Aktuelle Ausgabe 03/2018

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In den maritim geprägten Gebieten Schleswig-Holsteins gibt es bei späterer Aussaat auf schweren lehm- und schluffhaltigen Tonböden mit Jahresniederschlägen von 700 bis 1000 mm oft Schwierigkeiten. Die Vorverlegung der Saatzeit wird daher oft aus arbeitswirtschaftlichen Gründen durchgeführt. Welche Konsequenzen eine frühe Saat für Sortenwahl und Produktionstechnik haben sollte, erläutert Dr. Ulfried Obenauf von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein*.

Der Entwicklungsvorsprung einer gelungenen Frühsaat – hier die Sorte TUAREG am Standort Futterkamp Anfang Juni 2007 in der Blüte – setzt sich bis zur Ernte fort, und ist auch mit einem früheren Erntetermin nutzbar.
Der Entwicklungsvorsprung einer gelungenen Frühsaat – hier die Sorte TUAREG am Standort Futterkamp Anfang Juni 2007 in der Blüte – setzt sich bis zur Ernte fort, und ist auch mit einem früheren Erntetermin nutzbar.
In den vergangenen Jahren wurde zunehmend – und auch mit Erfolg – ein Drittel des Winterweizens im Betrieb in der ersten und zweiten Septemberdekade gedrillt.

Eine frühe Saat entzerrt auf Marktfruchtbetrieben mit knapp bemessener Arbeitskapazität und zunehmendem Weizenanteil zudem die Arbeitsspitze im Herbst. Da die meisten leistungsfähigen Weizensorten unter diesen Anbaubedingungen eher im mittleren bis späten Abreifebereich liegen, ist es arbeitswirtschaftlich zusätzlich sinnvoll, den Erntezeitpunkt der Weizenbestände über eine gestaffelte, möglichst früh beginnende Aussaat bei diesen Sorten zu strecken.

Mit zunehmendem Anbau von Hybridraps und der Ausdehnung der Rapsanbaufläche gewinnt auch Weizen als Vorfrucht zu Raps weiter an Bedeutung. Einige Hybridrapssorten sind auf Grund ihrer schnelleren Vorwinterentwicklung für spätere Aussaattermine eher geeignet. Frühere Weizenernte (3 - 5 Tage bei gleicher Sorte) nach früher Aussaat ermöglicht hier anteilig Drilltermine für Raps in der letzten August- und der ersten Septemberwoche.

Möglichem Virusbefall durch infizierte Blattläuse im Herbst muss bei entsprechendem Blattlausflug in frühen Saatterminen entweder durch eine Insektizidbehandlung im Oktober oder durch eine insektizide Beize vorgebeugt werden.
Möglichem Virusbefall durch infizierte Blattläuse im Herbst muss bei entsprechendem Blattlausflug in frühen Saatterminen entweder durch eine Insektizidbehandlung im Oktober oder durch eine insektizide Beize vorgebeugt werden.
Ertragsleistung von Frühsaaten – aktuelle Ergebnisse
Seit inzwischen 10 Jahren werden auf drei Standorten des Östlichen Hügellandes die jeweils leistungsfähigsten und empfohlenen Sorten aus den Landessortenversuchen, ergänzt durch aussichtsreiche Neuzulassungen, auf ihre Frühsaat- und Spätsaateignung (nach Vorfrucht Raps) geprüft. Saattermine Anfang September brachten im Mittel der Standorte und Sorten über die Jahre 2003 bis 2006 Weizenerträge von 118 dt/ha (Abb. 1). Besonders deutliche Ertragsvorteile im Vergleich zur Normalsaat (Ende September/ Anfang Oktober) konnte die Frühsaat in 2003 und 2006 erzielen.

In Jahren mit milden Wintern, die für alle Saattermine ausgeglichene Wachstumsbedingungen ermöglichen, war keine grundsätzliche Ertragsüberlegenheit für die Frühsaat festzustellen. Was bleibt, ist der Vorteil eines vorgezogenenen Erntetermins. Dieser macht nach den Erfahrungen dieser Versuchsserie 3 - 5 Tage zwischen Frühsaat und Normalsaat aus.

Im Schnitt der Jahre 2003 bis 2006 bleibt für die frühe Aussaat von Winterweizen im Mittel der Standorte ein Ertragsvorteil von 9 % im Vergleich zur Normalsaat, und gegenüber der Spätsaat von 13 %. Erfahrungen aus der Praxis zeigten, dass sich mit der Einführung eines gewissen Frühsaatanteils die Erträge über die Jahre stabilisieren ließen.

Welche Sorten zum frühen Saattermin?
In ihrer Frühsaateignung lagen die zur Prüfung ausgewählten Sorten im Mittel der Jahre und Standorte nicht wesentlich auseinander, trotzdem zeichnet sich eine offensichtlich bessere Eignung für einige Sorten ab. Detaillierte Beschreibungen dazu finden Sie im Internet auf den Seiten der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein*.

