Aktuelle Ausgabe 03/2018

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Etwa die Hälfte der Gesamtkosten einer Biogasanlage entfallen auf die Rohstoffkosten, Tendenz steigend. Doch die reine Kostenbetrachtung greift bei der Wahl einer „Biogasfruchtfolge“ zu kurz. Für erweiterte Fruchtfolgen sprechen handfeste Vorteile – neben der höheren gesellschaftlichen Akzeptanz.

Es muss nicht immer Mais sein: Getreide, Rüben und Gräser können z.B. in kühleren Lagen eine echte Alternative sein.
Es muss nicht immer Mais sein: Getreide, Rüben und Gräser können z.B. in kühleren Lagen eine echte Alternative sein.
Zu beachten sind hierbei (immer in Bezug auf die Methanausbeute)

  1. eine möglichst hohe und sichere Flächenproduktivität,
  2. geringe Produktions- und Bereitstellungskosten,
  3. die Eignung als Fütterungskomponente im Gesamt-Substratmix.

Was rechnet sich – außer Mais?
Silomais, unbestritten das wirtschaftlichste Substrat, ist in der Fruchtfolge jedoch aus pflanzenbaulichen und Gründen der gesellschaftlichen Akzeptanz limitiert. Die entscheidende Frage lautet deshalb: „Was rechnet sich noch – neben Mais?“ Dabei bestimmen noch weitere Kriterien über die relative Vorzüglichkeit der verschiedenen Fruchtfolgekomponenten. Es geht nicht allein um Ökonomie, sondern je nach einzelbetrieblicher Situation auch um eine ausgeglichene Humusbilanz, Nutzungsflexibilität, Transportwürdigkeit der Substrate und Enzerrung von Arbeitsspitzen.

Erträge und Methanausbeuten
In Tab. 1 sind verschiedene Anbaualternativen beispielhaft in ihrer Flächenproduktivität beschrieben. Sowohl im Frischmasse- wie auch im Trockenmasseaufwuchs gibt es enorme Ertragsunterschiede, die je nach Anbaulage, Jahr und Produktionstechnik erheblich variieren können. Unter den einjährigen Hauptfrüchten haben Mais und Energierüben das höchste Ertragspotenzial. Getreide-GPS fällt ertraglich zwar etwas ab, ermöglicht jedoch dank der frühen Ernte sehr produktive Zweikultursysteme. In humideren Regionen folgt Ackergras oder Sommergetreide, in trocken-warmen Regionen sehr frühe Sorghum- bzw. sehr frühe Maishybriden nach Wintergersten-GPS.

Produktivität - Frischmasse, Trockenmasse und Methan
Produktivität - Frischmasse, Trockenmasse und Methan

Erzeugungs- und Konservierungskosten
Erzeugungs- und Konservierungskosten
Substratkosten je dt Trockenmasse
Bei der Kalkulation der fruchtartspezifischen Substratkosten geht es in Abb. 1 nur um die Relationen, einzelbetrieblich können die Kosten abweichen:

  • Bei den Düngungskosten wird eine 80%ige Rückführung der Nährstoffe unterstellt. Die um 80 Euro pro Hektar erhöhten Ausbringungskosten gegenüber der Mineraldüngung sind bei den Arbeitserledigungskosten berücksichtigt.
  • Bei den festen Kosten gehen auch die Einrichtungen für die Konservierung und Lagerung mit ein. Hier bestehen enorme Unterschiede zwischen den Substraten.
  • Die Flächennutzungskosten – hier abzüglich der flächengebundenen Ausgleichszahlungen und Energie-prämien – sind bei Gras- und Grünland um 50 bzw. 130 Euro pro Hektar niedriger kalkuliert als für die anspruchsvolleren Kulturen.
  • Bei Ackergras wird als Hauptfrucht keine mehrjährige, als Zwischenfrucht keine überjährige Nutzung kalkuliert. Diese können die Substratkosten senken, ebenso wie regionale Sonderzahlungen für Kleegras-Gemenge.
  • Für Vor- und Zweitfrüchte werden nur die variablen Kosten kalkuliert, die Festkosten inklusive Flächennutzung fallen der jeweiligen Hauptfrucht zu.

Der größte Kostenblock entfällt auf die Arbeitserledigungskosten. Hier sind Getreide und Mais gegenüber den mehrschnittigen Gräsern und der Rübe eindeutig im Vorteil.

Insgesamt ist Getreide als Ganzpflanzensilage zusammen mit Grünlandaufwuchs am preisgünstigsten zu produzieren. Am teuersten ist die Energierübe. Die aktuelle Weiterentwicklung hinsichtlich der Lagerung (z.B. Lagunen) könnte die Bereitstellungskosten deutlich senken.

Spezifische Substratkosten TM und Methan
Spezifische Substratkosten TM und Methan
Substratkosten je m³ Methan
Aus den spezifischen Methanausbeuten sowie den Kosten und Erträgen errechnen sich in Tab. 2 die fruchtartspezifischen Substratkosten für die Methanerzeugung. Mit 35 Cent je Kubikmeter Methan schneidet Silomais bei dieser zentralen Erfolgsgröße am besten ab. Auch Roggen-GPS ermöglicht noch vergleichsweise günstige Gaserzeugungskosten in der Größenordnung von 38 Cent.

Tab. 2 zeigt die unterschiedliche Rangierung der Fruchtfolgealternativen. So werden Getreide-GPS oder auch Energierüben zwar wesentlich teurer erzeugt als Früchte mit Gesamtpflanzenbeerntung, zum Teil machen sie dies aber durch eine höhere Methanausbeute wieder wett.
Auch bei diesen Kalkulationen gilt: Entscheidend sind immer die konkreten Bedingungen vor Ort. Wo beispielsweise Mais nicht gut wächst, z.B. in kühleren Lagen, gewinnen Getreide, Rüben und Gräser an Vorzüglichkeit.

Kosten sind nicht alles
Der Energiepflanzenfruchtfolge darf nicht allein nach Kostengesichtspunkten optimiert werden. Folgende Aspekte sind ebenfalls zu berücksichtigen:

  • Ausgeglichene Humusbilanz: Gräser in der Fruchtfolge bieten die einzige Möglichkeit, selbst bei 100%iger Gesamtpflanzennutzung in der Fruchtfolge noch eine ausgeglichene Humusbilanz sicherzustellen.
  • Pflanzenschutz: Vielfalt spart Pflanzenschutz. So ist Sorghum keine Wirtspflanze des Maiswurzelbohrers und kann ggf. den Silomais vor allem auf trockenen Anbaulagen als Hauptfrucht ersetzen.
  • Bessere Arbeitsverteilung: Senkung der Festkostenbelastung durch Getreide, Gräser oder Zwischenfrüchte in der Biomassefruchtfolge.
  • Erweiterte Möglichkeiten der Gärrestausbringung, dadurch Investitionseinsparungen bei Güllebehältern
  • Nutzungsflexibilität: Ein Teil der Biomassekulturen sollte eine hohe Nutzungsflexibilität aufweisen, also auch alternativ als Körnerfrucht vermarktet werden können.
  • Transportwürdigkeit: Energiereiche Ernteprodukte (Lieschkolbensilage, CCM oder Körnersilage) gewinnen mit jedem Kilometer Feldentfernung an relativer Wirtschaftlichkeit gegenüber wasserreichen und sperrigen Substraten.
  • Prozesssteuerung: Hier haben Energierüben Vorteile, weil sie über ihre schnellere Vergärung und die damit verbundene kürzere Verweilzeit die Leistung einer Anlage erhöhen können.

Sven Böse

Stand: 17.12.2012