Aktuelle Ausgabe 02/2018

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Nach Meinung der Teilnehmer soll sich die Getreideplattform SU BestSeed vorrangig auf die Optimierung der Produktionstechnik und der Sortenwahl fokussieren. Bereits die ersten Ergebnisse des Testjahres 2012 versprechen hierzu wertvolle Erkenntnisse.
 

In Abb. 1 sind am Beispiel der Weizensorte Tobak die Bewertungen der beteiligten Vermehrer mit dem integrierten Auswertungstool SU Explore Basic verrechnet. Dabei ist zu berücksichtigen, dass diese Ergebnisse vorwiegend aus dem Raum Hannover stammen. Dort waren viele Weizenbestände durch die Auswinterung stark ausgedünnt, ein erheblicher Anteil musste umgebrochen werden. Auch wenn die Bewertungen für die Auswinterung, die Jugendentwicklung und die Bestandesdichte stärker streuen, ist der Tenor dennoch eindeutig: Die Sorte war im Vergleich zu anderen Sorten winterhärter und hat sich besser regeneriert – ohne jedoch in hohe Bestandesdichten zu laufen.

Der Erblichkeitsanteil bestimmt die Streuung
Vor allem Merkmale mit hoher Erblichkeit („Heritabilität“) wie das Ährenschieben, die Kornreife oder Qualitätsmerkmale wurden schon durch wenige Praxisbonituren zutreffend charakterisiert. Sie korrespondieren eng mit den Einstufungen der Beschreibenden Sortenliste.

Bewertung durch die Teilnehmer
Bewertung durch die Teilnehmer

Sortenmerkmale, die einem größeren Umwelteinfluss unterliegen, zeigten naturgemäß eine größere Streuung, gekennzeichnet durch die Standardabweichung. Dazu zählen vor allem der Ertrag, die Resistenzen und die Standfestigkeit, zumal diese Merkmale ja auch stark von der Bestandesführung abhängen. In der Summe zeigen schon die wenigen Bewertungen des ersten BestSeed-Jahres ein bemerkenswert klares Profil: Tobak ist eine ertragsstarke Sorte mit überdurchschnittlicher Resistenz gegenüber Auswinterung, Wachstumsstress, Blattkrankheiten und Erregern im Halmbasisbereich. Selbst aus dünnen Beständen können über eine gute Kornausbildung hohe Erträge realisiert werden

Ebenso deutlich verwiesen die Bewertungen auf die Schwächen der Sorte bei Ährenfusarium. Kein Wunder, dass die Praktiker die Sorte als praxistauglich empfehlen.

Von den Erfahrungen anderer lernen
Sehr interessant ist es, aus den Erfahrungsberichten der einzelnen Teilnehmer mit besonders positiven oder negativen Anbauergebnissen zu lernen. Dazu gehört der Teilnehmer Willibald Neger aus Dietfurt in der Oberpfalz, der von 120 dt/ha Kornertrag bei gleichzeitig untypisch hohen Proteingehalten auf seinen drei Schlägen berichtet (Kommentar Seite 24).

 

Meine Meinung: Besonders gefallen hat mir...
  • Sehr gute Winterhärte
  • Optimale und gute Jugendentwicklung
  • Sehr kräftiger und vitaler Bestand im Vergleich zu verschiedenen Weizensorten
  • Hohes hl-Gewicht 86 kg
  • Sehr hoher Ertrag im Durchschnitt bei 3 Ackerschlägen 120 dt/ha
  • Trotz B-Qualitätseinstufungen 13 % Eiweiß
Willibald Neger, Tobak-Anbauer

Was hat er anders gemacht? Sein Anbauverfahren ist in seinen drei Erfahrungsberichten dokumentiert: Mittlerer Standort ohne Trockenheits- oder Auswinterungsstress, problemlose Vorfrüchte, verhaltene Vorwinterentwicklung trotz frühem Feldaufgang, mittelhohe N-Düngung, je drei Fungizid- und WR-Maßnahmen.

„Beim Endspurt hat nichts gefehlt“
Ideale Voraussetzungen also für hohe Erträge. Aber Erklärung genug für eine Kornprotein-Leistung von wenigstens 13 %, einem Kornstickstoff-Ertrag von 230 kg N/ha, einer Gesamt-N-Aufnahme von 310 kg N/ha? Aus Sicht von Anbauer Willibald Neger erklärt sich die enorme Leistung seiner Tobak-Schläge vor allem aus deren Endspurt:

„Eine frühe Saat ist bei unserer Höhenlage (510–520 m) Pflicht. Trotzdem beginnt die Hauptbestockung bei uns meist erst im Frühjahr. Umso wichtiger war deshalb die kräftige und zügige Bestockung von Tobak im Frühjahr. Entscheidend war dann wohl die Fusariumbehandlung und die späte letzte N-Gabe – beides rechtzeitig vor Niederschlägen. Dadurch ist der Weizen sehr lange gesund geblieben, konnte aus dem Vollen schöpfen und hat am Ende trotz hoher Bestandesdichten ein dickes Korn gemacht. Die glatten 13 % Rohprotein, genauso viel wie beim Asano, wurden auch durch die Flüssigdüngung zusammen mit dem letzten Fungizid unterstützt. Ich habe YaraVita Thiotrac eingesetzt, ein Schwefel/Stickstoff-Präparat. Ich tausche mich dazu im Netz auch mit nord- und ostdeutschen Praktikern aus und schätze, das allein diese Maßnahme ein halbes Prozent Protein gebracht hat.“

Sven Böse

 

 

Möglicherweise wichtiger als die Ertragshöhe!“

Auf der SU BestSeed-Teilnehmertagung am 15. November beleuchtete Herr Dr. Joachim Holz, Landwirtschaftskammer Nordrhein-
Westfalen, die Bedeutung sozialer Netzwerke für die Sortenwahl. Hier eine Zusammenfassung seiner Ausführungen.

Soll der Züchtungsfortschritt in der Praxis schnell und umfassend genutzt werden, muss die Sorte in ihren spezifischen Eigenschaften umfänglich bekannt sein! Züchtungsfortschritt kann viele, sehr verschiedene
Merkmale beinhalten. Zum einen leicht messbare „harte“ Merkmale wie Ertrag, Qualität, Resistenzen oder agronomische Eigenschaften.

Chancen und Grenzen LSV und SU BestSeed
Chancen und Grenzen LSV und SU BestSeed


Zum anderen schwer messbare „weiche“ Merkmale wie die Saatzeitverträglichkeit, abiotische Stressmerkmale, Fruchtfolgeeignung, Fallzahlstabilität, Winterhärte, Dreschbarkeit etc.
Die harten, d.h. leicht messbaren Merkmale des Zuchtfortschritts werden in den Landessortenversuchen sichtbar: unter definierten (landes-)spezifischen Standortbedingungen, die statistisch gesichert und reproduzierbar sind.
Die „weichen“, also versteckten und weniger leicht messbaren Merkmale neuer Sorten bedürfen der Praxiserfahrung. Hier können soziale Netzwerke wie SU BestSeed sehr hilfreich sein, wenn diese eine Vielzahl von Einzelstandortinformationen unter diversen Anbaubedingungenaggregieren.
Entscheidend dabei ist, dass die Beobachtungen intelligent kategorisiert bzw. aggregiert werden.

Landessortenversuche und soziale Netzwerke zusammen ermöglichen ein schärferes, detaillierteres
Sortenprofil. Der Zusatznutzen für den Landwirt, resultierend aus gezielterem Anbau und mehr Ertragssicherheit, ist möglichweise wichtiger als die Ertragshöhe.

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Stand: 17.12.2012