Aktuelle Ausgabe 03/2018

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Leistungen und Kosten in der Grundfutterproduktion beeinflussen die Wirtschaftlichkeit in der Rindviehhaltung entscheidend. Die Auswertung der Betriebe der Beratungsringe 2012/2013 am Beispiel Schleswig-Holstein zeigt aber, dass im Bereich der Grundfutterproduktion weiter Handlungsbedarf besteht.

Dr. Edgar Techow
Dr. Edgar Techow
Die Kosten im Futterbau steigen, im Mittel entfallen von den gesamten Produktionskosten „Milch“ in Höhe von 44,5 ct/kg produzierter Milch 14,3 ct auf die Produktion des wirtschaftseigenen Grundfutters. Dies entspricht etwa 32 % der Gesamtkosten in der Milchproduktion. Dabei schafften es die besser wirtschaftenden Betriebe gegenüber den weniger erfolgreichen, das Grundfutter um 4,5 ct/kg Milch günstiger zu produzieren. Hier spielt zwar auch die Zusammensetzung der Futterfläche (Weide – Grassilage – Mais) der Betriebe eine entscheidende Rolle, es werden in der Auswertung aber auch sehr große einzelbetriebliche Differenzen bei den Produktionskosten Mais- und Grassilage aufgezeigt.

Die Nutzung dieser vorhandenen Kostenreserven ist für die Milchviehhalter eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Die Kostenunterschiede bei der Grassilage sind erheblich und liegen deutlich über denen der Maissilage (Tab. 1) .

Tab. 1: Produktionskosten Grassilage 2012/2013 - Rinderspezialberatung Schleswig-Holstein (529 Betriebe, Anbaufläche 2013)
Tab. 1: Produktionskosten Grassilage 2012/2013 - Rinderspezialberatung Schleswig-Holstein (529 Betriebe, Anbaufläche 2013)
Bei der Ertragsleistung wird nicht nur der große Unterschied zwischen den guten und den abfallenden Betrieben deutlich (zwischen 71 und 142 dt TM/ha), sondern der mit 95 dt TM/ha auch sehr niedrige Durchschnittsertrag aller Betriebe. Die Kosten je 10 MJ NEL schwanken zwischen 21,4 und 35,9 ct. Dies ist eine Differenz von 14,5 ct/10 MJ NEL! Die Auswertung macht deutlich, dass mit einer gezielten Bestandesführung erhebliche Reserven bei der Grassilageproduktion bestehen.

Wann die Nachsaat bzw. Übersaat?

Entscheidend ist eine leistungsfähige Narbe, die durch eine gezielte Über-/Nachsaat bzw. Neuansaat erstellt und erhalten werden muss. Durch die folgende angepasste Düngung, Narbenpflege, optimale Ernte und Silierung ist der Aufwuchs zu sichern.

Zeitpunkt Nachsaat: Die Grünlandbestände haben die Bestockungsphase noch nicht abgeschlossen.

Immer wieder wird über den richtigen Zeitpunkt diskutiert. Natürlich kann man während der gesamten Vegetation nachsäen, doch den größten Erfolg hat man im Spätsommer, wenn eine intensive Beweidung im Anschluss an diese Maßnahme gewährleistet ist. Wenn diese aufgrund der zunehmenden Stallhaltung nicht durchgeführt werden kann, sollte man auf das zeitige Frühjahr ausweichen. „Zeitig“ heißt in Norddeutschland dabei bis spätestens Ende März, regional kann dieser Zeitpunkt aber auch deutlich später liegen. Wichtig ist, dass die Grünlandbestände die Bestockungsphase noch nicht abgeschlossen haben, da sonst die Konkurrenz der Altnarbe für die Nach- bzw. Übersaat zu groß wird.

Da Über- bzw. Nachsaaten in ihrer Wirkung stark nutzungs- und witterungsabhängig sind, sollten sie zur Standardmaßnahme der Bestandespflege zählen. Nur so ist die Leistungsfähigkeit der Bestände zu erhalten bzw. zu fördern. Auf pflugfähigen Standorten ist es vorteilhaft, im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten eine regelmäßige Neuansaat in Betracht zu ziehen. Insbesondere auf schwierigen Standorten hat sich eine Grünlanderneuerung im umbruchlosen Verfahren inzwischen fest etabliert.

Nicht kg/ha sondern Keimpflanzen/m²!

Für die Entwicklung eines optimalen Bestandes ist nicht die Menge an Saatgut, sondern die Keimpflanzenzahl/m2 wichtig. Wie in anderen Kulturen ist damit das Tausendkorngewicht der verwendeten Arten und Sorten zu berücksichtigen, denn der Einfluss des TKGs auf die Keimpflanzen/m2 ist erheblich.

