Aktuelle Ausgabe 03/2018

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In der Gesamtrechnung kann Wintergerste oft im Vergleich zu Stoppelweizen punkten meint Albrecht Macke, BB Göttingen GmbH. Dabei ist es wichtig, die vielfältigen Vorteile der Wintergerste über die gesamte Fruchtfolge zu bewerten. Viele Betriebe haben offensichtlich erkannt, dass es der falsche Weg ist, Fruchtfolgen auf Kosten der Wintergerste auf einige wenige Kulturen zu beschränken: 2012 stieg die Anbaufläche deutschlandweit wieder deutlich an.

Umsatz ist nicht gleich Gewinn
In der innerbetrieblichen Wettbewerbsfähigkeit hat Gerste es aufgrund des Preisabstandes zu Weizen und des geringen Erlöses im Vergleich zu Ölsaaten und Getreide schwer. Doch bekanntlich ist Umsatz nicht gleich Gewinn. Der reine Umsatzvergleich zwischen verschiedenen Anbaukulturen lässt daher keine Rückschlüsse auf den Erfolg zu.

Ausgangssituation der Wintergerste

  • Der Preisabstand von Gerste zu Futterweizen schwankt zwischen ca. 1–2 €/dt Abschlag und Preisgleichstand.
  • Die zunehmend pfluglose Bodenbearbeitung st gerade in Verbindung mit Gerstenanbau aufgrund der Gräser und des Durchwuchses problematisch.
  • Hauptabsatz in viehintensiven Regionen, vorwiegend als Futtergerste
  • Die Fruchtfolgen ändern sich, der Mais gewinnt an Bedeutung.


Produktionskosten einzelner Kulturen
Produktionskosten einzelner Kulturen
Reine Deckungsbeitragsberechnungen reichen gerade bei Wintergerste nicht aus. Bei Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen kommt man um die Betrachtung von Fruchtfolgen nicht herum.

Das beinhaltet konkret:

  • Die Risikoverteilung (Frühsommertrockenheit, Erntezeitfenster etc.)
  • Die Arbeitsspitzenverteilung, Auslastung Maschinen etc.
  • Die Ertragseffekte gegenüber der Alternativkultur sind besonders in Hochpreisjahren deutlich spürbar. Jede Dezitonne weniger Getreideertrag in der Fruchtfolge kostet schließlich 10–25 €/ha.
  • Die positiven Vorfruchteffekte

Vorteile der Wintergerste

  • Höhere Erträge gegenüber Stoppelweizen: Dieser hat in vielen Jahren spürbare Nachteile gegenüber einem Blattfruchtweizen (bis zu 10 dt/ha weniger Ertrag).
  • Gerste reagiert vorteilhafter als Weizen auf Frühsommertrockenheit oder vernässte Erntebedingungen.
  • Gerste lockert enge Rapsfruchtfolge auf (Raps-Weizen-Weizen-Gerste), das mindert den Krankheitsdruck.
  • Gerste als früh räumende Kultur garantiert besonders in Höhenlagen die optimale Aussaat der Folgekultur, insbesondere Raps.

Produktionskosten richtig einschätzen
Wichtig bei allen unternehmerischen Entscheidungen ist es, seine betriebsindividuellen Produktionskosten zu kennen. Tab. 1 stellt durchschnittliche Produktionskosten für die einzelnen Kulturen dar. Einzelbetrieblich können diese selbstverständlich deutlich abweichen.

Deckungsbeiträge einzelner Kulturen
Deckungsbeiträge einzelner Kulturen
Ein Blattfruchtweizen mit unterstelltem Ertragsniveau von 82 dt/ha verursacht unter Vollkosten 19,80 €/dt Produktionskosten. Aufgrund des geringeren Ertragsniveaus von Stoppelweizen (hier unterstellt mit 5 dt/ha unter dem Blattfruchtweizen) steigen dessen Produktionskosten auf 21,60 €/dt an.

Günstiger schneidet die Wintergerste ab, die in der Produktion bei einem Ertragsniveau von 80 dt/ha ca. 19 €/dt kostet.

Nun müssen diese Produktionskosten nicht nur über den Verkauf der Ware gedeckt werden. Da die öffentlichen Direktzahlungen weiterhin ein wichtiges Einkommen für die Betriebe darstellen, ist der Mindesterlös, der zur Deckung aller Kosten erforderlich ist, entsprechend niedriger. Für die Wintergerste muss somit der Mindesterlös bei 14,90 €/dt, für den Blattfruchtweizen bei 15,85 €/dt und für den Stoppelweizen bei 17,38 €/dt liegen.

Wirtschaftlicher Vergleich verschiedener Fruchtfolgen
Basis für den Fruchtfolgevergleich sind die Deckungsbeiträge der Anbaukulturen (s. Tabelle 2). Dieser beinhaltet keine öffentlichen Direktzahlungen, berücksichtigt jedoch den gesamten Spezial- und Arbeitsaufwand (Flächenertrag - Spezialaufwand - Arbeitsaufwand = Deckungsbeitrag).
Darüber hinaus wurde mit Vorfruchteffekten kalkuliert, sowie mit einer Unterscheidung zwischen drei- und vierjährigem Blattfruchtanbau nach ausgewiesenen Ertragsunterschieden. Die Vorfruchteffekte basieren auf langjähriger Praxiserfahrung: Gerste vor Raps: 75 €/ha, Gerste vor Rübe 50 €/ha, Weizen vor Raps: -25€/ha. Einzelbetrieblich und vor allem durch den Standorteffekt könnten diese Effekte auch wesentlich größer sein.

Das Ergebnis: Die höchsten Deckungsbeiträge werden bei der Zuckerrübe erzielt, gefolgt von Raps, Weizen, Gerste und Mais.
Die wirtschaftlichste Fruchtfolge ist die vierjährige Rübenfruchtfolge mit zweimal Weizen und einmal Gerste. Wie man der Tab. 3 entnehmen kann, beinhalten alle Fruchtfolgen der ersten Ränge den Anbau von Wintergerste.

Fazit:
Der Anbau von Wintergerste bietet viele Chancen und wirtschaftliche Vorteile (im Fruchtfolgevergleich). Im Vergleich mit Stoppelweizen liegt Wintergerste vorn. Der i.d.R. höhere Gerstenertrag im Vergleich zum Stoppelweizen, die rechtzeitige Aussaat der Folgekultur, aber auch die Entzerrung des Erntezeitfensters sind die herausragenden Pluspunkte. Zudem sind die Produktionskosten von Wintergerste geringer als die von Weizen, womit der Unterschied im Marktpreis bereits z.T. kompensiert wird. Die Gerste ist ein Baustein des Risikomanagements. Dazu tragen auch die Auflockerung der Fruchtfolge und die daraus resultierenden Vorfruchteffekte bei.

Albrecht Macke

Stand: 09.05.2012