Aktuelle Ausgabe 02/2018

Ausgaben

Sonderausgaben

Themen

Von einem der größten Agrarunternehmen Deutschlands wird allgemein erwartet, dass alle Maßnahmen der unbedingten Gewinnmaximierung untergeordnet sind. Bei der JLW Holding AG geht man andere Wege – mit Erfolg. Das Unternehmen betreibt in Ost- und Westdeutschland eine Biogassparte, jedoch auf unterschiedliche Art und Weise – auch aus der Unternehmenshistorie heraus.

Untersaat in Triticale, TETRASiL
Untersaat in Triticale, TETRASiL
Brandenburg/Niedersachsen: nicht vergleichbar
In Brandenburg beliefern eigene landwirtschaftliche Betriebe diverse Biogasanlagen. Die Gärreste werden als Dünger auf die eigenen landwirtschaftlichen Flächen zurückgeführt. Aufgrund der ländertypisch geringen Viehdichte tragen somit die Gärreste zur Bodenverbesserung bei, Nährstoffe werden nicht abgefahren. Es bestehen zwischen Lieferant und Anlagenbetreiber – dies gilt für beide Bundesländer – langfristige Lieferverträge.

Mais steht in Brandenburg in Flächenkonkurrenz zu Winterroggen.
Klassische Brandenburger Fruchtfolgen ohne Mais sind

  • Roggen-Raps-Gerste
  • Roggen-Roggen-Raps
  • Roggen-Raps-Weizen-Gerste (auf den besseren Standorten).

Die moderate Hinzunahme von Mais in die sehr getreidelastigen Fruchtfolgen bringt Vorteile: Arbeitsspitzen werden entzerrt, die Fruchtfolge aufgelockert, Maschinen besser ausgenutzt, die Verwertung von Gärresten verbessert und das Produktionsrisiko gesenkt. Damit ist die Situation in Brandenburg eine andere als in vielen anderen Bundesländern, in denen aufgrund einer hohen Veredelungsdichte Mais ohnehin schon die Fruchtfolgen dominiert.
Einen besonderen Aspekt gibt Heiner Groß, Leiter Landwirtschaft zu bedenken: „Der Klimawandel könnte meines Erachtens zumindest in Brandenburg vermehrt zu Hitzeperioden führen, in denen das Getreide extrem schnell abreift. Andererseits werden auch sehr lange feuchte Perioden zur Ernte immer häufiger, was bei zunehmend engerem Zeitfenster die termingerechte Getreideernte ebenfalls erschwert. Mais bringt dann auch in diesem Punkt eine Entlastung.“

In Niedersachsen betreibt das Unternehmen seit 2007 eine eigene Biogasanlage mit 625 KW. „Die Firma Lindhorst hatte hier ein stillgelegtes Bundeswehr Depot gekauft und die Roggenpreise waren damals im Keller“, beschreibt Groß die Ausgangssituation. „Die Landwirte arbeiten hier meist auf 20er, 30er Böden und suchten bei den schlechten Roggenpreisen nach einer Alternative. Langfristige, für beide Seiten attraktive Verträge boten ihnen diese Alternative.“ Maßgeblich für die Wirtschaftlichkeit der Anlage ist die 100 %ige Nutzung der Wärme durch die Unternehmen des Industriegebietes im ehemaligen Depot (Winter) bzw. in der Holztrockung (Sommer). Zurzeit besteht eine Tagesration aus den Komponenten Mais (18 t), Grassilage (8 t), Hühnertrockenkot (2 t) und Rindergülle (16 t).

In die Zulieferung sind 12 landwirtschaftliche Betriebe vertraglich eingebunden, auf deren Flächen der Gärrest ausgebracht wird. „Es hat sich gezeigt, dass der Phosphor wie auch Mikronährstoffe aus dem emsländer Hühnertrockenkot für die hiesigen phosphorarmen Böden vorteilhaft sind“, beschreibt der Biogas-Verantwortliche Torsten Horn die klassische Win-Win-Situation.

Dr. Joachim Moeser, Koordination Bioenergie im Hause der
SAATEN-UNION, rät:

„Bei faserreichen und trockenen Rationen
können Energierüben optimieren: Sie bringen die benötigte
Flüssigkeit mit und sind reich an schnell umsetzbarer Energie.“

Eine besondere Ration
Die Ration für die westdeutsche Biogasanlage hat eine Besonderheit, die den Umgang mit den Substraten und die Gesamtkalkulation maßgeblich beeinflusst: Das Gras stammt aus den Flussniederungen der Aller und Örtze, oft aus Landschaftspflege-Flächen, auf denen eine Ernte erst nach dem 20.6. erlaubt ist. Die Grassilage ist daher extrem strukturreich und qualitativ nicht mit Silage aus Ackergras oder von Wiesen zu vergleichen. Hinzu kommt ein geringerer Teil Drittschnitte von Weiden der unternehmensnahen Betriebe. Dieser Schnitt wird von der Firma Lindhorst in Dienstleistung eingebracht, eher mit dem Ziel einer guten Kooperation denn der Gewinnmaximierung. Diese faserreiche Grassilage verklumpte anfangs nicht selten bei der Zuführung in die Anlage.

Die Rindergülle verbessert die Fließfähigkeit und Prozessstabilität, der Hühnertrockenkot stabilisiert den Prozess und die Rentabilität der „Mischung“.

