Aktuelle Ausgabe 02/2018

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Rund 92,0 Millionen Hektoliter Bier werden in Deutschland jährlich konsumiert. Ob ein Bier den Geschmack trifft, entscheidet der Verbraucher an der Theke, die Diskussion darüber, wie Qualität zu erreichen und zu halten ist, beginnt jedoch viel früher – bei der Sortenentscheidung und der Wahl des Anbaukonzeptes. In Deutschland ist die Sommerbraugerste bisher der traditionell eingesetzte Rohstoff. Das könnte sich aber bald ändern ...

„Die Sommergerste gerät unter Druck: Verursacht durch steigende Nachfragen aus Osteuropa, ein starker Konkurrenzdruck durch Energiefruchtarten, eine negative Flächenentwicklung sowie Witterungsschäden durch sich verändernde Klimabedingungen“, erläuterte Dr. Hans-Friedrich Finck, Geschäftsführer bei der SAATEN-UNION auf der diesjährigen Fachveranstaltung „Kompetenz in Braugerste“. Ob die Winterbraugerste eine interessante Option sein kann, um Versorgungslücken zu schließen – diese Frage stand im Mittelpunkt der Veranstaltung.

Verträge und Preise entscheiden
„Für Züchter und Landwirte ist es besonders wichtig, frühzeitig und verlässlich über den Bedarf an Braugerste informiert zu werden“, erläuterte Dr. Matthias Keßler, Produktmanager Braugerste bei der SAATEN-UNION. „Von der Verarbeiterseite sind die Signale für die Herbstaussaat 2007 zu spät gekommen. Dabei steht - wenn auch nur begrenzt – Saatgut für Winterbraugerste zur Verfügung, noch ist jedoch ungewiss, wie groß das Interesse des Marktes in den nächsten Jahren sein wird, diese Erntemengen aufzunehmen“, so die Einschätzung Keßlers.

Die Marktexperten konnten Keßler in diesem Punkt allerdings beruhigen. Die aktuelle Marktlage erläuterte Martin Holler von der ZG Karlsruhe, der für 2007/2008 mit einem EU-weiten Bedarf an Winterbraugerste von 2.345.000 Tonnen rechnet. In Deutschland wird die Nachfrage bei etwa 200.000 Tonnen liegen, die nur zu 50 % mit deutscher Ware gedeckt werden kann. „Zukünftig kann sich das Nachfragevolumen der Industrie aber weiter erhöhen, weil inzwischen moderne 2-zeilige Winterbraugersten mit verbesserten Malz- und Braueigenschaften zur Verfügung stehen. Für den Ausbau der Winterbraugerste ist aber ist die Zahlung einer angepassten Prämie auf den Futtergerstenpreis erforderlich, um Mindererträge und Anbaurisiken auszugleichen, außerdem frühzeitige Aussagen zu Vorvertragspreisen, Abnahmezusagen sowie erfüllbare Qualitätskriterien“

Bier aus Winterbraugerste schmeckt
An der Technischen Universität Weihenstephan wurden umfangreiche Untersuchungen durchgeführt, die die Eignung der Winterbraugerste für Mälzer und Brauer beleuchten sollten. Untersucht wurden die Sommergerste Scarlett und die Wintergersten Malwinta und Vanessa. Dr. Martina Gastl, Leiterin Malzlabor an der TU, erläuterte, dass bei den Malzmerkmalen Extrakt, Friabilimeter, Viskosität, Eiweißgehalt, Anthocyanogen und a-Amylase vergleichbare Ergebnisse ermittelt wurden. Bei den Eigenschaften phenolischer Substanzen, die den Geschmack des Bieres beeinflussen, konnte die Winterbraugerste punkten. „Wenn sich dieser vermeintliche Vorteil bestätigt, dann sollte die Akzeptanz durch die Brauer weiter steigen“, so ein Fazit der Wissenschaftlerin. Diese Aussage bekräftige auch der technische Berater der Mälzerei Durst Malz, Alfred Kroiher. „Aufgrund der Versorgungsengpässe bei der zurückliegenden Braugerstenernte und wegen mangelnder Qualitäten bei der Importware haben auch die Mälzereien ihre Aktivitäten im Bereich Winterbraugerste massiv verstärkt. Durch weiteren Züchtungsfortschritt kann es mit Hilfe der Winterbraugerste gelingen, die Braugerstenanbauflächen insgesamt langfristig zu sichern und wieder auszudehnen.“

Diese Einschätzung bestärkte aus Sicht des Handels Sönke Weich vom Handelsunternehmen Mackprang. Der Flächenrückgang bei Sommergerste, eine zunehmende Versorgungssicherheit durch versetzte Vegetationszeiträume sowie eine wachsende Akzeptanz aufgrund verbesserter Mälzungseigenschaften – das alles aber spricht für die Winterbraugerste.“

Friedericke Krick

Stand: 01.07.2007