Aktuelle Ausgabe 03/2018

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Der fränkische Familienbetrieb Wagner setzt auf heimische Eiweißpflanzen und verzichtet auf Soja. Trotzdem (oder gerade deshalb) liegt die Milchleistung ca. 12 % über dem Durchschnitt Bayerns, bei bester Qualität und gesunden Tieren. Nachahmenswert für viele Betriebe, ein Denkanstoß für alle.

Der Boxenlaufstall ist ganzjährig zur Sonnenseite hin offen, eine Vernebelungsanlage sorgt im heißen bayerischen Sommer für Abkühlung.
Der Boxenlaufstall ist ganzjährig zur Sonnenseite hin offen, eine Vernebelungsanlage sorgt im heißen bayerischen Sommer für Abkühlung.
Der Fleckvieh-Zuchtbetrieb wird von Werner Wagner und seiner Ehefrau Anita geführt. Auch die Senioren, der Sohn und die beiden Töchter unterstützen das Ehepaar nach Kräften. Der Verzicht auf Soja war für den konventionellen Milchviehbetrieb nicht die Folge eines Markenprogramms seiner Molkerei. „Wir wollten unseren Tieren aus ideellen Gründen keine gentechnisch veränderten Pflanzen vorlegen und habe daher zunächst nur GMO-freie Soja gekauft“, erläutert Werner Wagner die Vorgeschichte. „Der Preisabstand zur regulären Soja wurde jedoch immer größer und bei drei Euro pro Dezitonne war unsere Schmerzgrenze erreicht. Wir wollten auch nicht mehr von Kraftfutter aus Übersee abhängig sein und stiegen deshalb komplett aus der Sojafütterung aus. Im Frühjahr 2010 stellten wir die Eiweißkomponente innerhalb von acht Wochen um.“

Hohe Milchleistung, Top Milchqualität, wenig Abgänge
Kälber stehen wie auch Bullen und Trockensteherinnen auf Stroh
Kälber stehen wie auch Bullen und Trockensteherinnen auf Stroh

Die heutige Mischwagenration von 25 Litern setzt sich zusammen aus 20 kg Grassilage, 14 kg Silomais, 1,68 kg Getreidemischung (30 % Winterweizen, 45 % Wintergerste, 15 % Mais, 10 % Erbsen), 1,5 kg Luzerneheu, 1,2 kg Heu, 1,0 kg Luzernecops, 0,6 kg Zuckerrübenschnitzel, 0,53 kg Kuh-Mix „Windsbacher Gemisch“, 0,2 kg Gerstenstroh, 0,2 kg Mineralfutter und 40 g Kieselsalz. „Für die Umstellung haben wir uns acht Wochen Zeit gelassen und das klappte alles sehr gut. Die Leistung verbesserte sich mittelfristig messbar: Betrug die Milchleistung im Jahr vor der Umstellung noch 8855 kg, lagen wir 2011 bei 9728 kg/Tier. Auch der Eiweißgehalt stiegt auf erfreuliche 3,48 % in 2011 (2009: 3,31 %)“, blickt der Betriebsleiter zurück.

Jahrgang 2002, älteste Kuh im Stall, keine Fruchtbarkeitsprobleme: Extra
Jahrgang 2002, älteste Kuh im Stall, keine Fruchtbarkeitsprobleme: Extra
„Was mich aber mindestens ebenso freut, ist die Tatsache, dass seit der Umstellung die Tierarztkosten nachweislich gesunken sind – die Herde ist fit!“ Das beweist auch die sehr geringe Abgangsrate, die mit 13,3 % deutlich unter dem Schnitt der Gemeinde (30,9 %) und des Freistaates Bayern (32,4 %) liegt. Mit dieser niedrigen Abgangsrate können entsprechend mehr Zuchttiere auf dem Zuchtviehmarkt in Ansbach, Mittelfranken, verkauft werden, so dass im letzten Jahr 27 Jungkühe gute Preise brachten. Die Jungkühe wechseln ca. sechs Wochen nach dem Kalben den Besitzer, die zur Zucht bestimmten Jungbullen gehen mit ca. 12–14 Monaten zur Auktion. Dort erreichten 22 Bullen 2012 sehr zufriedenstellende Preise, der Verkauf der Nachzucht ist daher ein ähnlich wichtiger Einkommenszweig wie die Milchproduktion.

Vorteile durch Luzerne
Wagner hält in jeder Hinsicht viel von Luzerne als Struktur- und Eiweißträger. So hat er den Luzerneanbau von 2009 an auf nunmehr gut acht Hektar deutlich erweitert und konnte die Grundfutterleistung von 4680 kg (2009) auf 5670 kg (2011) steigern. Auch aus ackerbaulicher Sicht passt Luzerne in die Region, bereichert als Leguminose die Fruchtfolge, ist trockenresistent ist relativ unkompliziert im Anbau und bringt gute Erträge.

