Aktuelle Ausgabe 02/2018

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Das Wissen um die Rationskomponenten ist Voraussetzung für eine effiziente und gesunde Ration. Das gilt besonders für Maissilagen, die in ihren Inhaltsstoffen erheblich schwanken. Eine Analyse der eingesetzten Silagen ist daher unerlässlich. Pius Zinner, Agrifirm Deutschland, erläutert die möglichen Folgen von Unterschieden und Fehleinschätzungen in den Silagekomponenten für die Tierleistung.

Pius Zinner
Pius Zinner
Eine relativ geringe Fehleinschätzung der Qualität kann zu erheblichen Minderleistungen der Tiere führen. Ein Liter und mehr Minderleistung pro Tier aufgrund einer geringen Fehleinschätzung der Trockensubstanz ist in der Praxis oft zu finden. Aber auch die pansenverfügbare Stärke, die Nahrung für die Pansenmikroben, wird bei einer suboptimalen Versorgung der Kuh reduziert.

Sortenunterschiede beachten!
Bei Maissilage sind Nährstoff-Schwankungen vorhanden, besonders die Unterschiede in der Faser- bzw. Kohlenhydratfraktion sind sehr groß. Diese treten aufgrund des Erntezeitpunktes aber auch durch Sortenunterschiede auf. Mit zunehmendem Reifegrad nimmt der Rohfaser- und der NDF-Gehalt in der Restpflanze zu. Außerdem steigt gleichzeitig der Stärkegehalt an, während sich die ruminale Abbaubarkeit verringert. Diese beiden Parameter sind sortenspezifisch unterschiedlich stark ausgeprägt.

Faser- bzw. Stärkequalität und Pansengesundheit
In Milchviehherden mit hoher Leistung ist Maissilage eine wichtige Rationskomponente. Neben der Steigerung der Energiegehalte kann Maissilage auch die Energieversorgung der Pansen-Mikroben verbessern, ohne allzu schnell zu Strukturproblemen zu führen.

Die Zusammenhänge von Faser- bzw. Stärkequalität und „Pansengesundheit“ sind für hohe Leistungen enorm wichtig, weil sie die Effizienz einer Ration mitbestimmen. Besonders hervorzuheben ist die optimale Versorgung mit organischer Substanz. Nur bei einer optimal ablaufenden mikrobiellen Proteinsysthese kommt der für die Ration berechnete nXP-Gehalt im Darm an. Sonst produziert die Kuh weniger Milch und weniger Milcheiweiß!

Mit zunehmender Leistung werden die Ansprüche an die Versorgung der Milchkuh und die Mikroben höher. Für Hochleistungsherden müssen neben Rohfaser oder strukturierter Rohfaser heute über Labormethoden die Faserqualität und deren Verdaulichkeit bestimmt werden, um die Auswirkungen auf die Pansenabläufe besser vorhersagen zu können.

Auswirkungen von unterschiedlichen Stärkebeständigkeiten auf die Nährstoffversorgung
Auswirkungen von unterschiedlichen Stärkebeständigkeiten auf die Nährstoffversorgung
Stärkebeständigkeit
Für die Einschätzung der Maissilage-Qualität heißt das, dass nicht nur der Stärkegehalt, sondern auch die Stärkequalität und die Strukturqualität (ADF, NDF, Verdaulichkeit) der Restpflanze bewertet werden müssen. In modernen Rationsberechnungsprogammen werden diese Zusammenhänge „kontrolliert“. Ziel ist es, die Aktivität der Pansenmikroben zu maximieren ohne Acidose auszulösen und die Versorgung der Milchkuh mit Joule und Eiweiß sicherer vorherzusagen. Untersuchungen und Praxiserfahrungen haben gezeigt, dass sich die Beständigkeit der Stärke in der Maissilage mit zunehmender Lagerdauer verändern kann. Bekannt sind Einflüsse z.B. der Sorte (Zahnmais, Hartmais), des Reifegrades, der Erntetechnik und des Silierprozesses mit Auswirkungen auf Pansenbeständigkeit und/oder die Stärkeverdaulichkeit im Dünndarm.

