Aktuelle Ausgabe 02/2018

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Neue Sorten überzeugen dann, wenn sie richtig platziert und behandelt werden. Wie reagieren sie auf unterschiedliche Anbaumaßnahmen, Witterungsbedingungen oder Bodenunterschiede? Eignen sie sich auch als „Stoppelweizen“? Erste Antworten hierauf gibt die Wertprüfung des Bundessortenamtes. So auch bei den Neuzulassungen 2006 Mulan (B) und Skagen (E).

Sortenunterschiede Blattseptoria (LSV Eichhof 21. Juni 2006) SKAGEN E unbehandelt, kaum Spetoriabefall (Note 3)
Sortenunterschiede Blattseptoria (LSV Eichhof 21. Juni 2006) SKAGEN E unbehandelt, kaum Spetoriabefall (Note 3)
D
Vergleichssorte E, unbehandelt, starker Septoriabefall (Note 6)
Vergleichssorte E, unbehandelt, starker Septoriabefall (Note 6)
ie Zulassung der neuen Weizensorten im Frühjahr 2006 beruhte auf 48 Wertprüfungsergebnissen, mit den beiden Behandlungsvarianten also auf 96 „Umwelten“. Statistisch abzusichern sind die folgenden Trendrechnungen nicht, sie können jedoch dazu beitragen, neue Sorten schneller zu „verstehen“. Vergleichsbasis sind die offiziellen Verrechnungssorten Tommi (A), BATIS (A) und Drifter (B), außerdem wurden Bussard (E) und Certo (C) parallel mitgeprüft. Bei der Bewertung der Leistungsunterschiede ist die unterschiedliche Backqualität der Sorten zu berücksichtigen. Die Ergebnisse zu BATIS können – auf höherem Ertragsniveau – auf die jüngere A-Sorte Akratos (A) übertragen werden, die vom Züchter unter gleichen Prämissen entwickelt wurde.

Abb. 1: Ertragsstabilität SKAGEN und MULAN
Abb. 1: Ertragsstabilität SKAGEN und MULAN
Ertrag und Sicherheit (Abb. 1)
Sorten, deren Ertragsüberlegenheit vor allem bei hohem Ertragsniveau überzeugt, sind anders zu platzieren als Sorten, die eher unter ungünstigen Standortbedingungen überzeugen. Letzteres gilt z. B. für die Sorte SKAGEN. MULAN legt am meisten unter mittleren und günstigen Bedingungen zu. Hiermit verknüpft ist die Ertragsstabilität. Je besser eine Sorte Stress toleriert, umso geringer streuen die Kornerträge. Zum Vergleich ist deshalb in Abb. 1 hinter jedem Sortennamen die mittlere Ertragsstreuung um den Mittelwert ausgewiesen, der sogenannte „Variationskoeffizient (VK)“. Mit Abstand am ertragsstabilsten in dieser Auswertung zeigt sich SKAGEN, gefolgt von MULAN.

Abb. 2: Jahreseffekte WP 2003 – 2005
Abb. 2: Jahreseffekte WP 2003 – 2005
Klima und Witterung (Abb. 2)
Die Witterung des Extremjahres 2003 brachte Kahlfröste im Februar, gefolgt von Trockenheit und extreme Hitzewellen bis August. Die sehr winterharten und trockentoleranten Sorten MULAN und SKAGEN erreichten hier ihre höchsten Vergleichserträge. Die weniger robuste Sorte TOMMI erreichte mit sehr hohen Einzelährenerträgen immerhin noch mittlere Erträge.2004 stimmte fast alles. Die frühe Saat, der milde Winter und die lange Korneinlagerung führten zu einer ungewönlich langen Vegetationszeit, die neben hohen Bestandesdichten auch hohe Einzelährenerträge ermöglichte. Unter diesen Bedingungen überzeugten Tommi und Mulan mit Spitzenleistungen, der „Low-Input-Typ“ Skagen konnte bei diesem extrem hohen Ertragsniveau – bundesweit 100,1dt/ha – seine Stärken weniger ausspielen. 2005 waren insbesondere Sorten von Vorteil, die nach einem feuchten Mai und damit hohem Septoriadruck im TKM weniger stark abfielen. Gesunde Sorten lagen ertraglich auf hohem Niveau eng beieinander, anfällige Sorten fielen dagegen empfindlich ab. Mehrjährige regionale Ertragsabweichungen spiegeln die Sortenreaktion auf Klimaunterschiede wider. Die Sorte Mulan zeigt kaum Regionseffekte. Skagen hingegen bringt höchste Mehrleistungen in den klassischen E-Weizen-Regionen Ost, Süd- und Westdeutschlands.

Abb. 3: Intensitätseffekte WP 2003 – 2005
Abb. 3: Intensitätseffekte WP 2003 – 2005
Welche Anbauintensität lohnt (Abb. 3)
Die Wertprüfungen sind in einer intensiven Anbauvariante mit höherer N-Düngung und Fungizidbehandlung und einer Variante mit reduzierter N-Düngung und ohne Fungizideinsatz durchgeführt worden1). In der extensiven Stufe 1 fielen Tommi, Mulan und vor allem Skagen relativ weniger stark ab, die krankheitsanfällige Vergleichssorte am stärksten. Die Extensivstufe wird oft zu Unrecht als nicht praxisrelevant kritisiert. Tatsache ist: Sorten, die in Stufe 1 überzeugen, werden auch in der Praxis bei mangelnder N-Verfügbarkeit oder ungenügender Fungizidwirkung weniger enttäuschen und eignen sich häufig auch besser für Mulchsaatverfahren.

