Aktuelle Ausgabe 03/2018

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Mit einer hohen Milchleistung aus dem Grundfutter sinken die Produktionskosten je Liter Milch. Eine qualitativ hochwertige Grassilage ist der Grundstein für eine hohe Futteraufnahme der Kühe und beste Leistung. Damit aus Top-Grünlandbeständen auch wirklich eine Top-Silage erzeugt werden kann, müssen viele Schritte optimal ineinandergreifen. Alfons Fübbeker von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen gibt dazu wertvolle Tipps.

Alfons Fübbeker
Alfons Fübbeker
Ob beim Schnitt, Anwelken, Bergen, Häckseln oder Silieren: Immer dann, wenn es nicht optimal läuft, geht das auf Kosten des Ertrages und der Qualität und schmälert damit letztlich den Erfolg im Stall. Das Wetter können wir zwar nicht beeinflussen, aber so ziemlich alles andere.
Um eine hohe Bergeleistung zu erreichen, sollte das Gras in ausreichend großen, lockeren und nicht verdrehten Schwaden abgelegtwerden.
Um eine hohe Bergeleistung zu erreichen, sollte das Gras in ausreichend großen, lockeren und nicht verdrehten Schwaden abgelegtwerden.

Schnittzeitpunkt und Schnitthöhe – rechtzeitig und nicht zu tief
Der richtige Schnittzeitpunkt ist mit entscheidend für eine hohe Futterqualität. Optimaler Zeitpunkt ist zu Beginn des Ährenschiebens. Die Schnitthöhe sollte bei Dauergrünland nicht niedriger als 5 cm und bei Ackergras nicht tiefer als 7 cm sein. Dadurch ist der Messerverschleiß geringer und die Futterverschmutzungen werden reduziert, da die nachfolgenden Arbeitsgeräte nicht so tief arbeiten müssen. Außerdem kann aufgrund der höheren Restassimilationsfläche die Grasnarbe schneller nachwachsen.

Anwelken: Feuchtenester vermeiden
Alle Grasbestände müssen möglichst früh gemäht und breit gestreut werden, um die zur Verfügung stehende Anwelkzeit vollständig nutzen zu können. Dies kann zum einem mit einem Kreiselheuer parallel zum Mähen oder mit Hilfe von Breitverteilhauben bei Mähwerken mit Aufbereitern erfolgen. In der Regel sollte beim ersten und zweiten Schnitt noch einmal gewendet werden, da es sonst zu einer ungleichmäßigen Abtrockung des Grases kommt. Wird auf das Wenden verzichtet, werden Feuchtenester einsiliert, die trotz Vermischung bei der Bergung die Futterqualität senken.

Nicht zu lange liegen lassen
Ein Trockenmassegehalt von mindestens 30 Prozent ist das Ziel, die Feldliegezeit sollte dabei so kurz wie möglich sein. Bei „normalen Witterungsbedingungen“ ist das selten ein Problem. Wesentlich häufiger wird das Futter mit Anwelkgraden von über 40 % zu trocken. In den vergangenen Jahren lag der Anteil dieser zu trockenen Silagen beim ersten Schnitt in Niedersachsen zwischen 30 und 50 %. Dieser Anteil steigt bei den Folgeschnitten noch, da die Aufwuchsmenge geringer ist. Zu trockenes Gras führt dazu, dass es sich wesentlich schlechter verdichten lässt, was dann einen schlechteren Gärverlauf und häufig Nacherwärmungen zur Folge hat.

Mit schlagkräftiger Technik optimale TS-Gehalte
Eine schlagkräftige Technik ist mit entscheidend für ein Gelingen der Silage. Sie ermöglicht es, den Anwelkprozess so zu steuern, dass das Gras mit optimalen TS-Gehalten einsiliert wird. Beispielsweise kann man bei gutem Wetter durch vorzeitiges, schlagkräftiges Schwaden und dem Erstellen möglichst großer Schwaden den Anwelkprozess abbremsen. Hingegen sollte bei schlechteren Witterungsbedingungen erst kurz vor dem Bergen geschwadet werden, um so die zur Verfügung stehende Anwelkzeit optimal auszunutzen. Das Einschalten eines Lohnunternehmers ist insbesondere dann erwägenswert, wenn die Schlagkraft nicht ausreicht, wenn die Grenze der Arbeitsbelastung erreicht ist oder wenn Neuinvestitionen anstehen und das Geld sinnvoller in anderen Bereichen angelegt wird.

Feldhäcksler hat besonders bei trockenen Beständen Vorteile
Feldhäcksler hat besonders bei trockenen Beständen Vorteile

Erforderliche Schlagkraft bereitstellen
Bei der Silierkette (vom Mähen bis zum Silo) ist eine gute Abstimmung entsprechend der Schlagkraft sehr wichtig. Die erforderliche Schlagkraft hängt in erster Linie von der zu verarbeitenden Fläche, von der Witterung und von der Aufwuchsmenge ab, da allein aufgrund der letzten beiden Faktoren die Anwelkgeschwindigkeit um den Faktor 4 differieren kann. Eine hohe Schlagkraft kann durch den Einsatz einer großen Maschine oder den zeitgleichen Einsatz mehrerer kleinerer Maschinen erreicht werden. Bei den Mähwerken, Schwadern und Häckslern gibt es sehr schlagkräftige Ausführungen. Hingegen ist die Schlagkraft eines Kreiselheuers, einer Rundballenpresse oder eines Ladewagens nicht immer ausreichend. In solchen Fällen ist es ratsam, zusätzliche Maschinen einzusetzen.

mittlere TS-Zunahme während des Anwelkens
mittlere TS-Zunahme während des Anwelkens
Kurze Schnittlängen für höhere Gärstabilität
optimale Schnitthöhe Dauergrünland 5 cm, Ackergras 7 cm
optimale Schnitthöhe Dauergrünland 5 cm, Ackergras 7 cm

Beim Bergen sind kurze Schnittlängen einzuhalten. Dadurch kommt es zu einem höheren Zuckeraustritt, einer schnellen pH-Wert-Senkung und das Gras lässt sich besser verdichten. All dies führt zu einer gärstabilen Silage. Je trockener das Gras ist, desto kürzer muss es geschnitten bzw. gehäckselt werden. Der Häcksler hält im Vergleich zum Ladewagen kurze Schnittlängen besser ein und hat deshalb besonders bei höheren TS-Gehalten Vorteile.