Dabei nennt Wagner drei Grundregeln für Luzerne, die man unbedingt beachten sollte:

  1. Den Bestand einmal im Jahr blühen lassen
  2. Der Bestand sollte mit ca. 10 cm Wuchshöhe in den Winter gehen. Für die Region bedeutet dies, dass der letzte Schnittzeitpunkt nicht nach dem 15.9. liegen sollte.
  3. Luzerne nie zu tief mähen (nicht tiefer als 8 cm)

Heu ist ein Gesundfutter.
Heu ist ein Gesundfutter.
Die Luzerne wird entweder siliert, bei stabil heißer Witterung naturgetrocknet (bodengetrocknet) oder bei der nächsten Grünfuttertrocknung zu Luzerneheu mit optimaler Qualität aufbereitet. Die Trockenperiode 2012 erlaubte eine Produktion von Luzerneheu ohne zusätzliche Trocknung. Doch trotz der in Normaljahren anfallenden Trocknungskosten ist Wagner von Luzerne überzeugt.

robuste Sorte und dabei hoch ertragreich: S UNSTAR
robuste Sorte und dabei hoch ertragreich: S UNSTAR
Mais: ertragsstarke, robuste Sorte mit langem Erntefenster
Auch bei Silomais überlässt der erfolgreiche Fleckviehzüchter nichts dem Zufall. „Ich bevorzuge Sorten mit einem längeren Abreifefenster, das verschafft mir mehr Spielraum in der Ernte. Bei der Sorte Susann, die neben Aventura den momentanen Anbauschwerpunkt bildet, ist das Stay-Green besonders ausgeprägt. Dabei steht Susann auf den günstigsten, warmen Maislagen. Aventura, die Schwerpunktsorte der letzten Jahre, bringt stabile Maiserträge auf unseren Standorten. 2012 habe ich erstmals Sunstar probiert und sehe sie als Nachfolgesorte für Aventura. Die Sorten müssen außerdem eine ordentliche Kolbenleistung bringen, hohe GTM-Erträge selbstverständlich auch. Ganz wichtig für unsere Region ist eine gute Jugendentwicklung, denn hier ist es oft im Mai noch sehr kalt. Mais, der damit ein echtes Problem hat, passt nicht hierhin“, stellt Wagner klar.

Hat ihn eine Sorte erst einmal überzeugt, kann der Landwirt auch eine ausgesprochene Sortentreue an den Tag legen. „Aber natürlich baue ich auch modernere Sorten an und probiere auch Neues aus, um vom Zuchtfortschritt zu profitieren. 2012 habe ich erstmalig Suleyka und Sunstar ausprobiert und die Bestände sahen sehr gut aus. Besonders Sunstar kann frühe Kälte gut vertragen und zeigte ein ausgewogenes Stay-Green.“

Sandwich-Silos
Mais, Gras und ggf. Luzerne werden im Sandwichverfahren siliert, wobei der Mais die oberste Schicht bildet. Beim Maissilieren achtet Wagner darauf, dass nie mehr als zwei Silos zum Aufbringen des Häckselgutes geöffnet werden. Das sichert einerseits die Auslastung der Maschinen und vermeidet unnötige Wartezeiten, andererseits ist die Öffnungszeit nicht zu lang und das Zudecken erfolgt ausreichend schnell. Sechs Silos mit je ca. 400 m3 sorgen bei der Futterentnahme für einen ausreichenden Vorschub zur weiteren Absicherung der Qualität – immer nur eines ist geöffnet.

Nicht nur die hochwertige Fütterung sondern auch die gesamte Tierhaltung sorgen für ein hohes Maß an Lebenskomfort der Tiere: der ganzjährig nach Süden geöffnete Boxenlaufstall, mit breiten Liegeboxen und Berieselungsanlage für die heißen Tage, die außen liegenden Kälberboxen, die Jungrinderboxen mit viel Auslauf und Frischluft.
Kuh „Extra“ – mit 10 Jahren zurzeit die älteste Kuh im Stall – ist ein gutes Beispiel dafür, dass all diese Komponenten zu ungewöhnlich langer Lebenserwartung und damit zu einer sehr hohen Lebensleistung führen können.

Das Tierwohl steht für Familie Wagner an oberster Stelle. Aus ethisch-moralischen aber auch aus wirtschaftlichen Gründen, denn „fühlen sich die Tiere wohl, honorieren sie es mit guter Leistung.“

Das Gespräch führten Ernst Rauh und Dr. Anke Boenisch

Stand: 11.10.2012