Aktuelle Ausgabe 04/2018

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Die im vorherigen Beitrag beschriebenen Anbauversuche der SAATEN-UNION bei Winterweizen (S. 2–3) belegen deutliche Unterschiede in der Saatzeit- und Vorfruchteignung der geprüften Sorten. Aber auch der Standort spielt eine ganz entscheidende Rolle.

Im Süden ist der optimale Saattermin wichtiger
Das wird beim mehrjährigen Vergleich1 des Standortes Söllingen im Südosten Niedersachsens mit dem Standort Moosburg (Bayrisches Tertiär-Hügelland) deutlich. Auf dem süddeutschen Prüfstandort fallen die Spätsaaten und die Stressvarianten gegenüber der Optimalvariante deutlich stärker ab als in Söllingen (s. Abb. 1). Dies ist nicht mit Bodenunterschieden zu begründen – beide Standorte haben „Schokoladenböden“ – sondern mit dem unterschiedlichen Entwicklungsrhythmus der Standorte.

Einfluss Saatverfahren auf den Kornertrag
Einfluss Saatverfahren auf den Kornertrag
Im humideren Moosburg ist die Produktivität der Getreidepflanze durch eine vergleichsweise kürzere vegetative Entwicklung sowie die rasche Abreife begrenzt. Auf dem etwas kontinentaleren Standort Söllingen ist dagegen eher das knappe Niederschlagsangebot (600 mm pro Jahr) der ertragsbegrenzende Faktor. Die Vorteile einer frühen Aussaat – ein ausgedehnteres Wurzelwerk – können dort die vitalitätshemmenden Nachteile einer pfluglosen Stoppelweizenfrühsaat eher aufwiegen, zumal der Krankheitsdruck geringer ist. Spätsaaten andererseits werden durch die längere Bestockungsphase vergleichsweise gut kompensiert. Im niederschlagsreichen Süden (850 mm) brechen Frühsaaten dagegen häufig unter sehr hohem Krankheitsdruck zusammen, Spätsaaten leiden unter stärker abfallenden Einzelährenerträgen.

Welche Sorten für Frühsaaten, Stoppelweizen oder Mulchsaat?
Aus Platzgründen werden an dieser Stelle exemplarisch die Ergebnisse beider Standorte für eine Auswahl der geprüften Genotypen gezeigt. Um auch jüngere Sorten direkt miteinander vergleichen zu können, werden nur die letzten beiden Jahren gemittelt. Bei Interpretation der Abb. 2 und 3 ist zu beachten, dass diese keine Aussage über die Leistungsfähigkeit der Sorten erlauben, dazu geben die regionalen Landessortenversuche zuverlässiger Auskunft. Um die Wechselwirkungen zwischen Saatzeit und Sorten deutlicher herauszuarbeiten, wurde für jede Sorte das Ertragsmittel über die drei Saatverfahren gleich 100 gesetzt.

Reaktion der Sorte auf die Saatverfaahren
Reaktion der Sorte auf die Saatverfaahren
Die sehr früh gesäte Stoppelweizen-Mulchsaat ist gegenüber der Optimalsaat nach Raps mit einem deutlichen Ertragsrückgang verbunden, der bei einzelnen Sorten bis zu 25 % betragen kann. Jedoch gibt es auf beiden Standorten Sortenunterschiede. In Söllingen zeigte der Hybridweizen Hystar mit Abstand den geringsten Ertragsabfall. Auch bei Hymack, Hyland, Mulan, Kredo und Florian hielt sich der relative Abfall gegenüber dem Rapsweizen in Grenzen. Negativer reagierten hingegen die Sorten JB Asano und Genius auf den zunehmenden Stress.
Im Süden zeigte sich ein differenziertes Bild. Hier reagiert die frühe Hybride Hystar praktisch gar nicht auf die ungünstigen Wachstumsvoraussetzungen der Frühsaat. Vergleichsweise wenig fallen auch die Sorten Hyland, Mulan, Lahertis und hier auch Genius ab. Die anderen Prüflinge fallen stärker ab, insbesondere Tommi und Akratos. Tommi ist in der Tat eher im Norden langjährig auch als Stoppelweizen im Anbau und wird generell wie auch die längerstrohige Sorte Akratos nicht für extreme Frühsaaten empfohlen. Von der Neuzulassung Tobak liegen nur einjährige Zahlen vor. Diese deuten hinsichtlich des Ertrages auf eine sehr gute Stoppelweizeneignung.
Sortenreaktionn auf Aussaatvarienten 2
Sortenreaktionn auf Aussaatvarienten 2


Auch als Rapsweizen gibt es passende Sorten
Offensichtlich danken einige Genotypen die hervorragenden Wachstumsbedingungen der Optimalvariante mehr als andere. Dabei fällt seit Jahren – auch in den hier nicht gezeigten Ergebnissen auf anderern Standorten – vor allem immer wieder die Sorte T* auf. Für Kredo, oft auch Tommi sowie die Vergleichssorte JB Asano gilt abgeschwächt Ähnliches.

Welche Weizensorten für Spätsaaten?
Weniger einheitlich ist das Sortenbild nach Spätsaaten. Gegenüber der Optimalsaat zeigen sich in Söllingen Genius, Mulan und Asano als sehr spätsaattolerant, die Sorten T* und Akratos „mögen“ eher die optimalen Saattermine. Im Süden zeigte sich der Eliteweizen Florian als besonders spätsaattolerant, am stärksten fiel Hystar ab. Hybridsorten sind wegen der dünnen Saat generell nicht für Spätsaaten geeignet. Bei Hystar kommt noch das sehr frühe Ährenschieben und die damit verbundene kurze Bestockungsphase hinzu.

Jeder Sorte ihr Aussaatfenster
Sorten Aussaatfenster
Sorten Aussaatfenster
In Tab. 1 werden – auch unter Berücksichtigung weiterer Ergebnisse und Erfahrungen – besonders geeignete Aussaatfenster für einige Sorten aufgezeigt. Hierbei gibt es jedoch im Einzelfall regionale Besonderheiten, die beachtet werden müssen. Auch ist die Saatzeit selbstverständlich nicht kalendarisch über alle Anbauräume gleich zu definieren, sondern pflanzenphysiologisch. Frühsaaten gehen voll bestockt in den Winter (EC 29), Spätsaaten mit maximal drei Blättern (EC 13), Optimalsaaten in der Hauptbestockung (EC 25). Danach besitzt Mulan das breiteste Aussaatfenster, die Hybriden eine Präferenz als frühe Stoppelweizen und die neue E-Sorte Florian scheint auch besonders gut mit Spätsaaten zurechtzukommen. Diese Positionierungen stehen nicht im Zusammenhang mit der Ertragsstruktur, der Reife oder der Halmbrucheinstufung der Sorten – nur Anbauvergleiche können diese Fragen klären!

Sven Böse

1) Die Daten für das Jahr 2007 sind nicht berücksichtigt, da aufgrund des extrem milden Winters die späten Saattermine unverhältnismäßig günstig abschnitten.

Stand: 08.07.2011