Abb. 4: Vorfruchteffekte WP 2003 – 2005
Abb. 4: Vorfruchteffekte WP 2003 – 2005
Vorfrucht und Bodenart (Abb. 4 und 5)
Tendenziell steigt die Überlegenheit von Mulan, Tommi und auch Skagen auf den guten Böden um gut 2%, umgekehrt verhält sich BATIS. Dies passt zu den langjährigen Erfahrungen mit diesem Sortentyp, der ebenso wie die Nachfolgesorte AKRATOS vom Züchter zusätzlich auf einem sandigen Prüfstandort bei Gifhorn selektiert wurden.
Auf etwa einem Drittel der Prüfstandorte stand als Vorfrucht Getreide. Dort schnitten die Sorte Mulan wie auch Certo und Drifter um 2–3% besser ab als nach Blattvorfrucht. Tommi und Skagen fielen dagegen im Mittel um 1 - 2% ab. Sortenspezifische Aussagen zur „Stoppelweizeneignung“ sind aus dieser schmalen Datenbasis jedoch nur vorsichtig abzuleiten, wie übrigens auch aus speziell angelegten Versuchen zu dieser Fragestellung. Denn bei Getreidevorfrucht treten neben dem höheren Halmbruchdruck u.U. weitere Stressoren auf, so dass je nach Situation unterschiedlichste Krankheitsresistenzen oder vorrangig die Wüchsigkeit und Wurzelentwicklung gefordert sind. So zeigen Versuchsreihen selten über Jahre gleichsinnige Sortenreaktionen, wichtiger sind angepasste Anbaumaßnahmen.

Abb. 5: Bodeneffekte WP 2003 – 2005
Abb. 5: Bodeneffekte WP 2003 – 2005
Protein und Fallzahl
Weil die Pflanze für die Synthese von 1g Protein etwa dreimal mehr Energie investieren muss als für die Bildung von 1g Stärke, besteht eine negative Beziehung zwischen Proteingehalt (nicht Backqualität!) und Kornertrag. Zwischen den Sorten sind erhebliche Unterschiede in der Proteinstabilität zu erkennen, die bei Verteilung der N-Düngung zu berücksichtigen sind. So sind Skagen und Tommi beide gleich hoch im Proteingehalt eingestuft. Skagen (E) zeigt jedoch wie auch die BATIS (A) über das gesamte Ertragsspektrum stabil hohe RP-Gehalte, während bei der ertragsbetonteren A-Sorte Tommi mit steigenden Erträgen eine stärkere Proteinverdünnung festzustellen ist. Ähnliches gilt für den Vergleich der B-Sorten Mulan und Drifter, wo Mulan – bei wesentlich höherer Ertragsleistung – stabilere Proteinwerte erwarten lässt.

Sven Böse

 

Fazit: Die neuen Sorten MULAN (B) und SKAGEN (E) reagieren unterschiedlich auf verschiedene Anbausituationen. Ein intelligentes Sortenportfolio baut auf Sorten mit sich ergänzenden Merkmalsprofilen. Im Folgenden sind interessante jüngere Sorten kurz charakterisiert:

Neue Weizensorten für die Aussaat 2006

Trockentoleranz MULAN, Langenstein, Böhnshausen 5.7.06
Trockentoleranz MULAN, Langenstein, Böhnshausen 5.7.06
MULAN (B): Winterhart und frühreif bei mittlerer Strohlänge und europaweit herausragender Ertragsleistung und Ertragstabiltät. Bei gezielter Einkürzung eignet sich der mittel standfeste Bestandesdichte-Typ als Allroundsorte für alle Anbauregionen, Saatzeiten und Vorfrüchte.

SKAGEN (E): Sehr winterharter und auswuchsfester Eliteweizen mit viel besserer Gesundheit als Wettbewerbssorten (Blattseptoria „3“!). Herausragende Ertrags- und Fallzahlstabilität. Besonders geeignet auch für die kontinentalen und strahlungsreichen Anbauregionen Ost- und Süddeutschlands.

ZULASSUNG 2005
TUAREG (A): Herausragende Kombination höchster Ertragsleistung (9/9) mit A-Qualität und Blattgesundheit (auch Blattseptoria!). Sehr vitale Allroundsorte für nord- und ostdeutsche Standorte und Anbauverfahren, ohne allzu hohen Fusariumdruck (Vorfrucht!).
TORRILD (A): Kürzerer Korndichtetyp mittlerer Reife mit hoher Ertragsleistung (8/7) und Winterfestigkeit. Ausgezeichnete A(7)-Qualität mit besten Vermarktungseigenschaften (Protein 6, Fallzahl 8, Sedi 8). TORRILD steht am besten zeitig gesät nach Blattfrüchten.

Stand: 01.07.2006