Aktuelle Ausgabe 04/2018

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Maissorten unterscheiden sich erheblich in ihrem Abreifeverhalten. Mit Kenntnis dieser Eigenschaft lässt sich das Leistungspotenzial einer Sorte unter den betriebsbedingten Vorgaben erst richtig nutzen. Ziel ist es, witterungsbedingte Risiken durch die Sortenwahl zu minimieren und so sicher die optimale Reife der Maisbestände zu erreichen. Suboptimale Reifegrade zur Ernte bedeuten neben Ertragsverlusten bzw. weniger Ertrag Nachteile besonders in der Qualität!.

BigX500
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Abreife – Anbauregion
Die sichere Ausreife eines Maisbestandes in einer Anbauregion ist das erstes Kriterium der Sortenwahl. Dabei bestimmen die am Standort in Normaljahren zu erreichenden Wärmesummen die maximal wählbaren Reifezahlen einer Silo- oder Körnermaissorte.

Weiter ist die generelle Wasserversorgung am Standort von der Blüte bis zur Ernte zu beachten. So sollte man z. B. in Lagen mit geringerer Wasserversorgung und zusätzlich ausgeprägter Sommertrockenheit auf Sorten mit stabiler Restpflanzenabreife achten. Solche Sorten überstehen Stressperioden bis zur nächsten Regenperiode gut und senkt damit das Risiko eines zu hohen Gesamt-TS-Gehaltes. Dieser kann vor allem bei sehr ausgeprägten Spätsommertagen eintreten.
Für das richtige Einschätzen der Abreife bei Körnermais ist das A und O die Wasserabgabe des Korns (dry down). Bekanntermaßen geben Zahnmais-Typen ab etwa 32 % Korn-TS das Wasser schneller ab als Hartmais-Typen. In einigen Regionen kann der Wassergehalt erfahrungsgemäß auch in guten Jahren nicht sicher unterschritten werden. In diesem Fall ist bei der Sortenwahl besonders auf die Druschfähigkeit zu achten. Sonst senken zusätzlich zu den meist höheren Trocknungskosten auch noch erhöhte Bruchkornverluste den Gewinn.

langsames Dry down
langsames Dry down

Abreife – Nutzung und Pflanze
Die Nutzung beeinflusst ebenfalls die Beurteilung der Abreife einer Maispflanze. Während bei Körnermais der Restpflanze als wesentliche Aufgabe das Versorgen und Tragen des Kolbens bis zum Drusch zukommt, haben bei Silo- und Biogasmais deren Inhaltsstoffe die nahezu gleiche Bedeutung wie die Stärke bringenden Körner.

Der optimale Gesamttrockenmassegehalt liegt zwischen 32 und 35 %. Um ein möglichst großes Erntezeitfenster sicher zu stellen, sollten sich die Maispflanzen möglichst lange in diesem Reifebereich aufhalten. Hohe Ernteflexibilität ist durch verschiedene Maistypen zu erreichen: Sorten mit lang grünbleibender Restpflanze (= Staygreen-Typen, z.B. Susann) oder mit hoher Verdaulichkeit der Restpflanze (z.B. Ayrro) oder einem hohen Stärkegehalt in der Silage. Staygreen-Typen gewähren jahres- bzw. witterungsabhängig einen zwei bis drei Wochen langen Erntezeitraum. Pflanzen mit guter Restpflanzenverdaulichkeit erreichen frühzeitig eine hohe Energiedichte in der Silage, d. h. der Erntebeginn ist bereits ab ca. 30 % Gesamt-TS möglich. Dies ist besonders bei einem kaltem Spätsommer bzw. Herbst von Vorteil. Sorten mit einem hohem Korn- bzw. Stärkeanteil in der Silage erhöhen die Ernteflexibilität im oberen TS-Bereich, insbesondere wenn die Restpflanze Staygreen-Eigenschaften zeigt.

Viele Betriebe müssen volle Silos bei knapper Fläche unter gleichzeitig garantierter Mindestenergiedichte sicherstellen. Für diese sind Sorten, die sehr früh und v. a. schnell mit der Stärkeeinlagerung beginnen, die richtige Wahl. Durch sie wird aktiv der Gesamt-TS-Gehalt zügig angehoben, bis die Mindestsiloreife erreicht ist. Eine Beispielsorte für diesen Typ ist die Neuzulassung Suleyka (S210).

Bei Zweitfruchtmais für Biogasnutzung ist wegen der späten Saatzeit eine früher verstrohende Restpflanze eher von Vorteil. Weiter sollte man bei Zweitfruchtmais das Blühverhalten der Sorten unbedingt beachten. Die spezifische Sortenwahl muss in diesem Nutzungssegment also entsprechend kurzfristig getroffen werden, da beispielsweise zwei Wochen Saatzeitunterschied im Mai/Juni einen enormen Einfluss auf Ertrag und insbesondere Ausreife haben können.

Abreife – Vorgaben des Betriebes
Das Ertragsmaximum eines Maisschlages wird von verschiedenen Faktoren bestimmt wie eine zeitgerechte Saat innerhalb der Folgefrucht, Güte und Homogenität der verschiedenen Betriebsflächen incl. Beachtung von Nord- und Südhängen der Schläge, N-Nachlieferung der Böden, absolute Maisfläche und dafür nötige Erntetage, Größe des Silostockes, Zusammenstellung der Futterration, Leistungsniveau der Herde, Kornertrag versus Kornfeuchte usw.

Entsprechend der klimatischen Voraussetzungen auf den Betriebsflächen gibt es eine natürliche Begrenzung bei der Wahl der Reifezahl. Je mehr man sich dieser Obergrenze nähert, desto „optimaler“ muss auch die Vegetation verlaufen, um das im allgemein höhere Ertragspotenzial der späteren Sorte bei gesicherter Ausreife auch ausnutzen zu können. Das Risiko steigt besonders dann, wenn die auf Mais folgende Winterfrucht sich nicht mehr optimal vor Winter bzw. Vegetationsende entwickeln kann. Deswegen sollte bei größeren Silomaisflächen pro Betrieb mindestens zwei bis vier Sorten verschiedener Reifezahlen und Abreifecharakteristika gewählt werden, um das Produktionsrisiko zu senken und die Ernteflexibilität zu erhöhen. Gerade im späten Jahr 2010 wurden die optimalen Gesamt-TS-Gehalte zwei bis drei Wochen später erreicht als in normalen Jahren und waren mehr an der unteren Grenze des Optimums. Die zuunterst im Silostock eingelagerte Sorte sollte zumindest kein ausgeprägtes Staygreen besitzen, um Verluste durch Sickersaft zu vermeiden. Dies gilt besonders bei hohen Silostapeln.

Fazit:
Die Maissorten unterscheiden sich enorm in ihrem Abreifeverhalten, was naturgemäß erst in den letzten Tagen vor der Ernte im Vergleich sichtbar wird. Diese Unterschiede haben erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen auf den Betriebserfolg, die beim Einkauf des Saatgutes unbedingt beachtet werden müssen.

Dr. Wolfhard Schmidt

Stand: 13.10.2011