Aktuelle Ausgabe 04/2018

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Karsten Trunk, Leiter des Görminer Landwirtschaftsbetriebs „Peenetal“, hat Konsequenzen aus der Achterbahnfahrt der letzten Jahre gezogen: „Die Wirklichkeit folgt nicht den Prognosen – eher ist es umgekehrt!“ Praktiker sollen sich selbst eine Meinung bilden und sich bei Anbau und Vermarktung „nicht von kurzfristigen Stimmungen oder Expertenmeinungen leiten lassen.“

Herr Trunk, wie hat der Landwirtschaftsbetrieb „Peenetal“ das Auf und Ab der letzten vier Jahre gemeistert?
In erster Linie waren die letzten 4 Jahre ein enormer Lernprozess, für den auch unser Betrieb viel Geld bezahlt hat. Insbesondere durch die Fehleinschätzung des Düngermarktes im Juni 2008. Das klassische Modell ist ja: im Juni den Dünger für die nächste Ernte einlagern, dann die Ernte einbringen und lagern, die Aussaat der nächsten Ernte abschließen und dann mit der Vermarktung beginnen. Dieser Zeitplan ist nach jahrzehntelangem Erfolg Geschichte! Zur Risikostreuung hat man es beim Einkauf von Betriebsmitteln und der Vermarktung heute mit drei Wirtschaftsjahren gleichzeitig zu tun: dem ablaufenden, dem aktuellen und dem kommenden.

Ein wichtiger Baustein zur Risikovermeidung ist für uns auch die Konzentration auf unsere Kernkompetenzen, das sind in unserem Fall Ackerbau und Milchviehhaltung. Unsere Strategie beinhaltet daher auch keine weitere Diversifizierung wie zum Beispiel Biogas, auch wenn man das Gefühl hat, sich dafür schon entschuldigen zu müssen. Auch innerhalb unserer Kernbereiche vermeiden wir hektische Anpassungen an die Marktverhältnisse. Die Milchproduktion wird in schlechten Jahren nicht gleich in Frage gestellt und auch unsere Pflanzenproduktion steht für Stabilität.

Karsten trunk
Karsten trunk
Ihre breite Fruchtfolge überrascht, viele Betriebswirtschaftler empfehlen doch die Konzentration auf Raps und Weizen!
Fruchtfolgen unterliegen immer noch ackerbaulichen Grundsätzen und haben somit nur eine begrenzte Flexibilität, deren Auslotung in der Verantwortung des Landwirtes liegt. Mit Rapsanteilen von 40 % kann man dieser Verantwortung wohl kaum gerecht werden! Die WW/WW/Raps-Strategie ist für mich die „Börsenstrategie“, wo im Wesentlichen die Zahlen für die nächste Hauptversammlung den Börsenwert des Unternehmens ausmachen.
Getragen wird die Wirtschaft jedoch im Wesentlichen von familiengeführten mittelständischen Unternehmen. Diese arbeiten nicht für ihre Aktionäre sondern für Ihre Nachkommen – die langfristige Stabilität ihres Unternehmens bewerten sie deshalb höher als den kurzfristigen Erfolg. Nach den Erfahrungen der Ernte 2010 sind „Expertenmeinungen“ nicht mehr die Grundlage für unsere Produktions- und Vermarktungsstrategie. So wurde der Wintergerstenanbau nach Wegfall der Intervention für tot erklärt. Wer trotzdem weiter Wintergerste anbaute, sollte sich auf Preise zwischen 70 und 90 €/t einstellen. Viele Landwirte waren deswegen bereit, im April 2010 Vorkontrakte über 100 €/t zu unterzeichnen, zur Ernte hätten sie jedoch zwischen 170 und 190 gekriegt!

Sicher eine krasse Fehlprognose, doch lesen Sie jetzt keine Marktkommentare mehr?
Schon, aber ich verlasse mich nicht mehr auf aktuelle oder kurzfristige Vermarktungstipps. Wir kennen unsere Produktionskosten sehr genau. Diese sind im internationalen Vergleich eher niedrig und damit für uns eine Preisgrenze. Darunter vermarkten wir nicht mehr! Anhand unserer Liquiditätssituation müssen wir unser eigenes Spekulationsvolumen verantworten und Teilmengen entsprechend vermarkten. Im Zweifel gilt dabei: Nicht mitgenommene Gewinne sind k e i n e Verluste!

