Aktuelle Ausgabe 03/2018

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Der Wunsch nach mehr Diversität durchzieht alle Diskussionen bei der Energiepflanzenproduktion. Diese Vielfalt auf dem Feld ist aber nur mit standortangepassten Fruchtfolgen möglich. Die Nutzung von Getreide als GPS lässt hierbei ein Maximum an Flexibilität zu.

Hybridroggen-GPS
Hybridroggen-GPS
Bei starker Frühsommertrockenheit kann der Getreidebestand als GPS geerntet werden. Verläuft die Vegetationszeit optimal für die Biogas-Sommerungen, wird das Getreide und gegebenenfalls das Stroh nach dem Korndrusch normal vermarktet. Wird Biomasse lokal knapp, kann das Getreide auch als GPS lukrativ vermarktet werden. Es ist daher die flexibelste Energiefrucht in der Fruchtfolge.


Der zunehmenden Nutzung von Getreide-GPS wird auch in der Sortenentwicklung Rechnung getragen.
GPS-Nutzung hat entscheidende Vorteile gegenüber anderen Energiepflanzen:

  • Anbau, Bestandesführung, Ernte und Lagerung sind unproblematisch und gelernt, der Maschinenpark ist i.d.R. vorhanden.
  • Größte Nutzungsflexibilität
  • Optimale Ausnutzung der Winterfeuchte und damit Risiko-Streuung beim Energiepflanzenanbau in Gebieten mit Trockenheitsrisiko.
  • Auf erosisonsgefährdeten Schlägen muss bei einer Biomasseproduktion mit Getreide im Gegensatz zu Sorghum und Mais keine Zwischenfrucht angebaut werden.
  • Besonders in Maisgrenzlagen ist Hybridroggen und Triticale-GPS dem Mais ertraglich ebenbürtig und durch die geringeren Kosten ist ihr Deckungsbeitrag sogar überlegen.
  • Arbeitsspitzen werden entzerrt, da die Ernte außerhalb der üblichen Häckselsaison liegt.

Eigenschaften neu zugelassener Sorten
Eigenschaften neu zugelassener Sorten
Der Anbau von Grünschnittroggen ermöglicht an günstigen Standorten mit mehr als 750 mm Niederschlag eine Zweitfrucht (z.B. Mais oder Sorghum). Dadurch sind zwei Ernten im Jahr möglich und die Flächeneffizienz steigt. Grünschnittroggen kann auch mit frühen Winterwicken kombiniert werden, um die Vielfalt in den Beständen zu erhöhen. Hier bietet der Handel bereits spezielle Mischungen an (z.B. Viterra Protector plus).

Erntetermine
Erntetermine
Erstmalig gibt es beim Bundessortenamt Prüfungen auf GPS-Eignung
Auch von offizieller Seite wird das Thema Getreide-GPS immer stärker bearbeitet. Seit drei Jahren gibt es eine eigene Biomasseprüfung beim Bundessortenamt. Die ersten Zulassungen aus diesem Wertprüfungsverfahren sind ab 2012 auf dem Markt (Tab. 1). Die dort getesteten Hybriden zeigen deutliche Ertragsfortschritte im Vergleich zu bereits im Anbau befindlichen Sorten. So bringt über drei Wertprüfungsjahre der speziell für GPS-Nutzung gezüchtete Hybridroggen SU Phönix deutlich höhere Erträge im Vergleich zu den Roggen-Verrechnungssorten Askari, Condukt und Visello, sowie den Triticale-Verrechnungssorten Massimo und Trimmer (s. Abb. 2).
Wertprüfung Ertragsvergleich
Wertprüfung Ertragsvergleich


Eine Besonderheit ist der ebenfalls neu zugelassene Populationsroggen Generator. Der Grünschnittroggen-Typ kann auch als GPS-Roggen genutzt werden und bietet so den Vorteil eines flexiblen Erntetermins zwischen dem frühesten Grünschnittroggen Protector (ab Anfang Mai) und klassischen Hybridroggen Sorten (ab Mitte Juni, Abb. 1). Wird also viel GPS angebaut, besteht mit dieser Sorte die Möglichkeit, Erntetermine zu entzerren. Ein üblicher Roggen-Erntetermin Mitte Juni führt zu hohen Trockensubstanzgehalten (> 40 %) (Abb. 3). Generator kann also Anfang Juni bereits aus dem Stand gehäckselt werden und muss nicht wie ein klassischer Grünschnitt ins Schwad gelegt werden. Eine frühere Ernte Mitte bis Ende Mai reduziert das Lagerrisiko und macht zudem - wenn genug Wasser vorhanden ist - noch einen Zweitfruchtanbau möglich.

Was kommt nach Getreide-GPS in der Fruchtfolge?
Wenn weitere Biomasse für den Fermenter produziert werden soll, ist bei günstigen Bedingungen ein Zweitfruchtnutzung mit Mais (FAO < S 200) oder frühen Sorghum-Hirsen möglich. Eine weitere Möglichkeit ist der Anbau von Ackerfutter, was mindestens einen Schnitt im selben Jahr erlaubt und einen guten Erosionschutz im Winter bietet. Immer häufiger wird es als Untersaat direkt in den Getreidebestand gedrillt. Bei sandigen Böden reicht ein Einstriegeln, bei schwereren Böden sollte eingeschlitzt werden. Die Nutzungsdauer ist abhängig davon, ob ein- oder mehrjährige Gräser ausgesät wurden. Bei einjährigen Gräsern kann Mais in Mulch- oder Direktsaat nach einer eventuell nötigen zusätzlichen Herbizidapplikation ausgebracht werden.

Wertprüfung: TS-Gehalte bei Ernte
Wertprüfung: TS-Gehalte bei Ernte
Eine weitere Möglichkeit ist der Anbau von speziellen Biomassemischungen aus z.B. Sommerroggen, Sommertriticale, Sommerwicke und Sandhafer. Auch hier bietet der Handel bereits fertige Mischungen an (z.B. Viterra Granoleg).

Optimal nach GPS mit späteren Ernteterminen ist der Anbau von Zwischenfrüchten. Die Ernte der Biomasse ist in der Regel nicht wirtschaftlich und sollte daher als Erosionsschutz und zur Förderung der Bodenfruchtbarkeit auf dem Feld verbleiben. Neben dem positiven Effekt für die Humusbilanz und für das Bodenleben ist auch eine gezielte Behandlung von bodenbürtigen Schaderregern möglich. Zwischenfrüchte vor Kartoffeln können wirkungsvoll bodenbürtige Schaderreger bekämpfen. Bei engen Zuckerrübenfruchtfolgen für die Biogas- oder Zuckerproduktion können Nematoden reduzierende Zwischenfrüchte wie multiresistenter Ölrettich ideal nach Getreide-GPS stehen.

Für Marktfruchtbetriebe ist eine weitere Möglichkeit, die Rapsaussaat optimal in die Erde zu bringen, ohne auf eine eventuell zu späte Getreideernte wie im Norden Deutschlands in 2011 warten zu müssen.

Fazit
Mit der Nutzung von Getreide als GPS steht ein äußerst flexibel nutzbares Fruchtfolgeglied zur Verfügung, mit dem sich Fruchtfolgen z.B. mit Ackerfutter, einer Zweitfrucht- oder Zwischenfruchtnutzung oder auch speziellen Biomassemischungen erweitern lassen. Diversität in der Biogasfruchtfolge wird gefordert und ist machbar!

Dr. Joachim Moeser

Stand: 09.05.2012