Aktuelle Ausgabe 03/2018

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Die Preise für Rapssaaten konnten sich auch Mitte Juli 2006 erhöhen. In den ersten Frühdruschgebieten in Frankreich liegen die Ergebnisse der Ernte um fast 15 % bis 17 % unter denen des Vorjahres. Niedrigere Erntemengen werden jetzt allgemein erwartet. Die Kurse für Rapssaaten haben sich daraufhin für den Liefertermin ex Ernte 2006 auf 253,-  €/t franko Hamburg erhöht. Ob die Preise weiter nach oben gehen, darüber wird immer noch gesprochen.

Jan Peters
Jan Peters
Die Landwirte vor allem in den ostdeutschen Ländern haben zwischenzeitlich den Anker geworfen und einen Großteil ihrer Ernten in 2006 und auch schon in 2007 zu beachtlich guten Preisen verkauft. Waren diese Verkaufsaktionen richtig? Immerhin lagen die Verkaufspreise zuletzt auf einem hohen Niveau von regional über 240,- €/t und noch darüber. Dies sind im Grunde genommen Spitzenpreise, aber nach den Statistiken scheint es noch Luft nach oben zu geben.

Wegen der stark expandierenden Nachfrage für die Biodieselproduktion in der EU-25 kann die inländische Produktion nicht mehr Schritt halten. Schon jetzt sind bei normalen Erntebedingungen ab der Jahreshälfte 2006/07 nach Ansicht mancher internationaler Händler erneute Preissteigerungen für Ölsaaten und pflanzliche Öle absehbar. Die Erzeugung von Rapssaaten in der Europäischen Union steht im Zeichen von Expansion. Bereits im Jahre 2010, also in gerade einmal vier Jahren erwarten einige Rapszüchter, dass bei normalen Witterungsbedingungen die Erntemengen in der EU-25 auf bis zu 18,5 Mio. t Raps steigen. Diese Dynamik zeigt sich an den Zuwachsraten: Gegenüber der für 2006 prognostizierten Ernte der EU-25 wäre dies ein Anstieg um weitere 14 %. Vergleicht man die zu erwartende Erntemenge an Rapssaaten für das Jahr 2010 mit den Erntemengen von 2000 bis 2004 ist ein Zuwachs der Rapserzeugung in der EU-25 um über 50 % sehr wahrscheinlich. Nur mit diesem Produktionsanstieg kann die EU überhaupt ihre Versorgungsdefizite bei pflanzlichen Ölen und Fetten auffangen.

Stellt man die Erntemenge der zu erwartenden Verarbeitungskapazität gegenüber, so zeigt die Rapsbilanz für die kommende Saison 2006/07 ein Defizit bei der Versorgung von Rapssaaten. Ob die Ernte in der EU-25 2006 tatsächlich 16,2 Mio. t erreichen wird, muss abgewartet werden. Berichte über Fraßschäden durch eine resistente Glanzkäferart am Raps sorgen derzeit für Verunsicherung.

Bildquelle: praxisnah
Bildquelle: praxisnah
Feste Preise sind daher vor allem durch die weltweite Verknappung bei pflanzlichen Ölen zu erwarten. Hier könnte das Palmöl ins Spiel kommen. Da der Zuwachs in der Produktion von Palmöl weitaus geringer ist als die Nachfrage, zeichnen sich auch für die kommenden Wochen festere Preise ab. Hinzu kommen weltweit neue Investitionen wie z. B. der Neubau der 300.000 t ADM Palmölraffinerie am Hamburger Hafen, die zu einer stärkeren Nachfrage führen. Diese Investitionen werden vieler Orts getätigt und führen zu einer weiteren Nachfrage am Markt. In der EU-25 rechnen nicht wenige Händler mit einem höheren Import von Rapssaaten aus Drittländern. Die Importe in der EU-25 werden auf etwa eine Mio. t Rapssaaten geschätzt. Neben Australien, der Ukraine und Rumänien wird wohl auch Kanada als Lieferant von pflanzlichem Rapsöl in Erscheinung treten.

Dieses Rapsöl aus Kanada wird heute schon offenbar für die Herstellung von Biodiesel verwendet. Nicht nur hierzulande, sondern auch weltweit ist mit einem wachsenden Bedarf von Ölsaaten und Pflanzenölen im Energiesektor zu rechnen. Die Europäische Union, andere Staaten und vor allem die USA verfolgen derzeit ehrgeizige Pläne zum weiteren Ausbau der Energieträger aus pflanzlichen Rohstoffen. Dies gilt insbesondere für den Fall, dass der Mineralölpreis weiterhin auf einem Niveau von um die 70,00 US-Dollar/Barrel bleibt. Was ist aber, wenn die Rohölpreise mal wieder fallen? Eine Kehrtwende hin zu niedrigeren Rohölpreisen würde einhergehen mit Verlusten an den hiesigen Rapsmärkten. Deshalb ist Vorsicht und die genaue Beobachtung der Märkte unumgänglich. Zur Zeit stehen die Märkte allerdings auf Hausse, erneut anziehende Preise besonders ab der ersten Hälfte des kommenden Jahres 2007 sind nach den heutigen Marktfakten durchaus wahrscheinlich.

Stand 07. Juli 2006, Jan Peters

Stand: 01.07.2006