Aktuelle Ausgabe 01/2019

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Nahezu 50 Wintergersten-Neuzulassungen in den letzten zwei Jahrzehnten haben vor allem hohe und sichere Erträge gebracht, kombiniert mit Blattgesundheit, Verbesserung der Standfestigkeit und der Stroheigenschaften. Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht.

Rundrum gesund
Rundrum gesund
Die Vermarktungsfähigkeit der Wintergerste wurde durch Optimierung der Qualitätsmerkmale wie Sortierung und des Hektolitergewichtes gesteigert. Das Ende der Fahnenstange bei der Ertragsleistung ist züchterisch noch nicht erreicht – das zurzeit in der Prüfung stehende Material lässt weitere Steigerungen erwarten. Dazu kommen ganz neue Merkmalskombinationen durch Fortschritte in der Biotechnologie. Markerentwicklungen (markergestützte Selektion) werden es ermöglichen, Sorten mit Merkmalskombinationen zu entwickeln, die im Erscheinungsbild der Pflanze nicht zu erkennen gewesen wären. Ein Beispiel hierfür sind Resistenzen gegen bodenbürtige Virosen wie z.B. Gelbmosaikvirosen. An der Resistenz sind mehrere Gene beteiligt, die mit Hilfe von Markern identifiziert werden können. Gezielte Züchtung kann diese Gene im Erbgut des Pflanzenmaterials zusammenführen. Da mehrere Gene beteiligt sind, ist die Resistenz sehr stabil.

Neuzulassungen bringen neue Merkmalskombinationen
Bis dahin muss sich die Getreideart Wintergerste weiterhin im Wettbewerb zu Weizen, zu Ölsaaten sowie zum sich ausbreitenden Mais behaupten. Die breit ausgelegten Zuchtprogramme der Gerstenzüchter haben auch in diesem Jahr sehr interessante Neuentwicklungen in der Wintergerste zur Zulassung gebracht. Bekanntermaßen bekommt eine zur Zulassung anstehende Sorte vom Bundessortenamt nur dann „grünes Licht“, wenn sie in einem oder mehreren Merkmalen oder in einer einzigartigen Merkmalskombination eine deutliche Verbesserung des bestehenden Sortiments verspricht. Bei der herausstechenden Sorte Antonella bestand die Begründung der Zulassung in der Merkmalskombination von hohem und sicherem Ertrag mit einer nie da gewesenen Resistenzausstattung (s. Abb. 1), ausgezeichneter Standfestigkeit und einer hervorragenden Winterfestigkeit.

Ertragsabsicherung und Kostenreduktion
Im vergangenen Winter hat sich die Winterfestigkeit der einzelnen Sorten klar abgebildet: Nur wenigen Sorten haben die besonderen Bedingungen des Winters 2012 so unbeschadet überstanden wie die Sorte Antonella (s. Bild).


Während die Winterfestigkeit Ertragssicherheit bedeutet, mindert diese Resistenzausstattung die Produktionskosten im Intensivanbau sowie unter extensiven Bedingungen erheblich. Bei Mehltau z.B. stufte das Bundessortenamt diese Sorte mit der Note 2 ein. D.h., dass derzeit keine Mehltaubehandlung durchgeführt werden muss. Dabei sind für die meisten Betriebe die eingesparten Kosten vermutlich von geringerer Bedeutung als die eingesparte Arbeitszeit und die verbesserte Arbeitsflexibilität – denn Zeit ist umso knapper, je enger die Fruchtfolgen sind. Grundsätzlich erfordern gesunde und standfeste Sorten auch einen deutlich geringeren Aufwand in der Bestandeskontrolle und lassen mehr zeitlichen Spielraum bei der Fungizidapplikation.

Fazit
Wintergerste steht zwar innerhalb der Fruchtfolge unter starkem Wettbewerbsdruck. Der immense Zuchtfortschritt gerade in dieser Kultur kann jedoch dazu beitragen, dass die Wettbewerbsfähigkeit steigt und der Verdrängungsprozess von Wintergerste stagniert.

Dr. Eberhard Laubach

Stand: 09.07.2012