Aktuelle Ausgabe 03/2018

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Shootingstar im Bereich der regenerativen Energien ist die Biogasproduktion. Mit der Zunahme der Biogasproduktion wächst auch der „Flächenhunger“ und daher ist die maximale Biomassenproduktion pro Hektar jetzt das alles entscheidende Kriterium. Aus diesem Grunde ist die Fläche inzwischen der knappste Faktor für viele Biogasanlagenbetreiber geworden! Umso mehr müssen die angestrebten Fruchtfolgen nachhaltig zu einer maximalen Biomasseproduktion beitragen.

Bildquelle: Norddeutsche Pflanzenzucht
Bildquelle: Norddeutsche Pflanzenzucht
Humusbilanz beachten
Standortbedingungen müssen in die Überlegungen zur Ausgestaltung der Energiefruchtfolge mit einbezogen werden. Dazu gehört die im Rahmen von Cross-Compliance eingebundene Verpflichtung zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit. Eine Fruchtfolge hat aus wenigstens drei Kulturen zu bestehen, mit mindestens 15% der Ackerfläche pro Kulturart. Darüber hinaus ist der Landwirt angehalten, jährlich eine Humusbilanz zu erstellen oder regelmäßig den Humusgehalt des Bodens zu untersuchen. Die Humusbilanz kann auf vielen Betrieben mit sehr viel Mais in der Fruchtfolge ein echtes Problem darstellen. Im Gegensatz zu Mais weisen Ackergrasbestände ein positives Saldo von 600kg Humus-Kohlenstoff/ha auf und sind daher ein tragendes Element hinsichtlich Bodenfruchtbarkeit. Schließlich ist die Kalkulation einer Biogasanlage langfristig ausgelegt und demnach muss auch der Energiepflanzenanbau nachhaltig geplant sein.

Abb. 1: Einsatzhäufigkeit verschiedener Silagen in Biogasanlagen
Abb. 1: Einsatzhäufigkeit verschiedener Silagen in Biogasanlagen
Gras als Substrat in 30 % der Anlagen
Die Eignung von Futtergräsern als Substrat in Biogasanlagen ist generell gegeben.

Abb. 1 zeigt die Einsatzhäufigkeit verschiedener Substrate in Biogasanlagen – in mehr als 30 % der Fälle in der Praxis wird zurzeit Grassilage eingesetzt.

Sowohl die Biogasausbeute je Tonne Frischmasse des eingesetzten Substrats ist vergleichbar zum Silomais (Abb. 2) als auch der Methangehalt. Dieser ist ein entscheidendes Kriterium und liegt je nach Entwicklungsstadium zwischen 58 und 63 % der Gesamt-Biogasmenge.

Tab. 1: Gasausbeute verschiedener Aufwüchse Deutsches Weidelgras, Düngungsniveau 80 kg/ha N
Tab. 1: Gasausbeute verschiedener Aufwüchse Deutsches Weidelgras, Düngungsniveau 80 kg/ha N
Produktionskosten senken
Entscheidende Steuergrößen sind die Ertragsleistung und die Kosten der Produktion.

In den klassischen Grünlandregionen wie dem norddeutschen Kammergebiet können sehr hohe Biomasseerträge mit Welschem Weidelgras erzielt werden. Allerdings belasten die hohen Kosten der Futterwerbung bedingt durch vier- bis fünfmalige Schnittnutzung die Kosten je produzierter Einheit Biogas deutlich höher als dies beim Silomais der Fall ist. Unter dem Aspekt der Kosteneinsparung kann die Anzahl der notwendigen Schnitte für solche Bestände problemlos auf 3 Nutzungen reduziert werden, dies zeigen Untersuchungen der Fachhochschule Südwestfalen. Dann muss einzelbetrieblich kalkuliert werden, ob Gras als Energiepflanze wirtschaftlich ist.

Abb. 2: Biogasausbeute verschiedener Substrate
Abb. 2: Biogasausbeute verschiedener Substrate
Nutzung später Aufwüchse?
Oft laufen Milch- und Biogasproduktion auf den landwirtschaftlichen Betrieben parallel. Aus Sicht der Milchviehfütterung ergibt sich häufig das Problem der Verwertung der späten Aufwüchse, die in der Regel allenfalls in der Jungviehfütterung eingesetzt werden. Für diese Betriebe ist daher die Frage interessant, ob diese späten Aufwüchse geeignete Biogassubstrate darstellen.

Wie die Tab. 1 zeigt, ist das Gasbildungsvermögen von Nachwüchsen des Grünlandes nur unwesentlich schlechter zu bewerten als das des Silomaises. Hier ergibt sich also eine sinnvolle Verwertung, die zum einen mögliche Lücken in der Substratversorgung kurzfristig schließen kann und zum anderen das bestehende Grünland durch eine kontinuierliche Nutzung in Kondition erhält.

Abb. 3: GISEL – im ersten Aufwuchs deutlich überlegen
Abb. 3: GISEL – im ersten Aufwuchs deutlich überlegen
Welsches Weidelgras als Winterzwischenfrucht
Die Nutzung als Winterzwischenfrucht ist eine interessante Möglichkeit, Futtergräser in die Substratproduktion zu integrieren. Welsches Weidelgras kann nach zeitig räumenden Marktfrüchten gut etabliert werden. Bei einer Aussaat von Anfang bis Mitte September in ein gut abgesetztes Saatbeet lassen sich leistungsfähige Weidelgrasbestände aufbauen. Diese ermöglichen dann im Frühjahr, etwa als Vorfrucht vor Silomais, noch einen wertvollen, ertragreichen Futterschnitt.

Unter dem bestehenden Sortenspektrum kommen dann insbesondere Sorten in Frage, die über eine gute Winterhärte und einen sehr hohen Anteil des ersten Aufwuchses am Gesamtertrag verfügen.

Die Sorte GISEL verfügt über extrem hohe Leistungen im ersten Schnitt (Abb. 3). Die Auswertung der Landessortenversuche der norddeutschen Kammern ergab im Zeitraum 2001-2003 einen Ertrag im ersten Aufwuchs rel. zu den Verrechnungssorten für GISEL von 109 verglichen zu rel. 100 der übrigen geprüften Sorten. Damit nimmt GISEL einen Spitzenplatz ein. Gepaart mit einer ausgezeichneten Winterhärte ist GISEL für den Winterzwischenfruchtanbau hervorragend geeignet und damit auch für Energiewirte eine gute Alternative.

Dr. Bernhard Ingwersen, Norddeutsche Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG, Hohenlieth

Stand: 01.01.2007