Aktuelle Ausgabe 03/2018

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Wie unterscheiden sich Sorten im Druschverhalten und welchen Einfluss haben Fungizidintensität, Mähdruschtechnologie und Erntezeitpunkt? Diese Fragestellung untersucht ein interdisziplinäres Versuchsprojekt der Firmen CLAAS Selbstfahrende Erntemaschinen GmbH, SAATEN-UNION GmbH und Bayer CropScience Deutschland GmbH auf dem Südzuckerbetrieb in Friemar. Ein Zwischenbericht.

Ertragreichere Sorten werden immer langlebiger, leistungsfähige Fungizide physiologisch aktiver, die Erntetechnik schlagkräftiger. Doch erst wenn alle drei Bereiche harmonieren, werden aus Innovationen Praxiserfolge. Vor diesem Hintergrund untersuchen die o.g. Unternehmen 2013 im zweiten Jahr in einem Gemeinschaftsprojekt die Wechselwirkungen zwischen Sorte, Fungizid und Erntetechnik.

Der Versuch umfasste 24 Varianten in zweifacher Wiederholung: drei Sorten, zwei Fungizidvarianten, zwei Erntetermine, zwei Dreschwerkseinstellungen. Innerhalb der Varianten wurde die Leistungsaufnahme bei unterschiedlichen Fahrgeschwindigkeiten untersucht. Neben dem Kornertrag wurde stichprobenartig auch der Strohertrag ermittelt. Dazu kamen Bestandesbonituren und Backversuche am Erntegut.

Versuchsfläche 48 ha
Der landwirtschaftliche Betrieb Friemar liegt auf 290 m Höhe im südwestlichen Randgebiet des Thüringer Beckens. Die langjährigen Niederschläge betragen 593 mm, die mittlere Jahrestemperatur 8,7 °C. Die guten, gleichmäßigen Böden (AZ 80), die großzügige Flächenausstattung (1.450 ha) und die Aufgeschlossenheit der Betriebsleitung prädestinieren den Betrieb als Versuchsstandort. Die Versuchsfläche ist knapp 48 ha groß, Vorfrucht war in beiden Jahren Weizen. Die Saatbettbereitung erfolgte in zwei Überfahrten mit dem Grubber (Amazone Centaur), die Drillsaat mit einer Horsch Pronto DC.

Drei Prüfsorten
Die Auswahl der drei Prüfsorten orientierte sich an aktuellen Entwicklungen und sollte von den Sortentypen her eine möglichst große Bandbreite abdecken:

  • Tobak als mehrjährig leistungsfähigste Liniensorte des deutschen Sortiments steht für den „atlantischen“, mittelspäten Korndichtetyp. Die mittellange Sorte eignet sich im Hinblick auf die Stickstoffdüngung und Fungizideinsatz eher für intensive Produktionsverfahren.
  • Mulan steht für einen mittelfrühen Bestandesdichtetyp mit sehr guter Kornausbildung. Diese zügig abreifende „kontinentalere“ Sorte ist seit Langem bekannt für ihre hervorragende Druschfähigkeit.
  • Hybery ist die leistungsfähigste Hybridweizensorte, sie wurde speziell für Stressstandorte entwickelt. Es handelt sich um einen spätreifen, mittellangen Einzelährentyp mit einem sehr leistungsfähigen Wurzelsystem. Diese Sorte stand bei halbierter Saatstärke mit 160 Pfl./m² nur halb so dicht wie die Liniensorten, von der N-Düngung wurden 30 kg/ha auf den Herbst vorgezogen.

links gar nicht, rechts intensiv behandelt
links gar nicht, rechts intensiv behandelt
Die Behandlungsvarianten
In diesem Versuch interessierte insbesondere der Einfluss eines spät gesetzten leistungsfähigen Fungizids auf die Abreife und das Druschverhalten. Verglichen wurde die einmalige Behandlung mit Erscheinen des letzten Blattes mit einer intensiven zweigeteilten Fungizidstrategie, d.h. dem zweimaligen Einsatz von physiologisch wirkenden Carboxamidfungiziden (Bixafen).