Tab. 2: Nachsaat und Neuansaat von Grünland mit Deutsch-Weidelgras-Mischungen
Tab. 2: Nachsaat und Neuansaat von Grünland mit Deutsch-Weidelgras-Mischungen
Bei einer Aussaatmenge von 30 kg/ha mit Deutschem Weidelgras werden zwischen 700 und 1.300 keimfähige Körner/m2 ausgebracht. Entscheidend ist der Anteil an tetraploiden Sorten. Für die Entwicklung einer dichten Narbe sind auf jeden Fall 900–1.000 Keimpflanzen/m2 bei Neuansaat und optimalen Bedingungen ausreichend. Für die regelmäßige Übersaat – und diese sollte bei einer gezielten Narbenpflege die Regel sein – sollten 30 % einer Neuansaatmenge nicht überschritten werden.

Nach- bzw. Neuansaat: die richtige Mischung

Nachsaatmischungen sollten sich wegen der hohen Konkurrenzkraft ausschließlich aus Deutschem Weidelgras zusammensetzen. Die geplante Nutzungsintensität entscheidet, welche Mischungen für Neuansaaten gewählt werden. Je intensiver der Standort genutzt werden soll, desto höher sollte der Anteil des Deutschen Weidelgrases sein. Entscheidend ist natürlich die Lage und damit Leistungsfähigkeit des Standortes: Höhenlagen sind nicht vergleichbar mit Niederungsstandorten. Zur Mischungsbewertung sollte dabei auch auf die Arten- und Sortenempfehlung der entsprechenden Länderdienststelle zurückgegriffen werden.

Aber leistungsstarke Sorten haben meist auch ihren Preis, denn einige Gräsersorten lassen sich aufgrund ihrer starken vegetativen Entwicklung oft schwer vermehren.

Für die richtige Mischung sollten Sie folgende Punkte beachten:

  • Der Anteil geprüfter und empfohlener Sorten sollte über 70 % liegen. Viele Mischer setzten leider verstärkt neue Sorten ein, deren Leistung in der entsprechenden Region noch nicht hinreichend bekannt ist.
  • Der Anteil geprüfter, leistungsfähiger Sorten entscheidet über die Leistungsfähigkeit der Mischung.
  • Mischungen mit geprüften, aber aufgrund einer Leistungsschwäche nicht empfohlenen Sorten sollten nicht zum Einsatz kommen.
  • Erfahrungsgemäß sollte der Anteil tetraploider Sorten nicht über 50 % liegen, wenn auf Ausdauer des Bestandes Wert gelegt wird. Die Züchtung konnte die Winterhärte bei diesem Sortentyp in den letzten Jahren jedoch erkennbar verbessern und damit die Ausdauer in der Regel den diploiden Sorten annähern/gleichstellen. Damit ist nicht mehr die Ploidie, sondern die Leistung der Sorte entscheidend. Dies wird auch in der Sortenempfehlung der nordwestdeutschen Landwirtschaftkammern deutlich.
  • Weidelgrasmischungen aus Sorten der mittleren und späten Reifegruppe sind nutzungselastischer im Vergleich zu Mischungen mit früh abreifenden Sorten.
  • Auf Moorstandorten sollen überwiegend für diesen Standort geprüfte und empfohlene Sorten mit der Kennzeichnung „M“ zum Einsatz kommen. Die Ausdauerleistung auf diesen Standorten ist für die Bestandsentwicklung von besonderer Bedeutung und die Sortenunterschiede sind z.T. erheblich. Entsprechendes gilt für die Höhenlagen.
  • Wiesenlieschgras macht in einer Mischung bzw. Ansaat nur dann Sinn, wenn die Grasart sich durch entsprechende Aussaatstärken in Verbindung mit Deutschem Weidelgras entwickeln kann.
  • Thema Hochzuckergras (HZG): Die Zuckergehalte bei Deutschem Weidelgras sind stark von der Witterung beeinflusst, aber auch in einem gewissen Umfang genetisch bedingt. In einem Grünlandbestand ist der Zuckergehalt entscheidend von dem Anteil an Deutschem Weidelgras geprägt, aber nur wenig durch die Sorte.

Durch die Etablierung einer leistungsfähigen Grünlandnarbe und ihrer richtigen Führung kann dann ein qualitativ hochwertiges Grundfutter erzeugt werden. Die damit verbundene Steigerung der Grundfutterleistung und die Reduzierung der Grundfutterkosten werden ihren Niederschlag in der Rentabilität der Rindviehhaltung des Betriebes zeigen.

 

Dr. Edgar Techow

 

Stand: 07.05.2014