Aktuelle Ausgabe 04/2018

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Die Wahl der Fruchtfolge wird von einer Vielzahl unterschiedlicher Faktoren bestimmt: Neben der Ökonomie spielen Standortverhältnisse, betriebliche Ausrichtung, Personal und der Technik auch pflanzenbauliches Können und zunehmend spezifische Pflanzenschutzprobleme (z.B. herbizidresistente Ungräser) eine Rolle. Oft wird für die Darstellung der ökonomischen Effizienz auf eine einfache Deckungsbeitragsrechnung zurückgegriffen. Prof. Bernhard C. Schäfer, Fachhochschule Südwestfalen, Soest, hält diese ökonomische Herangehensweise für falsch und empfiehlt eine umfassendere Erfolgsrechnung.

Prof. Dr. Bernhard C. Schäfer
Prof. Dr. Bernhard C. Schäfer
Bei Deckungsbeitragsrechungen ist es Ziel, möglichst viele Kulturen mit hohen Deckungsbeiträgen in eine Fruchtfolge so zu integrieren, dass eine Anbaufolge aufgrund der Ernte- und Aussaattermine möglich ist und pflanzenbauliche und phytosanitäre Grenzen nicht oder nur knapp überschritten werden. Auf der Grundlage dieser Vorgehensweise haben sich in Deutschland über Jahre getreidelastige Fruchtfolgen mit meist hohen Stoppelweizenanteilen durchgesetzt: Zur Ernte 2011 stehen auf knapp 50 % der Ackerfläche Weizen oder Mais! Mehrerträge, die mit Weizen nach Blattfrüchten erzielt werden, bleiben bei reinen Deckungsbeitragsrechnungen häufig ebenso unberücksichtigt wie die erhöhten Pflanzenschutz- und Düngeaufwendungen, die zur Absicherung von befriedigenden Erträgen bei Stoppelweizen nötig sind. Gerade auf Standorten mit schwächerer Bonität nimmt die Ertragsstabilität solcher Systeme jedoch ab und häufig müssen Mindererträge beim Anbau von Stoppelweizen hingenommen werden.

Neue Krankheitsbilder in engen Getreidefruchtfolgen
Die Bekämpfung von Krankheiten und Schädlingen im Weizen mit Pflanzenschutzmitteln wird durch die Ausbildung von Resistenzen zunehmend schwieriger. Einige jedoch lassen sich über die Fruchtfolge maßgeblich beeinflussen (s. Tab. 1).
Krankheiten und Schädlineg an Stoppelweizen
Krankheiten und Schädlineg an Stoppelweizen
Zum Teil sind Übertragungswege über die anderen Getreidearten nachgewiesen, so dass nicht nur die Selbstfolge von Weizen betroffen ist, sondern auch ein hoher Getreideanteil in der Fruchtfolge die Probleme verschärft. Teilweise haben sich allerdings bereits artspezifische Rassen entwickelt, die dazu führen, dass beispielsweise der Gelbrost von Gerste und Roggen nicht zwangsläufig auch Weizen infizieren kann. Bei der Eindämmung kommt dem schnellen Strohumsatz und/oder der Beseitigung des Ausfallgetreides eine zentrale Rolle zu.

Hohe Weizenanteile in der Fruchtfolge können spezifische Schädlinge vermehren. Der Getreidelaufkäfer und die beiden Weizengallmückenarten sind hierfür gute Beispiele. Sie haben in den letzten Jahren deutlich an Gewicht gewonnen. Dabei werden die Schäden durch Gallmücken noch häufig unterschätzt, da viele der befallenen Körner gar nicht erst den Weg in den Korntank finden und der Schaden deswegen nicht direkt sichtbar wird.

Verschärfung der Ungras-/Unkrautproblematik absehbar
Vielfach sind die Wildarten von Ungräsern und Unkräutern optimal an den Wachstumszyklus der Kultur angepasst. Beispielsweise kann sich Windhalm in Weizen ideal vermehren, da sein Auflaufen in der Masse mit der Aussaat des Winterweizens zusammenfällt und die Abreife seiner Samen kurz vor der Ernte abgeschlossen ist. Dagegen sind die Vermehrungsbedingungen in Wintergerste aufgrund ihrer höheren Konkurrenzkraft und der früheren Ernte deutlich schlechter. Zwar sind diese Effekte nicht von einem auf das andere Jahr spürbar, langfristig tragen sie aber dazu bei, die Gräserproblematik weiter zu verschärfen. Besonders dort, wo ohnehin schon Probleme mit der Wirksamkeit der Gräserherbizide bestehen, muss daher über eine Auflockerung der Fruchtfolge auch unter Einbeziehung deckungsbeitragsschwacher Kulturen intensiver nachgedacht werden. Auf den Marschböden Schleswig-Holsteins und Niedersachsens, auf denen oft beachtliche Weizenerträge erzielt werden, wird inzwischen teilweise der Stoppelweizen durch Ackerbohnen ersetzt, um eine Bekämpfung des zunehmend resistenten Ackerfuchsschwanzes zu ermöglichen.