  • Normalvariante: Aviator Xpro 0,75 + Fandango 0,75 l/ha in BBCH 39/47
  • Intensivvariante: Input Xpro 1,2 l/ha in BBCH 32/35 Skyway Xpro 1,1 l/ha in BBCH 59/63

Skyway Xpro enthält neben bewährten Azolen ebenfalls den neuen Wirkstoff Bixafen aus der Gruppe der Carboxamide. Das Präparat bekämpft mit Ausnahme von Mehltau alle Fuß-, Blatt- und Ährenkrankheiten und besitzt eine ausgeprägt vitalisierende Wirkung auf das Pflanzenwachstum. Alle übrigen Maßnahmen erfolgten betriebsüblich.

Die Druschtechnik
Versuchsmähdrescher war ein LEXION 770. Das APS-Dreschsystem sorgt für einen besonders schnellen und dabei gleichmäßigen Gutfluss. Dank sehr hoher Zentrifugalkräfte werden dabei wesentlich mehr Körner abgeschieden, bis zu 30 % bereits in einem Vorkorb. Ein großer Korbspalt und eine niedrige Trommeldrehzahl ermöglichen einen sehr schonenden Drusch bei reduziertem Kraftstoffverbrauch.

Die zwei Einstellungen im Versuch betrafen den Dreschkorb, die Dreschtrommel, das Gebläse, die Siebe und die beiden Abscheiderotoren. Innerhalb der Varianten wurde die Geschwindigkeit und damit Leistungsaufnahme in mehreren Stufen bis zur Verharrung auf einem Verlustniveau von 1 % variiert. Die Stroherträge wurden über Schwadablage in einem nachlaufenden Strohwiegeband ermittelt.
Die beiden Erntetermine 3. und 9. August wurden mit dem Betriebsleiter Herrn Herrmann hinsichtlich optimaler Wetterbedingungen und Reifegrade festgelegt.

Sorteneffekte auf den Korn- und Strohertrag
Die Kornerträge der Sorten entsprachen den Erwartungen: Tobak und Hybery als die gegenwärtig leistungsfähigsten Linien- bzw. Hybridsorten lagen gleichauf (Abb. 1). Auf diesem Top-Standort war die höhere Stresstoleranz des Hybridweizens nicht gefordert, auch nicht die Anpassungsfähigkeit der Sorte Mulan.

Kornerträge in Abh. von Sorte und Fungizideinsatz
Kornerträge in Abh. von Sorte und Fungizideinsatz
Auffallend ist der herausragende Strohertrag der Hybride, obgleich diese mit 160 Körnern/m² nur halb so dicht gesät wurde wie die Liniensorten (Abb. 2). Hybery bildete bei einem Bestockungsquotienten von 4,17 (!) am Ende 680 Ähren/m² bei auffallend großem Halmdurchmesser. Tobak bildete bei einem Bestockungsfaktor von 2,3 720 Ähren tragende Halme pro m², Mulan 550 Ähren/m² bei einem Bestockungsfaktor von 1,8.
Der Kornertrag war beim zweiten Erntetermin durchgängig höher, in den meisten Varianten auch der Strohertrag. Am höchsten war der Kornzuwachs bei der spätreifen Hybridsorte.
Stroherträge in Abh. von Sorte und Fungizideinsatz
Stroherträge in Abh. von Sorte und Fungizideinsatz

