Aktuelle Ausgabe 03/2018

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Alternativen zu Mais werden dringend gesucht. „Sind Futterrüben eine mögliche Alternative zu Mais auf mittleren und leichteren Böden?“ Die von fünf Unternehmen initiierte Fachveranstaltung in Uthmöden (bei Haldensleben, Sachsen-Anhalt) lieferte zu dieser Frage reichlich Diskussionsstoff.

Kritische Begutachtung der Futterrübenrodung, Uthmöden
Kritische Begutachtung der Futterrübenrodung, Uthmöden
Mais ist im Landkreis Börde die dominante Frucht – der überwiegende Anteil dient der Erzeugung von Biogas. Damit sieht sich auch diese Region politischem und gesellschaftlichem Druck ausgesetzt. Zudem sind im Landkreis Börde besonders auf den leichteren Böden die Maiserträge stark schwankend, sodass auch zum Zwecke eines Risikoausgleiches Alternativen gefordert sind.

Vor diesem Hintergrund organisierten fünf Unternehmen aus Pflanzenzüchtung und Landtechnik (s. Kasten) diese Informationsveranstaltung, bestehend aus einem Vortragsteil, einer Futterrüben-Testrodung, der Futterrübenaufarbeitung sowie der Lagerung auf dem Gelände der Biogasanlage PNE Biogas.

Mehr als 2 Millionen Hektar Mais standen
deutschlandweit 2012 im Feld. Das EEG schreibt einen maximalen Anteil von 60 % Mais/Fruchtfolge vor.

Kulturvielfalt für mehr Nachhaltigkeit
Dr. Joachim Moeser, Produktmanager für Bioenergie der SAATEN-UNION, stellte in seinem Vortrag mögliche Alternativen in Biogasfruchtfolgen dar. Ob exotische Dauerkulturen oder klassische Ackerkulturen wie Getreide-GPS, Sorghum, Futtergräser, Rüben oder Zwischenfruchtmischungen – alles hat Vor- und Nachteile, vieles rechnet sich, aber nicht auf jedem Standort.

Die 2012 neu zugelassenen Hybridroggensorten für den GPS-Anbau stellten laut seinen Angaben einen deutlichen Ertragssprung dar. Diese Entwicklung macht Getreide-GPS zu einer wirtschaftlich sehr interessanten Alternative zum Maisanbau. Besonders die Entzerrung von Arbeitsspitzen, die Ausnutzung der Winterfeuchte und damit ein Risikosplitting bei Sommertrockenheit, sowie die geringeren Produktionskosten machen Hybridroggen-GPS zunehmend attraktiv.

Die Veranstalter:
SAATEN-UNION GmbH, Isernhagen; Lohnunternehmen Metzger, Meßdorf;
Grimme Landmaschinenfabrik GmbH & Co.
KG, Damme;
Günther Schmihing GmbH, Melle;
W. v. Borries-Eckendorf, Leopoldshöhe

Er wies weiterhin darauf hin, dass der GPS-Gemengeanbau mit Leguminosen nach dem neuen EEG 2012 eine höhere Einspeisevergütung erzielen kann als herkömmliche Energiepflanzen wie Mais, Getreide, Sorghum, Rüben, Gras. Gemenge könnten also aufgrund der höheren Vergütung durchaus ökonomisch Sinn machen.
Der Winter-Zwischenfruchtanbau als fester Bestandteil von Energiefruchtfolgen mit Grünschnittroggen und Gras (Zweikulturnutzungssyteme) sei bestens geeignet, die Humusbilanz positiv zu beeinflussen. Sommerzwischenfrüchte könnten die Humusbilanz zwar verbessern, als Biogassubstrat seien sie aber aufgrund der mäßigen Trockenmasse-Erträge weniger geeignet.

Sommerzwischenfrüchte blieben jedoch der ideale Weg, dem Bodenleben wieder Nahrung zuzuführen und könnten auch zur Nematodenbekämpfung gezielt eingesetzt werden.

Erntegut (ungereinigt) bei der Anlieferung in der Biogasanlage PNE Biogas Oretal GmbH
Erntegut (ungereinigt) bei der Anlieferung in der Biogasanlage PNE Biogas Oretal GmbH

„Schlussendlich“, so Moeser, „bleibt Mais trotz aller Alternativen die Hauptkultur für Biogas. Der Maisanteil an der Fruchtfolge kann durch verschiedene Alternativkulturen aber reduziert werden, ohne dass die Wirtschaftlichkeit stark leidet. In jedem Fall muss die Nachhaltigkeit der Bewirtschaftung im Fokus bleiben – sonst kommen zukünftig noch mehr Vorgaben ‚von oben’ auf uns zu.“