Stoppelweizen: bis zu 200 Euro/ha Mehrkosten
Bei der Produktion von Stoppelweizen werden die höheren Kosten oft nicht ausreichend berücksichtigt. Im Vergleich zu einem Blattfruchtweizen liegen sie im günstigsten Fall um etwa 50 €/ha höher, können sich in Summe aber auf bis ca. 200 €/ha belaufen (s. Tab. 2). Dabei müssen vielfach höhere Aufwendungen für Bodenbearbeitung, Pflanzenschutz und Düngung kalkuliert werden und dies trotz geringerer Erträge und abnehmender Ertragssicherheit. Mit abnehmender Standortgunst verstärken sich diese Effekte und können zu Mindererträgen von Stoppelweizen von mehr als 25 % führen. Trotz gravierender Effekte bleiben auch die Wirkungen auf die Folgefrucht bei einer deckungsbeitragsorientierten Bewertung unberücksichtigt. Abb. 1 zeigt die Entwicklung von Raps in Folge der schwierigen Aussaatbedingungen des vergangenen Jahres. Trotz des guten Standortes konnte der Raps die von der ungünstigeren Vorfrucht „Stoppelweizen“ ausgehenden Effekte bis heute (Anmerkung der Red. Ende Juni) nicht auswachsen. Ähnliche Beobachtungen wurden auch an anderen Standorten und in anderen Jahren gemacht.
verfahren Bestellung von Weizen
verfahren Bestellung von Weizen

Vorteile reduzierter Bodenbearbeitung wenn möglich nutzen
Bei der Planung von Fruchtfolgen darf auch die Art der Bodenbearbeitung nicht außer Acht gelassen werden. Der Wechsel von Halm- und Blattfrucht oder Winterung und Sommerung ermöglicht eine problemlose und ertragssichere Etablierung konservierender Bodenbearbeitungssysteme. Körnerleguminosen kann dabei eine zentrale Rolle zukommen. Vor und nach Körnerleguminosen kann die Eingriffsintensität der Bodenbearbeitung bis hin zur Direktsaat eingeschränkt werden. Viele pflanzenbaulich positive Wirkungen kommen sofort, manche allerdings erst mittelfristig bei vollständigem und nachhaltigem Pflugverzicht in vollem Umfang zum Tragen.

Die Kombination von aufgelockerter Fruchtfolge und konservierender Bodenbearbeitung kann auch eine Reihe arbeitswirtschaftlicher Vorteile haben. Gerade in den Monaten, in denen durch Ernte, Aussaat und Pflegemaßnahmen Spitzenbelastungen anstehen, kann dadurch eine erhebliche Entlastung generiert werden.

Berechnungsbasis von Bewirtschaftungssystemen
Berechnungsbasis von Bewirtschaftungssystemen
Derartige Bodenbewirtschaftungssysteme können eine hohe ökonomische Vorzüglichkeit gegenüber engen Fruchtfolgen besitzen, wenn eine Vollkostenkalkulation über die gesamte Rotation erfolgt und nicht nur die einzelne Kultur betrachtet wird. Für die Berechnungen eignet sich die von SCHNEIDER und LÜTKE ENTRUP (2006) entwickelte direkt- und arbeitserledigungskostenfreie Leistung, wie sie in Tab. 3 abgebildet ist. Bei diesem Kalkulationsansatz werden alle verfahrensspezifischen Kosten erfasst. So werden im Unterschied zum Deckungsbeitrag auch die festen Maschinen- und sämtliche Personalkosten berücksichtigt. Umfassende Soester Auswertungen belegen, dass aufgelockerte Fruchtfolgen gegenüber engen ökonomisch um so mehr überlegen sind, je niedriger die Standortbonität ist.

Wir halten fest:
Raps nach Weizen und Raps nach Gerste
Raps nach Weizen und Raps nach Gerste

  • Durch die Erweiterung der Fruchtfolge können aktuelle Probleme, die sich bei der Erzeugung von Getreide ergeben, vermieden oder gemindert werden.
  • Bei der Produktion von Stoppelweizen sind die Mehrkosten gegenüber dem Blattfruchtweizen angemessen zu berücksichtigen.
  • Mit abnehmender Standortbonität nehmen zudem die Ertragsschwankungen und die Ertragsdifferenzen zu.
  • Die Effekte auf die Nachfrucht können erheblich sein und müssen ebenfalls kalkuliert werden.
  • Durch die Erweiterung der Fruchtfolgen lässt sich die Umstellung auf Mulchsaatsysteme mit vollkommenem Pflugverzicht sicherer gestalten. Außerdem kommen Effekte auf die Arbeitszeitverteilung in erheblichem Umfang zum Tragen. 
  • Die Deckungsbeitragsrechnung erweist sich für die langfristige Bewertung von Fruchtfolgesystemen als weitgehend ungeeignet, da z.B. Vorfruchteffekte und entscheidende Kostenblöcke wie die Maschinenfestkosten unberücksichtigt bleiben. Die Bewertung von Fruchtfolgesystemen mit Hilfe der direkt- und arbeitserledigungskostenfreien Leistung stellt demgegenüber eine deutliche Verbesserung dar. 
  • Berechnungen der Fachhochschule Südwestfalen, Soest, zeigen, dass die mit abnehmender Standortbonität ökonomische Überlegenheit aufgelockerter Fruchtfolgen auch bei hohen Erzeugerpreisen erhalten bleibt.
     
Stand: 08.07.2011