Fungizideffekte auf den Korn- und Strohertrag
Der Ertragsvorteil der zweimaligen gegenüber der einmaligen Fungizidvariante war bei beiden Ernteterminen vor allem beim Kornertrag spürbar. Der Krankheitsdruck bei den Blattkrankheiten war nicht übermäßig hoch, die Mehrleistung der intensiven Variante dürfte deshalb maßgeblich auch auf die vitalisierenden Effekte der späten Fungizidvariante zurückzuführen sein.
Ein deutlich höherer Fusarium- und Mykotoxinbefall zeigte sich in der Sorte Tobak. Hier führte die intensive Variante mit einer gezielten Skyway-Behandlung zur Blüte zu einer deutlichen Verminderung der DON-Werte, gleichzeitig wurden neben klaren Ertragseffekten vor allem die Kornqualität (TKG, Rohprotein, Fallzahl, Sedi-Wert) deutlich verbessert.
Bei Mulan und Tobak erhöhte die zusätzliche, späte Fungizidanwendung beim ersten Erntetermin auch den Strohertrag. Dies ist damit zu erklären, dass beide Sorten – vor allem Mulan – schneller abreiften als die langlebigere, spätere Hybride. Bei Sorten mit früher und zügiger Strohabreife führt die späte Fungizidanwendung zu weniger brüchigem Stroh, sodass bei geringerem Kurzstrohanfall mehr Stroh geborgen werden konnte.

Leistungsaufnahme und Druscheigenschaften

Leistungsbedarf in Abh. des Korndurchsatzes
Leistungsbedarf in Abh. des Korndurchsatzes

Die Abb. 3a und 3b zeigen den Verlauf der Leistungsaufnahme beim ersten und zweiten Erntetermin mit zunehmender Fahrgeschwindigkeit bezogen auf den Korndurchsatz. Hinsichtlich der Sorten- und Behandlungseffekte ist festzuhalten:

  • Beim ersten Erntetermin waren erwartungsgemäß der Leistungsbedarf höher und die Sortenunterschiede größer als beim zweiten Erntetermin. Das Korn war zu beiden Terminen mit 12,5 % bis maximal 14,4 % Feuchte druschreif. Die Strohfeuchte der einzelnen Varianten lag beim ersten Erntetermin bei bis zu 40 %, beim zweiten Erntetermin nur etwa 25 %.
  • Je langlebiger und später eine Sorte, um so höher ist (bei gleichem Erntetermin) der Leistungsbedarf für den Drusch. Als zweite Einflussgröße ist auch die unterschiedliche Strohabreife der Sorten zu nennen: Mulan reift in Relation zum Korn besonders rasch ab, Tobak und vor allem Hybery deutlich später. Als dritte Einflussgröße ist der Strohertrag zu nennen. Auch dieser erklärt die höhere Leistungsaufnahme bei Hybery – bezogen auf den Gesamtertrag aus Korn und Stroh relativieren sich die Unterschiede weitgehend!
  • Die intensive Fungizidbehandlung hatte 2012 bei den späteren Sorten vor allem bei sehr hohem Durchsatz einen tendenziell positiven Effekt im Hinblick auf einen energiesparenden Drusch. Deutlich ausgeprägt war dieser Effekt bei der auch im Stroh schneller abreifenden Sorte Mulan. Der späte Fungizideinsatz führt zu einem zäheren, weniger brüchigen Stroh: Die Druschorgane werden weniger durch Kurzstrohbestandteile belastet und arbeiten effizienter.

Schlussfolgerungen
Bereits die ersten Ergebnisse des gemeinsamen Druschprojekts zeigen, wie wichtig es ist, die Entwicklungen bei Erntetechnik, Sorten und Fungiziden im Zusammenspiel zu untersuchen. Denn es steht fest: Mit immer leistungsfähigeren, langlebigeren und zukünftig auch wieder strohreicheren Sorten steigt der Anspruch an die Erntetechnik. Das Gleiche gilt für moderne, vitalisierende Fungizide in Jahren mit schwieriger Erntewitterung. Dabei steht für den Landwirt wirtschaftlich die Sorten- bzw. Fungizidleistung im Vordergrund. Die Erntekosten liegen – bei 15 l/ha Kraftstoffverbrauch, 10 t Kornertrag und Schwadablage – bei etwa 100 €/ha, können jedoch bei „verunglückten“ Beständen deutlich steigen.

Entscheidend ist ein situationsangepasster Wachstumsregler- und Fungizideinsatz, der optimale Druschtermin und in Verbindung damit in Großbetrieben auch die Reifestaffelung über Sorten unterschiedlicher Abreife.

Bernhard Zippert, Dr. Frank Wehner, Dr. Stefan Jungert, Sven Böse

Stand: 25.06.2013