Untersaat in Mais
Untersaat in Mais
Dauerbegrünung als Herausforderung
„Wir setzen alles daran, die Flächen ganzjährig zu begrünen und suchen nach der optimalen Lösung für diese Herausforderung“, formuliert Torsten Horn das ackerbauliche Ziel. Diese Maßnahmen werden durch Förderung eines bestehenden Wasserschutzgebietes und zwei durch die Firma Lindhorst gebaute Beregnungsanlagen abgesichert. 2013 standen daher bereits 150 Hektar Mais mit Grasuntersaat. Die Untersaat wurde im 6-Blattstadium des Maises auf 120 ha eingestriegelt, auf 30 ha erfolgte die Aussaat des Weidelgrases per Pneumatikstreuer. Die Etablierung verlief problemlos, wobei das Striegeln etwas vorteilhafter war als die Saat per Pneumatikstreuer. Das Gras bleibt mindestens bis Mitte Februar 2014 stehen.

Vorteile der Untersaat:
1. Speicherung von ca. 40 kg N/ha über Winter
2. Verminderung der Erosion (leichte Böden!)
3. Verbesserte Befahrbarkeit zur Ernte
4. Gute Versorgung des Samens und Keimlings mit Feuchtigkeit. Als positiven Nebeneffekt regt Striegeln das Wachstum der Maiswurzeln an und führt zu einem Wachstumsschub.
5. Nach Mais muss aus phytosanitären Gründen zur Bekämpfung des Maiszünslers gemulcht werden. Um die Zerstörung der Untersaat zu verhindern, darf der Mulcher den Mais erst oberhalb des 3. Knotens aufreißen (ca. 3 cm über dem Boden). Voraussetzung ist ein möglichst ebenes Saatbett bei der Maisaussaat.

Das Unternehmen profitiert ganz eindeutig vom Maisanbau, führt aber aus Überzeugung Maßnahmen wie Anlage von Wildäckern, Bienenweiden, Blühpflanzen etc. durch. Die Firma Lindhorst plant, eine weitere Anlage in Winsen/Aller 2014 in Betrieb zu nehmen. Im Gegensatz zu der bestehenden Biogasanlage wird diese als Gaseinspeisung betrieben.
Bei diesem Projekt arbeitete man sehr eng mit dem NABU zusammen und hat einen 10-Punkte-Plan rund um die Produktion für die neue Biogasanlage ausgearbeitet. Der ganz entscheidende Aspekt dabei ist die Verpflichtung, den Maisanteil auf maximal 50 % zu begrenzen. Weitere Komponenten in der Ration werden Zwischenfrüchte (z.B. Welsches Weidelgras), Getreide-GPS, Grassilage, Hühnertrockenkot und Energierüben sein.

Mais bleibt Hauptkultur – in beiden Anlagen
Mais ist und bleibt in beiden Regionen die wirtschaftlichste Biogaskultur. Elementar sind daher für die jeweiligen Standorte passenden Maissorten. Heiner Groß erläutert kurz die wichtigsten Argumente: „Das Wichtigste ist, dass die Sorte auf den Standort passt! Bei uns müssen die Sorten ungünstige Frühjahrsverläufe ausgleichen können. Hochleistungssorten taugen nicht für unsere meist schwachen Standorte, weil sie ihr genetisches Ertragspotenzial hier nicht ausschöpfen können, oft aber empfindlicher auf Wassermangel, Frühjahrskälte etc. reagieren als Robustsorten. Diese umweltstabilen Robustsorten bringen hier sichere Erträge. Ertragssicherheit/Umweltstabilität ist uns immer wichtiger als Ertragspotenzial, weil wir mit den erwarteten Mengen sicher kalkulieren müssen.“
Wenn Mais auf den besseren Standorten als Zweitfrucht steht, dann sind es ausschließlich sehr frühe Sorten, nach deren früher Ernte die Getreideaussaat für z.B. Roggen-GPS problemlos möglich ist.

„Insgesamt“, betonen Groß und Horn, „setzen wir alles daran, ein Höchstmaß an Nachhaltigkeit auf allen Ebenen zu erzielen. Das fängt bei den langfristigen Verträgen an, geht über die ertragssichernden ackerbaulichen Komponenten weiter – inklusive Wahl standortangepasster Sorten und deren maßvolle Düngung – und schließt letztendlich auch die Pflege der Geschäftsbeziehungen mit ein.“


Dr. Joachim Moeser, Dr. Anke Boenisch

Zum Unternehmen JLW Holding AG
Als mittlerweile einer der größten Agrarproduzenten Deutschlands wird das Unternehmen nach wie vor als Familienunternehmen geführt. Die Holding ist einer von insgesamt drei Geschäftsbereichen der Lindhorst-Gruppe.

Während die Holding AG in Brandenburg als Zulieferer von Biogasanlagen fungiert, wird am Standort der Zentrale in Winsen an der Aller (Niedersachsen) selbst eine Anlage betrieben, die den überwiegenden Teil der Substrate zukauft. Ackerbau wird an diesem Standort selbst nicht betrieben.

Eine weitere Biogasanlage in Niedersachsen ist geplant.

rechts Torsten Holm, verantwortlich für Biogas; links Dr. Joachim Moeser, Koordination Biogas bei der SAATEN-UNION
rechts Torsten Holm, verantwortlich für Biogas; links Dr. Joachim Moeser, Koordination Biogas bei der SAATEN-UNION

Stand: 10.10.2013