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Züchtung Wintergerste II: „Weisheiten“ zählen nicht mehr!

Es gibt kaum eine Kulturart, die von modernen Züchtungstechnologien so profitiert, wie Wintergerste. Züchter Dr. Lászlo Cselenyi erläutert die zwei Herausforderungen, zu denen es massiven Zuchtfortschritt gegeben hat – Zuchtfortschritt, der mit den Neuzulassungen 2012 der Praxis zur Verfügung steht.

Neue Zuchtmethoden haben die Wintergerstenzüchtung weit voran gebracht.
Neue Zuchtmethoden haben die Wintergerstenzüchtung weit voran gebracht.
Herausforderung 1
Kombination von Resistenz, Qualität und Ertrag
Da das Einkreuzen von Resistenzgenen oft mit Nachteilen für die Ertragsleistungen verbunden ist, hat es bei der Resistenz gegen das Gelbmosaikvirus BaYMV Typ 2 bis heute gedauert, bis eine Sorte zur Verfügung steht, die beides kann: höchste Erträge mit guter Qualität und Resistenz.

Bei Wintergerste gibt es zwei Formenkreise – mehr- und zweizeilige Sorten – und damit eine relativ große genetische Variabilität. Resultate der Formenkreis übergreifenden Kombinationszüchtung sind z.B. Zweizeilersorten mit dem hohen Ertragspotenzial der Mehrzeiler (z.B. Anisette, Chalup) oder Mehrzeiler mit dem hohen Hektolitergewicht der Zweizeiler (z.B. Titus).
Die Kombination von Resistenzen mit Qualitäts- oder Ertragseigenschaften ist allerdings oftmals nicht einfach, wie die Resistenzzüchtung gegen das Gelbmosaikvirus zeigt.

„Kommissar Zufall“ rettete die Wintergerste
Die Gelbmosaikvirose beschäftigt die Gerstenzüchtung seit ca. 30 Jahren. Man konnte die Symptome zunächst nicht zuordnen – der Begriff vor einer „existenzbedrohenden Gefahr für die Wintergerste“ ging durch die Presse. Nachdem die Symptome als Folge der Gelbmosaikvirose identifiziert worden waren, wurde unter den bereits zugelassenen Sorten intensiv nach resistenten Sorten gesucht. Tatsächlich wurde man fündig, dabei half „Kommissar Zufall“. Das Resistenzgen, das heute den Namen „rym 4“ trägt, wurde in den 50-er Jahren aus der dalmatinischen Landgerste „Ragusa“ in die Wintergerste eingekreuzt - wohl nicht gegen die Virose, sondern gegen Mehltau. Die Züchter der Zweizeilersorten Diana, Gloria, Sonata und der Mehrzeilersorten Barbo, Birgit, Franka und Ogra wollten das Resistenzniveau ihres Zuchtmaterials gegen Mehltau steigern. Sie hatten dabei einfach das Glück, dass sie ihre Sorten nicht nur mit dem Resistenzgen gegen Mehltau, sondern auch mit einer Resistenz gegen eine Virose ausstatteten, die gerade begann, ein Problem für die Wintergerste zu werden.  Heute trägt jede mehrzeilige und die meisten zweizeiligen Gersten dieses Gen in sich.

BaYMV Typ 2: tückischer als man denkt
Der Gerstenanbau geriet jedoch einige Jahre später durch einen neuen Virustyp, den die Wissenschaftler BaYMV Typ 2 nennen, erneut in Gefahr. Dieser Virustyp unterscheidet sich vom Typ 1 in der Aggressivität. Während Typ 1 zu einem kompletten Ernteverlust führen kann, verursacht Typ 2 an der Wintergerste oft nur Schäden, die sich im Frühjahr beim Schossen scheinbar verwachsen. Denn ab etwa 15 bis 20 °C sind alle neu gebildeten Blätter symptomlos. Die Ernteverluste sind zwar spürbar, weil aber kurz vor der Ernte keine Symptome mehr erkennbar sind, werden die Schäden nicht mit dem Virus in Verbindung gebracht. Man schreibt diese gemeinhin der Sorte oder den Witterungsbedingungen zu.

