Aktuelle Ausgabe 03/2018

Ausgaben

Sonderausgaben

Themen

Impressum

Datenschutzerklärung

Oft ist witterungsbedingt die Aussaat von Winterweizen erst sehr spät im Jahr möglich. Je später aber die Weizenaussaat erfolgt, desto kritischer wird die Situation: Das Risiko für Ertrag und Qualität und damit für den Gewinn steigt mit jedem Tag an. Wechselweizen bietet sich in solchen Situationen als eine interessante
Anbaualternative an.

Wechselweizen
Wechselweizen
Dies, weil Wechselweizen beim Aussaatzeitpunkt sehr flexibel ist. Bei dem Pflanzenzüchtungsunternehmen Strube hat die Züchtung dieser Spezialsorten Tradition. Als Züchter von Zuckerrüben-, Sonnenblumen- und Weizensorten ist es hier ein Hauptanliegen, Anbaualternativen gerade nach spät räumenden Hauptfrüchten zu suchen. Bei Beginn der Züchtungsaktivitäten zum Wechselweizen in den 80er Jahren war die Zielsetzung klar: Ein spätsaatverträglicher Weizen, der bis ins Frühjahr hinein gesät werden kann, müsste die besten Eigenschaften von Winter- und Sommerweizen miteinander kombinieren.

Deutlicher Entwicklungsvorsprung gegenüber Sommerweizen
Ein typischer Winterweizen besitzt einen stark ausgeprägten Vernalisationsbedarf. Er benötigt also einen gewissen Kältereiz, um überhaupt zur Blüte zu gelangen. Dieser Vernalisationsbedarf ist unabhängig von der Winterhärte. Die Vernalisation findet in der Regel unter 4 °C statt und kann je nach Sorte bis zu 8 Wochen dauern. Ohne diesen Kältereiz, würde er sich grasartig überwachsen. Um Missernten zu vermeiden, sollten klassische Winterweizentypen nicht im Winter oder zu Jahresbeginn ausgesät werden, da unter Umständen der Vernalisationsprozess nicht abgeschlossen werden kann. Für Mitteleuropa wird daher ein Aussaatfenster von Ende August bis November empfohlen.

Demgegenüber haben Sommerweizensorten keinen Vernalisationsbedarf. Deswegen können sie bis ins Frühjahr hinein ausgesät werden. In wintermilden Klimaten wie z.B. Südfrankreich oder China können diese nicht winterharten Sorten ohne Probleme auch im Herbst angebaut werden. Die verlängerte Vegetationsperiode bringt gegenüber dem reinen Frühjahrsanbau in der Herbstaussaat deutlich höhere Erträge.

Der Wechselweizen kombiniert die Frosttoleranz und das Ertragspotenzial des Winterweizens mit der Qualität und Wuchsfreudigkeit des Sommerweizens.
Eine gelungene Kombination, die flexible Aussaattermine ermöglicht, da beim Wechselweizen der Vernalisationsbedarf kaum vorhanden ist. Seine sehr gute Frosttoleranz und Winterhärte lässt ihn in der Herbstaussaat den Winter gut überstehen und mit einem deutlichen Entwicklungsvorsprung gegenüber dem Sommerweizen ins Frühjahr starten.

Hohe Arbeitsflexibilität
Die hohe Frosttoleranz und der fehlende Vernalisationsbedarf ermöglichen sehr flexible Aussaattermine. Das Aussaatfenster ist von Mitte Oktober bis Mitte April extrem großzügig, ebenso lässt er durch seine Wuchsfreudigkeit verschiedene Anbautechniken zu. Ein weiterer Vorteil: In Phasen klassischer Frühjahrstrockenheit, die immer häufiger auftritt, reagiert der Wechselweizen im Gegensatz zum Winterweizen mit ungestörter Wüchsigkeit und setzt seine Bestandsbildung weiter fort.

10 Jahre Züchtung bis zur Zulassung
Als Basis für die Selektion von Wechselweizensorten dienen im Zuchtprogramm von Strube Research grundsätzlich Kreuzungen zwischen ausgewählten Winter- und Sommerweizen. Nach einer ersten Kreuzung schließt sich ein aufwendiger Wechsel von Folgegenerationen im Herbst- und im Frühjahrsanbau an, der oftmals erst nach 10 Jahren zum gewünschten Selektionserfolg führt. Durch die Kombination von Winter- und Sommerweizen werden zwei sehr unterschiedliche Genpools miteinander verbunden, was oftmals zu zusätzlichen Selektionsschritten führt.

Demoparzelle WeW-Wechselweizen
Demoparzelle WeW-Wechselweizen
Die erfolgreiche Züchtung von Wechselweizen begann 1992 mit der Zulassung der Sorte Naxos. Sie ist noch heute eine der ersten Sorten in diesem Segment und auch knapp 20 Jahre nach Zulassung immer noch im Anbau. Das Unternehmen Strube hält seit 1999 die Rechte am eingetragenen Markenzeichen WeW® für seine Wechselweizensorten. Die Züchtung mit einem komplett eigenen Zuchtprogramm und Zuchtaufbau ist einzigartig in Europa.

Wechselweizen kann sowohl im Herbst als auch bis ins Frühjahr gedrillt werden, jedoch lässt bei Weizen zu möglichen späten Aussaatterminen generell das Ertragspotenzial nach. Daher werden Wechselweizensorten von Strube nur noch in der höchsten Qualitätsklasse (E-Gruppe) angeboten. Neuzulassungen wie Lennox (Zulassung erwartet Frankreich Januar 2012) sowie Granus (zugelassen seit Dezember 2011) zeichnen sich durch ausgezeichnete Qualitäten der in den jeweiligen Ländern höchsten Qualitätsgruppe aus.

Praxiserprobt mit vielen Vorteilen
Inzwischen wird Wechselweizen gezielt in vielen Ländern Europas angebaut. Gerade auch für den qualitätsorientierten Weizenanbau im Südwesten Deutschlands bietet der Wechselweizen besondere Vorzüglichkeit, weil das Ernteprodukt vielseitige Verwendungsmöglichkeiten und Höchstabnahmepreise garantiert. Die hohe Qualität des Wechselweizens ist eine geeignete Alternative zum Winterweizen im späten Herbstanbau.

Vorteile von Wechselweizen:

  1. Fruchtfolge: Wechselweizen ist eine wirtschaftlich interessante Kultur nach spät räumenden Blattfrüchten.
  2. Arbeitswirtschaft: Wechselweizen besitzt eine sehr große Aussaatflexibilität, die einen Anbau von Mitte Oktober bis ins späte Frühjahr ermöglicht.
  3. Optimalere Bestellung: Die maximale Aussaatflexibilität des Wechselweizens ermöglicht es, ohne Zeitdruck auf die besten Wetterverhältnisse zur Bestellung zu warten.
  4. Vermarktung: Wechselweizen wird zukünftig in gehobener Backqualität angeboten, was zusätzliche und optimale Vermarktungschancen verschafft.
  5. Produktionskosten: Wechselweizen ist robust und frohwüchsig, entsprechend können im Vergleich zum Winterweizen die Produktionsmittel Stickstoff, Fungizide und Wachstumsregler reduziert werden.
  6. Anbauplanung: Der Anbau von Wechselweizen gibt – durch sein flexibles Aussaatfenster –Sicherheit beim Abschluss von Vorkontrakten und in der Anbauplanung.

Dr. Andreas Jacobi

Stand: 19.12.2011