Aktuelle Ausgabe 04/2018

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Der enorme Wärmebedarf für die Ferkelaufzucht und ständig steigende Heizölpreise bereiteten den Betriebsleitern Frank und Hermann Schmitz schon länger Kopfzerbrechen. Mit dem Bau einer Biogasanlage konnten jetzt die Kosten drastisch gesenkt werden.

Klaus Schulze Kremer (li), Fachberater SAATEN-UNION im Gespräch mit Betriebsleiter Frank Schmitz. Hochwertige Silage, schimmelfrei und gut verdichtet, ist Basis für eine effektive Biogasproduktion.
Klaus Schulze Kremer (li), Fachberater SAATEN-UNION im Gespräch mit Betriebsleiter Frank Schmitz. Hochwertige Silage, schimmelfrei und gut verdichtet, ist Basis für eine effektive Biogasproduktion.
Frank und Hermann Schmitz aus Ahaus befassten sich schon früh mit dem Bau einer Biogasanlage. Mit dem neuen Einspeisungsgesetz konkretisierten sich die Pläne und bereits Ende 2004 ging die neue Anlage in Betrieb.

„Der Wärme- bzw. Energiebedarf unseres Betriebes ist extrem hoch“, erklärt Frank Schmitz die Beweggründe für den Biogasanlagenbau. „Es müssen 1.200 Flatdeckplätze sowie 60 Abferkelbuchten geheizt werden, dazu kommt natürlich noch das Wohnhaus.“ In den zurückliegenden Jahren wurde dieser Wärmebedarf über eine Kraftwärmekopplung mit 50 kW auf Heizölbasis gedeckt. Rund 10 kW davon gingen in den Betrieb, 40 kW konnten an die Stadtwerke verkauft werden. „Mit den zunehmenden Heizölpreisen rechnete sich das nicht mehr“, erläutert Frank Schmitz. „Die Anlage wurde deshalb abgeschaltet. Hätten wir nun komplett auf Ölheizung umgestellt, wären da schnell 60.000 Liter Heizöl im Jahr zusammen gekommen.“ Dank der Biogasanlage wurden im letzten Winter zusätzlich zum Zündölbedarf für die Anlage jedoch nur an extrem kalten Tagen weiteres Heizöl benötigt und gerade einmal 1.500 Liter verbraucht. Die Investition in die Biogasanlage hat sich also schon jetzt als weise Voraussicht erwiesen.

Der ökonomische Nutzen der Anlage ist vor allem deshalb so hoch, weil sie sehr konsequent an den Erfordernissen des Betriebes ausgerichtet wurde und somit dazu beiträgt, den Betriebszweig „Ferkelproduktion und -aufzucht“ zu optimieren. Auf dem Betrieb Schmitz ernährt die Anlage zwar auch alleine ihren Mann, dies aber weniger über die Erlösseite, als über die immense Kostenreduzierung.

Gut ausgelastet
Verantwortlich für den laufenden Betrieb der Anlage ist Vater Hermann Schmitz. „Tägliches Wiegen, Rationieren und Füttern sowie tägliche Kontrollen sind ein Muss“, erläutert der Senior des Betriebes. „Eine Biogasanlage kann man keinen Tag alleine lassen. Bei ordnungsgemäßer Führung sind dann aber auch dauerhafte Auslastungen bis nahezu 100 Prozent möglich.“

Anpassungen ja – Neuorientierung nein
An der Flächenausstattung des Betriebes hat sich durch die Biogasanlage nichts geändert. Im Anbau sind nach wie vor 50 Hektar, die in der Vergangenheit überwiegend für den Anbau von CCM-Mais und Wintergetreide genutzt wurden. Heute kauft der Betriebsleiter das Futter für die Sauen zu, da der Mais für die Biogasanlage benötigt wird. „Mais ist die Biomassefrucht Nr. 1“, meint Frank Schmitz, „auch unsere Biogasration besteht zu etwa 70 Prozent aus Mais.“ Hinzu kommen rund 30 Prozent Grünroggen und je nach Verfügbarkeit auch Kartoffeln und Zwiebeln. Als Träger- und Puffersubstanz dient die Schweinegülle, die komplett in die Anlage geht.