Die Züchter reagierten sofort
Die Züchtung wurde nach der Entdeckung des BaYMV Typ 2 sofort aktiv. Das vorhandene Zuchtmaterial und Wintergerste-Herkünfte aus aller Welt wurden auf ihre Resistenz gegen den Typ 2 hin getestet. Mit Herkünften aus Japan und China versuchte man das zusätzliche Resistenzgen in das europäische Zuchtmaterial zu übertragen. Dabei wurde jedoch nicht nur das gewünschte Gen, sondern auch weitere übertragen, mit negativen Folgen: Die Ertragsleistung und die Ertragsstabilität sanken, das Stroh wurde brüchiger, das Resistenzniveau der Sorten gegen die meisten Blattkrankheiten verschlechterte sich deutlich und die Kornqualität litt. So war das virusresistente Material nicht praxistauglich.
Es mussten Sorten gezüchtet werden, die das neue Resistenzgen mit höchsten Erträgen, Ertragsstabilität, stabilem Stroh, gesundem Blatt und qualitativ hochwertigem Korn kombinieren. Bereits ab Mitte der 90ger Jahre gelang dies zumindest eingeschränkt, und es wurden mehrere Sorten mit einem Resistenzgen gegen den Typ 2 in die Sortenliste aufgenommen. Die Sorte Kathleen, die 2009 zugelassen wurde, konnte als erste Sorte erfolgreich vermarktet werden. Diese Sorte hat mit den Ertragsnoten 8/7 zwar hohe, jedoch keine überragend hohen Kornleistungen.

Neuzulassung im Vergleich
Neuzulassung im Vergleich
Höchste Erträge 9/9 plus Doppelresistenz
In diesem Frühjahr wurde die mehrzeilige Sorte Otto mit einem Resistenzgen gegen BaYMV Typ 2 zugelassen. Otto ist früh, standfest, blattgesund und kombiniert als erste Sorte mit doppelter Virusresistenz ein außerordentlich hohes, sehr stabiles Ertragspotenzial (s. Tab. 1). Gute Voraussetzungen also, sich in der Praxis erfolgreich zu etablieren.

Herausforderung 2
Mehrzeiler/Zweizeiler „All in one“
Je nach Verwertungsziel und Anbaugebiet haben zwei- und mehrzeilige Wintergersten ihre Vorteile. Die Architektur der mehrzeiligen Wintergerste ermöglicht mehr Biomasse und damit mehr Ertrag, während die zweizeilige Wintergerste auf eine bessere Kornqualität ausgelegt ist. Durch die züchterische Kombination dieser positiven Eigenschaften schwinden diese Unterschiede zunehmend.

Je höher das HL-Gewicht, desto niedriger die Transportkosten!
Je höher das HL-Gewicht, desto niedriger die Transportkosten!
Früher wurden die Anbaugebiete in Deutschland klar getrennt: Im Norden stand vorwiegend mehrzeilige, im Süden fast nur zweizeilige Wintergerste.
Die Züchtung versucht schon seit vielen Jahren, die Vorteile der beiden Formen in neuen Sorten zu kombinieren. Dabei hat die Biotechnologie die Möglichkeiten der Züchtung massiv erweitert und sie effektiver gemacht. Das Ergebnis: zweizeilige Wintergerstensorten auf dem Ertragsniveau der Mehrzeiligen und mehrzeilige Sorten mit der Kornqualität von Zweizeilersorten.

Allerdings ist es nicht ganz einfach, hohe Kornqualitäten mit hohen Erträgen zu kombinieren.

Es gibt drei wichtige Merkmale der Kornqualität:

  1. Die Tausendkornmase (TKM) als Maß für das Einzelkorngewicht.
  2. Die Siebsortierung über 2,2 mm, resultierend aus der Bauchigkeit, beschreibt den Marktwareanteil des Ernte.
  3. Das Hektolitergewicht (HG) als Indikator für die Güte des Korns. Je leichter, desto minderwertiger, je schwerer, desto hochwertiger – weil tendenziell energiereicher – ist das Korn.

Allerdings: Das HG des Korns korreliert eher negativ mit dessen Größe. Somit ist es züchterisch schwierig, ein hohes TKM mit einem hohen Hektolitergewicht zu kombinieren.

Schwierig, aber offensichtlich nicht unmöglich: Mit der Sorte Titus ist erstmalig eine mehrzeilige Wintergerstensorte zugelassen worden, die große, runde Körner mit hohem HG besitzt. Dass ein hohes HG nicht nur bei zweizeiligen Gersten Vorteile z.B. in der Logistik mit sich bringt, veranschaulicht Tab. 2.

Fazit
Die Wintergerste erfährt einen Umbruch der klassischen Werteigenschaften: „Weisheiten“ wie Resistenz kostet Ertrag oder Zweizeiler bringen mehr Qualität, Mehrzeiler mehr Ertrag gelten immer weniger. Mehrzeilige Gersten dringen immer weiter in klassische Zweizeiler-Anbaugebiete vor. Gerstenanbau bleibt spannend – der Züchtung sei Dank.

Stand: 09.07.2012