Abladen und Walzen soll parallel erfolgen
Das Abladen vom Gras sollte auf dem Silo in einer gleichmäßigen Schicht von max. 40 cm erfolgen. Ideal sind Lade- bzw. Silierwagen mit Dosierwalzen. Dann ist eine gute Verdichtung möglich. Ausreichend breit angelegt ist ein Silo, wenn das Abladen und Walzen parallel erfolgen kann. Bei einer ungleichmäßigen Grasablage auf dem Silo und zum besseren Ausfüllen der Silokanten empfiehlt es sich, einen Siloverteiler am Walzfahrzeug einzusetzen.

Maximaler Druck/cm² durch Gewicht und Reifendruck
Das Walzfahrzeug (Radlader, Schlepper) sollte ein hohes Eigengewicht aufweisen. Betonklötze, Anbaugeräte oder Wasser in den Reifen sind preisgünstige Methoden, das Gewicht zu erhöhen. Bei sehr hoher Bergeleistung ist häufig ein zweites Walzfahrzeug erforderlich. Ein hoher Reifendruck (über zwei bar) sorgt dabei für einen höheren Punktdruck (kg/cm²). Aus Sicherheitsgründen sollte bei höheren Silos ohne Seitenwände ein Zwillingsreifen an der Schlepperseite verwendet werden, mit der an den Silokanten gearbeitet wird.

Abstimmungsmöglichkeiten bei Silierketten
Abstimmungsmöglichkeiten bei Silierketten
Walzen braucht Zeit!
Die Walzarbeit muss mit langsamer Fahrgeschwindigkeit durch zwei bis vier Überfahrten je Fahrspur erfolgen. Auch ist darauf zu achten, dass nach jeder Befüllung genügend gewalzt wird. Nur so ist eine ausreichende Verdichtung und darüber hinaus ein sicheres Überfahren des Silos durch die Lade- bzw. Silierwagen (kein Abrutschen) gewährleistet. Falls bei der Walzarbeit ein Engpass auftritt, ist es besser, die Silierkette kurz warten zu lassen als das Risiko einer Nacherwärmung in Kauf zu nehmen. Denn eine Nacherwärmung führt zu Energieverlusten und die Futteraufnahme geht deutlich zurück. Dadurch entstehen wesentlich höhere Kosten als beim Warten der Silierkette. Reicht die Walzkapazität nicht aus, ist es sinnvoll, die Walzarbeit überbetrieblich erledigen zu lassen.

Möglichst schnell abdichten!
Bereits in den ersten Stunden nach Beendigung des Einsilierens beginnt der Gärprozess. Da dieser nur unter Luftabschluss optimal abläuft, ist der Silohaufen schnellstmöglich und luftdicht abzudecken. Der Gärprozess ist frühestens vier bis sechs Wochen nach dem Einsilieren vollständig beendet, erst dann darf die Silage geöffnet und verfüttert werden.

Fazit:
Mehr als 50 % der Grassilagen werden jedes Jahr zu trocken einsiliert, was häufig Nacherwärmungen zur Folge hat. Der Grund für zu trockene Grassilagen ist meist die Tatsache, dass die Schlagkraft nicht ausreicht. Auch schlechte Silage gelangt nicht selten in den Trog, obwohl es meist besser wäre, sie gar nicht mehr zu verfüttern. Man sollte sich immer vor Augen halten: Qualitativ minderwertige Grassilage kostet im Stall günstigstenfalls über ein nicht ausgenutztes Leistungspotenzial Geld. Im schlimmsten Fall kostet es auch Tiergesundheit.

Das sagt der Züchter zum Thema Silagequalität:

„Neben der erforderlichen Schlagkraft und dem richtigen Einsatz der Erntetechnik haben besonders der Schnittzeitpunkt sowie die Mischungszusammensetzung einen großen Einfluss auf die Silagequalität.
Mischungen mit hochwertigen Futtergräsern wie dem Deutschen Weidelgras garantieren eine hohe Energiedichte. Hohe Zuckergehalte, die z.B. in tetraploidem Deutschem Weidelgras zu finden sind, fördern im Silierungsprozess eine schnelle Absenkung des pH-Wertes.
Auch die Mischungszusammensetzung hinsichtlich der Reifegruppen ist entscheidend: Sie bestimmt den Zeitpunkt des Ährenschiebens und so auch den Schnittzeitpunkt. Mischungen mit Sorten der mittleren und späten Reifegruppe beim Deutschen Weidelgras, wie z.B. die TETRASiL®-Mischungen, garantieren eine langsamere Entwicklung. So kann der Erntezeitpunkt flexibler gewählt werden. Bei einem späten Schnitttermin kann Ertrag zuwachsen, ohne einen schnellen Anstieg der Rohfasergehalte mit sich zu führen.“


Dr. Bernhard Ingwersen
Dr. Bernhard Ingwersen

Stand: 12.05.2011