Aktuelle Ausgabe 03/2018

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Im Vergleich zu den Biodieselwerken sind Bioethanolanlagen noch mehr auf preiswerte Rohstoffe angewiesen. Die Investitionskosten sind fast doppelt so hoch, die Energiebilanz ist aufgrund der energieaufwändigen Destillation nur knapp positiv 1) und Bioethanol aus Zucker ist immer billiger.

An den Standorten Wulfsode (im Bild), Kleptow und Sülbeck werden Sorten intensiv geprüft.
An den Standorten Wulfsode (im Bild), Kleptow und Sülbeck werden Sorten intensiv geprüft.
Sollen die Bioethanolwerke als spürbare Nachfrager nach hiesigem Getreide fortbestehen, muss dieses wettbewerbsfähiger produziert werden. Nach der Fruchtart haben die Sortenwahl und die Produktionstechnik enormen Einfluss auf die Bereitstellungskosten des Rohstoffs.

2-3 % Stärke über die Sortenwahl steuern
2006 wurde deutschlandweit in zahlreichen LSV der Stärkegehalt mit erfasst 2). Die stärkereichsten Sorten – darunter Akratos, erreichten 67 % Stärke i.T., die schlechtesten 65 %, verbreitete Sorten wie Tommi und Herrmann liegen mit gut 66 % im Mittelfeld. Die SAATEN-UNION-Versuche gehen in die gleiche Richtung (Abb.1). Auf insgesamt 15 Standorten zeigen insbesondere die sehr vollkörnigen „Strubesorten“ sehr hohe Stärkewerte, weniger der Korndichtetyp MULAN sowie proteinreichere Qualitätssorten wie Tommi oder Skagen. Eine Spitzenposition nahm 2006 die frühreife Hybride HYSUN ein, die auch in den offiziellen Versuchen Dänemarks über 9 Versuche und 69 Prüfsorten den ersten Platz im Stärkegehalt und Stärkeertrag belegte.

Abb.1: Sorteneinfluss auf den Stärkegehalt
Abb.1: Sorteneinfluss auf den Stärkegehalt
Die Roggensorten unterscheiden sich im Stärkegehalt um etwa 3 %, auch hier liegen mittlerweile belastbare Zahlen aus mehrjährigen LSV vor. Spitzenwerte, 2006 beispielweise 61,4 %, erreicht seit Jahren regelmäßig RASANT. Amato liegt im direkten Vergleich bei 60,2 %, Fugato bei 59,2 %, die Brotroggensorte Askari bei 58,3 %. Die dreijährigen Versuche der SAATEN-UNION zeigen eine vergleichbare Rangierung, wenn auch auf höherem Niveau (Abb. 2). Auch hier zeigt sich RASANT dank guter Kornausbildung sowie geringen Protein- und Pentosangehalten dreijährig als der beste Bioethanolroggen.

Letztlich entscheidend ist der Alkohol- bzw. Stärkeertrag je Hektar und darüber entscheidet in erster Linie der Kornertrag. Denn die Alkoholausbeute/ha wird zu etwa 85 % vom Stärkeertrag bestimmt und dieser wiederum zu über 95 % vom Kornertrag.

Abb. 2: Sortenspezifische Stärkegehalte 2004-2006
Abb. 2: Sortenspezifische Stärkegehalte 2004-2006
Die Erklärung: Hochertragsgetreide hat von Natur aus wenig Protein und i.d.R. auch eine volle Kornausbildung. Hohe Hektarerträge an „Vergärbarer Substanz“ sind damit vorprogrammiert.

Intensivanbau auf Trockenlagen drückt Stärkegehalte
In ihrer Versuchserie „Wintergetreide im Wettbewerb“ untersucht die SAATEN-UNION die Wettbewerbsfähigkeit von Winterweizen, Winterroggen und Triticale bei unterschiedlichen Inputlevels (Abb. 3) auf schwächeren und mittleren Standorten. Danach zeigen alle Wintergetreidearten die höchsten Stärkegehalte bei der extensiven Behandlung bzw. der Roggenintensität, also ca. 130 kg N/ha sowie einmaliger Behandlung. Die niedrigsten Stärkegehalte zeigen sich umgekehrt bei der Weizenintensität (200 kg N-Düngung, 2 Fungizidbehandlungen), man kann also von einer negativen Beziehung zwischen Stärkegehalt und Anbauintensität sprechen.

Abb. 3: Stärkegehalte der Wintergetreidearten in Abhängigkeit von der Anbauintensität
Abb. 3: Stärkegehalte der Wintergetreidearten in Abhängigkeit von der Anbauintensität
Die Erklärung: N-Düngung, Fungizide und Herbizide erhöhen die Anzahl der ährentragenden Halme und Bekörnung der Ähre. Damit saugen mehr Körner am Assimilatstrom, das einzelne Korn lagert im Verhältnis zum früh eingelagerten Protein weniger Speicherstärke ein. Im Stärkeertrag allerdings sind regelmäßig die höheren, praxisüblichen Intensitätsstufen führend, das gilt insbesondere für den Weizen auf besseren Standorten. Anders als auf schwächeren Standorten und beim Roggen kann dort eine zusätzliche späte Fungizidmaßnahme das TKM und damit den Stärkegehalt deutlich verbessern.

Abb. 4: Einfluss der Anbauintensität auf den Stärkeertrag
Abb. 4: Einfluss der Anbauintensität auf den Stärkeertrag
Neue Faustzahl für die Spätdüngung
Welche Anbauintensität bei Bioethanolgetreide anzuraten ist, entscheidet in erster Linie der Standort! Ziel sind möglichst hohe Erträge bei Proteingehalten unter 12 % und damit Qualitätszuschläge. Nach Abb. 4 brachte zweijährig in Granskewitz (Rügen), auf dem Seehof (BW) und in Grünseiboldsdorf/Mulchsaat die höchste Anbauintensität und auch die höchsten Stärkeerträge. Ein N-Niveau von 250 kg N (inkl. Nmin) kombiniert mit einer zweimaligen Fungizid- und Wachstumsregler-Behandlung kann bei entsprechender Ertragserwartung also auch bei Stärkeweizen lohnen. Umgekehrt auf dem Kontinentalstandort Kleptow (Uckermark) sowie in der gepflügten Variante in Grünseiboldsdorf. Bei guter N-Nachlieferung und geringerem Krankheitsdruck war auf diesen Standorten bereits ein mittleres Düngungsniveau (210 kg N inkl. Nmin) mit einer Behandlung am wirtschaftlichsten.

In der Praxis sollte bis EC 31 der meiste Stickstoff gefallen sein, ca. 130 kg N inkl. Nmin bei früher Aussaat bzw. Blattvorfrucht, bis zu 170 kg N inkl. Nmin bei Spätsaat bzw. Weizenvorfrucht. Die Spätdüngung sollte dann bis EC 39 fallen und sich eng an der Ertragserwartung orientieren. Faustzahl: 2 kg N für jede dt Ertragserwartung über 60 dt/ha, bei 90 dt/ha wären das also 60 kg in schnellverfügbarer N-Form.

Sven Böse

1) Für konventionelle Anlagen ist ein Verhältnis von Energieinput zu Energieoutput von lediglich 1:1,3 anzunehmen, in voll integrierten Prozessen mit gleichzeitiger Biogasproduktion könnte die Energiebilanz bis über 1:2,0 verbessert werden.
2) Zum Zeitpunkt der Drucklegung standen 20 LSV-Ergebnisse mit Stärkeanalyse aus Bayern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Thüringen zur Verfügung.

Stand: 01.07.2007