Übersicht 1a zeigt die Auswirkungen unterschiedlicher Stärkebeständigkeiten der Maissilage auf die pansenverfügbare Stärke für die Mikroben in einer sonst gleichen Ration. Mit der Zunahme pansenverfügbarer Stärke steigt das Acidoserisiko an. Eine Vorhersage der Stärkebeständigkeit in der Maissilage ist derzeit nicht möglich. Der Praxis bleibt daher nur die Beobachtung der Herde in den ersten Wochen nach Rationsumstellung und eine eventuelle Nachkorrektur der Ration.

Sehr wichtig: die Qualität der Restpflanze
In der Maissilage ist die Restpflanze mit Anteilen von 35–50 % an der Trockenmasse vertreten. Vor allem der NDF-Gehalt bzw. die NDF-Verdaulichkeit ist von großer Bedeutung. Die Faustregel lautete bisher: Je später der Erntezeitpunkt desto höher der Stärkegehalt, desto geringer die Verdaulichkeit der Restpflanze. Durch die Fortschritte in der Züchtung sind die Sorteneinflüsse, wie z.B. Sorten mit extrem hoher Zellwandverdaulichkeit, enorm wichtig geworden. Diese Regel lässt sich daher nicht mehr verallgemeinern. Wie wichtig es ist, z.B. die Gehalte an pflanzlichen Gerüstsubstanzen bzw. die ruminale Abbaubarkeit zu kennen, zeigt die nachfolgende Gegenüberstellung der Rationen aus Übersicht 1b. Trotz der Veränderung der pansenverfügbaren Stärke (1a) wird keine Veränderung der klassischen Strukturwerte errechnet. In der Realität sollten sich aber die unterschiedlichen Mengen an Stärke im Pansen in den Strukturwerten widerspiegeln.

In Deutschland wird für Maissilage der NDF-Gehalt mit einbezogen, um auch die Zellwandbestandteile stärker in der Futterbewertung zu berücksichtigen. Die Verdaulichkeit der „gesamten“ Maissilage wird über den in-vitro-Wert ELOS geschätzt. Eine Vorhersage auf die Strukturwirkung im Pansen wird hiermit allerdings nicht gegeben. Hier besteht noch klarer Forschungsbedarf, denn die Bedeutung des Maises wird in der Fütterung zunehmen.

Veränderungen einer Ration durch die Erhöhung der Maisanteile, Ausgleichsmaßnahmen
Veränderungen einer Ration durch die Erhöhung der Maisanteile, Ausgleichsmaßnahmen
Bei hohen Maisanteilen muss Ausgleich geschaffen werden
Rationen mit hohen Anteilen von bis zu 75 % Maissilage haben ausreichend Energieträger für hohe Leistungen. Probleme mit diesen Rationen sind dann zu erwarten, wenn die dadurch veränderten Parameter der Ration nicht ausgeglichen werden (s. Übersicht 2).

Fazit
Unterschiede der Sorten, z.B. Kolbenstärke und Gerüstsubstanzen der Restpflanze führen zu unterschiedlichen Abläufen im Pansen und sind deshalb entscheidend für die Effizienz der Ration und auch die Tiergesundheit. Die Sortenwahl auch nach Kriterien der Pansengesundheit ist daher dringend zu empfehlen. Maissorten mit hoher Zellwandverdaulichkeit (z.B. Ayrro) haben den Vorteil, dass sie vergleichsweise spät mit hohen TS-Gehalten geerntet werden können, ohne dass die Verdaulichkeit zu sehr abnimmt. Da die Beschreibende Sortenliste das Kriterium Zellwandverdaulichkeit nicht explizit ausweist, lohnt es sich, auf Fachveranstaltungen, im Internet etc. gezielt zu informieren.

Eine Anlayse, möglichst der Gerüstsubstanzen, sollte in jedem Fall erfolgen. Stehen keine Exaktanalysen zur Verfügung, sollten zumindest Schätzmethoden für die differenzierte Bewertung in modernen Rechenprogrammen genutzt werden.

Stand: 13.10.2011