizenanbauer bieten sich dadurch sichere Vermarktungsmöglichkeiten über viele Jahre.

Gute Braueigenschaften für die Brauer, hohe Erträge und geringes Risiko für die Produzenten

Der Brauweizen führt bei Züchtung und Produktion allein aufgrund der relativ geringen Anbaufläche ein Nischendasein. Die Züchtung ist hinsichtlich Qualität primär auf gute Backeignung fokussiert, diese ist jedoch in der

Regel konträr zu der des Brauweizens. Während die Mühlen z.B. hohe Fallzahlen fordern, sind diese für die Brauindustrie eher von Nachteil, da die Verkleisterung und die Hydrolyse der Stärke bei hohen Fallzahlen deutlich langsamer ablaufen. Für den Abbau der Stärke zu vergärbarem Zucker ist dies absolut nachteilig.

Die Praxis braucht ährengesunde Brauweizen, die sehr hohe Erträge mit niedrigen Fallzahlen und guten sonstigen Braueigenschaften bringen. Hier ist der C-Weizen Elixer eine überaus interessante Sorte. Umfangreiche Untersuchungen durch die TU München und die LfL Bayern konnten herausarbeiten, dass Elixer die Anforderungen eines modernen Brauweizens exzellent erfüllt. Neben der niedrigeren Fallzahl weist diese Sorte meist ein hohes Hektolitergewicht, einen höheren Extrakt, eine geringere Viskosität und eine höhere alpha-Amylase Aktivität auf. Die beiden letzteren führen zu einer besseren Verarbeitung in der Brauerei.

Dr. Matthias Keßler

Stand: 07.05.2014