Je nach Verfügbarkeit kommen auch Kartoffeln zum Einsatz.
Je nach Verfügbarkeit kommen auch Kartoffeln zum Einsatz.
Grünroggen als neue Frucht
Mais und Roggen passen gut zueinander und ergänzen sich auch im Anbaukonzept des Betriebes. Auf rund 40 Hektar wird nach Mais Grünroggen ausgesät. Vor der Grünroggensaat erfolgt eine Tiefenlockerung mit dem Grubber, im Anschluss wird die Fläche mit einer Kreiselegge/Drillmaschinenkombination bestellt. Der Grünroggen wird Anfang Mai geerntet, anschließend werden die Flächen gepflügt. Die Maisaussaat erfolgt mit der eigenen Maisdrille in Kombination mit 3-Meter Kreiselegge. Die Rückverfestigung des Saatbettes wird durch den Frontpacker erreicht. „Das ist eine absolute Arbeitsspitze, dann herrscht hier Hochbetrieb“, schildert Betriebsleiter Schmitz diese exrem hektische Phase des Jahres. „Ähnlich turbulent ist es dann noch einmal im Herbst, wenn wieder die Maisernte und Grünroggensaat anstehen.“

Beim Maishäckseln entsteht zudem ein wesentlich höherer logistischer Aufwand als früher bei der CCM-Ernte, da sehr viel mehr Masse transportiert und in die neu errichteten Fahrsilos eingelagert werden muss. Für die Häckselarbeiten beauftragen die Betriebsleiter ein Lohnunternehmen, den Abtransport und das Einsilieren übernehmen sie selbst.

Welche Maissorte passt?
Durch die Verlagerung von CCM auf Biomasse hat Frank Schmitz auch das Maissortenangebot unter die Lupe genommen. Nach wie vor ist die Anbausicherheit einer Sorte für ihn das wichtigste Auswahlkriterium. Durch die Kombination mit Grünroggen haben sich jedoch die Aussaattermine etwas nach hinten verschoben, gleichzeitig wird zum Erntezeitpunkt vom Mais nicht mehr die optimale Ausreifung wie bei CCM verlangt. „Nach Roggen passen am besten leistungsstarke mittelfrühe Sorten. In diesem Segment hat sich auf unserem Betrieb die Sorte AVENTURA gut etabliert“, meint dazu Frank Schmitz. AVENTURA hat beispielsweise den Hitzestress im Sommer 2006 sehr gut überstanden und brachte die angestrebten Erträge von ca. 50 Tonnen Frischmasse bei 30 Prozent TS, auch nach Roggen.

Auf den Flächen, auf denen kein Roggen angebaut wird und auf denen die Maissaat entsprechend zeitiger erfolgen kann, bevorzugt Schmitz eher mittelspäte Sorten. Wichtig ist, dass sowohl im mittelfrühen als auch mittelspäten Segment noch zufrieden stellende CCM-Erträge möglich sind, falls Teile der Ernte nicht für die Biogasanlage benötigt werden. „Auch in diesem Bereich hat AVENTURA mich überzeugt“, so Frank Schmitz.

Optimalen Erntezeitpunkt bestimmen
Im Zusammenspiel Mais mit oder ohne Grünroggen und bei der Entscheidung für die ein oder andere Maissorte zählt letztendlich das Gespür des Landwirtes, die Anbaufaktoren optimal zu koordinieren und den besten Erntezeitpunkt zu bestimmen. „Wir bemühen uns, die Erntetermine der mittelfrühen und mittelspäten Sorten aus arbeitsorganisatorischen Gründen in ein gemeinsames Zeitfenster zu bekommen. Daher sollten die Trockensubstanzgehalte nicht zu stark variieren. „Selten zuvor bin ich so oft im Mais gewesen, wie in diesem kritischen Jahr, um den optimalen Erntezeitpunkt festzulegen“, erinnert sich der Betriebsleiter. „Aber dieser Aufwand lohnt sich immer.“

Was bringen neue Sorten?
Beim Sortenangebot für Biogasmais ist einiges in Bewegung geraten, die Züchter erweitern ihre Programme mit Sorten, die speziell auf die Anforderungen der Biogaserzeugung ausgelegt sind. „ AVENTURA wird aber im nächsten Jahr auf jeden Fall in großem Umfang wieder dabei sein“, so Frank Schmitz mit Blick nach vorne, „diese Sorte erfüllte absolut meine Erwartungen.“ Neu in die Anbauplanung ist der mittelspäte Biomassemais SUBITO aufgenommen. „Dieser imposante Mais kann schon mit 7,5 bis 8,5 Pflanzen je Quadratmeter optimale Gesamttrockenmasse- erträge erreichen“, so Schmitz.

Friederike Krick

Stand: 01.01.2007