Anspruchsloser als Zuckerrüben, trockenresistenter als Mais
Frederik Schirrmacher, Produktmanager bei W. v. Borries-Eckendorf, räumte in seinem Vortrag bestehende Vorurteile gegen die Futterrübe aus. Die Genetik neuer Sorten zeigte klar die Züchtungsrichtung für Energierübe: hohe Trockenmasse-Erträge, beste Methanerträge und das bei guten Rodeeigenschaften. Auf mittleren und eher leichteren Böden, wie sie in der Region häufig anzutreffen sind, könnten Futterrüben punkten: Ihre Ansprüche an den Standort seien deutlich geringer als die der Zuckerrübe und mit vorübergehender Wasserknappheit könnten Futterrüben besser umgehen als Mais. „Wenn das Wasser knapp wird, schalten Futterrüben um auf den ‚Schlafmodus’ und sie wachsen nach dem nächsten Regen weiter, als wäre nichts gewesen“, so seine langjährigen Erfahrungen. „Das ist auch beim Vergleich mit Mais besonders auf leichteren Standorten ein gutes Argument für die Futterrübe.“

Energierübe als Alternative auf Grenzlagen
Schirrmacher stellte besonders heraus, dass es bei der Bewertung einer Biogas-Kultur nicht alleine auf deren Trockenmasse-Leistung ankomme. „Erdanhang und Lagerfähigkeit, Ligningehalt und Verweilzeit im Fermenter, Rührfähigkeit und Pumpbarkeit, Optimierung der Arbeitswirtschaft und die Risikostreuung – das sind alles Faktoren, die Effektivität bringen bzw. im negativen Fall Effektivität kosten.“

Die modernen und glattschalige Sorten sorgen für einen geringen Erdanhang, ihre Verweilzeit im Fermenter ist kurz, die Rühr- und Pumpfähigkeit ist gegeben und die Lagerungsmöglichkeiten vielseitig und problemlos.

Moderne Futterübensorten sind keine Runkelrüben mehr.

Zwar kommt Schirrmacher wie auch sein Vorredner zu dem Schluss, dass Mais unter optimalen Bedingungen die höchste Leistungsfähigkeit aller Biogaskulturen habe und zudem einfach zu handhaben sei, aber: „Wir brauchen Möglichkeiten, den Maisanbau ökonomisch sinnvoll zu ergänzen und die Futterrübe kann hier besonders auf Grenzlagen eine gute Alternative darstellen.“

Das Roden moderner Futterrübensorten ist – allen Gerüchten zum Trotz – problemlos möglich. Dies konnte das Lohnunternehmen Metzger bei der Beerntung verschiedener Futterrübensorten mit dem Grimme Rexor eindrucksvoll unter Beweis stellen. Dieser extrem leistungsfähige 6-reihige Rübenroder entblattet die Rüben, d.h. entfernt nur die Blätter, und der Rübenkörper bleibt weitgehend unbeschädigt. Dadurch werden Verluste minimiert - es bleibt mehr Masse für mehr Biogas. Die Rodung klappte im Prinzip bei allen im Feld zur Testrodung anstehenden Futterrübensorten: die auffallend rote Ribambelle, die Neuzulassung Enermax und die bewährte Sorte Magnum.

Welche Reinigung ist notwendig?
Nach Abschluss der Rodung konnte sich die Gruppe nach dem Abkippen auf der Anlage der PNE Biogas Oretal GmbH von der Qualität der Rüben überzeugen. Die erst 2011 gebaute Biogasanlage läuft zzt. mit 550 KW, verfügt aber über Ausbaureserven von bis zu 1,2 GW. Mais stellt zurzeit noch ca. 80 % des Substrates und wird aus der Region angeliefert.
Bevor die Rüben einsiliert wurden, ging es jedoch um die Frage: Wie viel Reinigung ist notwendig, welches Verfahren ist effektiv und ausreichend schnell? Zum Vergleich standen von der Firma Schmihing

Rüben nach Nassreinigung
Rüben nach Nassreinigung
der Trockenreiniger „Cleaner Chopper“, ein mobiles Gerät für Kippanhänger, und der Nassreiniger Rhino Cross.

Der Nassreiniger entfernt bei einer theoretischen Durchsatzleistung von bis zu 60 Tonnen Rüben pro Stunde, störende Steine durch einen Zyklonabscheider zu 100 % (Herstellerangaben). Der Abtransport von Steinen, Lehm und Sand erfolgt in einem separaten Container, während die Rüben über das hydraulisch angetriebene Auswurfpaddel in die Waschtrommel gelangen. Intensives Waschen löst den anhafteten Schmutz, der über ein Austrageband abgeführt wird. Durch dieses Verfahren lässt sich das Waschwasser länger verwenden.

Am Ende dieser informativen Veranstaltung war klar, dass sich auf allen Ebenen viel getan hat: Neue Rübensorten mit neuen Eigenschaften und Ertragsleistungen, ein hohes Maß an technischer Weiterentwicklung bei der Rübenaufbereitung und eine problemlose Rübenlagerung machen die Futterrübe zu einer interessanten Erweiterung der Biogasfruchtfolge.

Stand: 18.12.2012