Anbaustrategie Frühsaat

  • Abb. 1: Ertragsleistung relativ von Winterweizen in Abhängigkeit von Jahr, Saatzeit und Saatstärke.
    Abb. 1: Ertragsleistung relativ von Winterweizen in Abhängigkeit von Jahr, Saatzeit und Saatstärke.
    Frühsaaten zu Winterweizen sind vorrangig aus arbeitswirtschaftlicher Sicht von Interesse, vor allem unter Berücksichtigung der vergleichsweise geringeren Ertrags- und Preiserwartung von Wintergerste auf leistungsfähigen Weizenstandorten. Neben der Ausweitung der für die Aussaat zur Verfügung stehenden Feldarbeitszeit, fallen auch die gestaffelten Erntetermine zwischen Frühsaat und Normalsaat arbeitswirtschaftlich ins Gewicht.
  • Hohe Weizenanteile im Betrieb erfordern auf diesen Standorten ein weites Saatzeitfenster, bei Beibehaltung optimaler Saattermine für Wintergerste (15. bis 25.September). Wenig sinnvoll sind hier starre Festlegungen, wie z.B. die pauschale Empfehlung, generell keinen Weizen vor der Gerste zu drillen. Eine trockene Pflugfurche, bzw. gute Bodenbedingungen für Mulchsaat, und trockene Bestellbedingungen bestimmen zum möglichen Saattermin unter den beschriebenen Anbaubedingungen entscheidend die Ertragserwartungen des Folgejahres
  • Wichtig ist es, die Bestandesführung auf die Anforderungen und die Möglichkeit einer frühen Weizenaussaat auszurichten, beginnend mit der Wahl der für Frühsaaten geeigneten Sorte. Verwendbar für Frühsaaten sind solche Sorten, die vor Winter eine nicht zu üppige Bestandesentwicklung erwarten lassen und eine ausreichende Winterfestigkeit, geringe Krankheitsanfälligkeit und hohe Standfestigkeit besitzen.
  • Zur Frühsaat in der ersten Septemberdekade gehört zwingend eine reduzierte Saatmenge, es sollten nicht mehr als 180 bis 200 keimfähige Körner (Zielpflanzenzahl bei optimalem Saatbett) je Quadratmeter für Populationsweizen zur Aussaat kommen.
  • In Jahren mit einer milden Überwinterungsphase stellt der erhöhte Krankheitsdruck ein Risiko dar. Bei überdurchschnittlichen Temperaturen im September/Oktober besteht die Gefahr der Virusübertragung (Gelbverzwergungsvirus) durch infizierte Blattläuse. Bei verstärktem Blattlausflug im Herbst kann eine ein- bis zweimalige Vektorenbekämpfung erforderlich werden oder es wird vorbeugend mit einem Insektizid gebeizt. Beobachtungen zum Blattlausbesatz im Herbst an Ausfallgerste sind als Indikator für eventuelle Bekämpfungsmaßnahmen in Weizenfrühsaaten ratsam.
  • Versuchsergebnisse und Anbauerfahrungen in Schleswig-Holstein zeigen, dass Frühsaaten in befallsstarken Jahren mit einer zusätzlichen frühen Fungizidbehandlung (EC29/30) und einem frühen Wachstumsreglereinsatz für die oben aufgezeigten Erträge abzusichern sind.
  • Demgegenüber steht im Vergleich zu späteren Saatterminen ein geringerer Gesamt-N-Aufwand von 30-40 kg/ha, wegen der zu empfehlenden verhaltenen Andüngung (max. 40-50 kg N/ha) gut entwickelter Frühsaatbestände zu Vegetationsbeginn, und das bei inzwischen mehrjährig höheren Erträgen.
  • Ebenfalls als vorteilhaft ist die unter Frühsaatbedingungen zu erwartende bessere Stickstoffausnutzung der Weizenbestände nach Rapsvorfrucht zu bewerten. Sie dient nicht nur einer günstigen Vorwinterentwicklung, sondern auch der Vermeidung unproduktiver Stickstoffverluste im Herbst.
  • Ackerfuchsschwanzstandorte kommen für Frühsaaten nicht in Frage. Hier stehen eine spätere Saatzeit und ein entsprechend angepasstes Herbizidmanagement im Vordergrund, um den Ackerfuchsschwanz ausreichend zu bekämpfen.
  • Für Weizen nach Weizen sollten ausgesprochene Frühsaaten vermieden werden, um einem möglichen Frühbefall mit Fußkrankheiten (zeitige Infektionen mit Schwarzbeinigkeit, Halmbruch und Halmgrundfusarien bei hohen Bodentemperaturen im Frühherbst) vorzubeugen.

Dr. Ulfried Obenauf

* Weiteres unter: http://lwksh.de/cms/index.php?id=1709

Stand: 01.07.2007