Zurück zur Fruchtfolge, diese soll sich nach Expertenmeinung „flexibel an der aktuellen Marktsituation orientieren“?
Das ist schön gesagt, funktioniert aber nicht, weil das nächste Jahr nicht in der Glaskugel zu sehen ist! Nach meiner Auffassung darf auch die Fruchtfolge nicht von der aktuellen Marktstimmung beeinflusst werden! Nochmals zurück zu 2010: Wer kurzfristig die Wintergerste aus seinem Anbauplan gestrichen hat, bekam ein Problem mit der Arbeitsspitze im August – Weizenernte und Rapsaussaat konkurrierten um Zeit, Technik und Personal. Änderungen der Fruchtfolge haben immer auch Konsequenzen für das Mechanisierungskonzept und das Betriebsmanagement. Hier müssen wir vom Ende her denken! Wir brauchen eine optimale Erntestaffelung für eine reibungslose Ernte und Spitzenqualitäten: Hierzu gehört neben einer passenden Fruchtfolge auch eine ausgefeilte Sortenstrategie mit entsprechender Bestandesführung für eine gestaffelte, zügige und gesunde Abreife.

Der Landwirtschaftsbetrieb „Peenetal“ beschäftigt sich seit Mitte der 90er Jahre mit Precision Farming. Was bedeuten diese technologischen Entwicklung für Ihre Sortenwahl?
Im Bereich Precision Farming verfügen wir über umfangreiche Erfahrungen und die Technologie ist in unserem Unternehmen fest verankert. Die teilflächenspezifische Ertragserfassung nutzen wir auch, um mit Betriebsversuchen Sorten auf unserem Standort zu vergleichen. Bei der Sortenwahl gilt für uns das gleiche, wie bei der Mechanisierung. Keine Experimente machen, sondern auf die jeweils erfolgreichsten Sorten einer Fruchtart setzen. Dabei legen wir Wert auf eine mindestens zweijährige Prüfung im Landessortenversuch und achten bei den Ergebnissen speziell auf Ertrag und Winterhärte. Wichtig sind uns auch Reifeunterschiede im Hinblick auf eine für den Betrieb zugeschnittene Reifestaffelung.

Erosionsschutz genießt einen hohen Stellenwert bei Ihren windoffenen, schluffigen Böden! Deshalb der viele Zwischenfruchtanbau?
In unserem Fall umfasst der Zwischenfruchtanbau jährlich 160 bis 200 ha, der dank der frühräumenden Vorfrucht Wintergerste i.d.R. auch gut gelingt. Dank unseres Betriebszweigs Milchvieh fällt uns die Integration in die Fruchtfolge natürlich leichter. Neben dem Bodenschutz und der Bodenverbesserung können wir Zwischenfrüchte auch für unsere Futtergrundlage einkalkulieren. So rechnen sich Zwischenfrüchte nicht erst langfristig, sondern auch aktuell. Ich denke, dass sich aber auch für den reinen Ackerbauprofi hier mittlerweile über die Biogasanlagen als Rohstoffkäufer interessante Lösungen ergeben.

Betriebsspiegel: Landwirtschaftsbetrieb „Peenetal“ GmbH & Co. KG

Ackerbau
2.200 Hektar Ackerland
70 Hektar Grünland
1.100 ha Winterweizen (50,0 %)  
500 ha Raps() 22,7 %)
200 ha Gerste (9,0 %)
140 ha Mais (6,4 %)
140 ha Ackergras(6,4 %)
120 ha Zuckerrüben (5,5 %)
Zwischenfrüchte 1jähriges Ackergras
Futterroggen
Phacelia

Technik
Bodenbearbeitung. Horsch
Aussaat. Väderstadt
Düngung. Rauch
Ernte. New Holland, Krone
Traktoren. John Deere
PSM. Damman





 

400 Milchkühe und Nachzucht  

Das Gespräch führte Sven Böse.

Stand: 12.05.2011